iPhone steckt Android in den Sack: Darum ist das Apple-Handy preisstabiler als die Konkurrenz

Sven Kaulfuss 3

Wenn Apple neue iPhones vorstellt, dann ist gewiss: Die Preise sind hoch und sie bleiben es auch weitestgehend über die gesamte Produktlebensspanne. Bei Samsung und Co. ist dies anders. Deren „Fantasiepreise“ fallen schon nach kürzester Zeit ins Bodenlose – die Erstkäufer werden die „Dummen“ sein. Wie nur schafft Apple aber den Preiserhalt? In der aktuellen Wochenendkolumne plaudere ich aus dem Nähkästchen und verrate es euch.

iPhone steckt Android in den Sack: Darum ist das Apple-Handy preisstabiler als die Konkurrenz
Bildquelle: pixabay (Säcke-Foto und Smiley) und Apple (iPhone).

Apples Produkte gelten als besonders hochwertig und „teuer“. Der Hersteller konnte es sich sogar leisten, mit dem iPhone X die Preise im Smartphone-Markt nochmals zu erhöhen. Der Durchschnittspreis eines Apple-Handys stieg so innerhalb eines Jahres von 606 US-Dollar auf 724 US-Dollar – wir berichteten. Doch viel verblüffender: Die Preise bleiben auch meist in den oberen Regionen und verlieren nicht so stark wie bei der Konkurrenz.

Preisentwicklung: iPhone X vs. Galaxy S9

Zur besseren Verdeutlichung betrachten wir uns exemplarisch die Preisentwicklung des iPhone X im Vergleich zum Samsung Galaxy S9. Jeweils über einen Zeitraum von sechs Monaten nach Produkteinführung. Die Bestpreise am Markt sind hierfür unser Markierungspunkt. Diese wurden ermittelt durch die Preisvergleichsseite Idealo.de. Das Apple-Smartphone startet mit 1.149 Euro und fällt nach einem halben Jahr auf 953 Euro. Der Wert entspricht 83 Prozent vom anfänglichen Startpreis.

Und Samsung? 849 Euro rufen die Koreaner und Händler Anfangs auf, nach sechs Monaten sind es noch knapp 530 Euro (). Ergo: Nur noch 62 Prozent vom ursprünglich verlangten Preis gibt der Markt her. Erwähnenswert: Selbst nach fast einem Jahr wird das iPhone X , macht ganze 78 Prozent vom Startpreis. Davon können Samsung und viele andere Mitbewerber nur träumen, deren Geräte sind dem ständigen Preisverfall ausgesetzt.

Ganz gleich wer den technischen Vergleich für sich entscheidet, Apples iPhone X obsiegt bei der Preisstabilität deutlich:

Samsung Galaxy S9 (Plus) vs. iPhone X: Vergleich der Smartphone-Giganten.

König des Preiserhalts: Wie schafft Apple das nur?

Doch wie schafft das Apple nur, wo liegen die Gründe für eine solche herausragende Preisstabilität? Meine Thesen und Erfahrungswerte für euch gesammelt:

  • Apple baut seit Jahren konsequent seinen Direktvertrieb aus. Sowohl online, als auch vor Ort durch die ständig wachsende Zahl von Apple Stores. Ein starker Direktvertrieb macht unabhängig gegenüber dem Handel. Nicht der diktiert die Preise, sondern andersrum. Apple gibt den Ton an und alle müssen tanzen.
  • Bei Apple gibt’s keine Preissenkungen, zumindest nicht solange das Gerät noch aktuell ist. Warum auch, die Nachfrage ist übers Jahr gerechnet zufriedenstellend hoch. Besonders in den ersten Wochen und Monaten könnte Apple sogar noch mehr verlangen, weil die Nachfrage das Angebot übersteigt. Erst bei der Vorstellung einer neuen Generation gibt’s Abverkaufshilfen für die Händler beziehungsweise die Modelle erhalten eine Preisanpassung und verbleiben im Programm. Die Konkurrenz dagegen muss die Preise schon kurz nach Vorstellung senken, weil: a) sonst niemand mehr die Geräte kauft und b) die Kunden mit dem Kauf warten bis die Preise entsprechend fallen. Was dann wiederum zu Punkt a führt und die Preisreduktion in Gang setzt – ein ständiger Kreislauf des Preisverfalls.
  • Der wohl mit wichtigste Grund: Apple hat seine Händler unter Kontrolle und zwar seit Jahren erfolgreich. Schon war dies so. Die Einkaufskonditionen bessern sich primär für den Händler nur indirekt durch qualifizierende Punkte. Diese erhält man beispielsweise indem man die Leute schult, eine ASP-Qualifizierung (Apple Servie Point) vornimmt und natürlich Umsatzziele erreicht. Möchte man den Bonus erhalten, wird man versucht sein, Apple nicht zu verärgern. Andernfalls „fliegt“ man und damit auch die besseren Konditionen, die Preisreduktionen theoretisch möglich machen würden. Da es sich aber niemand mit Apple verscherzen möchte, bleiben diese im Markt weitestgehend aus.

Meine Gedanken zum Wochenende: Die Kolumne möchte Denkanstöße liefern, zur Diskussion aufrufen und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren. Eine kleine Auswahl der bisherigen Artikel der Kolumne:

Apples Preis-Rezept: Erste Nachahmer

All diese Punkte für sich würden schon Früchte tragen und die Preisstabilität des iPhones erhöhen, aber erst die Kombination von allen drei Maßnahmen ermöglicht Apple diese einzigartige Marktstellung. Ein solches Konzept lässt sich nicht so leicht kopieren und die Konkurrenz muss beim Know-How gehörig aufholen. Samsung kann es augenscheinlich noch nicht, andere sind da lernfähiger.

Können diese Smartphone-Neulinge aus dem Reich der Mitte es besser und haben eine bessere Kontrolle über die Preise?

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Neue Konkurrenz für Apple, Samsung und Co: Übersicht zu Chinas Smartphone-Marken.

Beispielweise die junge Marke OnePlus des chinesischen BBK-Konzerns. Deren Smartphones unterliegen in Europa einer starken Vertriebskontrolle. Anfangs nur im Direktvertrieb erhältlich und heute auch nur zusammen im Verkauf. Im Ergebnis: Die Preise bleiben verdammt stabil, niemand kann schlichtweg mehr aus der Reihe tanzen.

Passender Lese-Tipp auf GIGA zum Thema:

Hinweis: Die in diesem Artikel geäußerten Meinungen stellen ausschließlich die Ansichten des Autors dar und sind nicht notwendigerweise Standpunkt der gesamten GIGA-Redaktion.

Das iPhone-Feature-Quiz: Ab wann gab es eigentlich…?

Du hast den Überblick über alle jemals vorgestellten Features von iOS fürs iPhone und iPad? Tatsächlich? Wow! Aber so ganz glauben können wir dies noch nicht. Bevor wir in den Staub fallen und vor dir niederknien, musst du uns deine geistige Überlegenheit zunächst in diesem Quiz beweisen.

Quelle (Preise): Idealo.de

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