Jedes sechste Paket wird in Deutschland wieder an den Absender zurückgeschickt. Das soll mit einer verbindlichen Rücksendegebühr verhindert werden, erklären Wirtschaftsforscher. Wie viel Geld eine Retoure kosten soll, haben sie auch schon ausgerechnet. Wer zahlt am Ende und wieso eigentlich?

 

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Rücksendegebühr von 3 Euro gefordert

Geht es nach den Wirtschaftsforschern der Universität Bamberg, dann wird sich im deutschen Versandwesen einiges ändern. Kostenlose Retouren sollen verhindert werden – im Hinblick auf die Belastung des Klimas und des entstehenden Mülls. 40.000 Tonnen CO2 könnten eingespart werden, wenn eine Rücksendegebühr eingeführt würde, heißt es in einer Erklärung von Studienleiter Björn Asdecker.

Die Wirtschaftsforscher haben auch schon eine Summe errechnet, mit denen sich ihren Untersuchungen zufolge 16 Prozent der Rücksendungen verhindern ließen: Rund drei Euro sollen es werden, damit sich Kunden bei ihrem Bestellverhalten bessern. Statt 490 Millionen zurückgeschickter Artikel im vergangenen Jahr würden so „nur noch“ 410 Millionen Artikel Retoure gehen.

Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland zeigt sich von dem Vorhaben wenig begeistert: „Eine gesetzlich verpflichtende Rücksendegebühr würde einen staatlichen Eingriff in Markt und Wettbewerb darstellen, der stets nur das letzte Mittel im Fall eines Marktversagens sein darf. Erkenntnisse aus der Studie reichen nach unserer Einschätzung nicht aus, diese Frage zu entscheiden.“

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Händler sollen Zuschlag übernehmen

Der geforderte Zuschlag von rund 3 Euro soll dabei nicht von den Kunden übernommen werden, heißt es. Sollte es zu einer gesetzlichen Regelung kommen, dann würden die Händler ihre Angebote entsprechend anpassen, um ihre Kunden nicht zusätzlich zu belasten. Hintergrund dazu ist die Tatsache, dass auch vermeintliche kostenfreie Rücksendungen nicht wirklich kostenlos sind. Händler preisen ihre Produkte mit dem Wissen ein, dass jedes sechste Paket nach der Lieferung wieder bei ihnen aufkreuzt.

Über die Retourengebühr soll der Internethandel „grüner und gerechter“ werden, heißt es in der Erklärung, auf die sich auch Spiegel Online bezieht. Für die Studie wurden unter anderem deutsche Händler befragt, die zusammen 5,5 Milliarden Euro pro Jahr umsetzen. Offizielle Rücksendegebühren gibt es hier vor allem bei kleineren Händlern, während die großen Fische den vorauszusehenden Verlust mit Retouren gleich einpreisen. 15 Prozent der befragten Händler gaben an, Gebühren für Retouren zu verlangen. Bei Amazon sind kostenlose Rücksendungen vom jeweiligen Verkäufer abhängig.

Bei der Art der zurückgeschickten Produkte herrschen große Unterschiede. Schuhe und Bekleidung liegen dort an der Spitze mit einem Retourenanteil von fast 50 Prozent. Die Bamberger Forscher fordern daher, dass sich die Hersteller an verbindliche Größenangaben halten. Einen einzigen Artikel gleich in drei verschiedenen Größen zu kaufen, soll künftig beim Online-Shopping nicht mehr gängige Praxis sein.

Simon Stich
Simon Stich, GIGA-Experte für Smartphones, Mobilfunk und die Gerüchteküche.

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