iPhone 8 und X: Der Verzicht auf USB-C ist Apples großer Fehler [Kommentar]

Frank Ritter
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Apple vermarktet das iPhone X als Ausblick in die Zukunft. Dafür ist das Gerät in einer Hinsicht erstaunlich konservativ: Apple setzt weiter auf die proprietäre Lightning-Buchse statt USB-C. Das ist schlecht für die Kunden.

iPhone 8 und X: Der Verzicht auf USB-C ist Apples großer Fehler [Kommentar]

Das iPhone X war der Star des gestrigen Abends. Apple selbst sieht das Gerät als ersten Einblick in die Zukunft, die nächste iPhone-Dekade. Der Bruch mit Bestehendem ist einerseits notwendig, hat andererseits aber auch eine Tradition bei Apple, die mit dem iPhone X fortgeführt wird. Es gibt einige Brüche zu verzeichnen: Eine andere Displaytechnologie, der Verzicht auf einen Homebutton, Face ID und die damit einhergehende Sensorik, die auch für Fotografie und Gesichtserkennung tolle Möglichkeiten eröffnet.

An einer Stelle fehlt mir allerdings der Bruch mit Gewohntem: Der Lightning-Anschluss bleibt, Apple zeigt auch mit den neuen iPhones dem etablierten – und nicht zuletzt von den aktuellen MacBooks unterstützen – USB Typ C die kalte Schulter, obwohl die Rufe danach laut waren. Das ist nicht nur bedauerlich, sondern ein Fehler.

Versteht mich nicht falsch, es gibt gute Gründe für Lightning. Als erstes ist da natürlich die Kompatibilität mit Zubehör zu nennen, das die meisten iPhone-Fans besitzen. Wer mag sich denn „schon wieder“ neue Ladegeräte anschaffen, neue Dockingstationen oder gar Adapter. Aber mit dem Weglassen der Klinkenbuchse im iPhone 7 hat Apple vor einem Jahr eine noch unpopulärere Entscheidung gegen den erwartbaren Widerstand der Fans durchgesetzt – und die Entscheidung ohne mit der Wimper zu zucken als „mutig“ bezeichnet. Wo ist dieser Mut heute?

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iPhone X im Hands-On

Zum Thema Laden ist einzuwenden, dass Apple mit Wireless Charging eine neue Möglichkeit integriert hat, sein iPhone 8, 8 Plus oder X mit Saft zu versorgen. Der Konzern hätte, um die bittere Pille wenigstens ein bisschen schmackhafter zu machen, seinen iPhones durchaus eine Qi-Wireless-Station beilegen können – die Produktionskosten sind nicht hoch, als Endkunde bekommt man gute Qi-Stationen bereits für rund 15 Euro.

Der Umschwung auf USB-C wäre die kundenfreundlichere Variante gewesen. Denn der Markt ist voll mit kompatiblem Zubehör, und USB-C eröffnet gigantische Möglichkeiten: Externe Bildschirme per Thunderbolt ansteuern! Mäuse, Tastaturen, Mikrofone, Netzwerkadapter anschließen! Das iPhone mit dem gleichen Kabel laden wie das MacBook! Ein offener Standard wie USB-C, der seit Jahren existiert, ist ein gemachtes Nest, in das sich Apple hätte setzen können – freilich unter Verzicht auf Lizenzeinnahmen für zertifiziertes Zubehör und damit einhergehend ein gewisser Kontrollverlust im wohlkuratierten Ökosystem. Vermutlich ging es Apple darum, diese Kontrolle zu behalten. Zum Wohle des Nutzers – selbstverständlich.

Aber wer weiß, möglicherweise steckt hinter dem Beibehalten von Lightning ja ein anderer Plan, von dem wir noch nichts wissen. Vielleicht verabschiedet sich Apple ja im kommenden Jahr vollständig vom kabelgebunden Laden und setzt ausschließlich auf Wireless? Dann hätte der Wechsel auf USB-C in diesem Jahr auch keinen Sinn mehr ergeben. Das wäre eine echte Disruption und, nun ja ... mutig.

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