LG G6 im Test: Gelungenes Flaggschiff mit Ausstattungsmängeln

Peter Hryciuk
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Das LG G6 muss in diesem Jahr nicht nur beweisen, dass es besser ist als der Vorgänger LG G5, sondern auch gegen das Galaxy S8 von Samsung antreten. Beide Smartphones besitzen Ähnlichkeiten beim neuen Seitenverhältnis der Displays und eine kompaktere Bauform. Technisch, optisch und bei der Ausstattung sind die Unterschiede aber enorm. Ob das LG G6 wirklich den Smartphone-Thron erobern kann, verraten wir euch in unserem umfangreichen Testbericht.

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LG G6 im MWC-Hands-On

Da ist es wieder, das Gefühl, ein gelungenes Android-Smartphone von LG Mobile in der Hand zu halten. Zuletzt hatte ich dieses Gefühl vor einigen Jahren, als LG mit dem G2 ein fast schon bahnbrechendes Smartphone und eine echte Alternative zu den Galaxy-S-Modellen von Samsung vorgestellt und zum günstigen Preis von damals nur 499 Euro auf den Markt gebracht hat. Da war es mir dann auch egal, dass ich über 100 Kilometer zum nächsten MediaMarkt fahren musste, um direkt am ersten Tag eines dieser Smartphones kaufen zu können. Ganz so günstig ist das LG G6 mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 749 Euro leider nicht, die Preise bewegen sich aber bereits nach unten, was das Interesse steigen lassen könnte:

Die letzten Jahre waren etwas enttäuschend für LG Mobile und das hat sich in den Verkaufszahlen der Smartphones deutlich gezeigt. Im letzten Jahr hatte LG mit dem G5 zwar eine nette Idee, den Funktionsumfang modular erweitern zu können, doch das Design des Smartphones konnte nicht überzeugen und zwei Module zum Anstecken sind einfach nicht genug. Das Konzept ist gescheitert.

Das LG G6 ist besser, deutlich besser – doch auch dieses Mal können wir einige Entscheidungen, die im Hinblick auf die Ausstattung des High-End-Smartphones in Deutschland getroffen wurden, nicht nachvollziehen. Worum es sich dabei handelt, verraten wir euch in diesem Test des LG G6.

LG G6 im Test: Inhaltsverzeichnis

Halbzeitbilanz 2017: Die Highlights und Enttäuschungen der ersten Jahreshälfte

LG G6 im Test: Das Design gefällt

LG Mobile hat die modulare Bauform des LG G5 bereits nach einem Jahr verworfen und mit dem LG G6 ein klassisches Android-Smartphone in Barrenform gebaut. Der Akku ist fest verbaut und lässt sich nun nicht mehr wechseln, hat aber mehr Kapazität spendiert bekommen. Das Smartphone besitzt ein sehr edles Gehäuse aus Glas und Metall, das auf den Fotos etwas schlechter aussieht, als es in Wahrheit der Fall ist. Die Front des LG G6 ziert ein nunmehr 5,7 Zoll in der Diagonale messendes „QHD+ FullVision Display“, dessen Kanten abgerundet sind.

Das passt zur abgerundeten Gesamtform des Smartphones. Die Ränder um das Display sind schmal ausgefallen, das gefällt. Ordentlich Platz eingespart hat LG an der Ober- und Unterseite des Displays. Nicht einmal eine LED-Benachrichtigungsleuchte wurde verbaut. Möchte man das Always-On-Display nicht verwenden, ist man aufgeschmissen und bekommt nicht mehr mit, ob neue Benachrichtigungen eingegangen sind. Ein klares Manko.

Da könnte eine Smartwatch ganz praktisch sein:

Der Bereich unter dem Display ist etwas größer als über dem Display ausgefallen. Mehr als ein LG-Logo hat dort aber nicht Platz gefunden. Die Frontkamera befindet sich in der linken oberen Ecke, rechts daneben sind der Helligkeits- und Annäherungssensor untergebracht. In der Mitte folgt die Hörmuschel. Bis auf die Hörmuschel ist alles mit Glas bedeckt. Das schafft eine einheitliche Optik. Der Übergang zum Rahmen aus Metall ist nicht wahrzunehmen, so präzise sind die Spaltmaße. LG Mobile hat sein Versprechen also gehalten, dass das neue G6 deutlich hochwertiger auftritt, als der Vorgänger.

Drei Mal unterschiedliches Gorilla Glass

Für ein einheitliches Gorilla Glass konnte sich LG beim G6 nicht entscheiden. Die Front wird von Gorilla Glass 3 geschützt, die Rückseite von Gorilla Glass 5, der neuesten Generation, und das Glas der Kameras besteht aus Gorilla Glass 4. Ein wilder Mix, der durchaus Einfluss auf die Ablesbarkeit des Displays hat. Das Gorilla Glass 3 spiegelt nämlich etwas stärker als bei anderen modernen Smartphones, die mit Gorilla Glas 4 oder 5 ausgestattet sind. Egal ob mit eingeschaltetem Display oder beim Betrachten der „Always-On-Display“-Funktion mit schwarzem Hintergrund. Spiegelungen sind immer präsent und können nicht vermieden werden. Möchte man dem entgegenwirken, muss die Helligkeit des Displays manuell höher gedreht werden. Eine etwas bessere Entspiegelung der Oberfläche wäre wünschenswert. Alternativ hilft auch eine matte Schutzfolie:

Der Helligkeitssensor leistet grundsätzlich gute Arbeit. Die Intensität der Beleuchtung des Displays wird zu 80 Prozent immer richtig eingestellt. Aufgefallen sind trotzdem zwei Punkte, denn zum einen ist die Reaktionsgeschwindigkeit des Sensors etwas langsam und zum anderen wird die maximale Dunkelheit selten eingestellt. Wenn ich das Smartphone morgens aus dem Flugmodus wecke und vom Stromnetz trenne, leuchtet mich das Display in kompletter Dunkelheit mit einer Helligkeit von 12 Prozent an – und das ist oft zu hell. Dann muss man manuell nachregeln und auf 0 Prozent reduzieren. Etwas mehr Feinschliff wäre nötig, das könnte man aber mit einem Update richten.

Vorsicht Rutschgefahr

Wie oben bereits erwähnt, besteht die Rückseite des LG G6 aus Gorilla Glass 5, das an den Seiten abgerundet ist und nahtlos in den Rahmen aus Aluminium übergeht. Die Verarbeitung kann man an dieser Stelle nur loben. Durch den Einsatz des Glases und eines glatten Rahmens mit Diamantschliff ist das Grip-Niveau recht gering. Man sollte das Smartphone also gut festhalten, denn ein Sturz auf den Boden könnte böse Folgen haben.

Da mir das Smartphone im Rahmen des Tests zwei Mal aus der Hand gerutscht ist, dabei aber glücklicherweise auf einem weichen Untergrund landete, habe ich mir kurz entschlossen eine Hülle besorgt. Die . Die Optik der Rückseite wird damit kaum gestört, denn als wirklich schön kann man das recht bullige Smartphone nicht bezeichnen. Glänzendes Design muss man eben mögen. Schön sieht das LG G6 im Grunde nur von der Front aus – und die wird von einer Hülle meist nicht bedeckt.

Der Einsatz einer Hülle hat zudem den Vorteil, dass der Fingerabdruckscanner besser zu erfühlen ist. LG hat es nämlich geschafft, den Übergang zwischen der Rückseite aus Glas und dem runden Fingerabdruckscanner so präzise zu gestalten, dass man die Stelle kaum erfühlen kann. Oft landet man mit Glück auf dem Scanner und kann das Smartphone so entsperren. Ein minimal höherer Rand um den Scanner wäre wünschenswert.

Das ist aber schon Gejammer auf hohem Niveau, denn der Scanner an sich sitzt an der richtigen Position und funktioniert auch hervorragend. Schade ist nur, dass keine Gesten vorhanden sind, um beispielsweise die Benachrichtigungsleiste herunterziehen zu können.

Bildergalerie LG G6 im Test

Dual-Kamera mit Weitblick

Über dem Fingerabdruckscanner des LG G6 ist eine Dual-Kamera verbaut, die zwei unterschiedliche Sensoren besitzt. Optische Unterschiede sind kaum festzustellen, in einigen Situationen hilft der Weitwinkelsensor aber dabei, mehr Inhalt einzufangen. Zu oft sollte man diese Funktion nicht bei nahen Objekten nutzen, da sonst ein Fisheye-Effekt entsteht. Die Position in der Mitte und nicht ganz am Rand hat den Vorteil, dass man die Kamera im Grunde nie versehentlich mit dem Finger abdeckt. Zur Qualität der Dual-Kamera später mehr.

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LG G6
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80 von 100 Punkten
(22. Mai 2017)

Weitere Themen: MWC 2017: Der Mobile World Congress in Barcelona, LG Electronics: Eines der größten Tech-Unternehmen der Welt

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