Bildschirmpause: Mit klugen Grenzen gegen die Handy-Sucht

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Gönnen Sie sich auch mal einen Moment, in dem Sie ihren eigenen Akku aufladen? Wie oft nehmen Sie sich Zeit nur für sich und sind einfach mal offline? Ein Gastbeitrag von Lilian N. Güntsche.

Bildschirmpause: Mit klugen Grenzen gegen die Handy-Sucht

Fast jedes Gerät fängt an wieder zu funktionieren, wenn wir es einmal ausschalten; einen Neustart machen, ein Update durchführen, eine kleine Pause einräumen. Kennen Sie das? Sie wissen vielleicht, dass dies bei Ihrem Computer oder Mobiltelefon funktioniert, doch räumen Sie sich auch selbst diese Freiheit ein? Gönnen Sie sich auch mal einen Moment in dem Sie ihren eigenen Akku aufladen? Wie oft nehmen Sie sich Zeit nur für sich und sind einfach mal offline?

(aus „Achtsamkeit in digitalen Zeiten“, S. 116)

In meinem Buch „Achtsamkeit in digitalen Zeiten“ stelle ich diese und ähnliche Fragen mit dem Ziel, dem Leser sein Digitalverhalten bewusster zu machen, um für sich eine gesunde Balance zwischen virtuellen und realen Leben zu finden. Denn obgleich uns die Digitalisierung viele Chancen und Möglichkeiten geschenkt hat, wie zum Beispiel ort- und zeitunabhängig zu sein, so ist es doch ein Segen und ein Fluch zugleich. Viele Menschen haben heute Schwierigkeiten „mal abzuschalten“, nicht erreichbar zu sein und begeben sich auf der Suche nach Hilfe aus ihrer digitalen Abhängigkeit sogar auf sogenannte „Digital Detox“ Trips. Eine Auszeit von all der Technologie steht hierbei im Vordergrund. Das Offline Sein will neu gelernt werden.

Wir haben durch unsere Smartphones die Chance erhalten, überall Informationen zu beziehen, Fakten zu prüfen, jederzeit E-Mails abzurufen, simultan in Kontakt mit 1.000 Freunden aus aller Welt zu sein, einen persönlichen Assistenten in der Hosentasche zu haben, der sich alles merkt, uns organisiert und durch den wir hypothetisch gedacht nichts mehr verpassen können. Das klingt ganz schön verlockend, oder?

Kein Wunder also, dass 60 Prozent der Jugendlichen lieber auf ihr Smartphone als auf ihr Liebesleben verzichten und dass 96 Prozent der Befragten in einer Google-Studie sagen, dass sie ihr Mobiltelefon dafür benötigen, Dinge zu erledigen. Und etwas zu erledigen gibt es vermutlich immer.

Daher verlassen wohl auch über 90 Prozent niemals ihr Zuhause ohne ihren mobilen Wegbegleiter und greifen ca. 85 mal pro Tag zu ihrem Smartphone (Quelle: University of Chicago Press Journals). Ich denke, das vermittelt einen plastischen Eindruck unserer Zeit und der Position des Smartphones in der Bedürfnispyramide. Nicht ohne Grund wird gerne damit gescherzt, dass die größte Angst unserer Zeit wohl in Wahrheit darin besteht, kein WLAN oder einen leeren Akku zu haben. Wo da die Grenze ziehen? Und vor allem wie?

Auf Seite 2 erfahren Sie Tipps für eine gesunde Balance aus virtuellem und echten Leben.

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