Mit „No Country for Old Men“ schufen Ethan und Joel Coen 2007 einen Western der Superlative. Doch grade das Ende des Oscar-prämierten Films bringt eine unvorhergesehene Wendung in das klassische Hollywood-Genre. Was es mit dem überraschenden Ende des Films auf sich hat, erklären wir euch hier bei GIGA. 

 

No Country For Old Men

Facts 

No Country for Old Men“ greift viele Elemente eines klassischen Western auf, bricht aber mit der Tradition des Happy Ends und lässt den Zuschauer vor allem nach den Schlussszenen mit offenen Fragen zurück. Wie das Ende des Films zu deuten ist und ob Chigurh Carla Jean Moss schlussendlich tötet, erfahrt ihr hier.

Schaut euch hier nochmal den Trailer zu „No Country for Old Men“ an:

Achtung: Spoiler!

Nachdem Vietnam-Veteran Llewelyn Moss (Josh Brolin) bei der Jagd auf den Schauplatz eines missglückten Drogenhandels stößt und einen Koffer mit zwei Millionen Dollar an sich nimmt, beginnt ein Katz- und Mausspiel zwischen ihm, dem von der Mafia beauftragten Killer Anton Chigurh (Javier Bardem) und Western-Sheriff Ed Tom Bell (Tommy Lee Jones). Doch entgegen der Erwartungen sitzt der Killer am Ende des Films nicht im Gefängnis, der Sheriff hängt seinen Job an den Nagel und Llewelyn Moss wird in einem Hotel erschossen. In den letzten Szenen des Films verfolgt der Zuschauer zum einen wie Chigurh darüber entscheidet, ob er auch Llewelyns Frau Carla Jean (Kelly Macdonald) töten soll und anschließend in einen Autounfall verwickelt wird. Zum anderen sieht man Sheriff Bell, der mit seiner Frau am Frühstückstisch sitzt und ihr von seinen Träumen berichtet. 

Die Schlussszene um Anton Chigurh 

Die Filmrolle um Profikiller Anton Chigurh stellt die Willkürlichkeit dar, der viele Dinge im Leben unterlegen sind. Durch das Werfen einer Münze entscheidet er, ob er Llewelyns Frau Carla Jean gegen Ende des Films am Leben lässt oder nicht. Das Ergebnis des Münzwurfs und somit das Schicksal von Carla Jean, zeigen die Coen-Brüder dem Zuschauer hier jedoch bewusst nicht. Als Chigurh in der folgenden Szene das Haus verlässt, überprüft dieser – wie auch bei vorherigen Morden – ob seine Schuhe frei von Blutspritzern sind, was somit den Mord an Carla Jean Moss suggeriert. Als der Killer in sein Auto steigt und davonfährt, wird er in einen Unfall verwickelt. Bei diesem wird er schwer verletzt, kann jedoch lebendig davon humpeln. Der Tod durch einen Autounfall hätte so etwas wie eine ausgleichende Gerechtigkeit impliziert, der Film soll durch das Überleben von Chigurh jedoch zeigen, dass das echte Leben eben nicht immer ein Hollywood-Ende bietet. 

Die Träume von Sheriff Bell

Der Zuschauer wird von Sheriff Bell – dem eigentlichen Helden des Films – durch die Geschichte geführt. Nachdem dieser zu Beginn des Films über alte Zeiten berichtet und seine konservativen Grundsätze verdeutlicht, kann der Zuschauer über den Verlauf des Dramas zunehmend die Unsicherheit und Zurückhaltung des Sheriffs wahrnehmen. Am Ende des Films hängt Bell seinen Job an den Nagel und eröffnet, wie ihm sein fortgeschrittenes Alter zu schaffen macht. Er ist zu einem „Old Man“ geworden, der nicht mehr mit der extremen Gewalt und den Anforderungen der modernen Welt mithalten kann. 

In der Schlussszene berichtet Bell seiner Frau von zwei Träumen, in denen er jeweils auf seinen verstorbenen Vater trifft. In seinem ersten Traum erhält Bell Geld von seinem Vater, welches er dann verliert. Der Traum könnte eine Anspielung auf den zentralen Auslöser für das Katz- und Mausspiel des Films darstellen. Jeder, der die zwei Millionen Dollar jagt, stirbt oder wird verletzt. Da sich der Sheriff jedoch nicht für das Geld interessiert, überlebt er. Alternativ könnte das verlorene Geld auch für die Moralvorstellungen und Ambitionen stehen, die Bell über den Verlauf des Films zunehmend verloren hat. 

In seinem zweiten Traum wird Bell von seinem Vater mit einem brennenden Horn durch einen Canyon geführt. Er scheint einen Weg zu haben und wird sicher an sein Ziel geführt. In der Realität scheint er jedoch kein Ziel mehr zu besitzen und weiß nicht mehr, was er noch mit sich anfangen soll. Die Werte, denen er gefolgt ist, scheinen verloren. Er findet keinen Weg mehr durch die Dunkelheit der Gewalt, der er sich jeden Tag gegenübergestellt sah.

Wenn ihr das Western-Feeling nachempfinden wollt: 

Stoff zum Nachdenken

Schlussendlich soll „No Country for Old Men“ zeigen, dass das echte Leben kein Film ist, das für jede Situation ein Happy End parat hat. Wie der Sheriff, müssen auch wir die Realität so hinnehmen, wie sie ist. Die ausgleichende Gerechtigkeit ist häufig eben doch nur ein Wunsch oder Ideal, zu dem es in der Wirklichkeit nur selten kommt. Die Szene am Esstisch endet mit einem abrupten Schnitt ins Schwarze und symbolisiert damit auch das plötzliche Erwachen aus einem Traum. Der Zuschauer erwacht aus dem Film sowie der Sheriff aus seinen unrealistischen Träumen. 

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