Kamasutra in den App Stores: Stellungskämpfe, Haarspaltereien, Rauswürfe

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“Apple hasst Brünette”, betiteln die Entwickler von iKamasutra einen Eintrag in ihrem Blog. Ihre Nachhilfe für das Schlafzimmer ging Apple zu weit. Das Unternehmen hat die Anwendung zur Freude der Konkurrenz aus dem App Store entfernt. Ein interessantes und kurioses Beispiel, wie es hinter den Kulissen zugehen kann.

Kamasutra in den App Stores: Stellungskämpfe, Haarspaltereien, Rauswürfe

iKamasutra ist nicht irgendeine App um die indische Liebeskunst. Laut Entwickler gebe es die stattliche Anzahl von 13 Millionen Nutzern (wohl eher: Käufern). Der Titel sei einer der ersten Anwendungen seiner Art gewesen.

Seit 20. Februar 2012 gibt es die Anwendung nicht mehr im App Store für iPhone, iPod touch und iPad. Nach Aussage von iKamasutra hat sie Apple entfernt. Nicht, weil das Thema Kamasutra grundsätzlich zu sexuell ist, sondern angeblich wegen Details. Apps der Konkurrenz zum selben Thema sind weiterhin gelistet.

Gesichtskontrolle vor dem App Store

Dazu muss man wissen: Apple ist der Torwächter seines Download-Shops. Jede Anwendung wird vor Aufnahme in den App Store geprüft. Und wer es nicht in den App Store schafft, schafft es nicht auf die iPhones, iPod touch und iPads dieser Welt. So lauten die Spielregeln in der Apple-Welt. Den nur über den originalen Apple-Laden können kostenlose und kostenpflichtige Anwendungen auf die iOS-Geräte gespielt werden. (Nur wer sein iPhone mit einem Jailbreak zu “hacken” wagt, kann auch nicht genehmigte Apps installieren.)

Welche Anwendungen werden in den App Store aufgenommen, welche nicht? Um diese Frage zu beantworten, hat Apple Richtlinien veröffentlicht. Doch die genauen Entscheidungsprozesse weiß nur Apple selbst. Die Folge: In den letzten Jahren kam es schon öfters zu Verstimmungen zwischen Herausgebern und dem Store-Betreiber.

Der Elektronikkonzern möchte mit der Überwachung die Zahl der Furz-Apps, der Diskriminierungen, der Nachahmungen, des Software-Mülls in Grenzen halten.

Haarspaltereien um den Rauswurf

Pornografie hat im App Store von Apple nichts zu suchen, das erklärt Paragraph 18 der Richtlinien. iKamasutra ist laut Informationen der Entwickler aber nicht deswegen aus dem Store geflogen. Das Logo soll zu anrüchig und die Abbildungen in der App mit zu vielen Details versehen gewesen sein. Nein, Details meint hier: “speziell die braune Haarfarbe und Gesichtsmerkmale“, so schreiben es die Entwickler auf ihrem Blog.

Unangenehme, aber lösbare Probleme. Das iKamasutra-Team entschärft das Logo, löscht die Haarfarbe und manch Körperkonturen der 460 Illustrationen gleich dazu.

Trotzdem: Auch die neue Version lehnt Apple ab.

Doch jetzt geht es nicht mehr um Haarfarb-Spaltereien. Die unglaubliche Begründung sei zuletzt gewesen: “Apps, die andere Apps aus dem App Store lediglich duplizieren, werden zurückgewiesen. Dies geschieht besonders dann, wenn wenn es viele davon gibt, wie es bei Furz-, Rülps-, Taschenlampen- oder Kamasutra-Apps der Fall ist.”

Die Entwickler sind empört: “Unsere Inhalte und Illustrationen wurden exklusiv für diese App angefertigt.” Zudem sei die Anwendung ja eine ersten der ihrer Art im App Store gewesen – nur eben rausgeflogen.

Die Konkurrenz schläft nicht

Über Jahre hinweg wurde der Kamasutra-Klassiker aktualisiert, doch seit Februar bis heute hat es die App nicht wieder in den Store zurück geschafft.

Zur Freude der Konkurrenz: hat promt das eigene Icon umgestaltet, und zwar so, dass es jetzt iKamasutra zum Verwechseln ähnlich sieht (rechts). Die Beinstellung ist so deutlich wie bei iKamasutra. Lediglich Gesicht und Haare sind nicht so detailliert – hier hat es eine App wohl um Haaresbreite in den Store geschafft.

Der Rauswurf, die Imitation, der Plagiatsvorwurf – nach dieser Darstellung hätte es für iKamasutra eigentlich gar nicht dümmer kommen können.

Androide Ähnlichkeiten

Doch iKamasutra hat nicht nur mit Apple seine liebe Not. Auch im Android-Bereich muss das Team kämpfen. Google hat die Anwendung im März aus dem Google Play Store aufgrund der sexuellen Inhalte geworfen. Die Entwickler durften jedoch eine neue Version veröffentlichen, die weniger Details enthält. Im androiden Bereich war die App bislang freizügiger als in der Variante für den App Store. “Jetzt sieht die Android-App so aus wie die neue iOS-Version”, erklären die Entwickler.

Keine Anstalten macht dagegen Amazon in seinem Android-Appstore. Hier sind die Haare noch braun, die Gesichter mit Augen und Mund bestückt und die Rücken schlank geschwungen. Noch eine App-Version mehr, die die Entwickler betreuen müssen.

Ende vom Lied: Klarheit erwünscht

App-Entwicklern ist bekannt, dass sie sich bei sexuellen Themen auf dünnes Eis begeben. Die Tablet-Hersteller versuchen, schmutzige Inhalte möglichst von ihren Geräten und aus den Stores fernzuhalten (wenngleich jeder Browser eine potentielle Schmuddelquelle sein kann…). Eine Ablehnung derartiger Anwendungen aus dem App Store dürfte also keinen verwundern.

iKamasutra sagt hierzu, dass sie keine Probleme mit den Richtlinien der Software-Shops hätten, sondern vielmehr mit der Kommunikation. Sie bitten deshalb ihre Anhänger, an Apple zu schreiben und mitzuteilen, warum sie die App mögen.

Und was bedeuten die Sperrungen für Geräte-Besitzer wie unsereinen? Es erinnert uns daran, dass die Elektronikkonzerne eine Vorauswahl getroffen haben, welche Apps wir nutzen dürfen und welche nicht. Das kann man skandalös, aber auch sinnvoll finden.

Und: Wer sich für Kamasutra interessiert, greift am besten . Hier dürfen Haare braun und Gesichter mit Gesicht abgebildet sein.

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