Ein Xbox 720 Release 2013 wird immer wahrscheinlicher. Zuletzt wurden die Spekulationen über einen Release innerhalb der nächsten zwölf Monate von einem E3-Countdown auf der Internetseite des Xbox Live Director of Programming Lawrence Hryb alias Major Nelson angefeuert. Demnach wissen wir spätestens am 11. Juni 2013, was uns mit Microsofts Xbox 720 erwartet. Solange will natürlich kein Mensch warten, also haben wir nach unserem PlayStation 4 Report dieses Mal Microsofts neue Konsolengenration einem ausführlichen Gerüchtecheck unterzogen.
Mit Gerüchten zu Microsofts neuer Xbox-Konsole könnte man ohne Weiteres die Firmenzentrale in Redmond tapezieren. Ein Umstand, der sich über die durch Kursverluste provozierte Redseligkeit der Firmenchefs und über das im Juni 2012 geleakte Road-Map Dokument erklärt. Wer sich in diesem Dschungel aus unbestätigten Gerüchten und bisweilen idiotischen Spekulationen ein klares Bild von der Zukunft der Marke Xbox machen möchte, der tut gut daran, sich auf seinen gesunden Menschenverstand zu verlassen.
Der Schlüssel zur Xbox 720 ist in Microsofts neuer Unternehmensphilosophie versteckt. Seit geraumer Zeit werden Microsoft CEO Steve Ballmer und der Vize-Präsident des Interactive Entertainment Business, Phil Harrison, nicht müde, diese lautstark zu kommunizieren. In einem Brief an Aktieninhaber und Microsoft Mitarbeiter sprach Ballmer von einem »fundamentalen Wandel« im Hause Microsoft und rahmte damit das ein, was Harrison auf einer Konferenz für Spiele-Entwickler wenig später konkretisierte: Microsoft sieht die Xbox nicht länger ausschließlich als eine Konsole für Hardcore-Gamer. Die Xbox 720 wird entwickelt, um es in Zukunft vor allem mit »Google, Amazon und Apple« aufnehmen zu können.

Xbox 720: Ein fundamentaler Wandel der Marke Xbox
Microsofts Mittel zum Zweck des globalen Entertainment Netzwerkes sind dabei nicht nur die bekannten Services wie Xbox Live, Xbox Music, Xbox TV oder das jetzt schon voll auf Multiplattform-Integration ausgelegte Xbox SmartGlass – vor uns steht eine Ära, in der Microsoft die Marke Xbox in jede nur erdenkliche Medien-Form gießen wird. Über ein Xbox-Surface-Tablet – also eine Art Mini-Xbox für den Mobile-Markt – wurde bereits spekuliert. Wirklich loslegen wird Microsoft mit dem Multiplattform-Konzept aber wohl erst nach der offiziellen Ankündigung der Xbox 720.
Was bedeutet Microsofts neue Strategie aber für uns Gamer? Zuerst die schlechten Nachrichten. Die Xbox 720 wird ein deutliches Mehr an Casual-Games hervorbringen. Bisher war dieser Markt vor allem dem Kinect-Spielplatz vorbehalten. Das wird sich nachhaltig ändern. Schon jetzt hat Microsoft neue Entwicklerstudios aus der Taufe gehoben, die in Zukunft vermehrt Casual und Mobile Games für die Marke Xbox produzieren werden. Man rechnet also in Redmond fest mit einer stark erweiterten Zielgruppe jenseits der Hardcore-Zocker. Ansprechen will man diese neue Zielgruppe über Xbox-Apps auf dem Tablet und dem Smartphone. Das langfristige Ziel ist allerdings, diese User auch zum Kauf einer Xbox 720 zu bewegen, die dann als integriertes Entertainment-Center fungieren wird und zahlreiche Services anbietet, die nichts mit Gaming zu tun haben. Mit anderen Worten: Die Xbox 720 soll in Zukunft alle ansprechen, die spielen.
Xbox 720: Kinect wird wichtiger denn je
Mindestens genauso wichtig wie die Etablierung der Marke Xbox auf dem Tablet- und Smartphone-Markt ist die Weiterentwicklung von Kinect. Was hinter Kinect 2.0 stecken könnte, erfahrt ihr im Abschnitt über die neue Bewegungssteuerung. Für den Moment lässt sich aber festhalten: Kinect wird wichtiger denn je. Gerade vor dem Hintergrund der angesprochenen Multiplattform-Neuausrichtung wird sich Kinect 2.0 als das geeignete Mittel erweisen, um Casual-Gamer an die Xbox 720 zu binden.
Im Folgenden haben wir die wichtigsten Gerüchte zur Xbox 720 zusammengetragen. Ob es sich dabei um gute oder schlechte Nachrichten handelt, müsst ihr allerdings selbst entscheiden.
Xbox 720: Kommt Blu-ray?
Nicht nur das Meinungsbild in unserem Feedback-Podcast hat es immer wieder gezeigt: Bei der Wahl zwischen dem Kauf einer PlayStation 3 und einer Xbox 360 war Blu-ray für die überwiegende Mehrheit der Spieler zuletzt das entscheidende Kriterium. Für Microsofts neue Konsolengeneration ist der Verbau eines Blu-ray Laufwerkes also Pflicht. Dass die Xbox 360 überhaupt so lange ohne das beliebte Speichermedium auskam, grenzt beinahe schon an ein Wunder. Längst sind die Datenmengen aktueller Spiele dem Zeitalter der DVD entwachsen. Nicht selten standen einer einzigen Blu-ray-Disc auf der PS3 drei oder gar vier DVDs auf der Xbox 360 gegenüber. Es wurde eng auf der guten, alten DVD.
Die Xbox-Blu-ray wird also kommen müssen. Die interessantere Frage lautet aber, ob Microsoft uns auf die etablierten 25- und 50-GByte-Formate noch eine Speicher-Schippe drauf legt. So ist die Integration der im Sommer 2012 erstmals vertriebenen 100-Gyte-BDXL-Medien durchaus denkbar. Sogar über die neuen, vierlagigen BD-R-QL-Disc (BDQL) mit einem Volumen von 128 GByte darf mutig spekuliert werden.
Ohne Blu-ray geht jedenfalls nichts mehr. Die Download-Ära hat gerade erst begonnen und wird aktuell noch durch die lückenhafte Verbreitung der Breitband-Anschlüsse gehemmt. Mit einer Schließung des Netzes ist in Deutschland zum Beispiel nicht vor 2018 zu rechnen.
Doch die Speicherkapazitäten sind nicht die einzigen Qualitäten des Blu-ray Mediums. Neben dem echten 1080p Support steht die Option auf stereoskopisches 3D – und das wird beim Konkurrenten Sony sehr wahrscheinlich eine zentrale Rolle spielen. Machen wir also ein Häkchen unter das Blu-ray Laufwerk und schauen uns das nächste Feature an.
Xbox 720: Kinect 2.0 oder der Traum von einer guten Bewegungssteuerung
Kein Gaming-Zubehör hat sich jemals schneller verkauft als Microsofts Kinect. Und das obwohl es auch weiterhin noch auf sich warten lässt, das erste wirklich gute Kinect-Spiel. Ob wir es 2013 endlich mit der Xbox 720 bekommen werden, wissen wir zwar noch nicht – dass sich die zugrundeliegende Technologie aber maßgeblich verbessern wird hingegen schon. Kinect 2.0 wird höchstwahrscheinlich all das realisieren, was man von einer zeitgemäßen Bewegungssteuerung erwartet – und vielleicht sogar ein kleines bisschen mehr.
Insbesondere bei der Kameratechnologie haben Microsofts Techniker Fortschritte gemacht. Zu erwarten ist eine 5 Megapixel Dual-Kamera, die unsere Bewegungen exakter zu erfassen vermag und die bisherigen Stolpersteine wie den festen Mindestabstand von 2,5 Metern und die vielen fehlerhaften Bewegungseingaben aus dem Weg räumt. Die neue 3D-Tiefenkamera wird die Position des Spielers, sowie seine Bewegungen innerhalb des erweiterten Raumes und auch die Körperhaltung genauer bestimmen können. Außerdem dürfen wir uns über die Unterstützung von insgesamt vier Kinect-Spielern und eine maßgeblich verbesserte Sprach-Steuerung freuen.
Die exaktere Abnahme von Köperbewegungen bis in die Fingerspitzen stößt allerdings noch ein weiteres, potentiell revolutionäres Feature-Türchen auf. Im vergangenen Jahr ließ Microsoft Forscher Hrvoje Benko verlautbaren: »In den letzten paar Jahren haben wir uns damit beschäftigt, wie man Tiefenkameras dazu benutzt, Interaktionen auf Oberflächen der Umgebung zu ermöglichen«.
Die Rede ist von einem Gerät namens Omnitouch, welches jede erdenkliche Oberfläche über einen Projektor in einen interaktiven Touchscreen verwandelt. »Zusammen mit einem Pico-Projektor kann man alles in eine interaktive Oberfläche verwandeln. Es ist möglich, die Finger mitten in der Luft zu verfolgen und deren Kollision mit anderen Objekten zu erörtern. Dadurch wird die Multitouchinteraktion von Smartphones simuliert«.
Wer jetzt an Minority Report denkt, der denkt genau richtig. Sogar an einem Augmented Reality -Projekt arbeitet man offenbar schon hinter verschlossenen Türen. Fortaleza Kinect Glasses – so der Name der ominösen Kinect-Brille – tauchte erstmals in dem im Juni 2012 geleakten Xbox 720 Dokument auf, welches kurz darauf von Microsofts Anwälten aus dem Netz gemahnt wurde. Fortaleza Kinect Glasses scheint Microsofts Variante von Google Glass zu sein und wird in dem besagten Papier für 2014 angesetzt.
Sollte Kinect 2.0 tatsächliche eine frühe Version dieser Technologie unterstützen, wäre das eine kleine Sensation. Bessere Kinect-Spiele hat Microsoft damit zwar noch nicht in petto, die Abbildung eines Interfaces auf eine beliebige Oberfläche über einen Projektor oder eine AR-Brille ist aber ebenso spannend wie potent.
Xbox 720: Die Hardware – nicht kleckern, sondern klotzen
Die Hardware-Architektur der Xbox 360 bricht unter dem Ballast aktueller Titel wie „Far Cry 3“ schon fast zusammen. 512 MByte Arbeitsspeicher und ein gnadenlos veralteter IBM-Prozessor aus dem Jahr 2005 sind bei solchen Grafikbrettern chronisch überfordert.
Mit der Xbox 720 will man dieses Mal weiter vorausdenken und uns die derzeit bestmögliche Performance bieten. Vom NVIDIA-Produktplaner Matt Ployhar war im Dezember Folgendes zu hören: »Vom heutigen Standpunkt aus betrachtet, sollte eine Konsole der nächsten Generation die bestmögliche Hardware verwenden, damit sie auch in fünf oder zehn Jahren noch mithalten kann. Das bedeutet für die Spezifikationen, dass wir einen 22- bis 28nm-Chip hätten, einen weiteren Kern, einen schnellen und viermal größeren Cachespeicher sowie die sechsfache Anzahl an Transistoren«.
Mit anderen Worten: Die Xbox 720 wird verdammt flott. Wenn die Gerüchte stimmen, dann schlummern in der neuen Box eine Qaud-Core CPU (nochmals unterteilt in vier logische Kerne) und 8GB RAM. Weitere Gerüchte besagen, dass sich die Hardware-Komponenten bereits bei AMD und IBM in der Produktion befinden. Während sich IBM offenbar erneut um den CPU kümmern wird, bekam AMD den Zuschlag für die Herstellung der GPU auf Radeon-Basis. Als sehr wahrscheinlich gilt zudem die Integration von Microsofts DirectX-11 auf der Xbox 720. Die Entwickler werden diese neuen Freiräume der Next-Gen Konsole wohl in erster Linie für eine stark verbesserte Physikdarstellung nutzen.
Xbox 720: Der neue Controller – Touchscreen oder Programmierbarkeit?
Microsofts neues Gamepad ist eine Black Box. Genaues ist nicht bekannt, im Netz kursieren ausschließlich wilde Spekulationen und unbestätigte Gerüchte. Wer mag, darf den Gerüchten eines individualisierbaren Xbox 720 Controllers Glauben schenken. Demnach wird das neue Eingabegerät auf individuell definierbare Tasten setzen und die Programmierbarkeit nach den persönlichen Vorlieben in den Mittelpunkt stellen.
Sicher ein nettes Feature, doch wir glauben eher, dass Microsoft sich für die Integration eines Touchscreens entscheiden wird. Nintendos Wii U setzt dieses Konzept bereits erfolgreich um, Sony plant für die PlayStation 4 Gerüchten zufolge Ähnliches – gut möglich, dass Microsoft mit der Xbox 720 hier nachzieht.
Mit einem Touchscreen-Controller würde Microsoft nicht nur die Zeichen der derzeitigen Tablet-Zeit berücksichtigen und der Konkurrenz folgen, ein Touchscreen macht auch vor dem Hintergrund des neuen Multiplattform-Konzeptes des Unternehmens und der starken Ausrichtung auf neue Entertainment Inhalte abseits der Gaming-Produkte Sinn. Mit einem kompletten Xbox-iPad würden wir aber nicht gleich rechnen wollen. Zwar gab es in den letzten Monaten immer wieder Gerüchte zu einem derartigen Gerät und dessen Leistung, ein klassisches Gamepad mit einem kleineren Touchscreen scheint aber wahrscheinlicher.
Xbox 720: Totale Immersion und 3D Sound
Ein Großteil der Xbox 720-Gerüchte aus dem letzten Jahr bezog sich auf Microsofts vermeintliches 360°-Konzept. Demnach stellen eine erhöhte Immersion und Augmented Reality die beiden wichtigsten Zielvorgaben für die Entwicklung der neuen Konsole. Das ging dann sogar so weit, dass die Xbox 720 mit den bereits erwähnten Projektoren angeblich Bildsignale an unsere Wohnzimmerwände beamen wird. Die Idee ist, den Spieler komplett in die Spielwelt eintauchen zu lassen und mittels Kinect 2.0 ausschließlich seine Bewegungen als Steuerungseingaben zu verwenden.
Unter uns: Das glauben wir erst, wenn wir es sehen. Mag sein, dass Microsoft seit Jahren an diesen Konzeptionen forscht – an ihrer Marktreife darf jedoch gezweifelt werden. Wenngleich es durchaus denkbar ist, dass wir das projizierte 360°-Erlebnis noch im Lebenszyklus der kommenden Konsolengenration erleben werden, eine Integration zum Xbox 720 Release erscheint uns aber sehr weit hergeholt.
Sehr viel wahrscheinlicher ist hingegen eine massiv aufgebohrte Audiotechnologie, die ebenfalls in die Immersions-Kerbe schlägt, denn die benötigte Hardware existiert bereits und könnte für Microsoft tatsächlich erschwinglich sein. Tuyen Pham, seines Zeichens Firmenchef von A-Volute, einem 3D Sound-Hersteller, bemerkte dazu Folgendes:»Der Effekt von 3D-Sound ist erstaunlich. Man befindet sich in der Mittellinie der Lautsprecher und hört ein Geräusch. Man bewegt seinen Kopf ein kleines bisschen und das Geräusch verschwindet. Die Hardwarekomponenten dieser Technik sind noch zu teuer, um sie für Konsumentenprodukte zu verwenden. Durch Massenproduktion könnte eine große Marke das jedoch ermöglichen«. Und genau das scheint mit der Xbox 720 auch zu passieren.
Worum es hier geht, ist eine exakte Fokussierung des Sounds auf einen bestimmten Bereich des Raumes. Denkbar ist hier zum Beispiel das Zusammenspiel mit Kinect 2.0. Die Kameras erfassen den Körper des Spielers und das 3D-Sound Gerät bündelt das Signal dann an der gewünschten Stelle. Ob diese sicherlich beeindruckende Technologie das Spielerlebnis aber tatsächlich verändert oder verbessert, steht auf einem anderen Blatt. Vielleicht atmen uns die Necromorphs in „Dead Space 4“ dann in Zukunft direkt über die Schulter.
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