Google Glasses, und dann?

Die Zukunft hört unter anderem auch auf den Namen Project Glas. Es ist mehr die  Frage „Wann?“ als die Frage „Ob“ Googles Nasenaufsatz sich in die Gesichter der Menschen  vorarbeitet. Doch was passiert, wenn das wirklich der Fall wird? Im Rahmen unserer Themenwoche „Technik der Zukunft“ möchte ich mir hierzu ein paar Gedanken machen.

Google Glasses, und dann?

Als ich damals in die sechste Klasse kam, entdeckte mein Vater mehr durch Zufall, dass ich eine Brille bräuchte. Kein Wunder also, dass ich in der Schule Probleme hatte, mich in der letzten Reihe zu konzentrieren, konnte ich doch kaum erkennen, was vorne passierte. Ich erinnere mich aber auch noch genauso gut, dass es mir unglaublich peinlich war, mich mit meinem neuen Nasenhobel dem Spott meiner Mitschülern auszusetzen. Kinder können gemein sein.

Heute, mehr als 1 ½ Jahrzehnte später, sieht die Sache ganz anders aus: Menschen tragen Fensterglasbrillen, weil Sie sich damit „hip“ und „cool“ fühlen. Mir nicht ganz verständlich, aber gut, die Zeiten ändern sich eben. Versteht mich nicht falsch, ich bin stolzer Brillenträger und habe keine Lust auf eine Laser-OP an meinen Augen, aber wenn ich keine Brille bräuchte, würde ich außer Sonnenbrillen einfach keine tragen. Nun gut. Der nächste logische Schritt ist dann eben, das Fenster- und Sichtglas mit elektronischen Komponentenversehen werden und damit die Realität erweitert wird. Van Damme lässt grüßen.

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Das Prinzip Project Glass ist so simpel wie beeindruckend: Wie ein Smartphone versorgt die Brille den Nutzer/Träger mit zahlreichen Informationen, die im Alltag nützlich sein können und ganz im Sinne der Augmented Reality stehen. Dabei helfen Kamera-und Videofunktionen, ein Mikrofon, ein kleiner Lautsprecher und ein Touchpad, um mit den Funktionen zu interagieren. Außerdem sind die „Google Glasses“ mit verschiedenen Sensoren wie einem Gyroskop, einem Akzelerometer und einem Kompass ausgestattet. Die Virtualität und die Realität verschwimmen. Hier das Ganze in der Übersicht:

Während ich persönlich mit meinem Smartphone bisher nur wenig auf Augmented Reality-Funktionen zurückgegriffen habe (ich habe schon genug mit der Realität zu tun), kann ich mir als Brillenträger durchaus vorstellen, das Project Glass in den Alltag zu integrieren, da es an vielen Stellen sehr nützlich erscheint. Aber ich sehe da auch Schattenseiten: Manchmal habe ich schon jetzt das Gefühl, zu „vernetzt“ und durch mein Mobilfunkgerät ständig auf Abruf zu sein. Natürlich kann man das Project Glass auch einfach absetzen, aber genauso könnte man auch argumentieren, dass man sein Smartphone doch auch einfach mal ausschalten kann. Das mache ich natürlich auch, aber im Gegensatz zu meinem damaligen Handy-Nutzen bin ich mit dem Smartphone doch wesentlich öfter erreichbar. Und mit dem Project Glass sehe ich einen weiteren Sprung zur Dauervernetzung.

Wenn ein Gerät zu jeder Zeit Bilder und Videos von allem Gesehenen machen kann, bleibt dann nicht die Realität irgendwann ein bisschen auf der Strecke? Und wann schaut man sich diese ganzen Aufnahmen überhaupt an? Was passiert mit der Erinnerung? Verkümmert der Teil des Gehirns, der für die Erinnerungen zuständig ist,  in sagen wir einmal 100 Jahren, wenn wir uns nichts mehr merken müssen, da wir alles immer ständig abspeichern? Das ist natürlich dahin gesponnen, im Wesentlichen möchte ich damit allerdings zum Ausdruck bringen, dass das Project Glass neben einer Erweiterung der eigenen Realität auch ein massiver Eingriff in die eigene Wahrnehmung sein kann. Gespannt bin ich dennoch. Es ist eben ein sehr ambivalentes Gefühl.

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