iPhone 7 im Test: Die diamantschwarze Fusion

Ben Miller
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Reiht man alle bisherigen iPhones nebeneinander auf, kann man rückblickend ziemlich gut erkennen, wann eine iPhone-Generation rein äußerlich einen größeren Sprung hingelegt hat und wann die Neuerungen eher unscheinbar aber grundlegend das Konzept des iPhone geprägt haben. Beim neuen iPhone 7 und iPhone 7 Plus ist zweifelsohne Letzteres der Fall.

103.201
iPhone 7 Review

Einige bezeichnen das neue iPhone 7 eher abwertend als „iPhone 6ss“, als ein S-Modell eines S-Modells. Dabei waren es aber meist eben diese S-Modelle, mit denen sich das iPhone nach vorne katapultierte.

Das iPhone 3GS brachte erstmals eine Autofokus-Kamera mitsamt Videoaufnahme und Videoschnitt, automatischen Weißabgleich und eine Makrofunktion mit. Das iPhone 4s hatte erstmals den sprachgesteuerten Assistenten Siri an Bord. Auch konnte man erstmals Videos in Full-HD-Auflösung aufnehmen. Das iPhone 5s war das erste Smartphone mit 64-Bit-Prozessor und Motion-Co-Prozessor (M7). Außerdem verbaute Apple erstmals den neuen Home-Button mit Touch ID.

Mit dem iPhone 6s schließlich erhöhte Apple die Auflösung der iSight-Kamera auf die heutigen 12 Megapixel, verbaute erstmals ein 3D-Touch-Display und Touch ID der zweiten Generation. Es war auch das erste iPhone mit 2 GB Arbeitsspeicher und ultraschnellem NVMe SSD-Speicher.

Es lässt sich ein Muster erkennen: In jedem S-Modell-Jahr sparte sich Apple ein aufwendiges Redesign und konzentrierte seine Ressourcen dafür auf die fundamentale Verbesserung der inneren Werte.

Mit dem iPhone 7 und iPhone 7 Plus bricht Apple mit seiner Tradition, nach jedem sogenannten „S-Modell“ – also jedes zweite Jahr – ein neues Gehäuse-Design einzuführen.
Statt eines Redesigns nur des Redesigns wegen gibt es beim iPhone 7 Wasserfestigkeit, einen A10-Fusion-Chip, der sogar einige von Intels Ultrabook-Prozessoren hinter sich lässt, Stereo-Lautsprecher, deutlich verbesserte Kameras und um Stunden verlängerte Akkulaufzeit. Ein neuer drucksensitiver Home-Button mitsamt neuer Taptic Engine, der Apple W1-Chip und der Wegfall des hundert Jahre alten Klinkenanschlusses machen den Weg frei für die iPhones der Zukunft.

Design

Rein äußerlich ähneln iPhone 7 und iPhone 7 Plus also den Vorgängern iPhone 6s und iPhone 6. Erst auf den zweiten Blick fallen doch ein paar Änderungen ins Auge. So verlaufen die Antennenlinien jetzt nicht mehr deutlich sichtbar quer über die Gehäuserückseite, sondern werden jeweils oben und unten an der Gehäusekante entlang geführt. Abgesehen davon sind die Abmessungen der neuen iPhones identisch mit denen der Vorgänger-Generation. Einen Hauch leichter sind sie jedoch geworden.

Beim neuen schwarzen Modell sowie jenem in „Diamantschwarz“ fallen diese Antennenlinien, auch dank ihrer schwarzen Färbung, damit fast nicht mehr auf. Aber auch bei den anderen Gehäusefarben Silber, Gold und Roségold wirken sie nun nicht mehr so störend, auch wenn sie hier immer noch weiß und nicht in Gehäusefarbe eingefärbt sind.

Die bereits erwähnten Farbvarianten „Schwarz“ und „Diamantschwarz“ sind neu und lösen das doch recht blasse Spacegrau ab. Erstere ist ein sehr dunkles und mattes Schwarz. Diese Farbvariante wirkt maskulin und erinnert an Tarnkappenbomber, das Batmobil des Dark Knight – oder an die Apple Watch in Space Grau. #50shadesofspacegray

Das neue „Diamantschwarz“ (auf Englisch „Jet Black“) ist ein Hochglanzschwarz, ähnlich Klavierlack. Es wirkt sehr edel und weckt Erinnerungen an das schwarze iPhone 3G und iPhone 3GS oder den aktuellen Mac Pro. Leider ist es bei weitem nicht so robust wie das Mattschwarz: Fingerabdrücke sind deutlich zu erkennen, auch verkratzt es leichter als das mattschwarze iPhone, welches durchaus die eine und anderen Schlüsselbundattacke in der Hosentasche abwehren kann.

Selbst Apple weist im Kleingedruckten auf die Kratzanfälligkeit hin und empfiehlt eine Schutzhülle zu verwenden. Da fragt man sich, warum man sich für ein diamantschwarzes iPhone 7 entscheiden sollte, wenn es so anfällig ist, dass man das edle und ansehnliche Gehäuse in einer Schutzhülle verstecken muss. Zur Haptik sei gesagt, dass das diamantschwarze iPhone 7 überraschenderweise nicht so schlüpfrig ist, wie man vielleicht vermuten würde.

Im Gegensatz zum damaligen spacegrauen iPhone 5, welches ebenfalls eher dunkel daherkam, braucht man beim mattschwarzen iPhone 7 keine Angst haben, dass hier der Lack abblättert. Es ist nämlich nicht lackiert, sondern das Aluminium anodisiert. Fingerabdrücke sind aber auch bei diesem mattschwarzen iPhone 7 erkennbar, nicht besonders deutlich, aber dennoch.

Interessant ist auch noch die neue Einfassung der iSight-Kamera auf der Rückseite. Beim iPhone 6 und 6s wirkte sie noch stiefmütterlich platziert, wie etwas, das man nachträglich angebracht hatte. Apples Chef-Designer Jony Ive selbst sagte, dass er über die herausstehende Hauptkamera nicht erfreut ist, aber es nicht möglich war das Kamera-Modul noch dünner zu machen. Beim iPhone 7 wirkt die iSight schon eher als Teil des Ganzen.

Natürlich wäre ein komplett neues Gehäusedesign aufregendern als nun ebendieses, das wir bereits seit mehr als zwei Jahren kennen. Das Design des iPhone 7 und iPhone 7 Plus hat sich aber über zwei Generationen hinweg bewährt und wurde bei jeder Möglichkeit verbessert. Was Apple allerdings spätestens jetzt, im dritten Jahr dieses Designs, hätte erkennen können, ist, dass die exakt gegenüberliegende Positionierung des Power-Button und der Lautstärkeregler eher suboptimal für die Benutzerfreundlichkeit ist, besonders beim größeren Plus-Modell.

Adieu Klinkenbuchse

Apples Entscheidung mit dem iPhone 7 die 3,5-mm-Klinkenbuchse zu Grabe zu tragen, wird gelinde gesagt kontrovers diskutiert. Nostalgiker vermissen den hundert Jahre alten Analogstecker und scheinen dabei die Probleme, die die Klinke über all die Jahre nicht loswurde, zu ignorieren.

Wie oft bleiben wir an den Kopfhörerkabeln hängen, reißen uns die Kopfhörer vom Kopf, die In-Ears aus den Ohren oder das geliebte Smartphone aus den Händen? Wie oft ärgern wir uns über Kabelbruch, Wackelkontakte und verdreckte Buchsen? Wie oft stehen wir an Haltestellen und vertreiben uns unfreiwillig die Zeit mit dem Entknoten von verhedderten Kabeln? Wir feiern den Fortschritt der Technik, immer mobilere Notebooks und leistungsstärkere Smartphones mit immer längeren Akkulaufzeiten, weil wir damit buchstäblich ungebunden und frei von den nervenden Netzkabeln sein können, aber ketten uns wie vor hundert Jahren an, um Musik zu hören. Das ist ein wenig paradox.

Versteht mich nicht falsch. Ich besitze noch kein einziges Paar kabellose Kopfhörer oder gar kabellose In-Ears. Auf der Arbeit verwende ich Audio Technicas ATH-M50X, zuhause lausche ich mit Beyer Dynamics Custom One Pro, für längere Zugfahrten gibts die AKG Y 50 auf die Ohren und im Alltag werden Ultimate Ears Super.fi 5 eingestöpselt. Ich habe die letzten Jahre also einiges an Geld für die Beschallung meines Trommelfells ausgeben. Wer mich kennt, weiß, dass ich immer, in jeder freien Minuten, In-Ears drin habe. Eigentlich sollte ich von Apples Entscheidung, der Klinkenbuchse abzusagen, irritiert sein. Bin ich aber nicht. Warum? Weil mich Kopfhörerkabel insgeheim zur Weißglut treiben. Das haben sie schon immer. Weil sie aber schon immer da waren, habe mich daran gewöhnt.

Klar, die Klinke hat sich so lange gehalten, weil sie schlicht und ergreifend funktioniert. Ich muss Klinken-Kopfhörer nicht mühsam mit einem Gerät koppeln, sondern stecke den Stecker einfach in die Buchse. Fertig. Wechsel ich vom MacBook zum iPhone, stecke ich das Kabel um. Fertig. Ich muss kabelgebundene Kopfhörer auch nicht aufladen.

Sitze ich aber gerade mal wieder 8 Stunden im Zug und bin nach zwei Stunden plötzlich mit einem Wackelkontakt in meinem Kopfhörerkabel konfrontiert oder gehe von der Küche ins Wohnzimmer und bleib mit dem Kabel an der Türklinke hängen, sodass es mir mit einem stechenden „Plopp“ die In-Ears aus den Ohren reißt, frage ich mich jedes Mal, warum ich damals nicht das etwas teureren Wireless-Modell gekauft habe. „Damals“, vor zweieinhalb Jahren, sah der Kopfhörer-Markt noch anders aus. Da gab es zwei Arten von kabellosen Kopfhörern: Teuer und gut oder günstig und grauenhaft klingend.

Heute gute Bluetooth-Kopfhörer zu akzeptablen Preisen zu finden, ist nicht schwer. Bei In-Ears sieht das noch anders aus. Ich habe in den letzten Jahren viele Modelle ausprobiert, war aber besonders mit den kabellosen In-Ears nie wirklich zufrieden. Entweder waren sie zu teuer, zu unbequem, klangen zu schlecht, boten ein unzufriedenstellende Akkulaufzeit oder waren schlicht unausgereift.

Eigentlich freue ich mich sogar darüber, dass Apple beim iPhone 7 auf die Klinkenbuchse verzichtet hat – Apple hat mir damit eine Entscheidung abgenommen. Wie 1998 mit den Disketten-Laufwerken, 2008 mit den DVD-Laufwerken, 2007 (bis dann schlussendlich 2010) mit Adobe Flash und so weiter.

Wir sind somit in einer Übergangsphase, daher auch der dem iPhone 7 und 7 Plus beigefügte Klinken-Adapter. Damit kann ich leben, bis ich passende Kabellos-Kopfhörer finde. Der Wegfall der Klinkenbuchse ermöglicht den Fortschritt und kurbelt auch den Markt für kabellose Kopfhörer an. Ich bin davon überzeugt, dass die Auswahl an kabellosen Kopfhörern schon bald genau so groß sein wird, wie die an kabelgebundenen Modellen.

Zu Apples AirPods kann ich leider noch nicht viel sagen. Ich konnte sie im Rahmen des Apple Events nur kurz ausprobieren, zu kurz für eine fundierte Meinung. Apples erster hauseigener Funkchip, der Apple W1 (Wireless 1), dürfte aber viele Probleme lösen, die zahlreiche Nutzer, mich eingeschlossen, bisher davon abgehalten haben, auf den Kabellos-Zug aufzuspringen: So ist das Koppeln der AirPods so einfach wie mit keinen anderen Bluetooth-Kopfhörern. Auch wird diese Koppelung über die iCloud synchronisiert, sodass man nahtlos und schnell zwischen Mac, iPhone, iPad und Apple Watch wechseln kann. Einmal Koppeln (was bei den AirPods bedeutet, sie nahe an ein iOS-Gerät oder einen Mac zu halten und dann eine einzige Taste zu drücken) und auf jedem Gerät verwenden. Zudem scheint die Akkulaufzeit und vor allem die Verbindungsqualität durchaus solide zu sein. Mehr zu Apples AirPods dann aber im Oktober, wenn sie tatsächlich auf den Markt kommen.

Staubdicht und wasserfest

Erstmals sind die neuen iPhones IP67-zertifiziert und damit staubdicht und wasserfest. Das bedeutet, dass iPhone 7 und iPhone 7 Plus zeitweiliges Untertauchen in Süßwasser bis zu einer Wassertiefe von 1 Meter für 30 Minuten ohne bleibende Schäden überstehen können. Auch den einen oder anderen unfreiwilligen Tauchgang im Pool oder in Salz- oder Seifenwasser sollten die neuen iPhones wegstecken können.

Es ist ein überraschend befreiendes Gefühl sich keine Sorgen mehr machen zu müssen, wenn man das iPhone mal bei Regen aus der Hosentasche holen muss. Und wenn jemand beim Essen versehentlich sein Glas umstößt und das iPhone eine volle Breitseite abbekommt, hält man es mal eben kurz unter fließend Wasser.

IP67 bedeutet aber nicht, dass man mit den neuen iPhones nun im Mittelmeer tauchen gehen sollte oder dass Apples Produktgarantie nun auch Wasserschäden abdeckt. IP67 ist kein Freifahrtschein. Diese Zertifizierung soll das iPhone robuster im Alltag und gegen die kleinen Missgeschicke machen.

Man darf auch nicht vergessen, dass immer noch Wasser in den Lightning-Port eindringen kann. In so einem Fall empfiehlt Apple das iPhone gut 5 Stunden trocknen zu lassen. Erst wenn man sich absolut sicher ist, dass kein Wasser mehr in der Buchse ist, darf man wieder ein Lightning-Kabel anstecken.

Neuer Home Button + Taptic Engine

Das wohl wichtigste Design-Merkmal eines iPhones ist und war schon immer der sogenannte Home-Button. Beim iPhone 7 und iPhone 7 Plus ist dieser Button aber gar kein mechanischer Tastenknopf mehr. Stattdessen handelt es sich nun um ein starres, drucksensitives Touchpad. Es dauert ein paar Minuten, bis man sich an diesen neuen Home-„Button“ gewöhnt hat. Da dieser komplett auf bewegliche Teile verzichtet, aber man dennoch das haptische Gefühl des Drückens benötigt, hat Apple eine deutlich bessere Taptic Engine verbaut.

Die Taptic Engine sorgt auch schon in der Apple Watch sowie den neuen MacBooks und MacBook Pros für haptisches Feedback. Im Grunde ist sie ein linearer Aktuator, der ein oder mehrere Gewichte schnell vor und zurück bewegt. Die entstehenden Vibrationen sind spürbar kräftiger als bei regulären Vibrationsmotoren anderer Mobiltelefone und Smartphones. Auch kann die Taptic Engine durchaus komplexere Vibrationsmuster und Intensitäten wiedergeben. Während reguläre Vibrationsmotoren eher ein kribbelndes Gefühl hervorrufen, vermittelt die Taptic Engine ein satteres und sehr viel angenehmeres Klopfen oder Rütteln.

Schon im iPhone 6s und iPhone 6s Plus hatte Apple eine Taptic Engine verbaut. Jene im iPhone 7 und iPhone 7 Plus wurde aber spürbar verbessert: Sie fühlt sich satter an und gibt nun systemweit haptisches Feedback, beispielsweise beim Scrollen durch Dropdown-Listen oder beim Tippen von virtuellen Buttons. Die haptisch doch recht sterile Bedienung eines Touchscreen-Smartphones wird durch diese verbesserte Taptic Engine spürbar aufgewertet.

Die neue Taptic Engine gibt solides Feedback, sobald man die Home-Taste betätigt. Der Klick-Widerstand, also wie fest man die neue Home-Taste drücken muss, um sie auszulösen, lässt sich in drei Intensitäten in den Einstellungen von iOS definieren.

Es dauert nur kurz, bis man sich an die neue Haptik der Home-Taste gewöhnt hat. Schon nach ein paar Minuten merkt man, dass dieser neue Home-Button deutlich schneller reagiert, was dazu führt, dass einem das gesamte iPhone mitsamt iOS nochmals deutlich flotter vorkommt.

Verbessertes Retina-Display

Die Retina-Displays des iPhone 7 und iPhone 7 Plus wurden ebenfalls überarbeitet. Sie bieten zwar dieselbe Pixeldichte wie in den beiden Vorgängern, strahlen aber um bis zu 25 Prozent heller (der Maximalwert wird nur bei automatischer Helligkeitseinstellung erreicht) und können den DCI-P3-Farbraum wiedergeben, passend zu den neuen iSight- und Facetime-HD-Kameras, aber dazu unten mehr. Im Alltag bedeutet das, dass man die Displays der neuen iPhones bei hellem Sonnenlicht merklich besser ablesen kann.

Stereo-Lautsprecher

iPhone 7 und iPhone 7 Plus sind erstmals mit zwei Lautsprechern ausgestattet. Ein Lautsprecher findet sich wie gewohnt unten rechts am Gehäuse, neben dem Lightning-Anschluss, der zweite ist in der Höhrermuschel platziert. Gleichwertig sind diese zwei Lautsprecher aber nicht: Abgesehen davon, dass einer nach unten und der anderen nach vorne gerichtet ist, klingen sie auch unterschiedlich. Der untere Lautsprecher hat ein kräftigeres Klangbild und mehr Power. Jener in der Höhrermuschel schwächelt im Vergleich etwas.

Ein wirkliches Stereo-Gefühl will da nicht aufkommen, auch wenn die Lautsprecher je nach Orientierung des iPhones automatisch die Stereo-Spuren wechseln (damit die rechte Tonspur immer rechts und die linke Spur immer links ausgegeben wird). Zusammen sind die beiden Lautsprecher aber zweifelsohne lauter als einer alleine. Gegen einen dedizierten Bluetooth-Lautsprecher kommen sie aber nicht an, besonders was die Tiefen betrifft. Dennoch stellen die neue Lautsprecher eine hörbare Verbesserung gegenüber jenen in den Vorgänger-iPhones dar.

Performance – Apple A10 Fusion

Angetrieben werden iPhone 7 und iPhone 7 Plus vom gleichen neuen Apple A10 Fusion Chip. Der Namenszusatz Fusion soll auf die grundlegend neue Architektur dieses SoCs hinweisen: So integriert der A10 erstmals eine Quad-Core-CPU, die sich aus zwei Hochleistungs- und zwei Stromspar-Kernen zusammensetzt. Erstere übernehmen anspruchsvolle Aufgaben, zweitere kommen für kleinere, alltägliche Aufgaben zum Einsatz. Von diesem ständigen Wechsel zwischen den zwei Kern-Paaren merkt man als Nutzer nichts – außer dass die Akkulaufzeit um ein bis zwei Stunden besser ausfällt.

Auch die Grafikleistung konnte Apple nochmals deutlich erhöhen. Das zeigt sich primär beim Spielen neuerer Games, die sich das Mehr an Leistung zunutze machen können. Bemerkbar ist der Performance-Schub aber auch bei Multimedia-Apps wie Apples iMovie: Render- und Ladezeiten sind hier kürzer als bei den Vorgängern.

Unterschiede zwischen den zwei Modellen gibt es aber bei der Größe des Arbeitsspeichers: Das Plus-Modell besitzt 3 GB, wohingegen das reguläre iPhone 7 mit zwei Gigabyte auskommen muss. Das hat vielerlei Gründe. So muss das Plus-Modell mehr Display-Pixel befeuern, zwei Kameras managen und den kommenden Tiefenunschärfe-Effekt in Echtzeit berechnen. Auch verbraucht mehr Arbeitsspeicher mehr Strom, was der größere Akku des iPhone 7 Plus besser kompensieren dürfte.

Die Leistungsunterschiede zwischen den zwei Modellen des iPhone 7 sind aber zu verschmerzen. Es sei denn, man schneidet gerne 4K-Videos in iMovie auf seinem iPhone. Dann sollte man, auch wegen des größeren Displays, zum iPhone 7 Plus greifen.

Neue Kameras

Die neuen iSight- und Facetime-HD-Kameras beider Modelle stellen die wohl größte Neuerung dieser 10. iPhone-Generation dar. Dementsprechend wird der folgende Paragraph auch sehr umfangreich. Doch Schritt für Schritt.

Facetime HD Kamera

Die neue Facetime-HD-Frontkameras des iPhone 7 und 7 Plus löst jetzt mit 7 statt 5 Megapixeln auf und werkelt ebenfalls im DCI-P3-Farbraum. Folglich sind Selfies detailreicher und die Farben kräftiger und realer. Da die Displays der neuen iPhone heller strahlen können, ist auch der Retina-Flash heller.

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iPhone 7 Plus Selfie bei Nacht mit Retina-FlashiPhone 7 Plus Selfie bei Nacht mit Retina-Flash
iPhone 6s Plus Selfie bei Nacht mit Retina-FlashiPhone 6s Plus Selfie bei Nacht mit Retina-Flash

iSight-Kamera

Die „reguläre“ iSight-Weitwinkelkamera ist beim iPhone 7 und iPhone 7 Plus identisch. Deren Bildsensor ist 1/3-Zoll groß, löst mit 12 Megapixeln auf und besitzt nun eine deutlich größere ƒ/1.8 Blende (statt ƒ/2.2 beim 6s) sowie optische Bildstabilisierung – ja, auch das kleine iPhone 7 fotografiert und filmt jetzt optisch stabilisiert. Die Brennweite entspricht hier 28 mm. Beim kleineren iPhone 7 ist ein 5-fach Digitalzoom möglich, während man beim Plus-Modell 10-fach digital vergrößern kann, dazu später mehr.

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Außerdem arbeiten die neuen iSight-Kameras im größeren DCI-P3-Farbraum, was in dynamischeren, lebendigeren Farben und realistischeren Aufnahmen resultiert.

Videos können maximal in 4K-Auflösung bei 30 Bildern pro Sekunde aufgenommen werden, Slow-Motion-Videos sind bei Full-HD-Auflösung mit 120 fps und bei 720p-Auflösung mit 240 fps möglich.

Panorama-Fotos knipst man mit einer maximalen Auflösung von 63 Megapixeln und tolle Momente lassen sich in interaktiven Live-Fotos festhalten.

iSight-Dual-Kamera

Das iPhone 7 Plus ist mit einer iSight-Dual-Kamera ausgestattet. Diese setzt sich aus der oben erklärten Weitwinkelkamera und zusätzlich einer sogenannten Telefotokamera mit ƒ/2.8-Blende, 56 mm Brennweite und einem 1/3,6-Zoll-Bildsensor zusammen. Optische Bildstabilisierung sucht man bei dieser Telefotokamera aber vergebens.

Im Gegensatz zu einigen Dual-Kamera-Systemen anderer Smartphone-Hersteller bilden die zwei Kameras des iPhone 7 Plus eine vollautomatische Einheit – wenn man die auf Vollautomatik getrimmte Kamera-App von iOS verwendet. Der Wechsel zwischen den zwei Kameras ist nahtlos, auch während Video-Aufnahmen. Da die beiden Kameras wie bereits erwähnt unterschiedliche Blenden aufweisen, ist der Wechsel zwar sichtbar, wird aber in der Regel vom Bildsignalprozessor und dem Zoom-Effekt kaschiert.

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 iPhone 7 Plus Nachtaufnahme iPhone 7 Plus Nachtaufnahme
 iPhone 6s Plus Nachtaufnahme iPhone 6s Plus Nachtaufnahme

Apropos Bildsignalprozessor: In den A10 Fusion hat Apple einen selbst entwickelten Bildsignalprozessor (ISP) integriert. Seine Aufgabe ist die Verarbeitung aller Daten, die die Bildsensoren, der Bewegungssensor und andere relevante Bauteile liefern. Apple war sehr stolz zu erwähnen, dass dieser ISP 100 Milliarden Rechenschritte in 25 Millisekunden durchführen kann.

Das klingt nach viel Rechen-Power und die braucht es besonders bei der Dual-Kamera auch: Der ISP verrechnet nämlich permanent die Daten beider Kameras miteinander, um ideale Werte für ISO, Belichtungszeit, Weißabgleich, Digitalzoom und Fokus bereitzustellen. Er kümmert sich auch um die Gesichts- und Motiverkennung, Kontrastwerte, und vieles, vieles mehr.

Da die zwei Kameras des iPhone 7 Plus unterschiedliche Spezifikationen aufweisen, ist die Berechnung der idealen Kamera-Einstellung ein komplexes Unterfangen: Der ISP wählt nämlich die passende Kamera für die jeweiligen Umgebungsbedingungen aus. Das führt dann dazu, dass man nicht immer tatsächlich auch mit der Telefotokamera fotografiert, nur weil man in der Kamera-App auf den 2x-Zoom-Button getippt hat.

Die erweiterte Zoom-Funktion beschränkt sich übrigens nicht nur auf Fotos und reguläre Videos. Auch Zeitlupen-Videos können mit der Telefotokamera aufgenommen werden.

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 iPhone 7 Plus Weitwinkel 28mm eq. 1/1212s f/1.8 ISO20 iPhone 7 Plus Weitwinkel 28mm eq. 1/1212s f/1.8 ISO20
 iPhone 7 Plus Telefoto 56mm eq. 1/409s f/2.8 ISO20 iPhone 7 Plus Telefoto 56mm eq. 1/409s f/2.8 ISO20

Es sind also zwei einzelne Kameras mit äquivalenten Festbrennweiten von 28 bzw. 56 mm. Da diese zwei Kameras aber im Verbund zusammenarbeiten, kann man durchaus davon sprechen, dass dieses Kamerasystem optischen Zoom bietet – genau genommen ermöglicht es einen 2-fach optischen Zoom und maximal 10-fach Digitalzoom. Alle Zwischenschritte, also von 1,1x bis 1,9x und von 2,1x bis 10x, sind digital.

Mit ihrer ƒ/2.8-Blende ist die Telefotokamera nicht so lichtstark wie die reguläre Weitwinkelkamera. Dementsprechend priorisiert der ISP bei schlechten Lichtverhältnissen die lichstärkere Weitwinkelkamera. Kurz gesagt: Bei schlechten Lichtverhältnissen ist meist auch der 2x-Zoom digital. Das resultierende Bild wird dann aus den Daten beider Kameras errechnet und damit in der Regel qualitativ etwas besser als das Äquivalent des kleineren iPhone 7.

Mit einer passenden Drittanbieter-App, wie beispielsweise ProCamera, kann man jedoch auch manuell zwischen Weitwinkel- und Telefotokamera wechseln und entsprechend nur mit der jeweils gewünschten Kamera fotografieren und filmen. In der Standard-Kamera-App von iOS ist das so nicht möglich.

Fotos im RAW-DNG-Format

Apropos Drittanbieter-App: Die neuen iSight-Kameras erlauben es jetzt auch Fotos im RAW-Format DNG zu speichern. Diese Funktion steht aber nur in Drittanbieter-Apps wie unter anderem  und  zur Verfügung.

RAW-Aufnahmen lassen sich viel besser nachbearbeiten als JPEGs, da sie im Grunde aus den unkomprimierten* und unmodifizierten* Rohdaten bestehen, die der Kamerasensor liefert. Wer einen genaueren Blick auf ein DNG-RAW eines iPhone 7 (Plus) werfen will, kann hier Beispieldateien herunterladen.

Portrait-Modus

Ein exklusives Feature der Dual-Kamera des iPhone 7 Plus ist der neue bzw. kommende Portrait-Modus. Mit diesem Feature lassen sich, wie der Name schon sagt, Portrait-Fotos mit künstlicher Tiefenunschärfe versehen. Hierzu werden die Daten beider Kameras miteinander verrechnet, sodass die Kamera-App erkennt, welche Objekte im Vordergrund und welche im Hintergrund der Szene sind. Gepaart mit einer Motiverkennung wird in diesem Modus dann der Hintergrund nachträglich digital weichgezeichnet.

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 Reguläres Foto ohne Tiefeneffekt Reguläres Foto ohne Tiefeneffekt
 Foto mit Portrait-Feature, Tiefeneffekt (Beta-Version) Foto mit Portrait-Feature, Tiefeneffekt (Beta-Version)

Dieses Feature steht aktuell nur in der Beta-Version von iOS 10 zur Verfügung, soll aber demnächst offiziell in die Kamera-App des iPhone 7 Plus integriert werden.

Neuer True-Tone-Blitz

Seit dem iPhone 5s stellt Apple den iSight-Kameras einen True-Tone-LED-Blitz zur Seite. Bisher baute sich dieser Blitz aus zwei LEDs mit unterschiedlicher Färbung auf. Im iPhone 7 hat Apple nun aber ganze vier True-Tone-LEDs verbaut. Dadurch ist dieser Blitz nicht nur sehr viel heller, er kann auch viel weiter strahlen. Außerdem kann er Lichtflackern von künstlichen Lichtquellen ausgleichen.

Kamera-Fazit

Genug von den technischen Hintergründen und Spezifikationen – wie schlagen sich die neuen Kameras im Alltag?

Selbst im Vergleich mit den direkten Vorgängern iPhone 6s und iPhone 6s Plus sind deutliche Verbesserungen bei der Foto- und Videoqualität erkennbar, iPhone 6 und iPhone 6 Plus halten einem Vergleich schon gar nicht stand. Der Dynamikumfang der neuen iSight-Kamera ist sichtbar höher, ebenso die Kontrastwerte, die Farbtiefe und -echtheit. Die Kameras an sich mitsamt Autofokus und Gesichtserkennung sind schneller.

Dank größerer Blende und optischer Bildstabilisierung bei beiden Modellen gelingen in der Regel bessere Aufnahmen bei schlechten Lichtverhältnissen. In grenzwertigen oder sich schnell veränderten Lichtverhältnissen kann es aber vorkommen, dass sich die Dual-Kamera des iPhone 7 Plus schwer tut die passenden Automatik-Einstellungen zu finden. In so einem Fall kann sie schon mal zicken, beispielsweise beim Autofokus, weil sich der ISP anscheinend nicht wirklich entscheiden kann, welche der beiden Kameras er nun bevorzugen oder welchen Kameradaten er jetzt mehr vertrauen soll – so kommt es einem zumindest vor. Mit so einem „Kamera-Schluckauf“, der auch nur jeweils einen Augenblick gedauert hat, war ich in meiner einwöchigen Foto-Safari durch Berlin aber nur zweimal während desselben Shootings konfrontiert. Ein kurzes Neuausrichten der Kamera hat geholfen.

Folgend ein paar meiner Aufnahmen mit dem iPhone 7 und iPhone 7 Plus (Bitte beachten: unser System komprimiert Fotos automatisch. In Originalauflösung finden sie sich hier):

Bildergalerie iPhone 7 und iPhone 7 Plus: Fotos

Speicher + Preise

Apple hat bei allen Modellen des iPhone 7 die Speichergrößen verdoppelt. Folglich sind die Einsteigermodelle jetzt mit 32 statt nur 16 GB ausgestattet. Die mittleren Speichervarianten kommen sogar mit 128 GB daher. Die Highend-Modelle bieten mit beeindruckenden 256 GB mehr internen Speicher denn je.

Die 32-GB-Version des iPhone 7 kostet 759,- Euro, 128 GB gibt es für 869,- Euro und das iPhone 7 mit 256 GB internen Speicher lässt sich 979,- Euro kosten.

Für ein Plus-Modell mit 32 GB muss man 899,- Euro auf den Tisch legen. Für 1.009,- Euro bekommt man 128 GB und für 1.119,- Euro das Top-Modell mit 256 GB Speicher.

Provider und Apple:

Händler:

Fazit

Es scheint als spüre Apple nun erstmals seit sehr langer Zeit einen gewissen Druck von außen. Oder anders: Es scheint als reagiere Apple nun erstmals seit sehr langer Zeit auf den Druck des Wettbewerbs.

Features wie Wasserfestigkeit, Stereo-Lautsprecher oder die Verdoppelung des internen Speichers sind Dinge, die Apple schon viel früher hätte integrieren oder umsetzen können. Diese Asse hatte sich das Unternehmen aber bewusst im Ärmel behalten. iPhones verkauften sich bis dato auch ohne diese Features wie geschnitten Brot.

Bei dieser 10. iPhone-Generation hat Apple jetzt aber mindestens einen Gang zugelegt. Da darf man sich vom altbekannten Design des iPhone 7 nicht täuschen lassen: Das iPhone 7 ist ein Wolf im Schafspelz – der verbaute A10 Fusion umrundet die besten Chips der Konkurrenz, die iSight-Kameras liefern ganz ohne Aufpumpen der Farbsättigung, übertriebene Scharfzeichnung und andere Tricks beeindruckende und realitätsnahe Bilder. Die Experten von DisplayMate bezeichnen das verbesserte Retina-Display des iPhone 7 als „perfekt“, was ich so unterschreiben kann.

Die nun weggefallene Klinkenbuchse ist sicherlich in manchen Situationen noch unpraktisch. Zumindest legt Apple dieses Mal einen Adapter bei und verlangt nicht 25 oder mehr Euro dafür. Dass man nicht gleichzeitig kabelgebunden Musikhören und sein iPhone aufladen kann, ist etwas, was man wohl oder übel in Kauf nehmen muss, wenn man sich für das iPhone 7 entscheidet – denn kabellos aufladen lässt sich das iPhone 7 nicht. Das ist wohl eine Karte, die Apple noch nicht ausspielen wollte.

Unterm Strich ist das neue iPhone für sich genommen durchaus ein merklicher Fortschritt gegenüber seinen Vorgängern. Gleichzeitig fühlt es sich aber an wie ein Stepping Stone, als wolle uns Apple mit dem iPhone 7 auf Kommendes vorbereiten.

Apple fusioniert vertrautes Design mit fundamentalen Änderungen am Grundkonzept des iPhone, streicht Funktionen und fügt neue hinzu und stellt so die Weichen für die Zukunft seines Smartphones.

Ab diesem iPhone 7 wird kein kommendes iPhone mehr eine Klinkenbuchse besitzen, auch werden alle kommenden Generationen zumindest wasserfest und staubdicht sein. Und wenn sich die Nutzerschaft erst einmal an den drucksensitiven Home-Button gewöhnt hat, kann er zukünftig vielleicht auch ganz im Display verschwinden und so den Weg frei für komplett neue Gehäusedesigns machen.

Die Zukunft wird zeigen, welche Rolle dieser Wolf im Schafspelz in der Reihe der iPhones einnehmen wird.

Unsere Test-Wertung zum Apple iPhone 7

  • Verarbeitung, Haptik und Design: 5/5
  • Display: 5/5
  • Software: 4/5
  • Performance: 5/5
  • Telefonie und Audio: 4/5
  • Konnektivität und Speicher: 4/5
  • Akku und Alltag: 5/5
  • Kamera: 5/5

Gesamtwertung: 92 %

iPhone 7 Badge

bewertete "
Apple iPhone 7
" mit
92 von 100 Punkten
(23. September 2016)

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