iPhone-Aus für Steam Link: Apple äußert sich zum App-Store-Rauswurf

Frank Ritter 1

Die Steam-Link-App wird es vorerst nicht für iPhone, iPad und Apple TV geben. Direkt aus der Apple-Chefriege erfahren wir nun Hintergründe – woran es lag und wie es für Steam Link unter iOS weitergehen kann.

iPhone-Aus für Steam Link: Apple äußert sich zum App-Store-Rauswurf
Bildquelle: Auf Android-Geräten verfügbar: Die Steam-Link-App (Bildquelle: GIGA).
Update: Phil Schiller hat sich gegenüber verschiedenen Nutzern per E-Mail zum Rauswurf der App aus dem App Store geäußert. Das Statement ist zumindest etwas weniger vage als die vorherige Begründung aus dritter Hand (Übersetzung von uns):

Danke für Ihre E-Mail und dafür, dass Sie Kunde bei Apple und im App Store sind.

Uns ist sehr wichtig, unseren Kunden fantastische Spiele über den App Store anzubieten. Wir hätten gerne Valves Spiele und Dienste auf iOS und Apple TV.

Leider hat unsere Überprüfungsmannschaft festgestellt, dass Valves Steam-App für iOS im aktuellen Zustand einige Richtlinien verletzt, etwa im Bereich Nutzergenerierter Content, In-App-Käufe, Content-Codes und so weiter. Wir haben diese Probleme mit Valve besprochen und werden weiter mit Valve zusammenarbeiten, um Steam auf eine Weise auf iOS und AppleTV zu bringen, die nicht mit den App-Store-Richtlinien kollidiert.

Wir investieren eine enorme Menge an Energie, um mit dem App Store das bestmögliche Erlebnis für alle Nutzer anzubieten. Wir haben klare Richtlinien, denen alle Entwickler folgen müssen, damit sichergestellt ist, dass der App Store sicher für alle Nutzer ist und ein faires Geschäftsmodell für alle Entwickler darstellt.

Phil Schiller, via reddit

Aus Schillers Statement lassen sich einige Aspekte ableiten:

  1. Die von uns vermutete Umsatzbeteiligung, die Apple für In-App-Käufe verlangt, war ein Grund für die Absage – aber nicht der einzige. Auch nutzergenerierter Content ist ein Problem für Apple, was genau, bleibt aber unklar.
  2. Valve hat nicht nur eine lapidare Absage für die Steam-Link-App bekommen, es gab auch Gespräche im Hintergrund. Vermutlich hat Valve deswegen seine ursprüngliche Pressemitteilung nicht veröffentlicht, man wollte die Gespräch nicht durch Druck aus der Öffentlichkeit torpedieren. Was misslungen ist.
  3. Valve arbeitet daran, eine Steam-Link-Version anzubieten, die den App-Store-Guidelines entspricht. Hierfür müsste Valve mindestens eine entschärfte Version des Big-Picture-Modus entwickeln, die beim Streaming auf ein Apple-Gerät verschiedene Funktionen ausblendet, zum Beispiel der Kauf neuer Games, Anzeige von nutzergeneriertem Content und so weiter.

Grundsätzlich ist die Entwicklung als positiv zu bewerten. Apple-Nutzer werden zwar Steam Link nicht vollumfänglich unter iOS/tvOS nutzen können, aber immerhin über eine abgespeckte Version lokal Spiele streamen können. Allerdings könnte das noch eine Weile dauern – und Valve muss das auch wollen. Denn dass Valve-Chef Gabe Newell wahrlich kein Freund von geschlossenen Ökosystemen und „Walled Gardens“ ist, weiß man in der Branche.

Ursprünglicher Artikel vom 25.Mai 2018:
Pfiffiges Konzept: Wer einen spieletauglichen PC hat, kann von Valves Gaming-Plattform Steam Games auf andere Geräte im Haushalt streamen – per Ethernet oder über eine schnelle WLAN-Verbindung. Der lärmende PC im Zockerkabuff übernimmt dabei weiterhin die Berechnungen, angezeigt wird das Spiel aber wahlweise auf dem großen Fernsehbildschirm, einem anderen Rechner, auf einem Handy oder Tablet.

Früher brauchte man für Steam Link extra Hardware, entweder eine Set-Top-Box wie Valves eigenen Steam Link oder Nvidia Shield TV oder einen anderen Rechner, auf dem ebenfalls Steam läuft. Einige wenige TV-Modelle haben Steam-Link-Unterstützung bereits integriert. Der Launch der Steam-Link-App vor rund einer Woche stellte aber eine kleine Revolution dar. Nunmehr war es möglich, die App einfach auf dem Smartphone, Tablet oder einem beliebigen anderen Android-Gerät auszuführen und damit in hervorragender Qualität, je nach Netzbedingungen sogar in 4K-Auflösung bei 60 FPS, komplette PC-Spiele zu spielen, wo und wie man wollte. Die Steuerung des Spielgeschehens kann dabei wahlweise über den Touchscreen erfolgen – was zugegebenermaßen bei den meisten PC-Spielen nicht gut funktioniert – über einen angeschlossenen Controller oder sogar per Maus und Tastatur.

Die Steam-Link-Android-App hat bereits über 100.000 Installationen im Play Store und wird mit einer durchschnittlichen Bewertung von 4,3 Sternen trotz Beta-Status bereits als ziemlich stabil empfunden. Stellt sich die Frage: Was ist mit iOS?

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Apple sieht „Geschäftskonflikte“, Valve ist „enttäuscht“

Die Steam-Link-App für iPhone, iPad und Apple TV wurde jetzt abgewiesen. Das geht aus einer Pressemitteilung hervor. Diese wurde zwar (noch) nicht über Valves offizielle Kanäle verteilt, über den Twitter-Account der Website steamDB kursiert aber ein Screenshot der PM, den wir als authentisch einstufen.

Pikanterweise erfolgte die Ablehnung nachdem ein anderes Review-Team bei Apple die App eigentlich schon zugelassen hatte. Apple begründete nun die Ablehnung in der zweiten Durchsicht mit „Business Conflicts“, also Geschäftskonflikten. Valve zeigt sich zerknirscht und verweist auf die Entwicklungszeit, die in die iOS-App geflossen ist.

Böse Zungen mögen hier behaupten, dass Apple mal wieder das Klischee einer Firma bedient, für die Gamer keine relevante Zielgruppe darstellt. Ganz so einfach sollte man es sich aber nicht machen.

Steam-Betreiberin Valve beklagt, dass es Dutzende vergleichbare Apps im App Store gebe, die den Desktop eines Rechners aufs iOS-System streamten. Das ist nicht von der Hand zu weisen, andererseits haben die meisten vergleichbaren Apps ein bestimmtes Feature von Steam Link nicht. Auch wenn wir die Details der Ablehnung nicht kennen, liegt nahe, dass Apple Anstoß daran nimmt, dass man über die App auch Spiele kaufen kann – im vom PC gespiegelten Start-Bildschirm der Steam-App, Big-Picture-Mode genannt, gibt es eine gut sichtbare „Shop“-Sektion. Für Käufe in den Apps, die auf iOS-Plattformen laufen, fordert Apple grundsätzlich eine Umsatzbeteiligung von 30 %, die Valve mutmaßlich nicht zu entrichten bereit ist.

Steam Link ist bei Weitem nicht die erste App, die aufgrund dieser Regelung aus dem App Store verbannt wurde. Denkbar ist natürlich auch, dass Apple grundsätzlich keine fremden Software-Ökosysteme auf der eigenen Plattform haben möchte – wer PC-Spiele auf seinem iPad oder iPhone spielen kann, kauft sich vielleicht auch weniger Spiele-Apps im App Store. Unabhängig davon, wie man Apples Vorgehensweise und das Maß an Kontrolle von Apple über das eigene App-Ökosystem finden mag, sind das nun einmal die Regeln. iOS-User, die Steam Link nutzen wollen, müssen sich jetzt also einen anderen Weg zum Game-Streaming suchen. Android-Nutzer hingegen können sich beruhigt zurücklehnen, Apple-Usern eine lange Nase zeigen und weiter auf dem Klo GTA V spielen.

Quelle: SteamDB bei Twitter, via Polygon

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