Reportage über Apple-Zulieferer teilweise erfunden

Katia Giese
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Zwei Monate nach Veröffentlichung einer Aufsehen erregenden Reportage über den Apple-Zulieferer Foxconn rudert die Medienwelt zurück. “Mike Daiseys Berichte waren teilweise erfunden”, hieß es gestern bei der renommierten Radio-Sendung “This American Life”. 

Reportage über Apple-Zulieferer teilweise erfunden

Mit seinem Bericht über schlechte Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit und Selbstmorde der Foxconn-Angestellten stieß der Apple-Fan Mike Daisey auf offene Ohren. Die öffentlich-rechtlichen Hörfunkmacher von “This American Life” erreichten mit dem im Januar veröffentlichten Podcast “Mike Daisy and the Apple Factory” Rekordzahlen bei den Zuhörern. Auch die New York Times griff die Geschichte auf, die sich so gut in die Kritik an den Herstellungsprozessen bei Apple einfügte.

Die berührende Geschichte, die Daisey von seinem Besuch im Foxconn-Werk Shenzhen erzählt, begann zu bröckeln, als der Radio-Reporter Rob Schmitz die Übersetzerin aufspürte. Li Guifen, alias Cathy Lee, begleitete Daisey auf seiner Reportage und dementiert einige Teile der Radio-Reportage. Unter anderem habe er niemals einen Arbeiter mit einer von der iPad-Produktion entstellten Hand getroffen. Auch das 13-Jährige Mädchen sei frei erfunden.

Moderator und kreativer Kopf hinter “This American Life” Ira Glass drückte in seiner gestrigen Sendung Bedauern über die falschen Berichte aus. “Daisey hat uns angelogen, als wir vor der Ausstrahlung die Fakten überprüften. Das entschuldigt nicht, dass wir überhaupt damit On Air gegangen sind. Es war unser Fehler”, räumt er ein.

Mike Daisey selbst zeigt wenig Reue: “Ich stehe zu meiner Arbeit. Meine Arbeit ist mehr theatralisch (als journalistisch), und soll eine menschliche Verbindung zwischen unseren Geräten und den brutalen Umständen schaffen, aus denen sie stammen”, liest es sich auf seinem Blog. Nach alledem sei er außerdem stolz, dass seine Arbeit so viel Aufmerksamkeit erhalten und Bedenken gegenüber den Arbeitsbedingungen in China geweckt hat.

Für eine objektive Berichterstattung genügen Daiseys gute Absichten freilich nicht. So reagierten gestern und heute auch andere große Publikationen, unter anderem die New York Times, auf die erfundene Geschichte und entfernten ganze Absätze in bereits erschienenen Beiträgen.

Weitere Themen: Apple Watch Special Event 9. März 2015 – Liveblog, Apple Special Event Oktober 2014, iTunes, iTunes für Mac, iOS, App Store, The Swift Programming Language – Handbuch , OS X Yosemite, iOS 7, Apple

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