Wish-App: Wie seriös ist der Händler und ist das legal?

Selim Baykara 15

Die Wish-App sorgt schon seit einiger Zeit als Alternative zu eBay und Co. für Aufregung im Netz. Gerade in den sozialen Medien findet man immer wieder Werbung für die App mit der man vermeintliche Mega-Schnäppchen machen kann. Wie immer bei Angeboten, die auf den ersten Blick zu gut erscheinen um wahr zu sein, stellt sich natürlich auch bei der Wish-App die Frage: Ist das Ganze seriös?

Worauf man beim Einkauf mit Wish achten sollte, erklären wir euch in folgendem Video:

Einkaufen mit Wish – Das sollte man beachten.

Im Internet gibt es inzwischen zahlreiche Marktplätze, die den großen Anbietern wie Amazon oder eBay Konkurrenz im Online-Handel machen. Als beliebte Alternativen haben sich hierzulande eBay Kleinanzeigen, Shpock oder Kleiderkreisel etabliert. Seit einiger Zeit hört man vermehrt von einem weiteren Anbieter namens Wish. Eine passende App gibt es auch – die Wish-App, in der man rund um die Uhr sagenhaft günstige Schnäppchen finden kann. Zu gut, um wahr zu sein?

Wish-App: Was ist das?

Wish ist eine Online-Plattform auf der Händler aus aller Welt ihr Waren anbieten können. Hauptsächlich findet ihr dort Artikel aus den Bereichen Mode/Kleider, Technik und Lifestyle. Laut Firmenangaben kaufen inzwischen „über 150 Millionen Menschen weltweit trendige Artikel 50-80% günstiger als beim Einkaufszentrum um die Ecke.“ Ganz falsch ist das nicht. Wer sich ein bisschen in der Wish-App umschaut, wird feststellen: Die Produkte sind durchweg extrem günstig  – was vermutlich auch daran liegt, dass ein Großteil der Produkte aus China geliefert wird.

Hier die wichtigsten weiteren Facts im Überblick:

  • Wish ist kein Anbieter mit eigenen Lagerbeständen sondern nur eine Plattform, auf der Händler und Online-Shops ihre Produkte ausstellen können.
  • Die Mehrzahl der Händler stammt aus China, was auch die niedrigen Preise auf Wish erklärt.
  • Bezahlt wird bei Wish und der Wish-App mittels Sofortüberweisung oder dem schwedischen Online-Payment-Anbieter Klarna.
  • Eine Bezahlung per PayPal ist nicht möglich.
  • Um Wish oder die Wish-App zu nutzen, müsst ihr euch zwingend anmelden – ihr könnt nicht einfach durch die Produkte stöbern wie bei eBay und Co.
  • Dabei könnt ihr euch sowohl mit Facebook, Google oder eurer E-Mail-Adresse anmelden.
  • Wenn ihr euch mit Facebook anmeldet, könnt ihr Produkte liken und Einkaufslisten mit euren Freunden teilen.
  • Da viele Produkte aus dem Ausland verschickt werden, müsst ihr mit teilweise recht langen Wartezeiten von 30 Tagen und mehr rechnen.
  • Die Wish-App ist für Android-Geräte sowie iOS erhältlich – auch hier müsst ihr euch mit euren Zugangsdaten anmelden um Zugang zum Sortiment zu bekommen.

Hier zeigen wir euch, woran ihr seriöse Online-Händler erkennen könnt:

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An diesen 10 Anzeichen erkennt ihr Fake-Shops im Internet.

Auf den ersten Blick scheint die Wish-App eine gute Alternative für Leute zu sein, die gerne günstig im Netz einkaufen und Schnäppchen finden. Und mal ehrlich: Wer ist das nicht? Schaut man allerdings ein wenig genauer hin, stellt man fest: Auch bei der Wish-App ist nicht alles Gold was glänzt und es gibt gleich mehrere Schwachstellen. Welche das sind, erfahrt ihr im nächsten Abschnitt.

Wish-App: Erfahrungen nicht durchweg negativ, aber…

Wer sich im Netz ein wenig umhört, stellt relativ schnell fest: Die Erfahrungen mit Wish sind keineswegs nur negativ. Auch wenn man aufgrund der günstigen Preise und dem gehäuften Aufreten von chinesischen Händlern schnell an Bauernfängerei und Online-Betrug mit leichtgläubigen Kunden denken mag – es gibt durchaus zahlreiche Leute, die mit Erfolg günstige Artikel per Wish-App gekauft haben. Dennoch gibt es etliche Kritikpunkte und negative Eindrücke, die immer wieder genannt werden.

  • Bestellungen per Wish sind nur schwer nachvollziehbar: Da ihr aus dem weit entfernten Ausland bestellt und Wish nur als Vermittler auftritt, ist es schwierig bzw. häufig aussichtslos Ware zu reklamieren.
  • Wenn ihr bei einem Händler in China bestellt und die Ware trotz Bezahlung nicht eintrifft, ist es ebenfalls kompliziert sein Geld zurückzubekommen.
  • Letzten Endes gibt es also keine Garantie, dass ein bestellter Artikel auch wirklich bei euch ankommt.
  • Häufig wird zudem berichtet, dass bei Wish qualitativ minderwertige Artikel verschickt werden.
  • Die Wish-App versucht auf extrem aggressive Weise Zugriff auf persönliche Daten auf eurem Smartphone zu bekommen.

Gerade der letzte Punkt verdient einige Beachtung: Wenn ihr euch in der Wish-App anmeldet, müsst ihr damit leben, dass die App euch hinterherspioniert und zahlreiche Daten sammelt. Für Datenschützer dürfte die Wish-App ein wahrer Alptraum sein – unter anderen verlangt die App folgenden Berechtigungen:

  • Zugriff auf alle eure Kontakte
  • Zugriff auf alle Netzwerke und Netzwerkverbindungen
  • Berechtigung USB-Speicherinhalte zu lesen, zu ändern oder zu löschen
  • Berechtigung Bilder und Videos aufzunehmen.

Für eine angebliche Shopping-App ist das natürlich sehr viel. Ziel der umfassenden Datenschnüffelei ist vermutlich, passende Shopping-Vorschläge aufgrund eurer Vorlieben zu erstellen oder personalisierte Werbung in der Facebook-Timeline zu schalten. Gerade wenn man vorhat, sich bei Wish mit einem bestehenden Account eines anderen sozialen Netzwerks einloggt, sollte man sich das aber gut überlegen. Welche Daten hierbei ausgetauscht werden ist nicht nachvollziehbar und ihr müsst schlicht darauf hoffen, dass Wish keinen Missbrauch betreibt – Transparenz sieht anders aus.

Wish - Smart Shoppen & Sparen
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Entwickler: Wish Inc.
Preis: Kostenlos

Wish-App: Zoll und Bestellung – Kosten im Überblick

Wish tritt wie gesagt nur als Vermittler auf – ihr sucht euch die Ware in der App aus und werdet anschließend zu einem der bei Wish registrierten Online-Shops weitergeleitet. Daraus folgt: Es gibt kein einheitliches Bezahlmodell, außerdem kommen eventuell Folgekosten und Zollgebühren auf euch zu.

  • Wish berechnet nur die Kosten für den Artikel selbst – um den Versand, Zoll und andere Gebühren müsst ihr euch kümmern bzw. die Kosten mit dem jeweiligen Shop klären.
  • Gerade bei den Versandkosten ist ein Problem, dass ihr nicht genau wisst, welche Kosten im Vorfeld auf euch zukommen – ihr seht das erst dann, wenn es schon zum Bezahlvorgang geht.
  • Wenn ihr mehrere Artikel bei verschiedenen Shops bestellt, können die Versandkosten schnell steigen, da jeder Shop den Versand getrennt berechnet.
  • Beachtet zudem, dass ihr für Artikel aus dem Ausland (Fernost etc.) eventuell Zollgebühren zahlen müsst. Der Zoll kann dabei bis zu 20% des Artikelpreises als Einfuhrgebühr berechnen.
  • In Ausnahmefällen kann es sogar vorkommen, dass ihr die Ware persönlich beim Zoll abholen müsst. In der Praxis passiert das allerdings eher selten.

Falls es Probleme bei der Bestellung oder dem Versand gibt, müsst ihr das ebenfalls mit dem jeweiligen Shop selbst klären. Wish bietet euch dazu ein Kontaktformular an, das über die Plattform an den Shop gesendet wird. Eine Wish-Hotline für Probleme gibt es – wie bei vielen anderen Web-basierten Firmen – nicht, der Kontakt ist ausschließlich online per Internet möglich. Bei Bestellungen innerhalb Europas oder in Deutschland ist eine Reklamation oder ein Umtausch in der Regel kein Problem. Wer in China, Indien oder anderen weit entfernten Ländern bestellt, sollte sich allerdings darüber klar sein, dass hier auf jeden Fall ein gewisses Risiko besteht.

Tipp: Falls ihr euch bei einem Shop nicht sicher seid oder kein großes Risiko eingehen wollt, solltet ihr am besten nur Artikel zu einem geringen Preis bestellen. Falls alles klappt, könnt ihr dann beim nächsten Mal auch teurere Waren bestellen.

Wish-App: Alternative zu eBay aber mit Schwächen

Wer per Wish-App einkaufen möchte, sollte sich klarmachen, dass es dort zwar sagenhaft günstige Preise gibt, die Qualität der Waren sowie die Lieferbedingungen aber keineswegs deutschen Maßstäben entsprechen. In vielen Fällen werden minderwertige Artikel verkauft, bei Gadgets und elektronischen Geräten kann es vorkommen, dass Bauteile schlecht verarbeitet sind oder fehlen. Auch die fehlende Möglichkeit per PayPal zu zahlen, dürfte viele potentielle Kunden verprellen. Wer nicht so sehr Wert auf hohe Qualität legt und notfalls auch den Verlust von kleineren Euro-Beträgen verschmerzen kann, darf sich die Wish-App – auf eigenes Risiko – ansehen. Alle anderen sind besser mit den etablierten Wish-App-Alternativen wie eBay, Amazon oder eBay Kleinanzeigen beraten.

Auf welchem Marktplatz kauft ihr online am liebsten ein?

eBay Kleinanzeigen, Shpock, Kleiderkreisel, Wish: Wer alte Sachen im Netz verkaufen oder kaufen möchte, hat heute die Qual der Wahl. Seit den Anfangstagen des Internets ist der Markt rasant expandiert und es gibt längst nicht mehr nur eBay. Verratet uns, welchen der zahlreichen Online-Händler ihr bevorzugt.

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