Goodbye PlayStation 2: Ein persönlicher Abschied von einer einmaligen Konsole - Alle Infos und Artikel

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194 3.0

Beschreibung

Die PlayStation 2 ist nicht mehr. Game Over. Als mich vor ein paar Tagen die Meldung vom weltweiten Produktionsstopp der PS 2 erreichte, gingen mir sofort zwei Gedanken durch den Kopf. Ich dachte an die beispiellose Erfolgsgeschichte, die es diesem System ermöglicht hatte, fast dreizehn Jahre lang verkauft zu werden. Und ich dachte an die schwere Luft in meinem provisorisch verdunkelten Zimmer, an die grellen Lichter, die „Grand Turismo 3“ und „Metal Gear Solid 2: Sons of Liberty“ an meine Wände geworfen hatten. Sonys PS2 hat mich, einen eingefleischten PC-Spieler, endgültig von den Vorzügen der Konsole überzeugt und die Spielekultur für immer verändert. Zeit, ihr die letzte Ehre zu erweisen.

Ich musste sie einfach haben. Als die PlayStation 2 im Winter 2000 den deutschen Handel erreichte, war es bereits um mich geschehen. Es war ein warmer, ungemütlicher Winter, es regnete viel – die perfekten Bedingungen also, um mit dem Objekt meiner Begierde und einem schlechten Gewissen für Tage von der Bildfläche zu verschwinden. Ich war bereits stolzer Besitzer der ersten PlayStation und damit bestens über Sonys Pläne für die neue Generation informiert. Das Einzige, was zwischen mir und diesem beeindruckenden Stück Hardware stand, war ihr Preis.

869 DM mussten die ersten Käufer des als PC-Killer kursierenden Multimediamonsters seinerzeit berappen – ein lächerlich hoher Preis, der die Möglichkeiten meiner bescheidenden Einkünfte deutlich überstieg. Meine eigene PS2, das war vorerst reines Wunschdenken.

Natürlich hielten mich die luftigen Verhältnisse in meiner Brieftasche nicht davon ab, fast alle Launch-Titel der PS2 sofort auszuprobieren. Schon beim Erscheinen der ersten PlayStation musste ich einfach dabei sein. Der Einfallsreichtum, mit welchem ich befreundete Besitzer der PS1 in mein Zimmer lockte, grenzte schon damals an Beschaffungskriminalität. Ich lockte mit Wagenladungen voller Chips, mit Unmengen Tiefkühlpizza und dem großen Fernseher meiner Eltern. Im Gegenzug fanden bei mir regelmäßig entgrenzte Zockabende statt, die nicht selten bis in die frühen Morgenstunden ausuferten.

Kein Schwein hatte sich die PS2 gekauft

Dieses Mal war es anders. Kein Schwein hatte sich die PS2 gekauft. Sie war einfach allen zu teuer. Die Lösung des Problems fand sich in der Videothek um die Ecke. Dort konnte man die Konsole für eine saftige Gebühr ausleihen. Dual-Shock 2-Pads und Memory-Cards kosteten natürlich extra und das Leihverfahren selbst war mit einem drakonischen Kautionsverfahren verbunden. Ich kam mir vor wie ein Serienkiller unter Hausarrest. Im Prinzip musste man den Wert der Konsole in Bar hinterlegen. Im Falle ihrer Beschädigung zog man eine lupenreine Arschkarte.

In dem Moment, in dem ich die „Playse“ angeschlossen hatte, war mir das alles scheißegal. Ich wurde von einem umnebelten 3D-Gebilde und dem „Sony Computer Entertainment“-Logo empfangen. Ganz sicher bin ich mir nicht, aber ich glaube, neben der PS2 warteten damals „Midnight Club“, „Tekken Tag Tournament“ und „Time Splitters“ darauf, von mir bestaunt zu werden.

Und ich staunte nicht schlecht. Vor allem Tekken hatte es mir mit seinem herrlich überkandidelten Render-Intro und genialem Gameplay angetan. Namcos legendärer Prügler sorgte dafür, dass ich die PS2 sehr viel später wieder abgab, als ich ursprünglich geplant hatte. Meine erste Woche mit der PlayStation 2 ging mächtig ins Geld.

PlayStation 2 – Eine beispiellose Erfolgsgeschichte

Das Launch-Line-up ließ den bahnbrechenden Erfolg der PlayStation 2 allerdings nur erahnen. In der Rückschau fällt vor allem die große Zahl von Sportspielen auf.  “SSX Snowboarding“, “ESPN International Track and Field“, “NHL 2001“, “Ready 2 Rumble Boxing: Round 2“, “Madden NFL 2001“, “International Superstar Soccer“ und “ESPN X Games-Snowboarding“ gaben den ersten Monaten eine sportliche Schlagseite. Mich interessierten diese Titel herzlich wenig, doch Sonys Strategen  wussten offenbar, was sie da taten – Lizensierte Sportspiele sollten einiges zum kometenhaften Aufstieg der PlayStation 2 beitragen.

Apropos Aufstieg: Es lohnt, sich das Ausmaß dieses Erfolges noch einmal genau vor Augen zu führen. Bis zum Februar 2011 entschieden sich 150 Millionen Menschen dazu, eine PS2 zu kaufen. Microsofts Xbox und Nintendos GameCube gingen während der sechsten Konsolengeneration dagegen nur 24 bzw. 21 Millionen Mal über den Ladentisch. Aus heutiger Sicht werden vor allem das verbaute DVD-Laufwerk und Sonys Pionierarbeit im Online-Gaming (erinnert sich noch jemand an „SOCOM“?) als Wegbereiter für den großen Sturm auf den Konsolenolymp ins Feld geführt. Die traurige Fußnote dieser Erfolgsgeschichte war allerdings das schnelle Ableben von Segas Dreamcast. Die war nur zwei Jahre zuvor erschienen und hatte mit ihrer Full SD-Auflösung und der Online-Funktionalität eigentlich viel zu bieten – gereicht hatte es trotzdem nicht. In den USA verschwand die Dreamcast schon 2001 vom Markt, ein Jahr später folgte Europa.

Von all dem bekam ich damals natürlich kaum etwas mit. Mein Interesse galt ausschließlich den PS2-Spielen. Es dauerte noch volle zwei Jahre und eine geringfügige Preissenkung, bis die große Schwarze endlich ihr angetrautes Zuhause unter meinem Fernseher fand.

Wenn ich heute einen Blick auf die über 10.000 (!) Titel werfe, die für die PlayStation 2 erschienen sind, dann sind es gar nicht mal die ganz großen Namen, die bei mir schönste Erinnerungen hervorrufen. Natürlich bin auch ich bei „Metal Gear Solid 2: Sons of Liberty“ aus allen Wolken gefallen, natürlich habe auch ich mit „Silent Hill 2“ das Fürchten am Gamepad gelernt und selbstverständlich habe auch ich die Straßen von Liberty City unsicher gemacht. Wenn ich aber an meine Zeit mit der PS2 zurückdenke, dann fallen mir aus unerfindlichen Gründen immer sofort Gran Turismo 3“ und „The Lord of the Rings: The Third Age“ ein.

Über 10.000 Spiele

Obwohl, ganz so unergründlich ist das Geheimnis dieser Erinnerungen dann wohl doch nicht. Mit diesen beiden Spielen habe ich schlichtweg verdammt viel Zeit verbracht. Gran Turismo 3“ sah unglaublich sexy aus und hatte sich wie ein Parasit in meinem Motivationszentrum eingenistet. Mit keinem anderen Rennspiel habe ich mehr Strecke gemacht, nicht einmal mit dem nicht minder genialen „Burnout 3: Takedown“. Schon seltsam, heute fasse ich Rennspiele nur noch in seltenen Ausnahmen an. Vielleicht hat mich Gran Turismo 3“ in dieser Hinsicht einfach für immer befriedigt.

„The Lord of the Rings: The Third Age“ war ein ganz anderes Biest. Als eines der letzten Spiele, die aus EAs großem Lizenzcoup Profit schlagen konnten, entführte mich das dritte Zeitalter in eine japanische Version von Mittelerde. „The Third Age“ spielte sich nämlich so ähnlich wie „Final Fantasy X“ und das war so toll, wie es sich anhört. In der Rolle von Berethor, dem Kapitän der Wache von Gondor, dem Dúnedain Elegost, dem Zwergenkrieger Hadhod und Idrial, einer Gesandten Galadriels kämpfte ich Seite an Seite mit Gandalf gegen den Balrog, verteidigte Helms Klamm mit Legolas und Gimli und bezwang mit Eowyn den Hexenkönig auf den Pelennor Feldern. „The Third Age“ war wahrlich episch.

Eine einmalige Konsole

Die goldene Ära der PlayStation 2 sollte noch viele Meilensteine hervorbringen. Mit “God of War“, “ICO“, “Jak 3“, “Guitar Hero 2“, “Metal Gear Solid 3 – Snake Eater“, “Tony Hawk’s Pro Skater 4“, “Soul Calibur 3“, “Prince of Persia – Sands of Time“, “Resident Evil 4“, “Shadow of the Colossus“, “Devil May Cry 3“ und “Okami“ seien an dieser Stelle noch einmal die wichtigsten Spiele genannt. Es sind Titel wie diese, die den statistischen Erfolg dieser Konsole mit Leben füllen.

Was auch immer uns mit der PlayStation 4 oder der Xbox 720 erwartet, egal welche technologischen Innovationen uns die nächste Konsolen-Generation bringen wird, egal mit welchen Exklusivtiteln uns die Konsolen der Zukunft noch locken werden – die Wahrscheinlichkeit, dass eine von ihnen auch nur annähernd so erfolgreich wird wie die PlayStation 2, geht gegen null. Dafür hat sich der Markt zu sehr verändert. Neue Hersteller verschärfen die Konkurrenz, alte Zielgruppen verlieren an Bedeutung, neue wollen berücksichtig werden. Viele Experten sagen uns sogar das Ende der traditionellen Konsolenära voraus.

Ein Grund mehr, Sonys PlayStation 2 in ihrer Einmaligkeit anzuerkennen. Ich tue das hiermit, bedanke mich für viele schöne Jahre und wünsche ihr einen schönen Lebensabend in den Händen nostalgischer Liebhaber.

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