Echt dreist: o2-Chef macht sich über Wünsche der eigenen Kunden lustig

Simon Stich 16

Kann man machen, muss man aber nicht: Der Deutschland-Chef der o2-Marke hat in einem Interview über die Wünsche seiner Kunden gespottet. Eine hundertprozentige Flächenabdeckung werde es mit dem neuen Standard 5G nicht geben. Diese sei „einfach unrealistisch“.

Echt dreist: o2-Chef macht sich über Wünsche der eigenen Kunden lustig
Bildquelle: Telefonica.

Telefónica-Chef: 5G wird es nicht überall geben

Markus Haas, Vorstandsvorsitzender von Telefónica Deutschland, hat mit der Süddeutschen Zeitung über den aktuellen Stand des Mobilfunkstandards 5G gesprochen. Ihm zufolge haben die Nutzer hierzulande unrealistische Vorstellungen, was den Aufbau des 5G-Netzes angeht: „Inzwischen soll es am liebsten ein gutes Netz im Wald geben, damit Pilzsucher über eine App ihre gesammelten Pilze bestimmen können“ so Haas. Dass manche Menschen „im Wald“ mehr als nur Pilze sammeln, sondern schnelles und flächendeckendes 5G auch für eine ganze Reihe von zukunftsträchtigen Umwelttechnologien benötigt wird, lässt der Telefónica-Chef wegfallen.

Haas zufolge rechne sich eine hundertprozentige Flächenabdeckung nicht. Die Nutzer bereitet er deshalb schon mal auf die Zukunft vor: „Es wird nicht auf jeder kleinen Straße, in jedem Waldstück und in jeder Anwohnersackgasse 5G geben. Dafür müssten wir mehrere Hunderttausend Antennen bauen, das ist weder wertstiftend noch finanzierbar“. Derzeit wird erwartet, dass der Aufbau des 5G-Netzes die Betreiber jeweils einen zweistelligen Milliardenbetrag kosten wird.

Auch deswegen werden in der Politik Stimmen lauter, die die Errichtung eines einzigen Netzes durch alle Betreiber fordern. Insbesondere die Grünen setzen sich dafür ein. Kosten könnten dann entsprechend aufgeteilt werden. Im Idealfall sinken dadurch in Zukunft die Preise für die mobile Internetnutzung. Haas geht auch darauf indirekt ein: „Der Staat hat doch derzeit kein Einnahmeproblem. Wenn in drei Jahren gewählt wird, werden die Bürger sich fragen, ob die Netze besser ausgebaut wurden, nicht, wie viel bei der Frequenzauktion in den Staatshaushalt floss“.

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Weiter massive Investitionen in LTE-Netz

Noch vor dem Aufbau des 5G-Netzes investieren die Betreiber derzeit viel in den Ausbau von LTE. o2 möchte hier bis 2019 eine Bevölkerungsabdeckung von 99 Prozent erreichen. Haas zufolge besitzen derzeit nur 17 der insgesamt 45 Millionen Kunden ein Smartphone, das überhaupt LTE-fähig ist.

Auch die Telekom investiert weiter in LTE. Im dritten Quartal des Jahres sind 400 neue Mobilfunkstandorte in Betrieb genommen worden. Die Bevölkerungsabdeckung mit 4G liegt damit bei 97,6 Prozent. Der Sprung auf 98 Prozent ist für das kommende Jahr geplant. Bei der Flächenabdeckung der Bundesrepublik sieht es aber weiter schlecht aus: 30 Prozent sind hier weiterhin nicht mit LTE versorgt und können sich bestenfalls auf 3G verlassen.

Bei der Versteigerung der Mobilfunkfrequenzen für das 5G-Netz wird derzeit noch hinter den Kulissen gefeilscht, ob in Zukunft weiter eine Bevölkerungs- oder doch eine Flächenabdeckung als Forderung mit in den Katalog übernommen werden soll. Die dafür zuständige Bundesnetzagentur möchte ihre Bedingungen Ende November veröffentlichen. Mit einer Versteigerung der Frequenzpakete ist dann zu Beginn des kommenden Jahres zu rechnen. 5G dürfte sich erst im kommenden Jahrzehnt als Mobilfunkstandard durchsetzen.

Quelle: Süddeutsche Zeitung via golem.de

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