Stille SMS: Wie werden wir überwacht und welchen Schutz gibt es?

Marco Kratzenberg 3

Immer wieder mal hört man von „Stillen SMS“, die Polizei und BKA an Handys schicken sollen, um Personen zu überwachen. Wir erklären euch, wie so etwas funktioniert und ob ihr euch dagegen schützen könnt. Außerdem nennen wir euch eine App, die solche Spionageaktionen erkennen soll.

Stille SMS: Wie werden wir überwacht und welchen Schutz gibt es?
Bildquelle: Pixabay, CC0.

Anders als der sogenannte „Staatstrojaner“ soll die „Stille SMS“ nicht alle Aktivitäten an einem Smartphone überwachen und aufzeichnen, sondern es geht in erster Linie um die Erstellung eines Bewegungsprofils. Wie das Innenministerium der Fraktion der Linken auf Anfrage mitteilte, wurden allein im ersten Halbjahr 2017 fast 200.000 „Stille SMS“ versendet. Solche Mengen werfen einige Fragen auf:

Hier ein paar Antworten…

 

Wie funktioniert die „Stille SMS“?

„Stille SMS“ nennt sich dieses Überwachungsmittel, weil der Empfänger eine SMS-Nachricht zugesendet bekommt, die er weder bemerkt, noch in seiner Empfangsliste sehen kann. Sinn der Sache ist, über eine Art „nicht abschaltbare automatische Empfangsbestätigung“ den Aufenthaltsort des Empfängers herauszubekommen. Diese Technik zeigt den Überwachern lediglich die genutzten Funkzellen und nicht den genauen Standort. Aber das soll sie ja auch gar nicht…

Ziel der Überwachung ist, ein Bewegungsprofil des Handys zu erstellen. Wann war die Person in welchem Bereich? Hat sie sich wieder mit einem anderen Verdächtigen getroffen? Ist die Wohnung derzeit wohl verlassen?

Wer nutzt Stille SMS?

Wer die meisten Stillen SMS versendet, dürfte vor allem Paranoiker in Panik versetzen. Als sogenannte „OTA-SMS“ (Over-the-air-SMS) verschicken nämlich gerade die Netzbetreiber selbst ständig solche Kontrollnachrichten an ihre Kunden. Angeblich, um die Netze besser an die Handys ihrer Nutzer anzupassen. Damit werden beispielsweise auch Provider-Zugangsinformationen an die Handys von Neukunden versandt.

Während diese Technik bei den Providern aber nicht der Überwachung dient, ist das bei Stillen SMS der Strafverfolgungsbehörden ganz anders. Derzeit dürfen in Deutschland die Bundespolizei, das Bundeskriminalamt sowie der Zoll dieses Instrument nutzen. Außerdem natürlich der deutsche Geheimdienst, der Bundesnachrichtendienst. Hier werden übrigens auch keinerlei Angaben zur Zahl der versendeten SMS gemacht.

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Wann dürfen Stille SMS eingesetzt werden?

Wenn in amerikanischen Krimis gezeigt wird, wie man ein Handy abhört oder sonstwie ausspäht, dann ist nur selten die Rede von Gerichtsbeschlüssen und Bürgerrechten. Da ist ein Verdächtiger und der wird jetzt abgehört – Ende. Das sieht in der deutschen Realität schon ganz anders aus.

Zuerst einmal regelt der Paragraph 100a der Strafprozessordnung die Überwachung jeglicher Telekommunikation. Und der sieht vor, dass diese nur bei „schweren Straftaten“ vorgesehen ist. Dazu zählen Mord, Hochverrat, Erpressung und Geiselnahme, Waffenhandel, Kinderpornographie und einige andere Verbrechen. Allerdings tauchen dann auch eher alltägliche Gaunereien, wie Wettbetrug oder das Dealen mit Drogen dort auf.

Grundsätzlich ist vor jedem Einsatz ein Gerichtsbeschluss notwendig. Polizisten dürfen nicht einfach entscheiden, durch eine Stille SMS den Aufenthaltsort eines gesuchten Dealers ausfindig zu machen. Die Maßnahmen müssen begründet werden, sie sind in der Regel zeitlich begrenzt und müssen vor allem verhältnismäßig sein.

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Wie kann man sich dagegen schützen?

Die Stille SMS ist ein Netz-Dienstmerkmal. Ihr könnt sie nicht deaktivieren. Mit Tools wie der Android-App SnoopSnitch können die Besitzer gerooteter Smartphones mit Qualcomm-Chipsatz zwar sehen, dass sie so eine Nachricht bekommen haben, aber sich nicht dagegen schützen. Und auch von wem die Nachricht kam, ist nicht zu erkennen. Wer aber bereit ist, einen Haufen Geld zu investieren und großen Aufwand zu betreiben, der kann sich theoretisch dagegen schützen. Einfacher ist es mit einer Art „Funkdisziplin“.

SnoopSnitch
Entwickler:
Preis: Kostenlos

Illegale Hardware, sogenannte IEMSI-Catcher, werden von Spionen genutzt, um Handys abzuhören. Mit derselben Hardware kann man sich dagegen schützen. Diese Geräte drängen sich zwischen echte Funkmasten und euer Gerät, um als gefälschte Funkzellen jeden Telefonverkehr abzuwickeln. Dagegen kann man sich wehren, indem man eigene Funkzellen noch näher am Gerät postiert. Also, indem man so einen IEMSI-Catcher immer bei sich trägt.

Tatsächlich ist das grob gesagt die Technik, die im deutschen Bundestag verwendet wird, um das Abhören von Politiker-Handys unmöglich zu machen. Für den Eigengebrauch ist das allerdings nicht zulässig – was den durchschnittlichen Terroristen aber kaum stören dürfte.

Wenn ihr den Verdacht habt, mit Stillen SMS überwacht zu werden, dann gibt es zwei Optionen zum Schutz:

  • Schafft euer Handy ab.
  • Schaltet euer Handy nur an, wenn ihr es unbedingt braucht und das am besten an Plätzen mit viel Publikumsverkehr.

Fazit

Stille SMS sind nichts, dass wir im Alltagsleben fürchten müssen. Dieses Instrument ist weder zur Dauerüberwachung geeignet, noch dafür zugelassen. Außerdem wird damit bestenfalls ein Profil eurer Bewegung durch die Funkzellen erstellt und diese Daten kann euer Netzprovider den Behörden auch geben. Die „Stille SMS“ wird immer wieder ein Thema für Aluhut-Träger sein, ohne dass es irgendwen wirklich interessieren dürfte, wo sie sich gerade befinden.

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