Zeit ist Geld oder besser gesagt Bitcoin in diesem Fall. Doch gerade Zahlungen mit Bitcoin können den Geduldsfaden reißen lassen. Ist hierfür der Litecoin die bessere Lösung?

 
Kryptowährung
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Von Kryptowährungen versprechen sich die meisten sichere, unabhängige und einfachere Zahlungsmittel. Doch einen großen Haken hat die Sache: Es ist einfach undenkbar, dass man an der Kasse zehn Minuten wartet bis einzig und allein der Bezahlvorgang abgeschlossen ist.

Die nervösen, scharrenden Hufen der wartenden Kunden hinter einem könnt ihr euch sicherlich bildlich vorstellen. Wäre der Bitcoin aktuell das Standardzahlungsmittel, könnte genau das eintreten, denn die durchschnittliche Transaktionszeit liegt bei zehn Minuten.

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Verrückte Kryptowährungen: Diese Coins gibt es wirklich

Dieses Problem hat auch der US-Amerikaner Charlie Lee erkannt und kurzerhand 2011 den Litecoin erfunden, welcher den Bitcoin in mehreren Kategorien schlagen soll. Der Litecoin soll die bessere, deutlich schnellere und letztlich günstigere Alternative zum Bitcoin sein.

Wie ist der Litecoin entstanden?

Beim Litecoin handelt es sich um eine dezentrale Open-Source Kryptowährung, die aus der Bitcoin-Blockchain heraus entstanden ist. Viele sprechen auch vom kleinen Bruder des Bitcoins. Dieser Vorgang des Auskoppelns nennt sich im Fachjargon Hard Fork.

Darunter versteht man den Entstehungsprozess einer neuen Kryptowährung, indem die Blockchain einer bestehenden Kryptowährung (hier Bitcoin) so verändert wird, dass die neuen Blöcke nicht mehr für die alte Währung zugelassen werden. Sobald eine ausreichende Nachfrage für die neuen Blöcke besteht, ist die neue Währung offiziell geboren.

Somit teilen sich Bitcoin und Litecoin zwar den gleichen Ursprung, existieren jedoch unabhängig voneinander. Um auf den Begriff Hard Fork zurückzukommen, sie besitzen also den gleichen Griff einer Gabel, folgen dann aber unterschiedlichen Zinken.

In welchen Bereichen schlägt Litecoin den Bitcoin?

Sehen wir uns einmal im Detail an, wo der Litecoin punkten kann:

Transferzeit
  • Bitcoin ist sehr behäbig und kann sich schlecht an eine höhere Nachfrage an Zahlungsprozessen anpassen
  • Litecoin kann viermal schneller als Bitcoin Transaktionen abwickeln
Verfügbarkeit
  • bei 21 Millionen Bitcoins ist Schluss, mehr kann nicht geschürft werden
  • aufgrund höherer Geschwindigkeit des Litecoins kann durch Mining auch die vierfache Menge an Coins generiert werden
  • Transaktionsgebühren fallen geringer aus als beim Bitcoin
Architektur
  • Algorithmus ist einfacher als beim Bitcoin und somit letztlich auch wieder schneller und günstiger

Die genannten Vorteile wirken sich natürlich positiv auf den Alltag von Verbrauchern aus, da der Litecoin im Großen und Ganzen wesentlich schneller ist und auch höhere Transaktionsvolumen sicher abwickeln kann.

Kehrseite wiederum ist die bisher allgemein fehlende Akzeptanz von Krypto als Zahlungsmittel bei Händlern, dies betrifft jedoch nicht nur den Litecoin. Besonders beliebt ist Litecoin daher aktuell als anonymes Zahlungsmittel im Darknet.

Chancen & Risiken

Ob und inwieweit der Litecoin zukünftig eine große Rolle einnehmen wird, lässt sich schwer einschätzen. So wie die anderen Kryptowährungen unterliegt der Litecoin ständig starken Schwankungen. Während der Kurs für einen Litecoin Mitte März noch bei 27 Euro stand, kletterte er auf ein saftiges Hoch von 286 Euro im Mai 2021 und liegt aktuell bei 55 Euro (Stand: 25.07.2022).

Chancen Risiken
  • Litecoin ist auf allen großen Handelsplätzen verfügbar
  • auch dezentrale Hardware-Wallets unterstützen den Litecoin
  • Bitcoin nimmt sich den Litecoin gern als Blueprint für Veränderungen, somit verliert Litecoin sein Alleinstellungsmerkmal
  • das „Schürfen“ sprich Mining gestaltet sich einfacher als beim Bitcoin
  • erleichterter Zugang für mehr Menschen
  • mittlerweile gibt es nicht nur Litecoin als Hard Fork von Bitcoin, auch Bitcoin Cash hat sich vom Bitcoin abgespaltet und steht im Kursverlauf aktuell besser da
  • Nutzung durch Darknet nimmt zu: klingt erst einmal negativ, hat aber zuvor auch den Bitcoin bekannter gemacht
  • zunehmende Nutzung im Darknet kann natürlich genau zum Gegenteil führen und den Ruf des Litecoin mehr schädigen als ihm nutzen
  • offizielle Online-Bezahldienste wie Paypal öffnen sich gegenüber dem Litecoin
  • Litecoin fehlt die Unterstützung großer Investoren im Gegensatz zu Bitcoin und Ether
  • dank seines Gründers ist der Litecoin hoch angesehen in der Branche (Charlie Lee ist Ex-Google-Mitarbeiter und war Technischer Leiter der Krypto-Börse Coinbase)
  • Litepay-Skandal hat Vertrauen von Nutzern verspielt, hier wurden technologische Neuerungen angekündigt, die letztlich nicht umgesetzt werden konnten

Größer Pluspunkt liegt also immer noch bei der Transaktionszeit sowie den Kosten, der Litecoin ist deutlich günstiger als die bekanntesten Währungen Bitcoin und Ethereum. Für euch als Anleger wäre es somit wesentlich leichter, einen gesamten Litecoin zu kaufen als einen Bitcoin oder Ether.

Nur kann niemand von uns in die Glaskugel schauen und vorhersehen, ob der Litecoin weiterhin fallen oder wieder kräftig anziehen wird. Ein Investment in Kryptowährungen bietet gleichermaßen Chancen sowie Risiken und bleibt somit eine spekulative Anlage.

Das Krypto-Quiz: Wie gut kennst du dich mit Bitcoin und Co. aus?

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