Darknet: Zugang in die Unterwelt des Internets

Kristina Kielblock
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Das Darknet ist zuletzt mit den Attentätern von Paris mal wieder kurzzeitig in den Focus der allgemeinen Aufmerksamkeit gerückt – nun sind es die tragischen Ereignisse in München, die das Interesse wecken. Drogen- und Waffenhandel sind tatsächlich Anreize, um beispielsweise mit der Software Tor die dunklen Bereiche des Webs zu erkunden. Es gibt aber unzählige mehr – nicht alle sind kriminell – und wir erklären schnell und einfach in diesem Ratgeber, was das Darknet ist und wie ihr reinkommt. 

Darknet: Zugang in die Unterwelt des Internets

Google, Yahoo & Co. bilden nur einen kleinen Teil der Inhalte im Netz ab – sie zeigen uns sozusagen nur die Oberfläche eines tiefen Ozeans. Wer darin abtauchen möchte, kommt mit den gängigen Browsern leider nicht weiter, aber diese Hürde ist auch für absolute Einsteiger mithilfe der einfachen Installation einer kleinen zusätzlichen Software ganz leicht zu nehmen.

Das Darknet: Was ist das? Technische Infrastruktur für anonymes Surfen

Das Darknet gilt als Tummelplatz für kriminelle Machenschaften und wird besonders mit Drogen, Kinderpornographie und Waffenhandel assoziert. Aber es handelt sich nicht nur um einen Marktplatz für Verbrecher – technisch gesehen ist das Darknet zunächst einmal ein Proxy Netzwerk, das private Computer miteinander verbindet und zugleich die Daten verschlüsselt. Es gibt also nicht wie beim üblichen Internet zentrale Server zum Datenabruf, sondern das Darknet entsteht über den Zusammenschluss von privaten PCs, wobei jeder dieser PCs die verschlüsselten Daten abrufen, weiterleiten und bereitstellen kann.

Es geht also grundsätzlich um die Anonymisierung von Verbindungsdaten und den Schutz vor einer Fremdanalyse des eigenen Datenverkehrs. Davon profitieren natürlich besonders Kriminelle, aber auch politische Aktivisten, Blogger, Whistleblower oder Oppositionelle in totalitären Staatssystemen. Auch Edward Snowdens Enthüllungen wurden im Darknet veröffentlicht.

Tipp: Darknet und Deep Web sind nicht das gleiche, obwohl beide Begriffe häufig synonym verwendet werden. Mehr Infos dazu gibt’s hier: Deep Web – So kommt ihr in den geheimen Teil des Internets.

Darknet-Zugang: Das müsst ihr tun und schon seid ihr drin!

Im Internet findet ihr einige Hilfsprogramme, die euch den Zugang ins Darknet ermöglichen:

Sehr populär und einfach zu bedienen ist das Tor-Browser-Bundle. Nach dem Download dieses modifizierten Firefox-Browsers könnt ihr legal und anonym die Inhalte der dunklen Seite des Internets durchforsten. Das Paket ist portabel und kann relativ unabhängig vom jeweiligen Betriebssystem auch vom Wechseldatenträger gestartet werden. Für Laien bietet diese Software den besten Einstieg.

Orbot ist ein quelloffener Tor-Proxy für Android, der euch ermöglicht mit gerooteten Tablets oder Smartphones euren Internetverkehr durch das Tor-Netzwerk zu leiten und damit zu anonymisieren. Orweb ist ein speziell optimierter Browser für Android, der in Verbindung mit Orbot genutzt werden kann.

Der ist ein iOS-Browser, der die Seitenaufrufe über das Tor-Netzwerk ausführt.

Darknet TOR Browser Startbild

Im Darknet sind nicht alle Seiten immer online erreichbar, das ergibt sich aus der technischen Funktionsweise des Netzwerks: wird ein PC abgeschaltet, sind auch dessen Inhalte nicht mehr sichtbar. Außerdem müsst ihr gerade an Wochenenden Zeit mitbringen, denn die Surf-Geschwindigkeit im Darknet erinnert an alte Zeiten vor DSL.

Inhalte im Dunkeln finden – Hidden Wiki, Grams & Co.

Die Seiten des Darknets sind nicht so einfach zu finden, recht kompliziert benannt und auch Tippfehler werden nicht so großzügig wie bei Google korrigiert. Diese Links sollten euch erst mal weiterhelfen: Hidden Wiki (wikitjerrta4qgz4.onion) und Torlinks (torlinkbgs6aabns.onion) einen guten Einstieg in Form einer Seitensammlung. Die Darknet-Adresse von Wikileaks für den Upload von Dokumenten lautet: suw74isz7wqzpmgu.onion

Eine weitere Hilfe ist Grams, das Google des Darknets. Damit findet ihr vor allem Daten und Waren – vornehmlich illegaler Art:

  • Hacker verkaufen ihre Programme.
  • Politische Aktivisten und Journalisten tauschen Informationen.
  • Whistleblower veröffentlichen geheime Dokumente.
  • Nazis suchen und bieten Memorabilia und offerieren ihre Menschen verachtende Ideologie.
  • Waffenfanatiker suchen und bieten verschiedene Modelle ihres geliebten “Spielzeugs”.
  • Pädophile suchen Gleichgesinnte und pornographisches Material.
  • Betrüger bieten Anleitungen für den Kreditkartenmissbrauch an, sowie natürlich gehackte PayPal-Accounts und gestohlene Kreditkartendaten.
  • Raubkopierer teilen Filme und Musik.
  • Dealer verleiten zum Kauf von Drogen.
  • Fälscher locken mit gefälschten Pässen und Dokumenten.
  • Forscher stellen verbotene Chemikalien zur Verfügung.

Aber wie auf einem realen Schwarzmarkt müsst ihr auch im Darknet sehr vorsichtig sein und Paranoia ist absolut nicht fehl am Platz, denn sonst werdet ihr zügig übers Ohr gehauen. Auch sind nicht alle Angebote ernst gemeint – so könnt ihr dort normalerweise keine Auftragskiller anheuern oder Biowaffen kaufen. Angebote dieser Art sind entweder Satire oder wollen euch das Geld aus der Tasche ziehen. Auch die geklauten Kreditkartendaten halten in der Regel nicht, was man sich davon versprechen könnte, denn die Daten sind oftmals veraltet und funktionieren nicht mehr. Waffen allerdings kann man tatsächlich relativ einfach erwerben: Sie werden entweder zerlegt versendet oder ihr erhaltet Geodaten, anhand derer ihr das Versteck der Waffe finden könnt.

Zahlungsmittel im Darknet sind übrigens Bitcoins, eine digitale Währung, deren Wert sich aus Angebot und Nachfrage ergibt und euch völlige Anonymität ermöglicht.

Bildquelle: Enter Darknet via Shutterstock.com

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Weitere Themen: Ratgeber, Tor Browser Bundle, The Tor Project

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