Handy abhören – ist das möglich und wie schützt man sich?

Marco Kratzenberg

Natürlich kann man ein Handy abhören. Das wird täglich sicher tausendfach gemacht. Die Frage ist eher, wer ein Handy abhören kann, wie das funktioniert und wie man sich schützt. Lest hier die wichtigsten Infos zum Thema.

Zuerst einmal eine kleine Entwarnung: Nicht jeder kann ein Handy abhören! Weder gibt es dazu passende Apps, noch könnt ihr einfach billige Geräte kaufen, mit denen das geht. Allerdings gibt es eine Reihe von Tricks, derer sich die staatlichen – und anderen – Ermittler bedienen, wenn sie ein Handy abhören oder sonst wie ausspionieren wollen. Zum Glück ist es für euch und eure Freunde nicht so einfach.

WhatsApp ausspionieren.

Wie kann man ein Handy abhören?

Die meist verwendete Option, mit der man ein Handy abhören kann, sind sogenannte „IMSI-Catcher“. Sie gaukeln – vereinfacht gesagt – einem Handy vor, ein legaler Mobilfunkmast zu sein, bei dem es sich einbuchen kann. Sobald das geschehen ist, läuft sämtlicher Telefon- und Datenverkehr über dieses Gerät und kann auch abgehört werden.

Lange Zeit waren solche Geräte extrem teuer, mittlerweile bekommt ihr so ein Ding schon für circa 1.500 Euro. Das ist natürlich noch nicht im Bereich für einen Scherz oder um das Handy des Freundes abzuhören, aber macht es Gaunern schon deutlich leichter. Allerdings muss man sich dazu ziemlich nahe an dem abzuhörenden Handy aufhalten und das ist auch gar nicht so einfach, dass es auf Knopfdruck funktionieren würde.

Davon abgesehen ist es natürlich illegal! In Deutschland darf diese Technik nur auf richterliche Anordnung eingesetzt werden und diese Anordnung erfolgt auch nur auf einen guten Grund hin – nicht, weil Polizisten einfach neugierig sind.

Die Funktion dieser IMSI-Catcher sieht vor, dass man sich so nahe an ein Handy begibt, dass die Sendeleistung des Gerätes ihm einen besonders starken Mobilfunkmast vorgaukelt. Damit soll erreicht werden, dass es sich lieber dort einbucht, um eine gute Qualität zu garantieren. Je mehr Sendemasten in der Nähe sind und je näher sie sind, desto schwerer wird es, das Handy zu „fangen“.

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Wie kann man sich davor schützen, dass andere das Handy abhören?

Wir haben schon vor ein paar Jahren über ein Projekt berichtet, mit dem ein Motorola-Handy abhörsicher gemacht werden soll. Das erfordert allerdings einiges an Arbeit und eine dauerhafte Selbstkontrolle. Es geht auch einfacher, wie man an den Handys bedeutender Staatsmänner sieht, die angeblich abhörsicher sind.

Eine Möglichkeit, sich vor Handy-Abhörern zu schützen, ist die Absicherung eines Ortes. Da die IMSI-Catcher sich zwischen Handy und Sendemast drängeln wollen, kann man beispielsweise mehr oder nähere Mobilfunkzellen errichten. Das wurde im Bundestag so gemacht. Der erhielt mehrere eigene, besonders stark strahlende Funkzellen. Dadurch haben Spione kaum eine Chance, an die Handys der Abgeordneten zu kommen.

SnoopSnitch
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Das ist aber sowieso noch aus einem anderen Grund schwer. Wenn es in einem Bereich viele Funkzellen gibt und außerdem noch viele Handys sich dort aufhalten, geht ein einzelnes Gerät „im Grundrauschen unter“. Es soll schwer sein, einzelne Geräte anhand ihrer IMSI-Kennung zu identifizieren.

Insofern ist – zumindest in dicht besiedelten Gebieten – auch der Normalbürger sicher vor der Schnüffelei. Trotzdem wird dieses Mittel natürlich eingesetzt und bringt auch Ergebnisse. Wenn die Polizei ein Handy abhören will, dann kann man sich nicht durch bloße Vorsicht davor schützen. Eine Möglichkeit stellt vielleicht eine verschlüsselte Internet-Telefonie dar. Mit einer Android-App wie SnoopSnitch (siehe oben) könnt ihr auch den Mobilfunk-Verkehr selbst überwachen (setzt ein gerootetes Handy mit Qualcomm-Chipsatz voraus!).

Abhörsichere „Krypto-Handys“ sind nach wie vor sehr teuer. Das „“ kostet rund 1.800 Euro. Deutlich günstiger ist das alte „“ zu bekommen, das zwischen zwei gleichen Geräten eine verschlüsselte Telefonie ermöglichen soll. Es kostet keine 260 Euro, ist aber auch ansonsten lange nicht mehr zeitgemäß. Vermutlich kann man auch davon ausgehen, dass bei so einem alten Gerät mittlerweile Möglichkeiten existieren, mit denen man das Handy abhören kann.

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