Alles verschlüsselt: Sichere E-Mail-Anbieter in Deutschland

Marco Kratzenberg
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Nachdem mittlerweile bekannt ist, dass der amerikanische Geheimdienst täglich mehrere Millionen E-Mails  automatisch mitlesen lässt, werden selbst geduldige Zeitgenossen nervös. Wer bietet in Deutschland wirklich sichere E-Mail-Konten?

Alles verschlüsselt: Sichere E-Mail-Anbieter in Deutschland

Die Antwort auf diese Frage ist nicht leicht. Denn prinzipiell existiert zwar eine Möglichkeit, sichere E-Mails zu versenden, doch wird sie häufig nicht oder nicht vollständig genutzt. Das fängt bei den Mailanbietern an und endet auf dem heimischen PC. Generell muss man eigentlich schon mal berücksichtigen, dass für alle Server in den USA der “Patriot Act” gilt. Dieser Freifahrtsschein für die Geheimdienste sorgt dafür, dass diese Server jederzeit beschlagnahmt und untersucht werden können. Wenn es also um Sicherheit der Emailkonten geht, fallen Anbieter wie Google oder Microsoft schon mal komplett weg. Und wie mittlerweile bekannt wurde, hat die Telekom bereits vor dem Anschlag auf das World Trade Center ein Abkommen mit dem FBI getroffen, das dem Geheimdienst weitreichenden Datenzugriff gewährt.

Kann es sichere E-Mail-Anbieter überhaupt geben?

Wir müssen uns also als Serverstandort Länder suchen, in denen die USA nicht frei schalten und walten können. Deutschland sollte theoretisch so ein Land sein. Wenn die Mailserver verschlüsselt sind und die Datenübertragung auch, braucht es schon einen richterlichen Beschluss, um an Daten zu kommen. Und der wird nach wie vor nicht auf Zuruf erteilt. Es müssen bereits Beweise vorliegen, bevor eine solche Anordnung zur weiteren Untersuchung erteilt wird. Das sind also eigentlich gute Voraussetzungen dafür, in Deutschland einen sicheren Emailverkehr zu etablieren. Entsprechende Verschlüsselungsstandards gibt es auch. Woran scheitert es also?

Für die meisten deutschen Anbieter kostenlose E-Mail -Adressen ist blinder Gehorsam einfach bequemer, als sich für einen (nichts zahlenden) Kunden mit den Behörden anzulegen. Bei einigen soll da schon ein Brief vom BKA ausreichen, um freiwillig alle Daten zu übersenden. Doch geht es den meisten Menschen ja nicht darum, mittels sicherer E-Mail Verbrechen zu verschleiern. Wir wollen einfach das Gefühl haben, dass nicht jeder einfach unsere privatesten Gedanken und Äußerungen mitlesen kann.

Inhaber eines Googlemail-Kontos wissen, dass der Suchmaschinenanbieter die Inhalte ihrer E-Mails automatisiert scannt und daraus dann thematisch mehr oder minder passende Werbung erzeugt. Dem hat man bei der Anmeldung zugestimmt. Es kann also passieren – etwas überspitzt ausgedrückt -, dass wir Werbung für Erwachsenenwindeln bekommen, weil uns eine Freundin über die Inkontinenzprobleme ihres Großvaters berichtet. Auch wenn das sicher kein Angestellter von Google jemals lesen wird, ein komisches Gefühl stellt sich doch ein. Denn daraus wird ein Benutzerprofil erstellt und auf den nächsten Webseiten verfolgen mich die Windeln! Bei den Freemail-Anbietern ist auch nichts “free”. Wir zahlen mit unseren Daten und den Inhalten unserer Mails.

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