Der neueste Trailer zu Call of Duty: WW2 bietet neue Einblicke in die Story des Weltkriegs-Shooters. Angesichts der Thematik beschleicht mich allerdings eine unangenehme Vorahnung.

Call of Duty - WW2 - Story Trailer
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In insgesamt vier Serienteilen hat Call of Duty die unterschiedlichsten Fronten des Zweiten Weltkriegs wie Russland, den Pazifik, Berlin, Frankreich, und Afrika besucht und somit ein mehr oder weniger umfangreiches Bild des militärischen Kriegsverlaufes gezeichnet. Ein entscheidendes Detail des Krieges blieb dabei jedoch stets ausgeklammert.

Wir dachten, wir wüssten, wie es im Krieg ist. Wir wussten gar nichts“, heißt es im heute veröffentlichten Story-Trailer zu Call of Duty: WW2. Zumindest in der deutschen Version, im englischen Original heißt es „but nothing prepared us for this, also doch darauf hat uns nichts vorbereitet.“ Worauf? Auf den Holocaust.

Der Trailer macht deutlich, dass sich die Story von Call of Duty: WW2 erstmals auch mit der systematischen Verfolgung und Vernichtung der Juden und anderen Minderheiten auseinandersetzen wird, die während des Nazi-Regimes stattgefunden haben: So werden die Männer der 1st Infantry in ein deutsches Kriegsgefangenenlager gebracht, woraufhin einer ihrer jüdischen Kameraden in einem Viehwaggon abtransportiert wird.

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Die logische Konsequenz und die vermutliche Motivation der Story ist es also, den verschleppten Kameraden zu retten. Der dramaturgische Effekt schreit nahezu danach, dass dieser Weg im Konzentrationslager enden muss, auch wenn im Trailer davon bisher nichts Konkretes zu sehen war.

Noch heute ist die Mission „Kein Russisch“ ein berüchtigtes Kapitel in der Geschichte von Call of Duty. An Seiten von Terroristen nahm der Spieler in der Call of Duty: Modern Warfare 2-Mission darin an einem Terroranschlag am Moskauer Flughafen teil, womit das Spiel für internationale Schlagzeilen und Kontroversen sorgte. Der Beigeschmack, dass es es sich womöglich um einen kalkulierten Skandal zu PR-Zwecken handelte, bleibt bis heute.

Acht Jahre später ist der aktuelle Trailer nun also voll von Viehwaggons und vernarbten Nazis auf der Suche nach Juden. Wird sich die Kontroverse um Modern Warfare 2 wiederholen und das Spiel auf eine (geschmacklose?) KZ-Szene hinauslaufen?

Nicht nur Call of Duty: Modern Warfare 2 hat für jede Menge Diskussionen gesorgt:

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Im April hatte ich in Vorbereitung auf meine Vorschau die Gelegenheit mit Michael Condrey, dem Vorsitzendem von Sledgehammer Games und kreativen Leiter von Call of Duty: WW2 zu sprechen, wobei es unter anderem um den Umgang mit Kriegsverbrechen und anderen Gräueln ging:

Wir wollen uns mit dem, was damals passiert ist, ernsthaft auseinandersetzen. Die damalige Zeit war voller Gewalt, Brutalität und Abscheulichkeiten. Wir wollen nicht verschweigen, was damals wirklich passierte. Wir wollen eine authentische Geschichte erzählen und dazu gehört unter anderem die Menschlichkeit der Deutschen. Nicht jeder Deutsche war ein Nazi oder ein SS-Mitglied und wir wollten zeigen, dass es auf beiden Seiten Menschlichkeit gab. Aber es waren trotzdem dunkle Zeiten. Es war eine schlimme Zeit in der menschlichen Geschichte und wir scheuen uns nicht davor, das auch zu zeigen.

Zwischen den Zeilen erweckten diese Aussagen bereits damals bei mir ein Bauchgefühl, dass Call of Duty: WW2 sich auch mit dem Holocaust auseinandersetzen will, auch wenn das damalige Trailer-Material noch keinen Anlass zu dieser Annahme bot. Und das muss nichts Negatives sein, denn ein Spiel, das sich differenziert, seriös und vor allem respektvoll mit den Verbrechen des Zweiten Weltkrieges, insbesondere dem Holocaust, auseinandersetzt, existiert praktisch nicht und wäre streng genommen sogar ein wichtiger und wünschenswerter Schritt für die künstlerische Relevanz des Mediums. Gerade angesichts der „Kein Russisch“-Mission ist jedoch die Frage gerechtfertigt, ob ausgerechnet Call of Duty dieses Spiel sein wird.

In Deutschland war die Mission „Kein Russisch“ übrigens nur in zensierter Form spielbar:

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„Die Brutalität des Zweiten Weltkriegs war gewaltig. Das war ein brutaler Krieg. Menschen verloren auf schreckliche Art und Weise ihre Leben und das müssen wir ernst nehmen und so respektvoll wie möglich zeigen. Wir wollen keine unnötige Gewalt zeigen und dennoch war es uns wichtig, den Ton und die Brutalität dieses Krieges einzufangen. Es ist ein Drahtseilakt. Ich bin der Überzeugung, dass es in den wirkungsvollsten und emotionalsten Momenten des Spiels nötig ist, diese menschlichen Schwächen auch zu zeigen. Mit der Leistung der heutigen Konsolen können wir Dinge umsetzen, die vor zehn Jahren unmöglich waren und wir versuchen stets die richtige Balance zu finden, um einerseits die Brutalität des Krieges authentisch einzufangen und andererseits nicht in Effekthascherei auszuarten.“

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Was Call of Duty: WW2 zeigen und nicht zeigen wird und kann, lässt sich auch am Verlauf der Kampagne ableiten. Diese wird voraussichtlich mit der Invasion der Normandie am 6. Juni 1944 beginnen und den Spieler bis zur Schlacht von Aachen führen, die im Oktober 1944 stattfand. Allerdings wurden die westeuropäischen Konzentrationslager erst im Frühjahr 1945 befreit, was eine Szene, wie sie etwa in der Weltkriegs-Serie Band of Brothers umgesetzt wurde, unwahrscheinlich macht. Allerdings wurde bereits angekündigt, dass der Spieler die Kampagne hin und wieder auch aus der Sicht anderer Charaktere erleben wird. Etwa auch die eines Kriegsgefangenen?

Ob Call of Duty WW2 wirklich den Weg bis ins Konzentrationslager geht, wird sich am 3. November herausstellen. Dann erscheint das Spiel für PC, PlayStation 4 und Xbox One.

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