One Piece World Seeker im Test – „Ich habe meinen Controller fast an die Wand geworfen!“

Kamila Zych

In One Piece World Seeker erlebst du als Ruffy ein völlig neues Abenteuer, das vor allem mit seiner offenen Welt überzeugen will. Ob es Fans des Animes und Open World-Liebhaber gleichermaßen zufriedenstellt, klärt GIGA GAMES-Redakteurin Kamila im Test. Eines soll aber schon vorweg gesagt sein: Wenn du dich schnell aufregst, solltest du das Spiel besser nicht zocken.

Kommen wir zunächst auf die Spielwelt zu sprechen: One Piece World Seeker spielt auf der sogenannten Gefängnisinsel, früher auch Juweleninsel genannt. Läufst du durch die Welt merkst du schnell, woher die Insel ihren ursprünglichen Namen hat: Auf der Insel finden sich vereinzelt riesige Juwelen, die aus dem Boden ragen, und auch du stolperst auf deinem Weg gelegentlich über ein Juwel, das du einsammeln und zur Herstellung von Ausrüstung verwenden kannst. Generell wirkt die Spielwelt sehr farbenfroh, abwechslungsreich und stimmig. Ich habe mich des Öfteren dabei ertappt, wie ich kurz an einem Hang stehenblieb, nur um die Aussicht zu genießen.

Die Illusion der Open World

Doch auch wenn die Welt durch seine Größe und ihre abwechslungsreichen Orte zum Erkunden anregt, solltest du nicht allzu viele Erwartungen daran haben. One Piece World Seeker bietet zwar eine offene Welt – eine komplette „Open World“ ist sie jedoch keinesfalls. Die Art und Weise, wie du zu einem Ort gelangst ist nämlich nur bedingt flexibel. Möchtest du beispielsweise einen Hügel erkunden, stehen dir ein paar Stufen zur Verfügung, die du hinauflaufen kannst. Wählst du einen anderen Weg, landest du schlimmstenfalls auf einer Felsklippe, aus der dich meist nur noch die Schnellreise retten kann.

Die Illusion der „Open World“ wird dir spätestens in der Stahlstadt genommen. Hier läufst du mehrfach an scheinbar geöffneten Läden und Gaststätten vorbei, in denen sich teilweise sogar Personen befinden. Willst du allerdings das Gebäude betreten, hält dich eine unsichtbare Wand davon ab:

Unabhängig von der inkonsequenten Open World-Durchsetzung, fügt sich die Spielwelt optisch sehr gut in das One Piece-Universum ein. Ähnlich sieht es bei den Charakteren aus; sie alle wirken, als wären sie aus der Anime-Serie entsprungen. Große Variation darfst du dabei aber nicht erwarten: Feinde, wie auch NPCs – ausgenommen Haupt- und Nebencharaktere – bedienen sich einer Bandbreite von etwa fünf Charakter-Designs, die sich höchstens farblich voneinander unterscheiden. Fans des Animes sind diesen Umstand sicherlich schon gewöhnt. Auch die Animationen und Audio-Spuren der einzelnen Charaktere beschränken sich außerhalb von Cutscenes auf ein Minimum. Das erinnert mich irgendwie an alte PS2-Spiele und weckt bei mir den Eindruck, als hätten die Entwickler hier ein wenig Arbeit sparen wollen.

Wie so ein Dialog in One Piece World Seeker aussieht, zeigt dieses Video. Sanji macht seine Herzaugen-Animation mindestens drei mal in einer einzigen Konversation. Verrückt.

One Piece World Seeker – Dialog.

So eintönig, wie die Charaktere, wirken zum Teil leider auch die Kämpfe. Die Nah- und Fernangriffe bedienst du mit jeweils einem Knopf, kritische Treffer werden offenbar zufällig ausgelöst, was dazu führt, dass du dazu tendierst, durchgängig auf die Tasten zu hauen, bis der Gegner am Boden liegt. Indem du die Tensionsleiste durch Treffer füllst, kannst du Spezialattacken freischalten. Vorausgesetzt, du triffst innerhalb kurzer Zeit eine ausreichende Anzahl an Gegnern. Den Gear 4-Modus – in dem Ruffy zu einem Riesen mutiert – kannst du im Skill-Tree übrigens auch erwerben. Ich für meinen Teil bin nie in den Genuss gekommen, den Modus auszuprobieren, weil ich die drei dafür nötigen Tensionleisten nie füllen konnte. Je nachdem, welches Haki du aktiviert hast, kannst du im Kampf entweder ausweichen oder Angriffe blockieren. Doch das ist bei herkömmlichen Gegnern meist nicht nötig, da sie selten mehr als zwei Angriffen standhalten. Besonders intelligent scheinen sie übrigens auch nicht zu sein, aber schau selbst:

Anders sieht es aus, wenn du gegen bekannte Bösewichte aus dem Anime kämpfst. Hier kannst du selbst im leichtesten Schwierigkeitsgrad gut um die fünf Mal sterben, bevor du das individuelle Angriffsmuster deines Gegners verstanden hast. Ausweichen und Blocken ist dabei fast schon unerlässlich, denn die Angriffe deines Gegenübers richten dir teilweise weitaus mehr Schaden an, als dass deine Attacken ihn schwächen. Das erste Zusammentreffen mit einem solchen Bossgegner war für mich wie ein Wurf ins kalte Wasser, weil ich davor nur die „leichten“ Gegner hatte und diese Art von Kampf nicht erwartet habe. Irgendwann war ich einfach nur frustriert, weil ich nach etlichen Versuchen erneut gestorben bin. Ich wechselte in den leichten Schwierigkeitsgrad – und der ist immer noch ziemlich anspruchsvoll.

Hinzu kommt, dass du bei solchen großen Gegnern immer noch einen vorgeschriebenen Bereich hast, in dem du dich aufhalten musst, da die Mission sonst als fehlgeschlagen gilt. Du willst nicht wissen, wie sehr ich meinen Controller gegen die Wand werfen wollte, als ich den Gegner schon fast besiegt hatte und dann versehentlich die Grenze überschritten habe.

Aber hey, es macht auch Spaß

Ok, jetzt habe ich mich genug aufgeregt, kommen wir zu etwas Schönem: Ruffys Gum-Gum-Fähigkeit. Diese habe ich ja bereits in meiner Vorschau hervorgehoben. Anfangs klappt das Schwingen durch die Luft nicht ganz so flüssig, da du immer schnell den nächsten Marker suchen musst, um einen Folgeschwung durchzuführen. Später ist es dir mithilfe der Gum-Gum-Rakete aus dem Skill-Tree möglich, längere Strecken durch die Luft zu gleiten, wodurch dir mehr Zeit bleibt, um den nächsten Marker auszuwählen. So legst du weite Distanzen innerhalb kurzer Zeit zurück, was schneller als die Schnellreise sein kann und dazu auch noch Spaß macht.

Spaß machen auch die Nebenmissionen. Diese reichen von simplen Sammelaufgaben bis hin zu Rettungsaktionen. Auch wenn sie nicht alle sehr anspruchvoll sind, so erzählt jede eine kleine Geschichte zum Thema Freundschaft, Zusammenhalt oder Akzeptanz. Dadurch wird die Hauptstory gut ergänzt und den NPCs mehr Tiefe verliehen. Auch kannst du jeden NPC im Spiel ansprechen; einige davon geben dir Hinweise zu Missionen und machen eine Suche somit einfacher. Dadurch, dass jede Mission nicht mehr als 15 Minuten beansprucht, ist One Piece World Seeker damit auch ein gutes Spiel für Zwischendurch.

Denn so viel Spielzeit bleibt dir damit ohnehin nicht. Willst du die komplette Kampagne durchspielen und die ein oder andere Nebenmission erfüllen, bist du innerhalb von 15 Stunden fertig. Achja: Solltest du alle Nebenmissionen erledigen wollen, tu das vor dem 14. Kapitel, denn danach folgt das Spiel einem linearen Handlungsstrang.

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Warum ist das nochmal drin?

One Piece World Seeker besitzt aber auch einige Features, bei denen ich mich frage, warum sie überhaupt im Spiel sind – ohne sie hätte das Spiel sicherlich auch gut funktioniert. Die Rede ist von Ausrüstung, Expeditionen und dem Karma-System. Im Verlauf von One Piece World Seeker habe ich nicht einmal Ausrüstung hergestellt, da ich gleich zu Beginn des Spiels einen Kampfring erhielt, der alle darauffolgenden Dinge übertrumpfte. Davon abgesehen habe ich durch das Tragen der Ausrüstung keine wirkliche Veränderung im Kampf gespürt. Wäre ich knapp an Materialien gewesen, hätte ich theoretisch meine Crew-Mitglieder auf eine Expedition schicken können. Da ich aber auch so schon genug Items auf meiner Reise gesammelt und diese ohnehin nie genutzt habe, kam das für mich einfach nicht in Frage. Was das Karma-System angeht: Ich denke, dass – wenn überhaupt – nur Hardcore-One-Piece-Fans damit etwas anfangen können. Im Grunde ist es eine Liste an Aufgaben, die du abarbeiten kannst, um im Anschluss eine Extra-Szene freizuschalten. Wow.

One Piece World Seeker aus meiner Sicht

One Piece World Seeker ist ein Spiel, das Action-Adventure-Fans durchaus ein paar unterhaltsame Stunden bieten kann und darüber hinaus eine schöne Ergänzung zur Serie darstellt. Fans des Animes treffen auf viele bekannte Charaktere und eine rundum stimmige One-Piece-Atmosphäre. Falls du aber eine frei begehbare Spielwelt mit einem ausgeglichenen Kampfsystem erwartest, solltest du lieber die Finger vom Spiel lassen.

Wird dir gefallen, wenn du One Piece-Fan bist und ein Spiel suchst, dass du zwischendurch zocken kannst.

Wird dir nicht gefallen, wenn du eine „richtige“ Open World erwartest und es hasst, oft zu verlieren.

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