Steve Jobs: Jeans, Brille, Pullover - wir räumen mit den größten Mythen auf

Thomas Konrad
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Für seinen ikonischen Kleidungsstil war Steve Jobs bekannt: Seit seiner Rückkehr zu Apple Ende der 90er Jahre sah man ihn nahezu ausschließlich in Jeans, Turnschuhen und einem schwarzen Pullover. Wir haben das Outfit einmal unter die Lupe genommen, zeigen, was Jobs früher trug und räumen mit oft zitierten, aber falschen Mythen auf – von Brille bis Rollkragenpulli.

Steve Jobs: Jeans, Brille, Pullover - wir räumen mit den größten Mythen auf

Jeans, Senkers, Stehkragenpullover: Was stimmt und was nicht

Kaum ein Artikel über die Person Steve Jobs kommt ohne eine Bemerkung über seinen Kleidungsstil aus. Insbesondere nach seinem frühen Tod im Jahr 2011 erschienen im Web zahlreiche Artikel, die sich mit seinem Outfit beschäftigten. Hunderte Jeans sollen sich in den Schränken des 2011 verstorbenen Apple CEOs befunden haben, liest man dabei häufig. Der US-amerikanische Hersteller St. Croix nahm es sich sogar heraus, zu behaupten, Jobs habe dort seine Pullover bezogen. Beides entspricht jedoch nicht der Wahrheit.

Beginnen wir einmal von vorn, beziehungsweise oben. Wie Bilder zeigen, trug Steve Jobs bereits in jungen Jahren, wenn auch nicht ausschließlich, Roll- oder Stehkragenpullover. Eine Uniform war das damals allerdings noch nicht. In T-Shirts sah man Jobs Mitte der 70er. Jobs galt als später Hippie und zeigte das auch, war oft barfuß unterwegs, auch während Meetings. Als Apple Geld für den Apple II benötigte, ließ Jobs ein Treffen mit Atari-Präsident Joe Keenan arrangieren. Auch dort erschien Jobs barfuß.

In den späten 70ern und den frühen 80ern zählten sportliche Hemden in verschiedenen Varianten, kombiniert mit Jeans, zu seiner (Freizeit-)Garderobe. Anzüge trug er ebenfalls, bei TV-Interviews und auf Messen.

Bei der Vorstellung des Macintoshs etwa erschien Jobs im Zweireiher mit Fliege. Auf seine Uniform wies zu diesem Zeitpunkt wenig hin. Und Levi’s-Jeans fand man damals wie heute wohl im Kleiderschrank vieler Amerikaner.

So kam Steve Jobs zu seinem Pullover

Bei einem Aufenthalt in Japan, erfährt man aus der offiziellen Steve Jobs Biographie von Walter Isaacson, kam Jobs die Idee, ähnlich wie bei Sony eine Uniform für Apple-Mitarbeiter anfertigen zu lassen. Unternehmen könnten ihre Mitarbeiter damit besser an das Unternehmen binden, erklärte ihm der damalige Sony-Chairman. Die Idee wurde bald verworfen: Proben, die der japanische Designer Issey Miyake für Jobs anfertigte, kamen bei den Apple Mitarbeitern gar nicht an. Jobs freundete sich allerdings mit dem Designer an und ließ immerhin für sich eine Art Uniform anfertigen. „Also bat ich Issey, mir ein paar von seinen schwarzen Turtlenecks zu machen, die ich mochte und er machte mir etwa etwa 100 davon.“  Die Pullover trug Steve in den 80ern, 90ern, vor allem seit seiner Rückkehr zu Apple nahezu ausschließlich. Auch privat.

Falsch ist also die Behauptung, Jobs habe seine Pullover beim amerikanischen Hersteller St. Croix bezogen. Dieser warb nach seinem Tod auf der Webseite mit einem schwarzen Modell und erlebte einen regelrechten Run auf die Pullover. Eigentlich zu unrecht. Immerhin gingen je verkauftem Pullover 20 Dollar an die American Cancer Society.

Steve Jobs und seine Jeans: Nahezu unzertrennlich

Wie sehr viele Amerikaner war Steve Jobs schon immer Jeans-Träger. Levi's hat mit der robusten Nieten-Hose, die ursprünglich als Arbeiterkleidung gedacht war ein ur-amerikanisches Kleidungsstück geschaffen. Was für Jobs in seiner Jugend wohl selbstverständlich war, wurde später Teil seiner Uniform. Jobs hatte bekanntlich eine Vorliebe für ikonisches Design und sah das wohl auch im Erfolgsmodell 501. Jobs tauschte die Jeans nach seiner Rückkehr zu Apple nur selten gegen etwas anderes. Auch auf Paparazzi-Fotos, bei Geschäftsterminen und öffentlichen Auftritten sah man ihn nahezu ausschließlich in Levi's-Jeans.

Hunderte soll Jobs davon im privaten Kleiderschrank lagern. Doch das stimmt nicht ganz. Dazu muss man folgendes wissen: Jeans waren nicht immer so, wie wir sie heute kennen – mit diversen Waschungen in allen erdenklichen Farben mit und ohne Löcher und anderen Abnutzungserscheinungen. Jeans kaufte man bis in die späten 60er meist ohne extravagante Waschung – die gab es gar nicht . Der ungewaschene, einfarbig dunkelblaue Denim-Stoff ging  beim Waschen erst noch ein und erhielt über die Jahre des Tragens Abschürfungen und Farbkontraste. Auch heute noch gibt es Jeans zu kaufen und wer genau hinsieht, stellt fest, dass auch Jobs ein Anhänger von so genanntem raw denim ist.

Meist trug er jeweils über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren Tag ein Tag aus ein und dieselbe Levi’s-Hose. Von Keynote zu Keynote wurden diese sichtlich “verwaschener”. Wer es genauer wissen will: Jobs trug nicht nur gewöhnliche Levi’s-Jeans, sondern Vintage-Reproduktionen. Eine Tochter des Levi’s-Konzerns stellt die Hosen her, die ihren Vorbildern aus verschiedenen Jahrzehnten in puncto Stoff, Schnitt und Details nachempfunden sind. 250 Euro bezahlt man dafür derzeit. Jobs trug von Mitte 2005 bis Ende 2007 ein 1955er-Modell, danach bis April 2010 ein 1947er-Modell mit engerem 40er-Jahre-Schnitt.

Mit Löchern hatte Jobs kein Problem. Auch bei der Vorstellung des iPads 2010 war ein Hosenbein durchgewetzt. Nur die letzten zwei Jahre trug Jobs „normale“ vorgewaschene Jeans. Wer nachrechnet, wird also schnell merken, dass bei dieser Angewohnheit keine einhundert Hosen zusammen kommen. Seit seiner Rückkehr zu Apple beispielsweise waren es vermutlich nicht einmal ein Dutzend.

Jobs und sein Fable für ikonisches Design: Schuhe und Brille

Ob Steve Jobs' Schuh-Wahl die gleiche Eleganz wie die von ihm so sehr geliebten Apple-Produkte aufwies, lassen wir einmal außen vor. Ganz grundlos wird Jobs seine Sneaker jedoch nicht gewählt haben. Turnschuh-Liebhaber wissen: Jobs trug eine ur-amerikanische Modellreihe. Die 99x-Serie vom US-Hersteller New Balance gibt es seit 1982. Schon damals trug Jobs die Schuhe mit dem N. Der ursprüngliche 990 war der erste Laufschuh, der über 100 Dollar kostete und für damalige Zeiten fortschrittlich. Das behauptet zumindest der Hersteller selbst. New Balance stellt einen Teil seiner Schuhe in den USA her, darunter auch die 99x-Serie. Jobs trug bis zuletzt das Modell 992. Vielleicht ist die einheimische Fertigung ein Grund dafür. Möglicherweise ist es auch Gewohnheit oder die Tatsache, dass ihm dieses Modell schlichtweg am besten passte. Einem Bericht zufolge hat Jobs Schuhgröße 14 und benötigt extra weite Treter. New Balance kommt ihm da wohl gelegen, der Hersteller bietet die meisten Modelle in verschiedenen Weiten an.

Viele Kleine Geschichten tauchten nach Jobs' Tod auf, auch diese: Seine Brille bezog er aus Deutschland. Lunor heißt der Hersteller seiner randlosen, runden Brille. Ein Kleinbetrieb im baden-württembergischen Althengstett fertigt die Brillen. Normalerweise waren es rund 70 im Jahr. Nach Jobs' Tot gab es in nur drei Wochen ganze 600 Bestellungen.

Artikelbild: ibtimes.com