Ihr interessiert euch für die Themen Blockchain und Kryptowährungen? Vielleicht ist euch dann schon einmal der Begriff „NFT“  begegnet. Aber was bedeutet NFT eigentlich? Die Erklärung dazu ist recht einfach. Ob der Hype gerechtfertigt ist und für wen sich NFT lohnen, ist die wirklich spannende Frage, mit der sich GIGA-Experte Biagio auseinandersetzt hat.

Hand auf's Herz: Das Thema Blockchain und Kryptowährungen kann unglaublich verwirren. Zum einen liegt das an der thematischen Nähe zur Börse, die auch schon niemand wirklich versteht. Zum anderen bekommt man häufig Schlagwörter vorgesetzt, die nicht erklärt werden.

So auch mit NFT. Ich habe zu dem Thema recherchiert und viele Stunden – und Kopfschmerztabletten – später, habe ich's jetzt kapiert ... denke ich. Eine Warnung schicke ich schon mal voraus: Es wird absurd.

Lasst uns mit den Basics anfangen.

Was sind NFT?

Die Abkürzung NFT steht für Non-Fungible-Token.

Wer in der Schule Latein hatte oder beim Italiener an der Ecke gerne Pizza Funghi isst, der könnte daraus jetzt eine Ableitung versuchen: Irgendwas mit Pilzen. Oder eben Nicht-Pilzen.

Moment, wie bitte?

Nein, NFT haben nichts mit Essen zu tun.

NFT, oder Non-Fungible-Token, sind einzigartige Token, die man nicht eins zu eins gegen ein gleichwertiges Token tauschen kann.

Ein 5-Euro-Schein wäre beispielsweise ein fungibler Token, da er gegen jeden beliebigen anderen 5-Euro-Schein getauscht werden kann. Oder, wenn wir im Krypto-Kontext bleiben wollen: 1 Bitcoin kann gleichwertig mit einem anderen Bitcoin getauscht werden.

Wie funktionieren NFT technisch?

Im Grunde genommen sind NFT nichts anderes als ein Teil der Ethereum-Blockchain (ETH). Ethereum ist die aktuell zweitwertvollste Kryptowährung nach Bitcoin. NFT befinden sich auf der Ethereum-Blockchain, besitzen zur Unterscheidung aber noch einige Extra-Merkmale gegenüber Ethereum-Coins. NFT sind auch nicht Ethereum-exklusiv. Es gibt bereits andere Blockchains, die eigene NFT herstellen.

Was kann als NFT abgebildet werden?

Kurze Antwort: Alles.

Lange Antwort: Die sinnvollen Einsatzmöglichkeiten von NFT werden derzeit noch ausgekundschaftet. Es gibt aktuell aber eine Reihe von Einsatzzwecken, die sich etabliert haben.

NFT können beispielsweise sein:

  • (digitale) Kunstwerke
  • Sammelkarten
  • Spiel-Items
  • Musik

Vor allem die Kunstszene hat NFT schnell als neuen Heilsbringer ausgerufen. Immerhin lösen NFT auf den ersten Blick ein großes Problem von digitaler Kunst. Ein digitales Bild kann beliebig oft reproduziert werden und bleibt dabei identisch und austauschbar (fungible, ihr erinnert euch). Wird ein digitales Kunstwerk aber als NFT abgebildet, ist es einmalig und somit auch als Sammlerobjekt interessant. Es ist ein bisschen wie mit einem Kunstdruck. Dieser ist zunächst fungibel. Wird der Druck aber per Hand signiert, wird er einzigartig.

Hört sich in der Theorie erstmal ganz sinnvoll an. Aber ein kurzer Blick in die Realität reicht, um die ersten absurden Anwendungsbeispiele zu entdecken.

Ein Tweet für 3 Millionen US-Dollar

So hat der Twitter-Gründer Jack Dorsey vor kurzem seinen ersten Tweet für knapp 3 Millionen US-Dollar als NFT verkauft. Wow, da hat jemand ein Stück Weltgeschichte erstanden. In kommenden Jahrhunderten werden Menschen an diesem NFT genau und exklusiv sehen können, dass es 2006 cool war, Begriffe ohne Vokale zu schreiben.

Bildquelle: Jack Dorsey (Twitter).

3 Millionen sind ein ziemliches Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass jetzt niemand mehr einfach so daher kommen kann und, sagen wir mal, einen Screenshot von diesem Tweet anfertigen kann und ... Sekunde – ich ... ich hab doch grad einen Screenshot davon gemacht? Das sieht doch genau so aus wie der Tweet, für den jemand 3 Millionen ausgegeben hat! Und ab hier kann es für viele von uns etwas konfus werden.

NFT: Die Frage nach der Exklusivität

Die Exklusivität eines physischen Kunstwerks wie Da Vincis „Mona Lisa“ ist klar. Das Original hängt im Louvre, ist einmalig und unbezahlbar. Wir könnten ein Foto davon schießen (ohne Blitz!) oder einen Druck davon kaufen und der Wert des Originals würde dabei in keiner Weise geschmälert.

Bei Schnappschüssen oder auch Drucken ist der Unterschied zum Original auch für unsere Sinne deutlich. Wenn ein GIF oder Meme abgespeichert wird, besitzen wir aber eine exakte Kopie des Originals.

Bildquelle: Dave Roth.

Dieses „Mädchen steht vor brennendem Haus“-Meme wurde als NFT kürzlich für 500.000 US-Dollar verkauft. Wir können es hingegen völlig kostenlos mit unseren Sinnen erfahren und es genauso lustig oder unlustig finden wie das Original. Warum gibt jemand eine halbe Million Dollar dafür aus?

An den Bildrechten kann es nicht liegen, denn diese bleiben auch beim NFT-Erwerb beim ursprünglichen Eigentümer. Das bedeutet auch, dass die Besitzer beliebig viele Kopien dieses Memes als NFT verkaufen können. 

Was man eigentlich kauft, ist ein exklusiver Eintrag auf der Ethereum-Blockchain, der an ein physisches oder virtuelles Produkt geknüpft ist.

Lohnen sich NFT für mich?

NFT geben Kunstschaffenden die Möglichkeit, ihre digitalen Erzeugnisse einfacher zu monetarisieren. Zudem können NFT so konfiguriert werden, dass der ursprüngliche Besitzer jedes Mal Geld erhält, wenn das NFT weiterverkauft wird. Musikschaffende erhoffen sich damit eine neue Vertriebsmöglichkeit. Ein NFT-Song könnte bei jedem Share eindeutig identifiziert werden und Tantiemen für den Künstler oder die Künstlerin erzeugen.

Für Sammler sieht die Sache etwas anders aus. Hier greifen die Regeln des Marktes, die auch beim gewöhnlichen Kunsthandel mit physischen Objekten bestehen. Vertraue ich darauf, dass der Wert meines NFT in Zukunft steigen wird? Dann sollte ich zugreifen. Vielleicht wird dieses Video von Beeple, das als NFT für 6,6 Millionen US-Dollar den Besitzer gewechselt hat, in ein paar Jahren das doppelte Wert sein.

Dieses Video von Beeple ging für 6,6 Millionen US-Dollar über die virtuelle Theke (Bildquelle: Beeple).

Wer 20.000 US-Dollar für einen Video-Clip von YouTube-Star Logan Paul als Wertanlage gezahlt hat, der muss aber auch darauf vertrauen, dass Paul nicht wie wild einfach weitere Kopien von den frei zugänglichen Videos als NFT verkauft. Ob Paul, der unter anderem damit sein Geld verdient, indem er Suizidopfer in einem japanischen Wald auf Kamera festhält und auf seinem Kanal veröffentlicht, so geldgierig ist, kann natürlich niemand mit Gewissheit vorhersagen. Unterm Strich sind NFT eine weitere Form von spekulativen Investitionsgütern, deren Wert von vielen verschiedenen Faktoren abhängt. Durch den Hype sind sie aktuell vor allem eine Spielwiese für Ultrareiche, die mit ihren Trophäen angeben können.

Wo kann ich NFT kaufen?

Es gibt bereits mehrere große Marktplätze, die sich mit dem Kauf und Verkauf von NFT beschäftigen. Eine der größten Plattformen ist OpenSea. Hier kann man von Kunst, über Sammelkarten, bis zu Memes, alles an NFT kaufen. Rarible ist ebenfalls ein großer NFT-Marktplatz, der von einer engagierten Community geleitet wird.

Wie schädlich sind NFT für die Umwelt?

Schon seit Jahren sind Kryptowährungen einer der größten CO2-Treiber der Welt und NFT stellen keine Ausnahme dar. Um ein NFT zu erstellen, muss nämlich Ethereum „geschürft“ werden. Schätzungen zufolge produziert ein einzelner NFT etwa 90 Kilogramm CO2 – soviel wie bei einer Stunde im Flieger.