Mit dem OnePlus 8 Pro geht der chinesische Hersteller neue Wege: Erstmals herrscht zumindest auf dem Papier Gleichstand mit der Oberklasse-Konkurrenz von Samsung, Apple und Co. Dafür erreicht aber auch der Preis neue Höchststände. Wie sich das Flaggschiff-Smartphone in der Praxis schlägt, klärt GIGA-Experte Kaan im Test. 

 

OnePlus 8 Pro

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OnePlus 8 Pro

OnePlus 8 Pro im Test: Fazit

Dank Neuerungen wie Wireless Charging, einer IP-Zertifizierung, dem 120-Hz-Display und nicht zuletzt der verbesserten Kamera ist OnePlus nun endgültig in die Champions League der Smartphone-Hersteller aufgestiegen. Jahrelang waren die Handys der Chinesen die Verkörperung der „Ja, aber“-Smartphones – das OnePlus 8 Pro bricht diese fragwürdige Tradition und ist erstmals uneingeschränkt empfehlenswert. Die Schattenseite der Entwicklung ist aber beim Preis zu erkennen. Mit 899 Euro ist das OnePlus 8 Pro genauso teuer wie die Mitbewerber in der Smartphone-Oberklasse und kann sich im Kampf um den Käufer nicht mehr auf einen günstigeren Preis verlassen. Damit begibt sich OnePlus auf ein riskantes Abenteuer, dessen Ausgang jetzt noch nicht abzusehen ist.

Vorteile:

  • Starke Performance
  • Hervorragendes Display mit 120 Hz
  • Schlanke Software mit vielen Einstellungsmöglichkeiten
  • Gute Stereo-Lautsprecher
  • Kameras auf Top-Niveau
  • Exzellente Verarbeitung
  • Großer Akku mit Fast Charging (drahtlos und kabelgebunden)
  • IP-Zertifizierung
  • Flotter In-Display-Fingerabdrucksensor
  • Physischer Alert-Slider
  • 5G-fähig

Nachteile:

  • Abgerundete Displayränder sorgen manchmal für Fehleingaben und stören beim Videoschauen
  • Vergleichsweise groß und schwer
  • Kein microSD-Slot
  • Wireless Charging mit 30 Watt nur über separat erhältliche Ladestation möglich
  • Gestensteuerung unausgereift
  • Kamera könnte in Nachtaufnahmen bessere Ergebnisse erzielen

OnePlus 8 Pro im Test: Wertung

  • Verarbeitung, Haptik und Design: 5/5
  • Display: 5/5
  • Kameras: 4/5
  • Software: 5/5
  • Performance: 5/5
  • Telefonie und Audio: 4/5
  • Speicher: 4/5
  • Akku und Alltag: 4/5

OnePlus 8 Pro im Test: Design und Verarbeitung

Äußerlich unterscheidet sich das OnePlus 8 Pro nur in Details vom Vorgänger. Das ist kein Nachteil, denn bereits das OnePlus 7T Pro war schon ein echter Hingucker. Auffälligste Merkmale sind das mittig platzierte Kameramodul auf dem Rücken sowie die gebogenen Ränder an Vorder- und Rückseite, die von einem Metallrahmen eingefasst sind. Keine Frage, das OnePlus 8 Pro ist todschick und das mattierte Glas unseres grünen Testgeräts ist nicht nur ein echter Augenschmaus, sondern verhindert auch weitgehend unschöne Spuren von Fingerabdrücken.

An der Verarbeitungsqualität gibt es ebenfalls nichts zu bemängeln: Spaltmaße oder ähnliches sucht man vergeblich und auch die Tasten bieten knackige Druckpunkte. Einzig das Gewicht von knapp 200 Gram und die Größe von 163 mm könnten manchen abschrecken, wobei das Handy zumindest sehr gut ausbalanciert ist und damit etwas von seinem XXL-Faktor ausgleicht.

OnePlus 8 Pro im Test: Display und Lautsprecher

Die Außenmaße sind natürlich dem Display geschuldet: Gigantische 6,78 Zoll misst der AMOLED-Bildschirm des OnePlus 8 Pro in der Diagonalen. An dieser Stelle hat sich OnePlus dieses Jahr selbst übertroffen: Nichts, aber auch gar nichts gibt es am Display im OnePlus 8 Pro auszusetzen. Die Auflösung mit 3.168 x 1.440 Pixeln ist super-scharf, die Helligkeit exzellent, die Blickwinkel stabil und Farben so lebendig wie ein Kindermalbuch. Als Sahnehäubchen gibt es HDR10+ und eine Bildwiederholrate von 120 Hz. Im Vergleich zum Vorgänger, der ein 90-Hz-Display besaß, mag sich dieser Sprung minimal anhören – aber man sieht ihn: Alles wirkt so viel flüssiger! Wer einmal ein Handy mit 120-Hz-Bildschirm in seinen Händen hielt, kann nur schwer wieder auf die standardmäßigen 60 Hz zurück. Lobenswert: Das OnePlus 8 Pro erlaubt die gleichzeitige Verwendung von 120 Hz und höchster Auflösung. Bei der Konkurrenz von Samsung gibt es die maximale Bildwiederholfrequenz nur mit Full HD+.

Etwas zu meckern gibt es dann aber doch: Die abgerundeten Displayränder können im Alltag teilweise sehr nervig sein, da sie immer wieder Fehleingaben provozieren und auch beim Videogucken durch Lichteinfall an den Rändern stören. Hier würden wir uns wünschen, dass OnePlus bei zukünftigen Smartphones die Rundung etwas zurückschraubt oder direkt eine Version mit flachem Display anbietet.

Mindestens genauso wichtig wie ein tolles Display ist aber auch der Sound. Glücklicherweise kann das OnePlus 8 Pro auch hier punkten. Die beiden Lautsprecher des Smartphones, einmal an der Unterseite des Geräts angebracht und einmal in der Hörmuschel versteckt, erzeugen einen kräftigen Klang – zumindest für ein Handy. Selbst bei hohen Volumeneinstellungen gibt es nur leichte Verzerrungen, allerdings hätten wir uns etwas mehr Bass gewünscht.

OnePlus 8 Pro im Test: Performance und Software

Pure Leistung gehört seit jeher zu den Stärken von OnePlus‘ Top-Smartphones und auch das OnePlus 8 Pro macht hier keine Ausnahme. Der Snapdragon-865-Prozessor und – je nach Modell – 8 GB oder sogar 12 GB RAM sowie flinker UFS-3.0-Speicher sorgen dafür, dass das Handy in jeder Situation pfeilschnell arbeitet. Ruckler, Bedenksekunden oder ähnliches wird man beim OnePlus 8 Pro nicht finden. Das OnePlus 8 Pro rennt und rennt und rennt – egal, ob Multitasking, aufwändiges 3D-Spiel, Bildbearbeitung oder Videoschnitt oder andere leistungsintensive Aufgaben.

An der herausragenden Performance trägt auch die schlanke Software ihr Scherflein bei. OxygenOS auf Basis von Android 10 verzichtet auf Spielereien oder unnötige Bloatware, die man von anderen Android-Herstellern kennt. Das heißt aber nicht, dass die OnePlus-Software wenige Features zu bieten hat – im Gegenteil. Anpassung von Akzentfarben und Button, Farbmodi des Displays, Schriftarten, Uhrenstile auf dem Sperrbildschirm und vieles weitere mehr kann der Nutzer einstellen.

Gestört hat uns jedoch die Gestensteuerung, die nicht so flüssig wie auf iOS läuft und in manchen Apps nicht korrekt funktionierte. Das allerdings ist ein allgemeines Android-Problem und hat damit zu tun, dass die Zurück-Geste und die Geste zum Öffnen eines Hamburger-Menüs gleich ist. Bei Slack war das zum Beispiel ganz schlimm: Jedes mal, als man das Menü öffnen wollte, schloss man die App unbeabsichtigt. Wir haben dann auf die klassische Button-Navigation umgestellt.

OnePlus 8 Pro im Test: Kamera

Traditionell gehört die Kamera zu den Achillesfersen von OnePlus. Auch wenn der Hersteller in den vergangenen Jahren einiges getan hat, um den Abstand zur Konkurrenz zu verringern, konnten die Kameras in den Vorgängermodellen nicht mit der Crème de la Crème von Huawei, Google oder Samsung mithalten. Und wie sieht es beim OnePlus 8 Pro aus? Besser, viel besser! Im Smartphone ist eine Vierfach-Kamera verbaut, die einen 48 MP starken Hauptsensor mit einem ebenfalls 48 MP starken Ultraweitwinkel verbindet. Hinzu kommen eine 3x Telefoto-Linse und eine Farbfilter-Kamera. Bei normalen Lichtverhältnissen liegt das OnePlus 8 Pro auf einem Level mit den Mitbewerbern. Schärfe und Farbwiedergabe passen, Bildrauschen gibt es nur wenig. Auch der Zoom und Ultraweitwinkel machen insgesamt eine gute Figur, auch wenn letzterer etwas abfällt. Lediglich bei Nachtaufnahmen kommt das OnePlus noch nicht ganz an die Konkurrenz heran, hier muss der Hersteller beim nächsten Modell nachlegen.

OnePlus 8 Pro: Akkulaufzeit

Ordentliche 4.510 mAh misst der Akku im OnePlus 8 Pro. Bei mittlerer Helligkeit haben wir eine durchschnittliche Display-On-Zeit von etwas mehr als zehn Stunden erreicht. Einen normalen Werktag hält das Smartphone also locker durch, bei sparsamer Nutzung gerne auch mal 1,5 bis 2 Tage. Das 120-Hz-Display saugt aber stark am Akku, das sollte jedem Nutzer klar sein. Wer viel Wert auf eine lange Akkulaufzeit legt, sollte das Feature in den Einstellungen deaktivieren.

Erstmals bietet OnePlus in einem seiner Flaggschiff-Smartphones auch Wireless Charging mit 30 Watt an – in der Geschwindigkeit allerdings nur mit einem separat erhältlichen Ladegerät, das das Handy während der Ladung aktiv kühlt. Das ist schade, denn um das volle Potenzial ausschöpfen zu können, müssen Käufer des OnePlus 8 Pro zusätzlich in die Tasche greifen. Die integrierten Lüfter des Ladegeräts hört man außerdem leise. Empfindliche Ohren, die beim Arbeiten absolute Ruhe brauchen, sollten das bedenken. Uns hat es im Test aber nicht gestört. Weiterhin mit an Board ist das von OnePlus bekannte kabelgebundene Fast Charging: Die Hälfte des Akkus ist damit innerhalb von circa 30 Minuten an der Steckdose voll, ganz aufgeladen ist das OnePlus 8 Pro dann in etwa 80 Minuten.

Kaan Gürayer
Kaan Gürayer, GIGA-Experte für Smartphones, Tablets und Smartwatches.

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