Cha la head-cha-la, endlich ein echtes Rollenspiel zu Akira Toriyamas berühmtem Anime Dragon Ball Z? Wie gut sich Kakarot im Langzeittest schlägt und wieso gerade Rollenspielfans kritisch mit dem Action-RPG ins Gericht gehen werden, erfahrt ihr im umfangreichen Test.

Zu Beginn dieses Artikels muss ich ein Geständnis machen: Ich hatte lange Zeit nichts mit Mangas oder gar Animes am Hut. Bis zu dem seligen Tag im Jahr 2001, als ich das erste Mal Dragon Ball bei RTL 2 entdeckte. Irgendwie packte mich Akira Toriyamas Anime-Saga und drückte mit ihrem Humor, den liebenswerten Charakteren und vor allem den epischen Schlachten genau die richtigen Knöpfe bei mir.

Entsprechend hoch waren meine Erwartungen und Hoffnungen an Dragon Ball Z: Kakarot. Schließlich spiele ich in dem Action-Rollenspiel noch einmal die wichtigsten Momente der Geschichte nach – vom ersten Auftritt von Radditz bis hin zur berüchtigten Boo-Saga.

Werft einen Blick auf Dragon Ball: Kakarot:

Dragon Ball Z: Kakarot - Launch Trailer.

Ein Abenteuer für DBZ-Fans

Tatsächlich erfüllt Dragon Ball Z: Kakarot meine Hoffnungen – zumindest in der Hauptgeschichte. Folge ich dem roten Story-Faden, entfaltet Dragon Ball Z: Kakarot wirklich seine gesamte Faszination. Im Verlauf der gut 30- bis 40-stündigen Geschichte wechseln immer wieder die spielbaren Charaktere. So übernehme ich zu Beginn etwa Son-Goku und Piccolo, später aber auch Vegeta, Son-Gohan und andere Helden des DBZ-Universums. Keine Bange, ich verzichte an dieser Stelle auf Spoiler.

Das Spiel inszeniert die großen Momente wirklich ausgezeichnet. Die Zwischensequenzen sind stimmig und besitzen einen enormen Wiedererkennungswert. Lediglich die Darstellung der Dialoge wirkt mitunter ein wenig steif, da sich die Charaktere einfach nur gegenüber stehen und ihr Sprüche runterspulen. Besonders wichtig: Dragon Ball Z: Kakarot besitzt lediglich deutsche Untertitel bei englischer oder japanischer Sprachausgabe. Wer also auf die deutsche Synchro gehofft hatte, wird hier enttäuscht.

Anime zum Mitspielen

Auch in den Kämpfen fängt die Videospiel-Adaption die wichtigsten Elemente der Anime-Vorlage ein. In den Hauptmissionen gibt euch das Spiel die Figuren vor, beim freien Erkunden stellt ihr euch selbst eine Truppe aus maximal drei Figuren zusammen. Eure Kameraden agieren grundsätzlich eigenständig, allerdings könnt ihr ihnen auch Kommandos für Spezial-Attacken geben. Mit der Zeit entwickelt ihr so spannende Kombos und lernt die Stärken und Schwächen eurer Mitstreiter kennen.

Ansonsten bietet Dragon Ball Z: Kakarot genau das, was den Anime groß machte: wuchtige Schlachten, prasselnde Energie-Attacken und gewaltige Explosionen. Ich düse mit Son-Goku und Co. durch die Lüfte, donnere Vegeta, Freezer und anderen Unholden Schläge und Blasts entgegen oder dresche sie sogar durch Felsblöcke. Die Kämpfe sind herrlich chaotisch, wenn auch mitunter arg unübersichtlich. Gerade wenn sich die Gefechte ins Wasser oder in die Berge verlagern, stehen oft Objekte im Weg.

Als Open-World-Rollenspiel nur Mittelklasse

Welche Aktionen ihr tatsächlich einsetzt, das bestimmt ihr selbst. Jede Figur besitzt eigene Talentbäume mit aktiven und passiven Fertigkeiten. Diese schaltet ihr in Trainingskämpfen frei und aktiviert sie schließlich mit Hilfe gesammelter Orbs. Und damit wären wir dann auch beim Charakter- und Rollenspielsystem von Dragon Ball Z: Kakarot. Das Talentsystem gestaltet sich recht überschaubar und bietet nur wenige Möglichkeiten zur Individualisierung. Zugleich mangelt es an Optionen, um beispielsweise die Outfits eurer Figuren zu wechseln. Kostümänderungen – wie etwa Vegeta im Freizeit-Dress – gibt das Spiel innerhalb der Geschichte vor.

Die offene Spielwelt wirkt indes recht generisch, erinnert aber zumindest in ihrer Darstellungsform stark an die Serie. Dragon Ball Z: Kakarot setzt dabei jedoch nicht auf eine große Welt, sondern auf über ein Dutzend Gebiete. Diese strotzen vor Sammelobjekten wie besagten Orbs, Kochzutaten und später sogar den Dragon Balls, mit denen ihr euch Wünsche erfüllen lasst.

Allerdings fehlten mir stimmungsvolle Side-Quests, die diese Welt wirklich zum Leben erwecken. Zwar trefft ihr viele bekannte Sidekicks aus dem Anime, die Missionen selbst aber kratzen zu oft an der Oberfläche und sind häufig simple Botengänge. Häufig schaltet ihr Seelenabzeichen für die verschiedenen Community-Boards frei und aktiviert so passive Vorteile in Kategorien wie Kampf oder Kochen. Sehr schön: Das Anpassen der verschiedenen Charakterkonstellationen auf den Spielbrettern macht durchaus Spaß und motiviert zum Ausprobieren, auch wenn der Einfluss dieser Funktionen überschaubar bleibt. Gleiches gilt übrigens für das Kochen. Mit Gerichten verschafft ihr euch vorübergehende Buffs und stärkt euch so für den nächsten Bosskampf.

Fazit

Wird euch gefallen, wenn ihr endlich die wichtigsten Geschichten des „Dragon Ball Z“-Universums nachspielen wollt.

Wird euch nicht gefallen, wenn euch Nebenquests mit Tiefgang und ein komplexes Charaktersystem bei einem Rollenspiel besonders wichtig sind.

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19 Games, die die Geschichte der Dragon Ball-Spiele geprägt haben

Bei Dragon Ball Z: Kakarot schlagen zwei Herzen in meiner Brust: Ich liebe die Präsentation der Hauptgeschichte, die Kämpfe und all die großen Momente. Ich hatte beim Spielen mehr als ein Mal Gänsehaut und habe mich in einem Actionspiel schon lange nicht mehr so gut aufgehoben gefühlt. Dragon Ball Z: Kakarot ist ein Fest für Fans der Vorlage. Sucht ihr aber nach einem wirklich guten Rollenspiel, dann enttäuscht Dragon Ball Z: Kakarot auch. Die Nebengeschichten sind langweilig, die offene Spielwelt limitiert und öde und dem gesamten Charaktersystem mangelt es an Tiefe. Echte Fans jedoch verlieren sich trotz dieser Probleme schnell im Charme von Dragon Ball Z.

Dragon Ball Z: Kakarot ist am 17. Januar 2020 für PC, Xbox One und PS4 erschienen.