Android 9.0 P: Alle neuen Smartphone-Funktionen im Überblick

Stefan Bubeck

In Android 9.0 P rückt Google künstliche Intelligenz in den Mittelpunkt der Smartphones, um nützliche Funktionen bereitzustellen. Zudem gibt es interessante Verbesserungen unter der Haube. Ein Überblick.

Android 9.0 P im Überblick.

Google setzt bei Android P auf interessante Optimierungen rund um Dual-Kamera-Support, Benachrichtigungen, Speicherplatzbedarf, Sicherheit, digitales Wohlbefinden und selbstverständlich auch auf den aktuellen Design-Trend, dem Einschnitt für die Frontkamera („Notch“).

Hinweis: Wieso eigentlich Android 9.0 P, wenn alle Welt und Google selbst Android P schreiben? Das Unternehmen hat den offiziellen Namen und die Versionsnummer noch nicht verkündet. Die Unterschiede zwischen Android 8.1 Oreo und Android P sind aber so groß, dass wir fest davon ausgehen, dass es die Versionsnummer 9.0 wird. Über den finalen Namen kann man nur spekulieren.

Google hat erst auf dem Android Developers Blog und Mitte Mai 2018 auch auf der Google I/O 2018 umfassende Erklärungen veröffentlicht. Wir haben einen Blick auf die Highlights geworfen, die mit dem Nachfolger von Android 8.0 Oreo ins Haus stehen.

Android 9.0 P: Neue Navigation setzt verstärkt auf Gesten

Die neue Navigationsleiste in Android 9.0 P besteht jetzt aus einem Button (oder Strich), der mehrere Funktionen gleichzeitig erfüllt – je nachdem, wie man darüberwischt oder ihn antippt. Der gute alte Zurück-Button bleibt uns weiterhin erhalten, zeigt sich aber nur, wenn man ihn wirklich benötigt. Damit vereinfacht Google die Bedienung des Smartphones.

So funktioniert der Homebutton in Android 9.0 P:

  • Antippen: Zum Startbildschirm gehen.
  • Lange drücken: Google Assistant starten.
  • Zur Hälfte nach oben wischen: Zum Übersichtsbild springen.
  • Ganz nach oben wischen: Zum App-Drawer wechseln.
  • Nach rechts schieben: Durch die letzten Apps blättern.
  • Zurück-Button: Zurück (erscheint nur innerhalb von Apps).

Künstliche Intelligenz für bessere Akkulaufzeit und automatische Helligkeit

Das zu Google gehörende Unternehmen DeepMind ist für den sogenannten adaptiven Akku („adaptive Battery“) zuständig, der mit Android 9.0 P Einzug erhält und Smartphones länger laufen lassen soll. „Adaptive Battery nutzt maschinelles Lernen auf dem Gerät, um herauszufinden, welche Anwendungen Sie in den nächsten Stunden verwenden werden und welche Sie erst später oder heute vielleicht gar nicht mehr verwenden werden,“ erläutert auf der Google I/O Dave Burke, VP Engineering Android.

Künstliche Intelligenz soll auch die automatische Anpassung der Helligkeit verbessern. Dazu lernt das Smartphone, welche Helligkeitseinstellungen der Nutzer in bestimmten Umgebungen bevorzugt, und stellt diese selbstständig nach. Ein manuelles Anpassen soll damit fast komplett entfallen.

Wie wichtig künstliche Intelligenz für Google ist, zeigte auch eine Demonstration eines Telefonanrufs, bei dem der Google Assistant einen Frisörtermin vereinbarte. Das funktioniert so gut, dass der Gegenüber gar nicht gemerkt hat, dass er mit einer künstlichen Stimme spricht – behauptet zumindest Google.

Smartphonse mit Android 9.0 P denkt mit: App-Aktionen und Slices

Mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent will Google voraussagen, was der Nutzer auf dem Smartphone als Nächstes vor hat. Wer beispielsweise seine Kopfhörer mit dem Handy verbindet, könnte die Favoriten-Playlist von Spotify vorgeschlagen bekommen. Solche Aktionen sollen beim Launcher, der Smart Text Selection, dem Play Store, der Google Search App und beim Assistant auftauchen.

„Slices“ ist ein Feature, das nützliche Informationen zu bestimmten Themen direkt in der App anzeigt, in der man sich gerade befindet. Wenn man in der Google-Suche etwa nach dem Fahrdienst „Lyft“ sucht, könnte eine interaktive Karte (inklusive Fahrtdauer zur Arbeit) angezeigt werden – vorausgesetzt, man hat die Lyft-App installiert.

„Digitale Zufriedenheit“ mit mehr Übersicht, Ruhe und Nacht-Modus

Das neue Dashboard zeigt detaillierte Statistiken über das Nutzungsverhalten: Mit dem Smartphone verbrachte Zeit, Zeit pro App, Anzahl der Entsperrvorgänge und Anzahl der Benachrichtigungen. Wer sich einschränken möchte, kann zeitliche Limits pro App setzen – das erinnert sehr an Family Link, womit Eltern den digitalen Konsum ihrer Kinder kontrollieren können.

Der „Bitte-nicht-stören“-Modus stellt sämtliche Töne, Vibrationen und visuelle Unterbrechungen ab. Der „Gute-Nacht“-Modus („Wind Down“) lässt das Display zu einer vorgegebenen Schlafenszeit seine Farben verlieren, es zeigt dann Inhalte gedimmt und als Graustufen an.

Notch-Unterstützung und verschobene Anzeige der Uhrzeit

Das Essential Phone von Android-Erfinder Andy Rubin sowie Apples iPhone X waren die ersten Smartphones mit einem Display-Einschnitt am oberen Gehäuserand, nun folgen mit Asus, Huawei, LG und anderen zahlreiche Hersteller diesem Design-Kniff. So wird zwar zum einen mehr Platz für Inhalte geschaffen, aber auch eine neue Herausforderung an App-Entwickler gestellt: Der Notch sollte bestmöglich berücksichtigt werden.

Bei Google nennt sich der Einschnitt „Display Cutout“. Entwicklern werden mit Android P entsprechende Werkzeuge bereitgestellt, damit Inhalte von Apps um den Einschnitt herum platziert werden können, ohne dass dieser etwa Bedienelemente verdeckt. Der Inhalt kann so in Full Screen dargestellt werden, also ohne schwarzen Balken. Entwickler können ihre Apps vorab auf jedem erdenklichen Gerät in einer Simulation testen.

Die Anzeige der Uhrzeit wandert nun nach links oben – und zwar überall. Das sorgt für Konsistenz, ein plötzlicher Sprung auf die andere Seite (z.B. beim Ausklappen der Benachrichtigungen) soll so abgeschafft werden.

Verbesserte und reichhaltigere Benachrichtigungen

Die Darstellung von Benachrichtigungen wird bei Android 9.0 P ausführlicher und interaktiver. So können Konversationen angezeigt werden, inklusive Antwortmöglichkeiten, vorgefertigten „Smart Replies“ („Alles klar, wir sehen uns später!“) und Foto-Anhängen.

Volle Unterstützung für Multi-Kameras in Android 9.0 P

Zwei, drei oder mehr Kamerasensoren sind nichts Ungewöhnliches mehr. Mit Android P wird es Apps ermöglicht auf mehrere dieser Sensoren gleichzeitig zuzugreifen oder flink zwischen ihnen hin- und herzuwechseln. Mal schauen, was die Entwickler aus diesem kreativen Spielraum machen werden.

Fotos und Videos: Neue Dateiformate und Sparmaßnahmen

Höhere Bildqualität und kleinere Dateien: Android P wird HEIF (High Efficiency Image File Format) nativ unterstützen. Dabei handelt es sich um ein besonders effizientes Dateiformat für Fotos, das Apple bereits einsetzt, um etwa Speicherplatz auf iPhones zu sparen.

Auch neu ist die Unterstützung von HDR VP9 Video, einem offenen Format für Videodateien. Dank High Dynamic Range (HDR) sollten Videos deutlich lebendiger wirken – vorausgesetzt, das Display unterstützt die Funktion hardwareseitig.

Der für anstehende Aufgaben zuständige JobScheduler wurde verbessert. Beim Versand von Fotos und anderen Dateien wird Android P versuchen, die aktuelle Netzwerkqualität zu berücksichtigen. So werden gegebenenfalls große Datenmengen erst später versendet, wenn die Bandbreite besser ist. Kurze Nachrichten dürfen jedoch sofort durch.

Wo bin ich? Genauere Standortbestimmung und Navigation in Gebäuden

WiFi Round-Trip-Time (RTT) (auch: „Wi-Fi RTT IEEE 802.11mc“) soll deutliche Verbesserungen für die Ortung und Orientierung in Gebäuden ermöglichen. Das Smartphone kann mit RTT seinen Abstand zu den Access Points im Gebäude auf 1-2 Meter genau bestimmen, sogar ohne dass es mit ihnen verbunden ist. So könnten Apps positionsabhängige Informationen oder Features bieten, etwa weil man direkt vor einem bestimmten Ladengeschäft steht. Auch für das Zuhause ist Vergleichbares denkbar, zum Beispiel bei der Steuerung der Beleuchtung im Smart Home („Schalte DIESE Lampe hier an!“)

Künstliche Intelligenz ist die Zukunft

Die Neural Networks API wurde bereits mit Android 8.1 eingeführt, nun soll die Schnittstelle weiter verbessert werden. Entwickler bekommen Zugriff auf neun neue Optionen. Für uns Nutzer heißt das: Maschinenlernen und künstliche Intelligenz findet zunehmend auf dem Handy statt und Android P unterstützt das von Haus aus.

Weitere Verbesserungen: Sicherheit, Passwörter, Performance

Android P bekommt ein verbessertes Autofill Framework, wovon Passwort-Manager-Apps profitieren.

Kein Zugriff auf Kamera, Mikrofon und Sensoren für Hintergrund-Apps: Unberechtigten Zugriffen wird ein Riegel vorgeschoben, so soll die Sicherheit und Privatssphäre der Nutzer erhöht werden.

Selbstverständlich wurde auch die Geschwindigkeit optimiert. Für Apps die ART oder Kotlin nutzen, verspricht Google spricht bei Android P Beschleunigung und weniger Speicherbedarf. Die für die Energieeffizienz relevanten Funktionen Doze, App Standby und Background Limits wurden ebenso überarbeitet – das sollte für bessere Akkulaufzeiten sorgen.

Android: Google zeigt die Zukunft des Betriebssystems.

Android P: Ausblick auf Termine

Die finale Version von Android P wird voraussichtlich im dritten Quartal 2018 erscheinen.

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