Total War – Rome 2 Test: Langsam aber sicher zur Weltherrschaft (+ Gewinnspiel)

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Kleines Geständnis vorweg. Es gibt eine Handvoll Spiele, für die ich schon mal gelogen habe. Also keine richtigen, schlimmen Lügen, sondern eher kleine, ins Telefon genuschelte Unwahrheiten. Die „Total War“-Reihe gehört zu diesen Spielen. Für „Medieval“ und „Rome“ bin ich seinerzeit über Termin-Leichen gegangen, habe dringende Verpflichtungen kurzfristig abgesagt oder gar wilde Ausreden erfunden – alles nur, damit ich noch ein paar Runden an meinem Imperium basteln konnte. Wahrscheinlich ist das auch schon das größte Kompliment, das ich der „Total War“-Reihe überhaupt machen kann – sie hat aus mir einen unzuverlässigen Stubenhocker gemacht. Was die nunmehr achte Auskopplung „Total War – Rome 2“ aus mir gemacht hat, erfahrt ihr jetzt in unserem Test.

So viel schon jetzt: Lügen musste ich dieses Mal nicht. „Total War – Rome 2“ entfaltet zwar den guten, alten Sog aus komplexer Reichsverwaltung und aufregend inszenierten Echtzeitgefechten, für neue Notlügen reichte es dieses Mal aber nicht ganz. Dafür hat Entwickler Creative Assembly ein paar Fenster zu wenig aufgerissen – echte Neuerungen sind in „Total War – Rome 2“ Mangelware.

 

Moment mal, werden jetzt einige, treue Aufpasser rebellieren – es gibt doch massig Neuerungen in „Rome 2“. Ja stimmt, die gibt es. Die Liste der Änderungen ist sogar extrem lang.

Ganze vier Seiten haben uns die furchtbar netten Geschichtsnerds von Creative Assembly zugeschickt. Jedoch erschöpft sich der Großteil der Entwicklerarbeit in kaum sichtbaren Detailanpassungen oder dem behutsamen Nachjustieren altbekannter Mechaniken. Dass sich auch vermeintliche Kleinigkeiten massiv auf das Spielgefühl und die Grundkonzepte auswirken können, sei an dieser Stelle gar nicht bestritten. Sie tun das auch. Nur geht „Rome 2“ im Vergleich mit dem Vorgänger „Shogun 2“ eben der Geist einer spürbaren Weiterentwicklung oder sinnvollen Konsolidierung ab.

Total War: Rome 2 Test – was ist neu?

Gehen wir die wichtigsten Änderungen einmal durch. Auf der erneut unschlagbar schönen Kampagnenkarte herrscht der alte „Total War“-Trott: Steuern eintreiben, Gebäude hochziehen, Kriegskasse füllen, Hungersnöte abwenden, Untertanen befriedigen, Rohstoffe ausfindig machen und Spezialeinheiten mit Sonderaufträgen losschicken.

Erst auf den zweiten Blick werden die Veränderungen der Entwickler deutlich. Die insgesamt 183 Regionen der gigantischen Weltkarte werden nun in 57 Provinzen zusammengefasst. Sobald ihr alle Regionen einer Provinz in euren Besitz gebracht habt, könnt ihr nun besonders mächtige Edikte erlassen. Die bringen fette Boni mit sich und stellen die wichtigsten Hebel auf dem Weg zum Imperium dar. Die Provinzen sind sinnvolle Neuerung, die nicht nur ein Quäntchen mehr strategische Tiefe bedeuten, sondern gerade auch im späteren Spielverlauf etwas mehr Komfort beim Micro-Management mit sich bringen.

Ebenfalls neu ist der besondere Fokus auf die kulturellen, wirtschaftlichen und militärischen Unterschiede zwischen den Fraktionen. Die individuellen Vor- und Nachteile der insgesamt neun spielbaren Fraktionen (Vorbesteller bekommen drei weitere hinzu) spielen in „Rome 2“ nun eine weiteaus gewichtigere Rolle als in den Vorgängern.

Nicht nur Startpostionen, Spezialeinheiten sowie die diplomatischen Optionen im Weltgefüge unterscheiden sich, auch im Aufbaupart des Spiels, bei der Besetzung von gegnerischen Städten aus anderen Kulturkreisen und natürlich im Krieg selbst äußern sich diese kulturellen Eigenheiten nun sehr viel stärker.

Die Barbaren-Stämme haben zum Beispiel Vorteile beim Rekrutieren von Einheiten und bei der Truppenmoral, während die Römer in Großstädten klare Vorteile genießen und schneller wachsen. Das alles erhöht den traditionell exorbitant hohen Widerspielwert des Spiels nochmals und sorgt auch für zusätzliche Langzeitmotivation. So wollte ich nach meinem ersten Feldzug unter dem Banner einer römischen Familie unbedingt auch Mal unter den Pelz der barbarischen Gallier und unter die Schilde der kriegsbegeisterten Spartaner schlüpfen. Da die neun Fraktionen in ihren Kampagnen auch unterschiedliche Missionen bzw. Siegbedingungen erteilt bekommen und diese auch prima an den jeweiligen historischen Kontext der Fraktion angepasst sind, stellt der Ausbau der kulturellen Differenzen in „Rome 2“ insgesamt die beste Änderung dar.

Creative Assembly gibt uns aber nicht nur etwas mehr spielerische Variation, einige gewohnte Freiheiten bei der Entwicklung unserer Provinzen werden den Spielern auch wieder genommen. Schon zu Beginn nötigt man den Reichsverwaltern nun echte Grundsatzentscheidungen ab.

 Wirtschaft, Kultur, Militär – Welcher Weg führt nach Rom?

Wirtschaft, Kultur, Militär – für welche Richtung wir uns entscheiden, das spielt im Aufbau- und Forschungsbereich von „Rome 2“ nun eine etwas größere Rolle. Da sich bestimmte Gebäude und Technologien auch untereinander beeinflussen und die gespielte Kultur einen großen Einfluss auf diese Elemente hat, bleibt das Ganze trotz der Verschlankung vielschichtig und komplex.

Und die Echtzeit-Schlachten? Auch hier gibt es zahlreiche Änderungen, auch hier werden sie erst langsam greifbar. Wer allerdings fahrlässig drauflos marschiert, der wird sie ganz sicher am schnellsten aufspüren. Feldherren, die die Schwächen und Stärken der eigenen Einheiten ignorieren oder die taktischen Optionen der Karten nicht zu ihren Vorteil zu nutzen wissen, werden in „Rome 2“ trotz einer militärischen Übermacht schon mal komplett aufgerieben. Auch kleinere Neuerungen wie echte Sichtlinien wollen erst einmal verinnerlicht werden, bevor man mit dem überarbeiteten  Kampfsystem zum ersten Sieg reitet.

Über die im Vorfeld groß angepriesene Neuerung der integrierten See- und Landschlachten – beides kann nun gleichzeitig auf einer Karte stattfinden – kann ich hier ehrlich gesagt gar nicht so viel erzählen. Während meinen Kampagnen kam es einfach nur sehr selten zu dieser Situation. Dann funktionierte das neue Feature aber stets reibungslos und ist eine nette Ergänzung.

Dass die 3D-Echtzeitkämpfe in „Rome 2“ wieder einmal ein stattliches bisschen besser, detaillierter und schöner aussehen, kann fast schon als ein Serienmerkmal herausgestellt werden. Creative Assembly legt hier regelmäßig nach. Auch „Rome 2“ lässt die spektakulären Schlachten beim Hämmern des reibenden Soundtracks wieder in einem zeitgemäßen Effektfeuerwerk erstrahlen. Positiv fiel mir zudem auf, dass die Karten nun allesamt etwas natürlicher wirken und die Gegebenheiten auf der Kampagnenkarte überzeugender wiedergeben.

Die alten Schwächen sind auch die neuen

Keine positive Entwicklung gibt es bei den altbekannten Schwachpunkten der Reihe zu vermerken – der KI und den Ladezeiten.

Die KI von „Total War“ hat in der Vergangenheit immer wieder Prügel bezogen.  Wer sich über gelegentliche Aussetzer des künstlichen Gegners sehr ärgert, der wird auch in „Rome 2“ wieder auf seine Unkosten kommen. Egal, ob die KI mich trotz hoffungsloser Unterlegenheit gleich dreimal hintereinander in meiner Stadt angreift und somit natürlich vernichtet wird oder meine Einheit im Echtzeitkampf plötzlich aus unerfindlichen Gründen in Panik flieht – perfekt bzw. menschlich agiert die KI noch immer nicht. Weniger Spaß hatte ich persönlich deshalb aber nicht.

Leider sind auch die Ladezeiten noch immer ein bisschen zu lang für meinen Geschmack. Sowohl auf der Kampagnenkarte, also bei den Truppenbewegungen des Computer-Gegners, als auch im Übergang zu den Echtzeit-Schlachten richtet uns Creative Assembly das eine oder andere Päuschen zu viel ein. Da unsere Testversion aber ansonsten schon sehr stabil lief und ich mich bereits vor langer Zeit an die epischen Ladevorgänge gewöhnt habe, kann ich auch hier noch ein Auge zudrücken.

Fazit

Ach herrje, ich bin hin und her gerissen. „Total War: Rome 2“ hat mich weder positiv überrascht, noch hat es mich auf irgendeine Weise enttäuscht. Es ist einfach nur die logische Konsequenz einer Reihe, die langsam aber sicher mit jeder neuen Auskopplung ein Stückchen besser werden möchte. Ein lobenswerter Ansatz, der die Macher des erstklassigen Strategie-Titels seit vielen Jahren auszeichnet. Dieses Mal ging mir die Entwicklung aber etwas zu langsam und zu sicher von statten.

Echte Neuerungen und direkte Eingriffe in die Spielmechanik wie zuletzt bei „Empire“ lässt  „Rome 2“ vermissen. Im direkten Vergleich mit dem eher konsolidierenden Vorgänger „Shogun 2“ macht Creative Assembly dann mitunter sogar kleinere Rückschritte. Das allgemeine Einfangen der historischen Ära über den grafischer Stil, die kurzen Video-Sequenzen oder die Gestaltung der Menus gefielen mir in „Shogun 2“ zuletzt etwas besser.

Für „Rome 2“ spricht, dass es nochmals polierter, nochmals runder wirkt und mit vielen kleinen, aber dafür durchweg feinen Änderungen am Grundkonzept in die Schlacht zieht. Die suchterregende Freude an diesem genialen Spielkonzept ist ohnehin ungebrochen. Der mit Abstand größte Reiz von „Rome 2“ lag für mich dieses Mal allerdings darin, meinen Lieblingsteil der Reihe – das erste „Rome“ – endlich im Glanz der langjährigen Erfahrung und technischen Kompetenz der Reihe erstrahlen zu sehen.

Kurz gesagt, „Total War: Rome 2“ muss ohne frischen Wind auskommen, macht dafür aber keine Fehler bei der Umsetzung der alten Stärken.

 Unsere Wertungsphilosophie 

Wir verlosen zwei Versionen von “Total War: Rome 2″. Was ihr für eine Teilnahme an dem Gewinnspiel tun müsst, erfahrt ihr im Test-Video. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen. Wer noch nicht 18 ist, benötigt eine schriftliche Genehmigung der Eltern für eine Teilnahme. Viel Glück.

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Wertung

8/10
Getestet von Tobias

Keine Enttäuschung, keine positive Überraschung - Creative Assembly bringt die bekannten Stärken der Reihe fehlerfrei zurück nach Rom.

Leserwertung
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