Das BlackBerry Priv ist da und als erstes echtes Android-Smartphone der Kanadier mit seiner Slider-Tastatur und vielen spannenden Software-Features eines der interessantesten Smartphones derzeit. Aber ist es auch das Beste? Dem gehen wir im Testbericht zum Priv auf den Grund.

BlackBerry Priv: Testbericht
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Das Priv wurde uns leihweise von der Firma BlackBerry zur Verfügung gestellt, wir haben es über einen Zeitraum von drei Wochen getestet. Zum Start des Testzeitraums kam die auf Android 5.1.1 Lollipop basierende Firmware AAC724 zum Einsatz, nach zwei OTA-Updates verblieb die Android-Version auf 5.1.1, die Firmware lautete die Build-Nummer AAD250.

Meine Güte, was trifft hier alles aufeinander: Der strauchelnde Konzern BlackBerry auf das zuletzt in Sachen Innovation stagnierende Android-Ökosystem, Hardware-Tastatur auf High-End-Phablet, Business-Nutzung auf Tastatur-Nostalgie der Prä-iPhone-Ära – schon bei den ersten Gerüchten um das Priv ließ sich erahnen, dass dieses Telefon polarisieren wird. Eine Ahnung, die das Gerät bestätigte, als es endlich in unseren Händen lag.

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Das Erlebnis bei der Nutzung des BlackBerry Priv dürfte stark davon abhängen, ob man vorher ein reiner Android-Nutzer war oder Erfahrungen mit BlackBerry-Geräten hatte. Denn der Fokus von BlackBerry auf Business-Kunden und deren besondere Anforderungen an Produktivität und Sicherheit ist einer, den Android-Geräte bislang höchstens im Ansatz erfüllen konnten. Im Umkehrschluss wissen Android-Nutzer ebenjene Erweiterungen möglicherweise gar nicht zu schätzen. Nun gut, vielleicht kann das mittlerweile verfügbare Priv ja auch einen „Lehrauftrag“ wahrnehmen und diese beiden Zielgruppen endlich vereinen.

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Das Priv besitzt ein AMOLED-Display mit der WQHD-Auflösung von 2.560 x 1.440 Pixeln auf einer Diagonale von 5,4 Zoll. Rechnerisch ergibt das eine Pixeldichte von 544 ppi, die Schärfe wird nominell aber durch die verwendete PenTile-Subpixelmatrix etwas verringert. Ob PenTile oder RGB-Matrix macht im Bereich von Pixeldichten von weit über 300 ppi aber praktisch keinen Unterschied, denn das Display bietet ein messerscharfes Bild – so oder so. Die Vorteile von AMOLED-Panels sind hinlänglich bekannt, Nachteile gibt es mittlerweile kaum noch – BlackBerry verwendet hier mutmaßlich ein Samsung-Panel der neuesten Generation, wie sie auch in den aktuellen Geräten der Galaxy S6-Reihe verbaut sind. Natürlich ist das knallige Farbbild nicht jedermanns Sache, trotzdem handelt es sich um eines der besten Panels am Markt: Hohe Maximalhelligkeit, ein tiefes, „echtes“ Schwarz, hohe Blickwinkelstabilität und satte Farben zeichnen es aus – allenfalls ein leichter Blaustich fällt auf, wenn man das Display zu stark neigt oder kippt. Gut gefallen hat uns, wie sich das Schwarz des Displays in das Gesamtbild der Front einfügt. Die Software-Buttons und die Benachrichtigungsleiste wirken, wenn sie Schwarz unterlegt sind, auf den ersten Blick fast wie ein Teil des Gehäuses.

BlackBerry Priv im Unboxing-Video

BlackBerry PRIV im Unboxing und Hands-On
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Genau wie bei Samsungs edge-Geräten ist das Displayglas links und rechts nach unten gebogen. Dabei ist der Screen selbst allerdings – weniger gar noch als beim Galaxy S6 edge – nur ein winziges Stück gebogen, der deutlich größere Teil der Krümmung ist der schwarze Rand (Bezel) neben dem Display. Das ist durchaus ein Vorteil, denn auf diese Weise überlagern die bei einem gebogenen Display zwangsläufig auftretenden Lichtreflexionen nicht das Display-Bild. Notwendig wären die Krümmungen aber nicht: Wie auch bei den Samsung-Geräten sind sie in erster Linie ein Design-Merkmal, weisen abgesehen davon jedoch keinen funktionalen Mehrwert auf.

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Über dem Display sieht man das klassische BlackBerry-Logo, darüber den horizontalen, leicht trapezförmigen Hörergrill. Rechts daneben ist die farbige Benachrichtigungs-LED zu sehen, die alles andere als dezent leuchtet – eine Reminiszenz an die klassischen BlackBerry-Geräte. Trotzdem wäre uns ein sanftes Pulsieren lieber gewesen als das obszöne Blinken. Daneben liegt auch die Frontkamera.

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Unter dem Display prangt ein breiter Grill aus gummiertem Plastik, unter dem sowohl Haupt-Mikrofon als auch der mittelmäßig klingende Monolautsprecher positioniert sind. In diesem Grill lagern sich recht schnell Schmutzpartikel ab, die zu entfernen leider fast unmöglich ist.

Auf der Oberseite, genauer gesagt auf der vorderen Seite, in der sich das Display befindet, finden wir die Slots für nano-SIM und microSD-Karte, unten den althergebrachten microSD-Port und auf der Unterseite ganz rechts die 3,5 mm-Klinkenbuchse.

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Im Profil von unten oder oben betrachtet wirkt das BlackBerry Priv beinahe oval. Deswegen und aufgrund des aufgesetzten Displays erinnert es ein wenig an einige alte Nokia-Lumia-Geräte, etwa das Nokia Lumia 735. Uns gefällt das gut – anders als beispielsweise das auf der Rückseite relativ flache Samsung Galaxy S6 edge lässt sich das BlackBerry ohne Hakeleien stets leicht von einer glatten Fläche aufheben, etwa einem Glastisch. Das Design erfüllt aber auch einen weiteren, für das Priv elementaren Zweck: Wenn man das Gerät an der deutlich erfühlbaren Metallkante am unteren Bildschirmrand leicht nach oben schiebt, schnellt mit einem durchaus befriedigenden „Ratsch“-Geräusch die Hardware-Tastatur hervor, die sich mit einem ebenfalls befriedigenden „Klack“-Geräusch auch wieder einziehen lässt.

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Die Tastatur ist eine bemerkenswerte Konstruktionsleistung, denn obwohl Display, Tastatur und ein relativ großer Akku praktisch untereinander platziert sind, ist das das Gerät in Anbetracht dessen nicht zu dick. Wobei diese Aussage relativ zu betrachten ist. Denn mit einem durch seine Schlankheit betörenden Gerät wie dem Huawei Mate S kann das Priv trotz kleinerem Display in Sachen Tragekomfort in keiner Weise mithalten. Der Blackberry-Slider ist klobig, da gibt es kein Vertun. Ohne den Einsatz einer zweiten Hand kann man beispielsweise die Benachrichtigungen höchstens unter größeren Handverrenkungen herunterziehen.

Einhandbediener werden auch unnötig durch den komplett missratenen Powerbutton eingeschränkt: Der liegt zum einen auf der linken Seite, ist zum zweiten deutlich zu hoch platziert, drittens einhändig praktisch kaum ertastbar und besitzt viertens einen absolut unbefriedigenden Druckpunkt – in der rechten Hand gehalten ist das Drücken des Buttons folglich nur mit größter Mühe möglich. Nun unterstützt das Priv Double-Tap-to Wake und das automatische Einschalten des Displays, wenn das Gerät in die Hand genommen wird. Trotzdem haben wir eine so schlechte Power-Button-Erfahrung zuletzt vor knapp zwei Jahren beim HTC One (M8) erlebt.

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Die Lautstärke-Buttons rechts sind dank guter Positionierung und weil sie leicht herausragen etwas besser, der zwischen „Lauter“ und „Leiser“ liegende Mute-Button nervt aber schon wieder, weil der die Lautstärkeregelung während eines Gespräches deutlich erschwert und die Taste in ihrer Kernfunktion in unserem Test höchstens erratisch funktioniert hat. Uns bleibt abschließend nur die Frage zu stellen, warum die Gerätedesigner von BlackBerry es nicht schaffen, ihren reichhaltigen Erfahrungsschatz in Sachen Hardware-Tastaturen auf die normalen Gerätetasten umzulegen.

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Ein weiterer wesentlicher, wenn nicht sogar der wichtigste Kritikpunkt ist die Verarbeitung des Priv. Grundsätzlich heißen wir die Entscheidung gut, das Gerät auf der Rückseite mit Kevlar zu beschichten, da das Gerät damit relativ rutschfest ist. Leider liegt diese Schicht nur dünn auf und führt dazu, dass man die Rückseite rechts unter dem BlackBerry-Logo leicht eindrücken kann. Schlimmer wiegt noch, dass sich bei unserem Testgerät bereits am dritten Nutzungstag die Plastikschale auf der linken Seite gelöst hat, sodass man diese mit einem Fingernagel leicht nach hinten stülpen konnte. Das klingt dramatischer als es ist, führt aber dank der fehlenden mechanischen Verbindung zwischen Tastaturteil und äußerem Rahmen dazu, dass das Gerät stets leicht quietscht, wenn man an der Unterseite leichten seitlichen Druck ausübt. Und das ist fast jedes Mal der Fall, wenn man das BlackBerry Priv in die Hand nimmt, womit man praktisch ständig an die Imperfektion des Gerätes erinnert wird. Da gibt es nichts zu relativieren: Ein solcher Verarbeitungsmangel darf bei einem Gerät, das über 700 Euro kostet, nicht auftreten.

Positiv zu erwähnen ist die Kamera auf der Rückseite. Diese ragt zwar leicht aus dem Gerät heraus, ist aber so solide verarbeitet, dass sie zumindest nach drei Wochen keine Kratzer aufweist. Dank der zentrierten Position wackelt das Gerät auch dann nicht, wenn es auf ebenen Flächen liegt.

Unterm Strich würden wir dem BlackBerry Priv gerne ein besseres Zeugnis in Sachen Handling und Design verleihen, denn das Gerät transportiert Eigenständigkeit und Understatement — aber insbesondere die massiven Verarbeitungsmängel und die enttäuschenden Buttons an der Seite trüben das Bild massiv.

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Die Tastatur im BlackBerry Priv

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Womit wir zu einem der wichtigsten, wenn nicht dem wichtigsten, Alleinstellungsmerkmal des BlackBerry Priv kommen. Seit dem nur in den USA erhältlichen DROID 4 von Verizon und Motorola gab es kein High-End-Smartphone im Android-Lager mehr, das mit einer Hardware-Tastatur ausgestattet war. Und dieses Gerät wurde Anfang 2012, also vor fast 4 Jahren vorgestellt. Fans von Hardware-Tastaturen gibt es freilich immer noch: In den Kommentarbereichen, Foren und Social Media-Abteilungen einschlägiger Seiten äußern sich Fans auch heute noch nostalgisch, wenn es um Geräte wie das HTC Dream/G1, HTC Desire Z und Motorola Milestone 1 und 2 geht. Endlich gibt es mit dem Priv also ein Gerät, das den viel zu lange ungehört gebliebenen Wunsch nach Smartphones mit echter Tastatur erhört. Aber setzt das Priv diesen Wunsch auch gut um?

Ich selbst brauche, das führte mir das Priv vor Augen, keine echte Tastatur. Dafür sind Software-Tastaturen in der Entwicklung der letzten Jahre zu weit gediehen; insbesondere mit der SwiftKey-Tastatur kann ich schnell und zuverlässig schreiben, aber auch Fleksy und Swype haben in der GIGA ANDROID-Redaktion beinharte Fans. Ich war trotzdem neugierig, ob mir das Priv-Keyboard eine haptische Tipp-Erfahrung wieder schmackhaft machen konnte.

Um es kurz zu machen: Sie konnte es nicht. Das mag einerseits an mir und meinen über die Jahre manifest gewordenen Texteingabe-Gewohnheiten am Smartphone liegen, hat aber andererseits auch mit der Umsetzung der Tastatur im Priv zu tun. Die Tasten besitzen tolle Druckpunkte, sind mir persönlich aber einfach zu klein. Insbesondere die mühselige Eingabe von Umlauten, Ziffern und Großbuchstaben erfordert mir zu viel Gewöhnungsaufwand, um schnell und effektiv zu schreiben, auch die oberste Reihe der Tasten liegt mir zu nahe am Rand der „Tastaturmulde“, als dass ich sie problemlos im Schreibfluss drücken kann. Jemand, der bereit ist, ein wenig Lernaufwand hineinzustecken, mag hier mehr Erfolg haben – ich habe nach einigen kurzen Schreib-Experimenten davon abgesehen, die Tastatur zu verwenden.

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Die Hardware-Tastatur im Priv hat trotzdem auch für mich ein paar alltagsrelevante Tricks auf Lager. Insbesondere die Tatsache, dass man sie als Trackpad verwenden und damit in nahezu allen Apps und über den Homescreen scrollen kann, ist genial. Kurios, aber kein Fehler von BlackBerry: In allen Apps muss man nach oben wischen um nach unten zu scrollen, nur die Facebook-App implementiert das umgekehrt. Schade, dass es aktuell noch keine Möglichkeit gibt, Pinch-to-Zoom-Gesten auf dem Trackpad auszuführen. Abgesehen davon ist das eigentlich sekundäre Feature in meinen Augen aber vollkommen sinnvoll und für mich Haupteinsatzzweck der Tastatur. Überhaupt: Der freie Blick auf den Bildschirm wird gemeinhin unterschätzt – hier dürfen Hardwarehersteller gerne mal ein paar neue Ideen entwickeln.

Ebenfalls nützlich ist die Möglichkeit, Shortcuts auf die Tastaturtasten zu legen, die immer dann zum Einsatz kommen können, wenn man sich gerade in keinem Textfeld befindet. So kann man sowohl Kurz- als auch Langdruck so konfigurieren, dass Apps damit schnell geöffnet werden können. Eine weitere nützliche Geste ist die des schnellen Rücklöschens ganzer Wörter, wenn man denn die Tastatur zum Tippen verwendet. Eine schnelle Wischbewegung nach links und das letzte Wort wird gelöscht – die Geste funktioniert aber auch in der Software-Tastatur.

Ein kleiner Tipp für Nutzer der Tastatur: Auf dieser lagern sich schnell Staub und winzige Schmutzpartikel an. Wer die Tasten regelmäßig mit einer weichen Zahnbürste reinigt, kann das zuverlässig verhindern.

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Die Software im BlackBerry Priv

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BlackBerry vereint grob zwei Ansätze in der Software des Priv: Zum einen will man „das Rad nicht neu erfinden“ – der Konzern setzt beim Priv im Kern auf ein naturbelassenes Android 5.1.1, reichert dieses aber mit allerlei neuen und erweiterten Funktionen an. Zum anderen setzt BlackBerry stark auf Sicherheit und härtet das System in jeder erdenklichen Hinsicht gegen Angriffe ab, sodass das Priv auch die beispielsweise für den Einsatz durch hohe Beamte und Regierungsmitarbeiter notwendigen Zertifikate erhält.

Der größte Teil dieser Sicherheitsänderungen finden sich tief im System verankert und für den Nutzer nicht einsehbar. So sichert BlackBerry beispielsweise den Kernel gegen Modifikationen ab und verhindert so, dass sich Malware und Rootkits installieren lassen. Negativer Seiteneffekt für manchen Android-Fan ist, dass es relativ schwer sein dürfte, systemnahe Modifikationen wie Root-Kernels oder gar Custom ROMs einzuspielen – ob es gänzlich unmöglich ist, bleibt abzuwarten; bislang ist es darum aber still in den einschlägigen Foren. Immerhin sorgt der Security-Fokus dafür, dass BlackBerry regelmäßige Updates gegen aktuelle Bedrohungen verspricht – im Testzeitraum kam eines an. Auch das Update auf Android 6.0 Marshmallow soll dem Konzern zufolge schnell fertiggestellt werden.

In Sachen Funktionalität gibt es viel zu entdecken. Und auch, wenn es sich im Wesentlichen um ein Stock-Android handelt, bietet die Oberfläche des BlackBerry Priv einige Komfortfeatures, die teils deutlich von anderen Herstelleroberflächen, teils auch von Alternativ-Launchern inspiriert sind. Hier eine Auswahl:

Die vorinstallierte DTEK-App gibt dem Nutzer einen groben Überblick, wie abgesichert das Smartphone aktuell ist. Hier wird übersichtlich angezeigt, ob das Dateisystem verschlüsselt ist, wie sicher das Entsperrmuster ist, ob Entwickleroptionen aktiviert sind, die Installation von Apps aus anderen Quellen als dem Play Store möglich ist und dergleichen.

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Besonders nützlich ist die „Apps“-Anzeige. Hier kann man nicht nur prüfen, von welchen sicherheitskritischen Berechtigungen – also Zugriff auf Kontakte, das Mikrofon oder die geographische Position des Nutzers – die installierten Apps Gebrauch machen. Gleichermaßen erlaubt DTEK auch übersichtlich einzusehen, wie oft, wie viele und sogar welche Daten Apps eingefordert haben. Ein Beispiel: Ich sehe in der Übersicht, dass die Facebook-App Zugriff auf meinen Ort verlangt, die Details verraten mir sogar, dass Facebook in den vergangenen 7 Tagen üppige 435-mal meine Position angefordert hat und wo ich mich dabei jeweils befunden habe. Das ist mitunter ziemlich aufschlussreich, nicht nur aus datenschutztechnischer Hinsicht, sondern auch, was den Akkuverbrauch angeht. Lediglich das Blockieren der entsprechenden App-Berechtigungen ist noch nicht möglich; wir sind gespannt, wie BlackBerry dieses Feature mit dem verbesserten Berechtigungsmanagement in Android 6.0 vermählt, wenn das Update verteilt wird. Lobenswert ist überhaupt die Tatsache, dass BlackBerry einen Großteil der System-Apps über den Play Store aktualisiert.

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Über einen Langdruck auf die Home-Schaltfläche lässt sich nicht nur Google Now starten, sondern auch weitere Apps. Standardmäßig sind hier die Universelle Suche (Wischen nach links) und der BlackBerry Hub (Wischen nach rechts) aktiv.

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Universelle Suche: Über diese lassen sich sowohl Apps als auch Kontakte, Mails, Browserverläufe, Kalendereinträge und mehr durchsuchen und direkt aufrufen – mächtig.

BlackBerry Hub: Die vom BlackBerry OS bekannte App soll als zentrale Schaltzentrale für Mails, Social-Media-Benachrichtigungen, Termine, Anrufe und Aufgaben dienen – sozusagen eine universelle To-Do-Liste, bei der man Einträge auch archivieren oder schlicht auf später verschieben kann. Im Test habe ich den Hub zwar ausprobiert, für mich aber keinen Mehrwert gegenüber dezidierten Apps entdeckt. Nutzer früherer BlackBerry-Geräte werden die App aber vermutlich willkommen heißen.

BBM: BlackBerrys Messaging-Service ist natürlich ebenfalls mit an Bord. Ich entschied mich gegen die Nutzung, da ich bereits WhatsApp, Hangouts und den Facebook Messenger in Benutzung habe. Trotzdem fragte die App immer wieder danach, ob ich mir einen Account einrichten wollte. Diese nicht deaktivierbare Benachrichtigung nervte mich so sehr, dass ich die App schließlich komplett deaktivieren musste.

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Filterbare Benachrichtigungen: BlackBerry hat eines der größten Probleme von Android dieser Tage identifiziert, nämlich den Overkill an Benachrichtigungen, den man heutzutage erdulden muss. Um zumindest eine bessere Übersicht zu erhalten, können die Benachrichtigungen durch zusätzliche Schaltflächen nach App gefiltert werden.

Hot Edge: Wie schon bei Samsungs edge-Geräten kann man am BlackBerry Priv wichtige aktuelle Information und Verknüpfungen zu häufig gebrauchten Apps und Funktionen durch eine Wischbewegung von der Seite anzeigen lassen – seien es bevorstehende Termine, Aufgaben, Einträge aus dem BlackBerry Hub oder wichtige Kontakte, die man schnell anrufen kann.

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Launcher: Cool ist, dass man durch einen Tap auf die Homescreen-Indikatoren unten schnell auf den gewünschten Screen wechseln kann. Ebenfalls praktisch: Wie vom Action Launcher bekannt kann man zugehörige Widgets von Apps durch eine Wischbewegung vom Homescreen-Icon nach oben in einem Popup-Fenster öffnen (siehe Screenshots rechts: Wir haben das Spotify-Widget geöffnet, indem wir von dessen Homescreen-Icon nach oben gewischt haben). Poweruser-Features wie das Anlegen von App-Activities als Widget (Screenshot links, erreichbar über das Menü zur Widget-Erstellung) oder die Nutzung von Icon Packs, und zwar die Standard-Icon Packs aus Custom Launchern, sind hier bereits im Launcher integriert. Das finden wir klasse, andere Hersteller dürfen sich an diesen Features gern ein Beispiel nehmen.

Auch die Software-Tastatur hat ein paar Tricks. Während die Tastaturen anderer Hersteller in der Regel auf der Technik von Swype oder SwiftKey beruhen, ist diese eine Eigenentwicklung von BlackBerry. Zwar fehlt eine Wischeingabe à la Swype; was uns aber gut gefallen hat, sind die Wortvorschläge, die man über kurze Wischbewegungen direkt von den zu drückenden Buchstaben übernehmen kann. Auch die Rücklösch-Funktion für ganze Wörter per kurzem Wischen nach links ist hier genau wie auf der Hardware-Tastatur integriert, diese prägt sich schnell ein und wurde von uns häufig verwendet.

Standardmäßig ist die Übersicht der geöffneten Apps über die Multitasking-Schaltfläche mit unterschiedlich großen Kacheln angeordnet, die sich an die Häufigkeit der Benutzung anpassen. Diese Funktion kam uns allerdings trotz der lobenswerten Intention etwas zu unübersichtlich vor. Dankenswerterweise kann man sie, etwas seltsam positioniert, in den Display-Optionen abschalten und auf die Standardansicht von Stock Android, hier „Rolodex“ genannt, umschwenken.

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Sehr gut gefallen hat uns noch die Möglichkeit, das BlackBerry Priv direkt in einen Energiesparmodus zu versetzen, indem man das Gerät bäuchlings auf das Display legt.

Also, alles gut bei der BlackBerry-Software? Nein, nicht zur Gänze. Zwar hat sich einiges spätestens mit dem zweiten OTA-Update verbessert, kleinere Komfortmängel gibt es aber immer noch zu beklagen. So kann das Priv zwar per Doppeltap aktiviert werden – alternativ übrigens sogar durch bloßes Anheben des Smartphones; das Ausschalten per Doppeltap auf eine leere Stelle am Homescreen, wie sie Geräte anderer Hersteller bieten, fehlt allerdings. Auch der bei allen uns bekannten Geräten stets im „Herunterfahren“-Menü untergebrachte Button für den Flugzeugmodus fehlt, stattdessen muss man diesen aus einer Schnelleinstellungs-Kachel heraus aktivieren. Auch fehlt uns eine Möglichkeit, die Größenänderung von Widgets zu erzwingen. Weil Blackberry in seiner Software auf das ungewöhnliche, nicht änderbare Homescreen-Raster von 5×5 setzt, werden viele Widgets standardmäßig nicht auf die volle Bildschirmbreite skaliert.

BlackBerry sollte dringend auch an seiner Implementation der Lautstärkeregelung arbeiten: Zu oft haben wir im Testzeitraum durch einen versehentlichen Druck auf die Mute-Taste alle Töne ausgestellt – inklusive des Wecker-Tons. Das ist gefährlich. Die Tatsache, dass die Mute-Taste, wenn man sie den willentlich betätigt, nur erratisch funktioniert, hatten wir bereits angeprangert.

Das größte Manko aus unserer Sicht ist jedoch der fehlende Fingerabdrucksensor. Laut BlackBerry ist die aktuelle Technologie derzeit nicht sicher genug, um für das Priv in Frage zu kommen – dieses Argument erscheint uns jedoch fadenscheinig. Bei praktisch allen High-End- und vielen Mittelklasse-Geräten, die seit Mitte 2015 auf den Markt kamen, ist ein solcher Scanner bereits integriert; und diese funktionieren mittlerweile schnell, zuverlässig und sind, zumindest um ein Smartphone zu entsperren, eine deutlich sichere Option als PINs oder die Eingabe eines Wischmusters. Kurzum: Man gewöhnt sich sehr schnell an die Technologie, umso schmerzlicher vermisst man sie beim Umstieg auf das Priv. In Anbetracht des Gerätepreises können wir diese Feature-Auslassung nicht nachvollziehen.

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Die Kamera im BlackBerry Priv

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„Brauchbar“ ist das Prädikat, das wir zumindest der Rückkamera im BlackBerry Priv verleihen würden. Die 18-MP-Kamera besitzt einen optischen Bildstabilisator, Schneider-Kreuznach-Optik und kann wahlweise Full-HD-Videos mit 30 und 60 FPS oder 4K in 30 FPS aufnehmen.

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Bei guten Lichtverhältnissen sind die aufgenommenen Fotos scharf und detailreich; sinkt das Umgebungslicht, vermatschen sie ein wenig. Trotzdem gefällt uns die Farbreproduktion gut, die Kontraste sind nicht zu stark überzeichnet und auch die aufgenommenen Videos werden den Erwartungen gerecht. Insbesondere der optische Bildstabilisator macht sich in den meisten Fällen positiv bemerkbar. Auffällig ist lediglich, dass bei künstlichem Licht häufig das Flackern von Lampen im finalen Video sichtbar ist.

Die Frontkamera löst hingegen lediglich mit 2 MP auf – was wir selbst bei Geräten, die nur ein Drittel vom Preis des Priv kosten wurden, als indiskutabel empfinden würden.

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Die Kamera-App löst auf dem aktuellen Update-Stand mittlerweile recht schnell aus, ermöglicht dank Touch-to-Focus ansehnliche Bokeh-Effekte und passt die Helligkeit des Bildes sehr schnell an. Auffällig sind zwei Features: Zum einen der Helligkeitsregler am unteren Bildschirmrand zur händischen Nachjustierung. Zum anderen der mit den letzten Samsung Galaxy-Geräten vergleichbare automatische HDR-Modus. Dass dieser verwendet wird, kann man einem doppelt abgespielten Auslösegeräusch erkennen, das am Anfang etwas irritiert. Eine Panoramafunktion und ein paar nichtssagende Effekte im Instagram-Stil sind auch an Bord, aber nicht weiter relevant. Etwas schade finden wir, dass es keine Möglichkeit der Zeitlupen- oder Zeitrafferaufnahme gibt.

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Die größten Smartphone-Enttäuschungen 2015: Was war das denn, bitte?!

Stabilität und Performance des BlackBerry Priv

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Im BlackBerry Priv sind ein Snapdragon 808 Hexacore-Prozessor nebst 3 GB RAM verbaut. Die zwei leistungsstarken A57-Kerne mit 1,8 GHz Maximaltakt werden dabei von vier stromsparenden A53-Kernen mit 1,44 GHz maximal ergänzt, für die Grafikbeschleunigung kommt eine Adreno 418-GPU zum Einsatz. In der Theorie bürgt diese Kombination nicht für das oberste Ende des Smartphone-Leistungsspektrums, wohl aber zumindest für ein hohes Performance-Niveau – schließlich wiesen diese auch viele weitere Geräte des Jahres 2015 auf, unter anderem das LG G4 und das Nexus 5X. Im Test fiel uns jedoch immer wieder auf, dass neben einem allgemein recht lang andauernden Systemstart die Software zuweilen ruckelte und sich Nachdenkpausen gönnte, Apps gelegentlich einfroren oder sogar abstürzten. Beim Spielen von 3D-Games entwickelte sich mitunter beträchtliche Hitze – in einem Fall war die Temperatur nach einigen Runden im Rennspiel Horizon Chase geradezu unangenehm heiß. Seit dem letzten OTA-Update sind uns solche Probleme jedoch nicht mehr aufgefallen.

Benchmark-Performance des BlackBerry Priv im Test-Vergleich

Benchmark BlackBerry Priv Samsung Galaxy S6 Huawei Mate S
CF-Bench 1.3
Overall
53.381 78.769 54.527
CF-Bench 1.3
Native
54.889 99.484 87.635
CF-Bench 1.3
Java
52.376 64.959 32.455
AnTuTu 6.0.1
Gesamt
63.753 77.490 52.206
AnTuTu 6.0.1
3D
16.054 20.698 9.844
AnTuTu 6.0.1
UX
23.164 24.707 19.731
AnTuTu 6.0.1
CPU
19.211 25.809 17.643
AnTuTu 6.0.1
RAM
5.324 6.276 4.988
GFXBench 4.0.2
Manhattan ES 3.1 OnScreen
353,2 Frames
5,7 FPS
411,5 Frames
6,6 FPS
336,7 Frames
5,4 FPS
GFXBench 4.0.2
Manhattan ES 3.1 OffScreen 1080p
652,2 Frames
10 FPS
909,9 Frames
15 FPS
318,1 Frames
5,1 FPS
GFXBench 4.0.2
T-Rex ES 2.0 OnScreen
1.384 Frames
25 FPS
1.969 Frames
35 FPS
920 Frames
16 FPS
GFXBench 4.0.2
T-Rex ES 2.0 1080p OffScreen
1.973 Frames
35 FPS
2.512 Frames
45 FPS
858 Frames
15 FPS

Die Benchmark-Resultate suggerieren, dass das Gerät ausreichend schnell ist – die Alltagsperformance wird diesem Versprechen aber nicht gerecht. Um zu ergründen, woran es nun liegt, dass das Priv trotz potenter Hardware und einem Beinahe-Stock-Android zwar bei weitem nicht unbenutzbar, aber doch überraschend schlecht performt, müssten wir spekulieren: Langsamer Speicher, zusätzliche Sicherheitschecks, die sich auf die Performance auswirken, und fehlende Optimierungsmaßnahmen aufgrund geringer Erfahrung mit dem Betriebssystem bei den BlackBerry-Softwareentwicklern kämen uns in den Sinn – sind aber wie gesagt nur Spekulationen unsererseits. Bleibt zu hoffen, dass BlackBerry an dieser Stelle noch nachzubessern gewillt und imstande ist – zumindest mit dem letzten Update scheint sich die Situation in puncto Stabilität etwas verbessert zu haben, ist aber subjektiv bei weitem noch nicht auf dem Niveau nominell schwächerer Geräte wie dem Mate S von Huawei oder gar den neuesten Nexus-Devices.

Akkulaufzeit des BlackBerry Priv im Alltagstest

Positiv ist uns hingegen die Akkulaufzeit des BlackBerry Priv aufgefallen. In der Regel ist beim üblichen Aufladen des 3.410-mAh-Akkus in der Nacht später kein zusätzliches Auftanken notwendig. Im Gegenteil: Meist hat man noch 20 bis 30 % Akku-Puffer übrig, wenn man das Gerät nach 16 bis 18 Stunden und durchaus intensivem Nutzungsprofil wieder an die Strippe hängt. „Intensives Nutzungsprofil“ meint hier eine Screen-on-Time von etwa 3 Stunden bei einer manuellen Helligkeit von rund 70 Prozent, im Hintergrund aktualisierenden drei Google-Konten, Twitter, Facebook, Instagram, WhatsApp, ein Exchange-Konto, Hintergrund-Upload von geschossenen Fotos und Videos zu Dropbox und Google Fotos sowie einem Feedreader. Lediglich dann, wenn man sich zu intensiverer Nutzung von Multimedia-Anwendungen wie Spielen und/oder längeren Videoclips hinreißen lässt – wozu das große Display ja auch einlädt – kann es knapp werden. Da das BlackBerry Priv und das mitgelieferte Netzteil aber Qualcomms Quick Charge-Technologie in Version 2.0 unterstützen, reichen hier schon ein paar Minuten Nachladen, um das zu kompensieren. Ärgerlich ist hingegen, dass im Gegensatz zur US-Variante keine Unterstützung des kabellosen Ladestandards Qi Wireless im BlackBerry Priv integriert ist – dabei hätte eine entsprechende Spule durchaus Platz gehabt, wie das Spiel zwischen Kevlar-Umhüllung und Gehäuse beweist. Einen Wechsel-Akku integriert BlackBerry ebenfalls nicht, abgesehen von LG macht das heutzutage aber auch kein großer Smartphone-Hersteller mehr.

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Konnektivität und Speicher

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Mit 32 GB Speicher ist das BlackBerry Priv nicht üppig, aber angemessen ausgestattet; per microSD-Speicherkarte kann dieser Speicher noch um bis zu 200 GB erweitert werden.

Dank der Omnipräsenz von Qualcomm-Chips in der aktuellen Smartphone-Oberklasse liest sich das Datenblatt des BlackBerry Priv praktisch exakt wie das anderer Geräte mit dem S808: Neben LTE Cat.9 mit maximal 450 MBit/s Down- und 50 MBit/s Upstream werden Bluetooth 4.1 und die üblichen Standards unterstützt, also NFC, WLAN 802.11n und ac sowie GPS/GLONASS. Im Test hatten wir keinerlei Probleme mit der mobilen Positionierung und Datenverbindungen, auch eine zeitweise gekoppelte Huawei Watch kommunizierte reibungslos über das stromsparende Bluetooth LE-Protokoll mit dem Priv.

Telefonie und Audio

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Der Mono-Lautsprecher an der unteren Seite des Priv tönt okay, aber nicht großartig. Ein Vorteil des Gerätes ist natürlich, dass der Frontlautsprecher dem Nutzer direkt entgegenschallt, die Klasse eines HTC One M7 oder M8 erreicht es dabei aber nicht. Wohl auch, weil – anders als das Design es suggeriert – nur unter der linken Hälfte des Grills ein Lautsprecher verbaut ist. Wenn man das Gerät horizontal in der Hand hält, sollte man an dieser Stelle tunlichst nicht den Daumen ruhen lassen, um die Akustik nicht zu stören.

In Telefonaten sind uns weder verbindungstechnische noch akustische Probleme aufgefallen – Daumen hoch.

Unser Test-Fazit zum BlackBerry Priv

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Im Vorfeld waren wir enorm gespannt auf das BlackBerry Priv. Wir erwarteten frischen konzeptionellen Wind für das Hardware-Ökosystem von Android und ein Smartphone, das aufgrund des riesigen Erfahrungsfundus des kanadischen Herstellers einen vorderen Platz in unserer Rangliste für das nun ja mittlerweile vergangene Jahr 2015 ergattert. Leider hat uns das Priv enttäuscht – trotz interessanter Ansätze und des Alleinstellungsmerkmals der Hardware-Tastatur. Dabei mangelt es dem Slider nicht an guten Ideen: Zahlreiche innovative Features in der Software, eine Hardware-Tastatur, die sich ironischerweise vor allem dann als nützlich erwies, wenn man keinen Text eingab, und das auf Datensicherheit getrimmte Konzept hätten eigentlich einen tollen Einstand für BlackBerry im Android-Segment bedeuten können. Doch Design-Fehlentscheidungen wie die seitlichen Buttons, denen gerade bei einem alles andere als kompakten Gerät besondere Aufmerksamkeit geschenkt hätte werden müssen, und die lachhafte Frontkamera aus einer grauen Vorzeit in der das Selfie noch nicht erfunden war, eine insgesamt enttäuschende Verarbeitung sowie Probleme im Bereich Performance und Stabilität halten das Gerät zurück. Kurzum: Es fehlt an Feinschliff. Vor allem zu einem exorbitanten Preis von aktuell noch über 750 Euro ist das BlackBerry Priv damit nur etwas für Kunden, die für eine Hardware-Tastatur in einem Android-Smartphone alles stehen und liegen lassen würden und die an die Produktivitätstools von BlackBerry gewöhnt sind, aber das deutlich besser bestückte App-Ökosystem von Google favorisieren.

Wertung

  • Verarbeitung, Haptik und Design: 3/5
  • Display: 4/5
  • Software: 4/5
  • Performance: 3/5
  • Telefonie und Audio: 4/5
  • Kamera: 3/5
  • Konnektivität und Speicher: 4/5
  • Akku: 4/5

Gesamt: 73 %

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Pro

  • Gutes Display
  • Bestes Android-Smartphone mit Hardware-Tastatur derzeit
  • Viele innovative Software-Features

Kontra

  • Design- und Verarbeitungsmängel (Buttons, Gehäuse)
  • Frontkamera mit 2 MP
  • Software-Instabilitäten und Abstürze
  • kein Fingerabdrucksensor

Bildergalerie: BlackBerry Priv

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BlackBerry Priv
Frank Ritter

14. Januar 2016

73/100 Punkte

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