Der Sommer ist vorbei, die kalten Tage mehren sich – und die Gaspreise, die viele Verbraucher in Deutschland zahlen, klettern in unvorstellbare Höhe. So zumindest sieht es in Briefen der Energieunternehmen aus, die dieser Tage mit Preiserhöhungen in vielen Briefkästen landen. Doch auf dem Gasmarkt fallen sind die Preise von ihrem Allzeithoch wieder deutlich gesunken. Ist der Teuer-Winter also abgewendet?

Gas im Großhandel günstiger, doch das Aufatmen lässt noch auf sich warten

Beim Blick auf die Gaspreise dürfte vielen Deutschen mulmig werden. Gedanken an die kommenden Monate und daran, was die hohen Preise für den Geldbeutel bedeuten, machen große Sorgen. Doch während Energieversorger aktuell gefühlt eine Preiserhöhung nach der anderen verkünden, geht der Gaspreis im Großhandel seit Wochen zurück – und das nicht einmal wenig.

Die Megawattstunde niederländisches Erdgas kostete mit Stand vom Montag, 26. September, im Terminkontrakt TTF rund 172 Euro (Quelle: Handelsblatt). Seit Ende August sind die Großhandelspreise deutlich rückläufig. Der Gaspreis in Europa, für den der TTF-Kontrakt als maßgeblicher Anzeiger gilt, hat damit einen vorläufigen Tiefpreis seit mehreren Wochen erreicht. Der bisher höchste Preis notierte bei rund 346 Euro an der niederländischen TTF-Börse.

Dafür gibt es gleich mehrere Gründe: Die Speicher in der EU sind gut gefüllt, der Druck zu hohen Preisen einzukaufen sinkt. Im europäischen Mittel liegen die Speicherstände bei gut 85 Prozent. In Deutschland sind nach Angaben des Branchenverbands Gas Infrastructure Europe inzwischen 91 Prozent erreicht. Die Sparbemühungen zeigen weiter Wirkung.

Zum anderen ist der gefürchtete Worst Case bereits eingetreten: Der Gastransport aus Russland nach Deutschland ruht, ein Ende des Lieferstopps ist kaum absehbar. Die Angst, dass es soweit kommen würde, hat sich damit zwar bewahrheitet. Doch war dieser Fall an den Märkten offenbar eingepreist. Über die Preise entscheidet der Versuch, in die Zukunft zu schauen. Das Gas aus Russland fließt nicht mehr, der Kollaps ist ausgeblieben. Die Sorge am Markt hat sich zumindest in dieser Hinsicht etwas gelegt.

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Gas bleibt teuer: Kunden müssen weiter hohe Preise zahlen

Für Verbraucher sind das erst einmal beruhigende Nachrichten. Doch auf hohe Kosten für Endkunden dürften die sinkenden Preise am Terminmarkt keine schnelle Wirkung zeigen. Laut Handelsblatt steht der echte Preisschock 2023 bevor, wenn die Versorger nach dem Winter zu hohen Preisen wieder einkaufen müssen. Auch Strom wird im kommenden Jahr Experten zufolge teurer.

Statt einer Entspannung könnten also im kommenden Jahr Energiepreise sogar noch weiter steigen. Sicherheit vor extrem hohen Nebenkostenrechnungen kann derzeit wohl nur eine politische Entscheidung geben. Ein Gaspreisdeckel steht aktuell noch zur Debatte.