Nach erfolgreicher Montage kalibriert sich das Thermostat selbst und ist danach sofort einsatzbereit. Das Prinzip ist simpel: Ist es im Raum gleichwarm oder wärmer als die festgelegte Zieltemperatur, wird der Ventil-Stift hineingedrückt und die Wasserzufuhr unterbrochen. Ist es kälter, „schraubt“ der Motor das Ventil wieder auf. Angetrieben wird dieser von zwei AA-Batterien. Wie lange diese durchhalten kann ich noch nicht sagen, doch der Nutzer wird in der Regel per Mail informiert, wenn es Zeit wird die Batterien zu tauschen. Und das sollte man dann auch dringend tun, ansonsten bleibt die Heizung früher oder später in der letzten Einstellung hängen – hier wäre eine (Push-)Benachrichtigung aus der App im Falle des Batterie-Ablebens sehr praktisch und wir hoffen, dass Tado dieses Feature noch einbaut.

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Die Temperatur wird direkt am Thermostat gemessen. Und obwohl man annehmen könnte, dass dies durch die unmittelbare Nähe zur Heizung immer wesentlich mehr anzeigen müsste, ist dem nicht der Fall: Zwei Kontrollthermometer in der Raummitte kamen +/- 1 Grad auf den gleichen Wert. Im Falle größerer Abweichungen lassen sich in der App aber auch Korrektur-Werte eingeben, um die Thermostate gleichsam auf die tatsächliche Temperatur zu eichen.

Öffnet man im Winter allerdings kurz die Fenster und die Heizkörper befindet sich direkt darunter, sinkt die gemessene Temperatur logischerweise rapide ab, auch wenn die Kältewelle in der Raummitte noch nicht angekommen ist.

Über die Tado App oder das Web-Interface könnt ihr nun ein einen Heizplan für jeden Raum konfigurieren: Pro Zimmer könnt ihr genau festlegen, an welchen Tagen und zu welchen Zeitfenstern es wie viel Grad warm sein soll. Habt ihr in einem Raum mehrere Heizkörper (und an allen auch Tado-Thermostate installiert) werden diese gemeinsam geregelt, um das optimale Ergebnis zu erzielen.

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Natürlich lassen sich die Heizungen auch weiterhin manuell steuern – entweder per App, Sprachbefehl an Amazons Alexa oder direkt über die Drehregler auf den Thermostaten. Dort wird euch dann per LED-Licht die eingestellte Temperatur angezeigt und so lange gehalten, bis der manuelle Modus wieder beendet wird.

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Alle neuen Tado Thermostate sind eigentlich Apple HomeKit kompatibel – wer im Besitz eines älteren smarten Raumthermostates ist, kann gegen eine kleine Gebühr auf die neue Bridge aufrüsten. Leider hat es bei der Zertifizierung durch Apple Probleme gegeben, weswegen wir die HomeKit-Unterstützung noch nicht testen konnten – laut Tado muss man sich dafür noch bis zum zweiten Quartal 2017 gedulden. Theoretisch wäre es dann aber möglich, die Heizungen über die Apple-eigene App und somit auch Siri zu steuern und durch Wenn-Dann-Abfragen mit anderen HomeKit kompatiblen Geräten zu verknüpfen – zum Beispiel könnte man die Heizung deaktivieren, wenn ein Fenster-Sensor registriert, dass dieses geöffnet wird.

... und unterwegs

Die Tado-App ist extrem gut gestaltet, läuft stabil und alle Funktionen sind intuitiv platziert. So kann man durch Wischen am Home-Screen alle Räume durchblättern und bekommt dort jeweils die aktuelle und Zieltemperatur angezeigt. Wie eingangs erwähnt, besticht eine richtig smarte Lösung in meinen Augen aber vor allem dadurch, dass ich ihr kaum Aufmerksamkeit schenken muss, weil sie die meiste Zeit autark funktioniert. Und tatsächlich habe ich die Tado-App nach den ersten paar Tagen Feinjustierung kaum mehr geöffnet.

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Das Beste am Tado-System ist, dass es automatisch erkennt, wenn niemand zu Hause ist. Je weiter ich mich entferne, desto mehr wird die Heizung heruntergefahren. Das klappt übrigens auch mit Mitbewohnern, wenn sie ebenfalls die App auf dem Smartphone haben und dem Haushalt „beitreten“. Ein Algorithmus lernt, wie lange es dauert, bis die Wohnung wieder aufgeheizt ist. Kombiniert mit aktuellen Wetterdaten, soll das dafür sorgen, dass es warm ist, wenn der erste Bewohner die Wohnungstür öffnet. Bei gut isolierten Gebäuden mit richtig dimensionierten Heizungen klappt das sehr gut, denn die App erkennt auch, ab wann ich mich auf dem Weg nach Hause befinde und heizt bereits vor.

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Anders dagegen in meiner ehemaligen Altbauwohnung, in der ich damals das Tado Raumthermostat im Einsatz hatte: Leider hatten es meine Heizkörper damals nie rechtzeitig geschafft, die 3,50 Meter hohen Räume während des halbstündigen Heimwegs ordentlich aufzuheizen. Für solche Fälle lässt sich aber auch eine „Away-Temperatur“ einstellen, die nicht unterschritten wird.

In beiden Fällen ist es natürlich blöd, falls dem Smartphone unterwegs der Saft ausgeht – dann bleibts nämlich kühl, bis man die Temperatur zuhause selbst wieder hochregelt. Wer auf das Feature verzichten oder sich von Tado nicht tracken lassen möchte, kann es natürlich auch deaktivieren.

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Energiesparpotential: Null bis Unendlich

Ob es auf Energiesparsicht etwas bringt, die Temperatur beim Verlassen abzusenken und beim Heimkommen wieder voll einzuheizen, ist umstritten. Einig sind sich Experten aber, dass es sich wenn, dann nur um ein paar Grad Unterscheid handeln sollte – daran hält sich das System durchaus und lässt die Wohnung nie komplett auskühlen. Dass Tado laut eigenen Angaben in einer 70 Quadratmeter Wohnung an die 300 Euro Heizkosten pro Jahr einsparen kann, klingt aber schon etwas hoch gegriffen.

Aber: Tado ist so überzeugt vom Produkt und dessen Einsparpotenzial, dass das Unternehmen eine einjährige Geld-zurück-Garantie bei Nichtzufriedenheit gibt – wer die Thermostate mindestens sechs Monate genutzt hat und nicht überzeugt ist, kann sie bis zu zwölf Monate nach dem Kauf ohne Angabe von Gründen oder Einreichen von Stromrechnungen (voillständig und intakt) zurückgeben und erhält sein Geld zurück.

Fazit: smarter Mehrwert

Für mich ist unterm Strich der zusätzliche Komfort das größere Argument für smarte Thermostate. Schließlich können gerade Zentralheizungs- oder Fernwärme-Kunden ihre Heizung damit Grad-genau steuern und eine automatische Nachtabsenkung festlegen. Für Tado spricht vor allem der ausgeklügelte „Away“-Modus, der mittels GPS-Daten des Smartphones, eines Algorithmus und Wetterdaten automatisch drosselt und rechtzeitig wieder aufheizt. Dieses Feature habe ich in der Form bisher noch bei keinem anderen Smart-Home-System gesehen. Kollege Amir, der Tado ebenfalls ausprobiert hat, schwärmt derweil vor allem von der morgendlichen Schlafzimmerwärme, die ihm in diesem Winter das Aufstehen erleichtert hat, ohne ihn dafür die ganze Nacht zu grillen.

Dazu kommt eine sehr übersichtliche App, ein guter Support (bei einem Anruf sollte man aber einige Zeit in der Warteschleife einrechnen) und nicht zuletzt ein ansprechendes Produktdesign.

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Der Preis von 200 Euro für das Starter-Set mit zwei Thermostaten und der Bridge geht meiner Meinung nach in Ordnung. Für jedes weitere werden knapp 80 Euro fällig – bei vielen Heizkörpern in der Wohnung kann das ordentlich ins Geld gehen. Alternativ bietet Tado auch ein Mietmodell an – 4 Euro pro Monat für das Starter Kit bei einem Jahr Bindung. So kann man das System auch zuerst testen.

Der Auslieferungstermin der Heizkörperthermostate hat sich leider immer weiter nach hinten geschoben. Aktuell ist laut Website mit einem Versand im März 2017 zu rechnen.

Test-Wertung zum Tado Heizkörper-Thermostat

Tado-Heizkörperthermostat-Badge

  • Design: 5/5
  • Verarbeitung: 5/5
  • Montage: 4/5
  • App: 4/5
  • Features/Funktionen: 4/5

Gesamt: 88 Prozent

Wir haben die smarten Heizkörper-Thermostate über einen Zeitraum von mehreren Wochen im Spätherbst und Winter 2016/17 in zwei verschiedenen Wohnungen getestet. Wir danken Tado für die Teststellung.

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Tado: Ortsabhängige Steuerung

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