Xiaomi erobert Stück für Stück den Smartphone-Markt. Das reicht dem chinesischen Hersteller aber nicht. Mit dem Xiaomi Pad 5 kehrt man auf den Tablet-Markt zurück. In den letzten Tagen konnte ich es mir intensiv im Test anschauen. Bereits der erste Eindruck hat mir sehr gefallen. Ob sich dieser Eindruck im weiteren Verlauf gehalten hat, verrate ich euch in meinem Testbericht.

 
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Xiaomi Pad 5 im Test: Fazit

GIGA-Wertung: 8.1 / 10

Xiaomi ist zurück auf dem Tablet-Markt und hat mit dem Xiaomi Pad 5 ein wirklich überzeugendes Produkt zum Preis von 399 Euro im Programm. Das Design, die Verarbeitungsqualität, das Display, die Leistung und die Software haben mich wirklich überzeugt. Die Kameras sind absolut ausreichend für ein Tablet.

Schade fand ich nur, dass dem Xiaomi Pad 5 ein Fingerabdrucksensor fehlt. Damit hätte man das Tablet viel einfacher entsperren können. Ansonsten würde ich mir wünschen, dass der Stift etwas günstiger wäre und man auch in Deutschland das Tastatur-Cover anbieten würde. Generell gibt es im Grunde kein Zubehör für das Tablet.

Ich verstehe aber, dass Xiaomi vorsichtig in den Markt startet und erst einmal vorfühlen möchte, wie das Pad 5 in Deutschland ankommt. Für 399 Euro ist das Tablet voll in Ordnung und ich habe es wirklich sehr gern verwendet. Wer es zum Verkaufsstart für 299 Euro ergattert hat, dürfte sicher noch zufriedener sein. Müsste ich mir jetzt ein Tablet holen, wäre es mit großer Wahrscheinlichkeit das Xiaomi Pad 5.

Vorteile:

  • 120-Hz-Display
  • Materialwahl
  • Leistung
  • Software
  • Akkulaufzeit
  • Preis

Nachteile:

  • Kein Fingerabdrucksensor
  • Kaum Zubehör
  • Stift zu teuer

Design und Verarbeitung überzeugen

Das Xiaomi Pad 5 sieht gut aus und fühlt sich auch gut an. (Bild: GIGA)

Früher waren Xiaomi-Tablets aus Kunststoff gefertigt. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie „günstig“ sich die Geräte angefühlt haben. Zwischen den alten Modellen und dem Xiaomi Pad 5 liegen gefühlt Welten. Das chinesische Unternehmen hat sich für einige Jahre eine Pause vom Tablet-Markt gegönnt und nun ein Android-Tablet auf iPad-Niveau gebaut, das genau zur richtigen Zeit kommt. Die Konkurrenz schwächelt und Xiaomi will davon profitieren.

Die Rückseite des Xiaomi Pad 5 besteht zwar weiterhin aus Kunststoff, doch sie fühlt sich überhaupt nicht billig an. Im ersten Moment dachte ich sogar, dass es sich um mattes Glas handelt. Der Rahmen ist hingegen aus Metall gefertigt und macht einen extrem hochwertigen Eindruck. Auch der Übergang zwischen der Rückseite, dem Rahmen und Display ist Xiaomi gut gelungen. Das Tablet liegt sicher in der Hand und der Rahmen um den Bildschirm ist gerade so breit, dass man das Tablet gut festhalten kann, ohne auf das Display zu kommen.

Besonders positiv aufgefallen sind mir die Lautsprecher, wovon Xiaomi insgesamt vier Stück verbaut. Egal wie man das Tablet hält, der Klang fällt immer gut aus, da man nie alle Lautsprecher verdeckt. Das kenne ich von anderen Tablets schon ganz anders, wo man beim Spielen den einzigen Lautsprecher verdeckt und dann gar nichts mehr hört. Durch Dolby Atmos klingt die Musik auch ziemlich gut. Ich würde mir zwar etwas mehr Bass wünschen, doch der Klang geht absolut in Ordnung.

120-Hz-Display bereitet Freude

Das hochauflösende Display mit 120 Hz überzeugt. (Bild: GIGA)

Ein echtes Highlight des Xiaomi Pad 5 ist das Display. Es löst bei 11 Zoll mit einer WQHD+-Auflösung von 2.560 x 1.600 Pixeln auf und arbeitet mit 120 Hz. Wenn man bedenkt, wie günstig das Android-Tablet ist, dann bekommt man hier einen echten Leckerbissen. Ich habe das Tablet in den letzten Tagen nicht nur in der Wohnung genutzt, sondern auch oft im Garten, wo ich darauf Musik abgespielt oder irgendwas gestreamt habe.

Die Helligkeit des LCD-Panels könnte zwar noch ein wenig stärker sein, doch man kann auch so alles erkennen. Es ist ein zusätzlicher „Sonnenlicht-Modus“ integriert, der aber keinen für mich sichtbaren Unterschied macht. Hat man die volle Helligkeit eingestellt, bekommt man dadurch nicht mehr heraus. Das kenne ich ganz anders von Samsung-Geräten, wo der Outdoor-Modus noch einmal ordentlich an Helligkeit zulegt.

Das Tablet kann optional mit einem Xiaomi Smart Pen bedient werden. Damit lassen sich handschriftliche Eingaben einfacher umsetzen. Ich empfinde den Preis von 99,99 Euro aber als viel zu hoch. Für ein Zubehör, das man nur ab und zu nutzt, wäre es mir das ehrlich gesagt nicht wert. Zeichnet man aber viel damit oder schreibt hauptsächlich mit dem Stift, kann man über den Kauf nachdenken. Er wird direkt magnetisch am Tablet befestigt und darüber geladen. Technologisch ist Xiaomi da also ganz weit vorn mit dabei.

Umfangreiche Software gefällt

Xiaomi hat die Software speziell für das Android-Tablet umgebaut. (Bild: GIGA)

Bei Smartphones bin ich kein großer Fan davon, wenn Hersteller die Software zu stark anpassen, sodass ich Pixel-Geräte von Google bevorzuge. Bei Tablets haben die Hersteller keine andere Wahl und müssen handeln. Google lässt die Unternehmen hängen, da man Android im Grunde nicht für Tablets optimiert. Xiaomi hat sich viel überlegt, damit die MIUI 12.5 einen Mehrwert auf einem großen Display bietet.

Direkt ins Auge fällt auf dem Startbildschirm natürlich das Dock, das an macOS von Apple erinnert. Dieses empfinde ich auf dem Tablet als extrem praktisch. Auch die Möglichkeit, mehrere Apps gleichzeitig anzeigen und nutzen zu können, macht auf so einem großen Display absolut Sinn. Apps können aber auch komplett losgelöst und über anderen Inhalten schweben. Dadurch ermöglicht Xiaomi echtes Multitasking.

Xiaomi hat der Software des Pad 5 grundsätzlich viele kleine Details spendiert, die dem Tablet im Vergleich zu einem Smartphone einen Mehrwert geben. Gleichzeitig hat man die Wahl, ob man moderne Bedienelemente nutzen möchte wie Gesten oder eher auf klassische On-Screen-Tasten setzt. All das und viel mehr kann man einstellen. Ich hab das Display beispielsweise eher kühler konfiguriert und an meinem Pixel 5 ausgerichtet. Xiaomi bietet viele Möglichkeiten zur Anpassung der Oberfläche. Man muss sich nur etwas einarbeiten.

Mir ist zudem aufgefallen, dass das Xiaomi-Tablet relativ sauber ist. Es ist kaum Bloatware vorinstalliert. Natürlich gibt es Google- und Xiaomi-Apps, doch der Rest hält sich in Grenzen. Netflix hätte ich eh installiert und WPS Office ist tatsächlich ein nützliches Programm. Ansonsten gibt es nur noch Service-Apps. Da bin ich absolut positiv überrascht, dass das Tablet nicht vollgemüllt wurde.

Leistung überzeugt nicht immer

Auf dem Xiaomi-Tablet läuft die neueste MIUI-12.5-Version mit Android 11. (Bild: GIGA)

Das Xiaomi Pad 5 ist mit einem Snapdragon-860-Prozessor ausgestattet, dem 6 GB RAM und 128 GB interner Speicher zur Verfügung stehen. Letzter lässt sich nicht erweitern. Grundsätzlich läuft das Tablet absolut flüssig. Das gilt für Apps und Spiele. Zumindest so lange, wie man eine App nutzt.

Sobald das Xiaomi-Tablet Multitasking betreiben muss, spürt man schon, dass die Leistungsfähigkeit an ihre Grenzen kommt. Schaut man beispielsweise ein YouTube-Video im kleinen Fenster und scrollt gleichzeitig durch eine Webseite, merkt man nichts mehr von den 120 Hz. Gut möglich, dass es hier noch einmal ein Performance-Update gibt. Der Snapdragon 860 ist aber halt auch „nur“ ein Mittelklasse-Prozessor und in solchen Situationen merkt man es deutlich.

Das haben wir auch schon im Hands-On-Video bemerkt:

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Kameras sind ausreichend

Das Xiaomi Pad 5 besitzt eine 13-MP-Hauptkamera. (Bild: GIGA)

Auf der Rückseite des Xiaomi Pad 5 ist eine 13-MP-Kamera verbaut. Es handelt sich um eine einzelne Kamera, auch wenn das Design eine Dual-Kamera vermuten lassen würde. Die Fotos sind okay. Qualitativ kann man sie mit Einsteiger-Smartphones vergleichen. Für einen Schnappschuss reicht es aus. Im Urlaub würde ich damit nicht fotografieren. Das macht man mit einem Tablet ja eh nicht. Die Frontkamera reicht auch aus für Videotelefonie. Nachfolgend einige Schnappschüsse, die ich mit dem Xiaomi Pad 5 gemacht habe:

Akkulaufzeit überzeugt

Der Akku des Xiaomi Pad 5 hält trotz 120-Hz-Displays lange durch. (Bild: GIGA)

Das Xiaomi Pad 5 ist mit einem 8.720-mAh-Akku ausgestattet, der mit 22,5 Watt schnell wieder aufgeladen werden kann. Maximal sind sogar 33 Watt möglich, man benötigt dafür aber ein leistungsstärkeres Netzteil, das Xiaomi nicht beilegt. Doch auch mit dem beigelegten Netzteil ist das Tablet zügig aufgeladen. Die Akkulaufzeit lag bei mir im normalen Betrieb bei 3 bis 4 Tagen. Dabei habe ich sogar eine relativ hohe Helligkeit genutzt.

Die Display-On-Zeit lag bei mir bei um die 10 Stunden wirklich intensiver Nutzung mit hoher Helligkeit. Die 16 Stunden, die Xiaomi angibt, habe ich jetzt nicht erreicht. Würde ich die Helligkeit etwas runterdrehen, wären sicher auch 12 Stunden drin. Das geht absolut in Ordnung für ein Tablet mit 120-Hz-Display. 60 Hz habe ich wie immer nicht genutzt. Wenn man einmal ein 120-Hz-Display im Einsatz hat, will man nicht mehr zurück.

Was mir bei diesem Tablet fehlt

Einen 3,5-mm-Klinkenanschluss gibt es beim Xiaomi Pad 5 nicht. (Bild: GIGA)

So sehr mir das Xiaomi Pad 5 gefällt, fehlen mir doch einige Features, die ich trotz des Preises von 399 Euro gern in dem Tablet gesehen hätte:

  • Fingerabdrucksensor: Es gibt keinen Fingerabdrucksensor bei diesem Tablet. Das ist ärgerlich, denn im Powerbutton wäre der perfekte Platz dafür. Man kann zwar eine Gesichtserkennung verwenden, doch die ist nicht so sicher.
  • Tastatur-Cover: In China gibt es für das Xiaomi Pad 5 auch eine Tastatur. Die wird in Deutschland nicht angeboten. Damit könnte man das Tablet zu einem echten 2-in-1-Gerät machen. Vielleicht kommt sie irgendwann noch zu uns.
  • 3,5-mm-Klinkenbuchse: Schade ist auch, dass Xiaomi auf die 3,5-mm-Klinkenbuchse verzichtet.
  • HD-Streaming bei Amazon Prime Video: Über Netflix und Disney+ funktioniert das HD-Streaming von Inhalten. Bei Amazon Prime Video leider nicht. Hier muss das Xiaomi Pad 5 wohl noch freigeschaltet werden.

Wertungen im Detail

Kategorie Wertung (max. 10)
Verarbeitung, Haptik und Design 8
Display 8
Kameras 7
Software 9
Performance 8
Speicher 8
Akku und Alltag 9
Gesamt  8.1