Verbraucherzentrale warnt vor Online-Autohändler

Stefan Bubeck

Das Start-Up wirkaufendeinauto.de steht seit einiger Zeit unter Kritik: Bei den online geschätzen Preisen für PKW handle es sich um Lockangebote, so der Vorwurf. Nun meldet sich auch die Verbraucherzentrale NRW zu Wort.

Verbraucherzentrale warnt vor Online-Autohändler
Bildquelle: Getty Images / Jay_Zynism.

Der Name „Wir-kaufen dein-Auto“ ist Programm: Wer sein Auto loswerden möchte, gibt seine Fahrzeugdaten beim Onlinerechner des Unternehmens ein und bekommt umgehend einen Ankaufpreis genannt – oder besser gesagt „eine erste Autobewertung“. Denn wie sich bei einigen Kunden danach ergab, sinkt dieser Preis bei der Kontrolle mit den „Autoexperten vor Ort“ (bei einer der 310 WkdA-Filialen) dann deutlich. Hier der TV-Werbespot des Berliner Unternehmens:

 

Verbraucherzentrale über Wirkaufendeinauto.de: Online-Lockpreis schrumpfte nach der Prüfung um 55 Prozent

Die Verbraucherzentrale NRW hat einen Testkauf begleitet, der eher an eine Zockerrunde im Raumhafen Mos Eisley erinnert, als an einen seriösen Autohandel. Ein fünf Jahre alter Citroen Berlingo wurde online zunächst auf 5976 Euro geschätzt, aber beim Termin vor Ort wurden daraus nur noch 2.679 Euro, also ein Minus von 55 Prozent.

Danach sei Zeitdruck erzeugt (Angebot gilt nur fünf Tage) und zudem in drei Mails nachgehakt worden. Dabei wurde auch der Ankaufpreis schrittweise wieder auf 3.082 Euro erhöht, was aber deutlich unter dem ersten Online-Schätzpreis lag. Der Berlingo konnte dann später per klassischem Inserat für 5.000 Euro verkauft werden – der Online-Deal wäre also kein gutes Geschäft gewesen. Eine Äußerung dazu seitens Wirkaufendeinauto.de gab es noch nicht. Die Verbraucherzentrale kommt zum Schluss, dass ein Kaufangebot des Unternehmens niemals sofort angenommen werden sollte. Sie warnt vor „vergeudeter Zeit“.

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Wirkaufendeinauto.de: Ähnliche Erfahrungen auch beim ADAC

Auch der ADAC hat den Dienst getestet und ist enttäuscht. Statt online geschätzten 11.073 Euro wurden vor Ort dann fast 3.000 Euro weniger als Kaufangebot abgegeben. Immer hin gab es hier eine schriftliche Antwort: „Eine verallgemeinernde Aussage, dass der Online-Preis nicht realistisch ist, kann so nicht getroffen werden, da der finale Verkaufspreis abhängig von individuellen Fahrzeugfaktoren ist. (…) Wir prüfen derzeit eine weitere Verbesserung unserer Kundenkommunikation.“

Das klingt ohne zeitliche Einordnung allerdings besser, als es tatsächlich ist: Der Bericht des ADAC stammt aus dem März 2017, die Aussagen der Verbraucherzentrale sind hingegen brandneu. Viel hat sich bei wirkaufendeinauto.de in der Zwischenzeit also nicht getan.

Quellen: Verbraucherzentrale NRW, ADAC

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