Come back, Diddy Kong Racing: Das bessere Mario Kart

Lisa Fleischer

Auch, wenn Mario Kart bestimmt der bekannteste Fun-Racer ist: Gerade in den 90er-Jahren gab es zahlreiche Konkurrenten. Darunter auch Diddy Kong Racing, das streckenweise tatsächlich besser und vor allem wesentlich fordernder ist als der Nintendo-Klassiker.

In den 90er-Jahren hatten nicht nur 3D-Plattformer ihre Hochphase. Nach dem Erfolg von Super Mario Kart wurden nicht nur zahlreiche weitere Teile des Nintendo-Rennspiels veröffentlicht, auch neue Fun-Racer mit ganz anderen Charaktere überfluteten den Markt. Darunter: Diddy Kong Racing von Rare.

Um Diddy Kong Racing zu bewerben, ließ sich Rare damals diesen verrückten Spot einfallen:

Der Zufall schreibt die besten Geschichten

Dabei entstand das Spiel lediglich aus einer Reihe von Zufällen. Eigentlich plante Rare nämlich eine Fortsetzung ihres Racers R.C. Pro-Am – als Nebenprojekt zu dem eigentlichen Fokus auf Banjo-Kazooie, das noch vor den Weihnachtsfeiertagen 1997 erscheinen sollte. Allerdings verzögerte sich die Entwicklung von Banjo-Kazooie und es musste eine Notlösung her.

Zum Glück waren damals die Rennstrecken von Pro-Am nahezu fertig, in die Autos, Flugzeuge und Boote, die im Spiel verwendet wurden, steckten die Entwickler so wenig Zeit wie möglich. Um das Spiel auf die Nintendo-Zielgruppe zuzuschneiden, tauschten sie den eigentliche Protagonisten Timber gegen den bekannten Diddy Kong aus – und damit auch den Titel des Fun-Racers.

Come_Back_Diddy_Kong_Racing_Thumb

Fun-Racer trifft auf 3D-Plattformer

Obwohl das Spiel innerhalb eines halben Jahres fertiggestellt werden musste, wurde es zu einem wahren Erfolg. Das liegt vor allem daran, dass Diddy Kong Racing kein klassischer Fun-Racer ist. Natürlich gibt es auch einen Mehrspieler-Modus, in dem du dir Strecken und Ziel aussuchen kannst. Der Fokus liegt aber auf der Kampagne.

In ihr startest du mit dem Charakter und in dem Fahrzeug deiner Wahl in einer überschaubaren, offenen Welt. Dein Ziel: Ähnlich wie in Super Mario 64 gilt es, so viele Sterne (oder in diesem Fall: Ballons) wie möglich einzusammeln. Mit wachsender Anzahl Ballons öffnen sich neue Türen in der Oberwelt, die dich in verschiedene Rennen katapultieren. Diese sind zu Anfang noch machbar, werden aber schnell schwerer und sind gen Ende eine wahre Herausforderung.

Diddy_Kong_Racing_Charaktere

Durch das Konzept, das sich an die 3D-Plattformer der damaligen Zeit anlehnt, ist Diddy Kong Racing kein lustiger Zeitvertreib für Zwischendurch, den du nach wenigen Spielstunden gelangweilt weglegst und nur noch zu Partys hervorkramst. Das Spiel lässt dich am Ball bleiben und motiviert bis zum Schluss.

Die Flug-Challanges: Der Hardmode der 90er-Jahre

Aber auch der Schwierigkeitsgrad von Diddy Kong Racing hebt das Spiel von der Konkurrenz und vor allem von Mario Kart ab. Ist die Steuerung per se schon schwierig zu lernen, sind einige Kurven im Spiel doch nur mit viel Übung gut zu meistern. Weil du in den einzelnen Leveln aber gut abschneiden musst, willst du die nächsten freischalten, musst du so einige Versuche starten, bis du siegreich hervorgehst. Umso mehr freust du dich darüber, hast du es endlich geschafft.

Diddy_Kong_Racing_Flugzeuge_Eier_einsammeln

Als größte Herausforderung in Erinnerung ist mir übrigens die Steuerung der Flugzeuge geblieben. Habe ich schon als Kind ganz schön damit zu kämpfen gehabt, sie zu erlernen und zu meistern, versagte ich komplett, als ich das Spiel vor einiger Zeit noch einmal hervorgekramt habe. Gerade dieses eine Level, in dem du deinen Mitspielern Eier klaust und in dein eigenes Nest verfrachtest, hat mich gebrochen.

Ich habe es noch nicht einmal geschafft, die Eier aufzunehmen und damit auch nur ein paar Meter geradeaus zu fliegen – geschweige denn, sie in meinem Nest abzulegen. Irgendwann habe ich resigniert und aufgegeben. Und doch bin ich Diddy Kong Racing dafür keinesfalls böse, ist dieser heftige Schwierigkeitsgrad zumindest in dem Genre sein Alleinstellungsmerkmal.

Diddy_Kong_Racing_Rennstrecke

Die fehlende Fortsetzung

An sich hat Rare mit Diddy Kong Racing also alles mit gemacht. Doch wie der Zufall dem Spiel erst zum Erfolg verholfen hat, so hat er dem Spiel die Zukunft verbaut. Eigentlich arbeitete Rare nämlich schon an der Fortsetzung Donkey Kong Racing, das auf dem GameCube erscheinen sollte. Und auch eine Game Boy Advance-Version namens Diddy Kong Pilot war schon geplant. Beide Spiele standen allerdings unter keinem guten Stern und wurden bald darauf gecancelt. Der Grund: Rare wurde von Microsoft aufgekauft, Nintendo behielt allerdings die Lizenz für den kleinen Affen.

Zwar veröffentlichte Microsoft das ursprüngliche Diddy Kong Pilot als Banjo-Pilot, obwohl die Rezensionen in Ordnung waren, konnte das Spiel jedoch nicht an den Erfolg des Originals anknüpfen. 2007 versuchte Nintendo mit Donkey Kong Jet Race dann erneut, das Konzept noch einmal zurückzubringen – ohne Beteiligung von Rare. Auch dieser Versuch scheiterte, wurde das Spiel von der Presse und Spielern sehr negativ bewertet.

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Und auch das Remake von Diddy Kong Racing, das Nintendo im selben Jahr für den Nintendo DS veröffentlichte, brachte den geliebten Racer nicht zurück. Seitdem ist es still um das Franchise. So müssen wir alle uns wohl auch in Zukunft mit dem Original begnügen – dessen Alter sich zunehmend bemerkbar macht.

Wünscht du dir auch ein neues Diddy Kong Racing? Oder findest du das Original immer noch so gut, dass du nicht glaubst, dass ein neues Spiel an seinen Erfolg anknüpfen kann?

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