All2gethernow-Camp: Erste Notizen und Live-Stream [Update]

Peer Göbel
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Startschuss zur Berlin Music Week: Die All2gethernow, Konferenz und Camp zur Lage der Musikwirtschaft, hat am Montag begonnen. Die Panels, Workshops und Diskussionen mit Musikern, Branchenvertretern und Medien kann man zum Teil auch live online verfolgen – was sich durchaus lohnt. Außerdem hier unsere ersten losen Notizen und Eindrücke.

All2gethernow im Live-Stream

Die All2gethernow, die im vergangenen Jahr die Popkomm ersetzte, findet nun zum ersten Mal im Rahmen einer Berlin Music Week zusammen mit der Musikmesse statt.

Auf der All2gethernow(a2n)-Homepage werden Livestreams der Veranstaltungen vom Maschinenhaus, vom Club 23 und vom Soda-Club übertragen. Ab und zu wackelt die Leitung etwas, aber insgesamt kriegt man das meiste mit, und kann auch chatten dazu.

Eine Übersicht der Panels und Workshops gibt es im interaktiven All2gethernow-Programm.

Notizen vom Montag

Die Opening Session der a2n ruft kurz die Organisatoren auf die Bühne des Kesselhauses, die sich allesamt (etwas redundant) freuen, dass die Veranstaltung stattfindet und einen kleinen Ausblick geben. Olaf Kretschmar, Chef der Berlin Music Week, unerstreicht, dass die Ausrichtung der a2n im Gegensatz zur Popkomm darin liegt, auch die Künstler und Konsumenten einzubinden; Konsumenten, die sich mit illegalem Download nachhaltig zu Wort gemeldet hätten.

Das Panel Music in the Cloud bringt einige Anbieter von digitalen Musikdiensten zusammen – die den Shift von verkaufter Musik (Abrechnung pro Unit) zu einem Geschäftsmodell mit Abrechnung pro User diskutieren. Oder anders: Dass es die Plattensammlung nicht mehr geben wird, weil man ja von überall auf die Musik in der Cloud zugreifen kann – und dass das durchaus ein Mehrheitskonzept für Musik sein könnte: Spotify hat 15% zahlende User, 600.000 Menschen. Christoph Lange von Simfy will die ganz harten Zahlen nicht herausrücken, spricht aber von etwa 18 Monaten durchschnittlicher Laufzeit eines Simfy-Abos, und dass diese Abonnenten etwa 400 Songs pro Monat anhören.

Sören Stamer beklagt, dass man bei Angeboten wie Spotify nicht für die Musik zahlt, sondern für das Ausblenden von Werbung. Mehr über seinen Dienst Yokudo, der im November starten soll, verrät er trotzdem nicht. Interessant sein Einwurf, doch mal mit der (Browser-)Games-Branche zu vergleichen, wo Leute durchaus bereit sind, Geld für Extras auf den Tisch zu legen. Oke Göttlich von Finetunes nimmt den Gedanken auf und fragt, ob ein solches Modell irgendwie auch für Musik möglich wäre. In die Werteverfall-Diskussion will er jedoch nicht einsteigen. Sein Fazit war, dass es eben ein Nebeneinander von vielen Nutzungen und Vergütungsmodellen geben wird. Auch Moderator Steffen Holly von Aupeo meint: “Früher war nicht alles besser.”

Interessant fand ich den Gedanken, dass die Plattensammlung eben auch ein Teil der Identität, Abgrenzung und Status-Symbol war, und dass sich das in der digitalen Welt aufgelöst hat. Diesen Zweck und diesen monetären Aufwand erfüllen dann eben Handys, Gadgets, Apps, Highscores, eben alles, womit man sich so darstellt und verkleidet.

Der Musiker in der Runde, Marco Freivogel von Exercise One, berichtete von rückläufigen Absatzzahlen im Techno-Segment, aber dass er eben sein Geld mit Auftritten bestreite. Oder wie ein befreundeter Künstler mit Plugins: 3000 Downloads des Plugins, 150 des MP3s. Heißt das dann in aller Konsequenz, dass man Musiker auffordern sollte, am besten doch was anderes als Musik zu machen, um für die Musik vergütet zu werden?

In die Richtung ging dann auch das Streitgespräch über Filesharing, das ich allerdings nur über Livestream mitverfolgt habe. Sascha Lobo und Marcel Weiß reden sich die Köpfe heiß, mit aufbrausenden Kommentaren auch aus dem Publikum. Sascha Lobo spielt den Advocatus diaboli und meint, Filesharing ist böse, Filesharer sind Diebe und egoistisch. Man sollte als Urheber von seiner geistigen Arbeit leben können – oder zumindest irgendwie vergütet werden. Also das, was er in einem Blog-Post im Juli schon mal skizziert hatte. Marcel Weiß hielt vor allem dagegen, dass es eben noch andere Wege gäbe, Geld mit Musik zu verdienen, als sie zu verkaufen. Und dass es diese Entwicklung eben gäbe, und das wäre nicht prinzipiell gut oder schlecht. (Dazu hat er dann auch gleich heute noch ein neues Blog gestartet: neumusik.) Dann wurde ordentlich gebasht. Interessant, wie auch nach mindestens 10 Jahren noch die Diskussion um Tauschbörsen so hoch hergeht.

Die These, dass Musik Verkaufen eben nicht mehr das Kerngeschäft von Musikern und Labels sein kann, zieht sich auch durch den Vortrag von Stefan Peter Roos über Digitale Geschäftsmodelle, Stichwort Freemium. Ein wenig ist es ein BWL-Seminar über die Aufmerksamkeits-Ökonomie. Geld folgt Aufmerksamkeit, daher sollte man die Musik kostenlos rausgeben (möglichst viele Leute erreichen), dann Fans binden und konvertieren – von Flattr über Luxus-Boxen bis zu Wochenenden mit der Band. Sein Ratschlag: Musik muss als Service gedacht werden, Bands müssen IT-Firmen werden.

Die Runde zu Tour- und Livewirtschaft war dann etwas unglücklich zusammengesetzt. Auf der einen Seite Große-Hallen-Veranstalter, die meinen, “kleine Konzerte, so 500 bis 800 Leute, bringen nichts”; auf der anderen Seite lokale DIY-Veranstalter, die Konzertgrößen von 20 bis 200 organisieren. Da ist ja klar, dass die Probleme verschiedene sind. Auf die Frage nach Wünschen hätten die einen gerne niedrigere Bierpreise, die anderen eine öffentliche Popmusik-Förderung. Auf die Forderung, dass Jugendzentren wichtig sind und wieder mehr gefördert werden sollten, konnten sich dann aber alle einigen. Info nebenbei: Der Veranstalter Trinity macht nun in Berlin einen eigenen Club auf, damit sich die kleineren Konzerte auch wieder tragen lassen – über die Getränkeverkäufe.

Ergo: In dieser Musikindustrie verdienen Musiker ihr Geld nicht über Musik (sondern Shirts und Konzerte), Veranstalter nicht mit Veranstaltungen (sondern Alkohol), undsoweiter.

Später mehr.

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