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35 Jahre Game Boy: Nintendos Kult-Handheld lebt immer noch

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Vor 35 Jahren, am 21. April 1989, kam der Game Boy von Nintendo auf den Markt. Wir werfen einen Blick zurück und präsentieren euch 7 Fakten zum Jubiläum des legendären Handhelds.

Eine ganze Generation wurde vom Game Boy geprägt – unter anderem wir in der GIGA-Redaktion, wo Nintendos erste mobile Spielkonsole bis heute warme Retro-Gefühle erzeugt und jeder irgendeine Game-Boy-Geschichte zu erzählen hat.

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Laufzeit

Schon als der Game Boy 1989 in Japan auf den Markt kam, war er eher underpowered, was Hardware und Bildschirm anging. Der Screen konnte zunächst nur vier „Farben“ darstellen. Grün im Hintergrund, Schwarz und 2 Grautöne im Vordergrund. Beleuchtet war er damals nicht, wer auf langen Autofahrten auf dem Rücksitz zocken wollte und durch nen Tunnel oder in die Nacht reinfuhr, brauchte eine der berühmt-berüchtigten Bildschirmlupen. Der Segas Konkurrent, der Game Gear von 1990, hatte schon ein Farb-Display mit Hintergrundbeleuchtung. Aber: der Game Boy konnte dafür viel länger durchhalten. Während der Game Gear mit 6 AA-Batterien eine Laufzeit von 3-5 Stunden hatte, hielten die 4 Batterien im Game Boy 15 bis 20 Stunden. Viel besser fürs Taschengeld! Aber auch in anderer Hinsicht war die Laufzeit stark. Heute haben Konsolen meistens einen Lebenszyklus von 7 Jahren. Beim Game Boy ging’s nach 7 Jahren erst richtig los, 1996 kamen die ersten Pokémon-Teile raus und hauchten ihm neues Leben ein.

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Zwei Legenden: Mario-Erfinder Shigeru Miyamoto und ein Game Boy (Bildquelle: Gettyimages / Ralf-Finn Hestoft / CORBIS)
Game-Boy-Becher mit Thermoeffekt
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Der abwärtskompatible Game Boy Color mit Farbdisplay launchte 1998. Das letzte klassische Game-Boy-Spiel in Schwarzweiß, Pokémon Yellow, kam im Juni 2000 in Europa raus, und das letzte Spiel für den Game Boy Color, Hamtaro: Ham-Hams Unite! gab es in Europa sogar erst im Januar 2003. Das sind fast 14 Jahre Lebenszeit, also zwei Konsolenzyklen! Aber selbst da war der Game Boy noch nicht tot, denn der 2001 erschienene Game Boy Advance und der Advance SP von 2003 konnten ebenfalls noch klassische Game-Boy- und Game-Boy-Color-Spiele starten. Das nenne ich mal Hingabe für eine Plattform.

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Die Szene lebt

Auch wenn der Game Boy mittlerweile 35 Jahre auf seinem grauen Buckel hat, gibt es bis heute neue Spiele, sogar aktuelle Releases auf klassischen Cartridges. Man könnte sagen: Die Szene ist lebendiger denn je. Dafür gibt es ein paar Faktoren. Zum einen Nostalgie. Millionen von Menschen hatten einen Game Boy und denken fast schon mit Wehmut an die Gaming-Zeiten ihrer Kindheit zurück, ohne Downloads, Mikrotransaktion und Hardware für Hunderte von Euro, Verzeihung Mark.

Aber es gibt auch praktische Gründe: Die Hardware-Architektur des Game Boy ist simpel, ausführlich erforscht und dokumentiert. Für viele Hobby-Entwickler hat es einen besonderen Reiz, auf eingeschränkten Plattformen kleinere Spiele in Pixel-Optik zu entwickeln. Und selbst wer keine Ahnung von Low-Level-Programmierung hat, kann sich dank Projekten wie GB Studio easy eigene Spiele zusammenklicken. Das hat zur Folge, dass die Plattform itch.io überquillt mit neuen Game-Boy-ROMs, viele davon sind sogar kostenlos.

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Und was macht man damit? So ein ROM könnt ihr beispielsweise auf ein sogenanntes Flash Cart wie den Everdrive spielen und damit auf Original-Hardware zocken. Ansonsten gibt es aber auch Emulatoren für dutzende Plattformen, inklusive PCs, Smartphones und gejailbreakte Konsolen. Bei itch.io könnt ihr die Spiele sogar direkt in einem JavaScript-Emulator starten und auf eurem Smartphone spielen. Und günstige Emulatoren-Handhelds wie die von Miyoo (bei Amazon ansehen) oder Anbernic (bei Amazon ansehen) oder die DIY-Variante für den RaspBerry Pi Zero (bei Amazon ansehen) eignen sich hervorragend, um Game-Boy-Spiele zu zocken, ob alt oder neu. Oder ihr holt euch gleich die edle Variante in Form des Analogue Pocket.

Romhacker statten klassische Game-Boy-Spiele mit neuen Features aus. Hier: „Super Mario Land 2 DX“, eine von Fans colorierte Version des Kultspiels. (Bildquelle: Romhacking.net)

Ebenfalls sehr aktiv neben der Homebrew-Szene, die neue Spiele entwickelt, sind auch die sogenannten Romhacker. Die entwickeln Patches für Spiele-Klassiker, die oft richtig genial sind. Neben Quality-of-Life-Verbesserungen wie Tetris Rosy Retrospection, das Features aus neueren Tetris-Version nachträglich einfügt, gibt es Fan-Übersetzungen, DX-Patches wie Super Mario Land 2 DX oder Kirby’s Dreamland 2 DX, mit denen klassische Game-Boy-Spiele um Farb-Paletten für den Game Boy Color erweitert werden und sogar Komplett-Konversionen. Vor allem ums Pokemon-Franchise hat sich eine gigantische Szene gebildet. Wer sich für ROM-Hacks interessiert, sollte mal einen Blick auf die Seite romhacking.net werfen. Aber Vorsicht, das ist ein gigantisches Rabbit Hole.

Die Game Boy Camera

Ein absolut kurioses Add-On für den Game Boy war die Game Boy Camera. Sie erschien 1998 und war zu der Zeit tatsächlich die günstigste Digitalkamera am Markt. Einfach reinstecken in den Game Boy-Modulschacht und ihr konntet damit nicht nur echte Fotos mit eurem Game Boy schießen, sondern über den Game Boy Printer gleich auf Thermopapier ausdrucken. Gut, die Motive sind mit ihrer Auflösung von in 128 × 112, also 0,014 Megapixeln in Schwarzweiß schwer erkennbar. Gerade diese Lo-Fi-Optik verleiht den Bildern aber einen besonderen Charme und, ja auch, kulturelle Relevanz.

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Game Boy mit Kamera und Drucker (Bildquelle: Blick / RDB / ullstein bild via Getty Images)

Bilder von der Game Boy Camera werden auch heute in sozialen Netzwerken geteilt. Der Künstler Jean-Jacques Calbayrac veröffentlicht Bilder der Game Boy Camera als @gameboycameraman auf Instagram und hat sogar einen Prozess entwickelt, mit dem er mithilfe von Kamerafiltern Farbfotos aufnehmen kann.

Neil Young hat ein Foto von der Game Boy Camera, das seine Tochter geschossen hat, als Album-Cover verwendet.

Und natürlich gibt es richtig viele genial-bekloppte Mods für die Kamera. Eine Verkleinerung auf normale Cartridge-Größe, einen LED-Blitz, HDR- und Panorama-Fotografie, der Umbau in eine Webcam, ein Zoom-Objektiv und vieles mehr. Sogar für Astrofotografie wurde die GB Camera schon eingesetzt. Die GB Camera wird bis heute geliebt und wie schon beim eigentlichen Game Boy ist es gerade die Eingeschränktheit der Möglichkeiten, die den besonderen Reiz auf Fans ausüben.

Die Größe von Spielen

Ihr seid jetzt wahrscheinlich nicht besonders überrascht, wenn ich sage, dass die Game-Boy-Spiele von vor 30, 35 Jahren wesentlich kleiner waren als heutige Games. Aber WIE viel kleiner, das muss man sich mal vergegenwärtigen. Von einem aktuellen Call of Duty und 100, 200 oder mehr Gigabyte will ich gar nicht sprechen. Aber um euch die Dimensionen zu verdeutlichen: Zelda: Link’s Awakening ist eins der größten Spiele für den klassischen Game Boy, und selbst das hat in 512 Kilobyte reingepasst, also ein halbes MB. Mitsamt toller Pixelgrafik, fantastischer Musik und richtig viel Gameplay für stundenlangen Spielspaß. Das Remake für die Switch ist deutlich über 6 GB groß, also mehr als 12.000 mal!

Viele Games auf dem Game Boy waren sogar deutlich kleiner als Zelda IV: DuckTales und Super Mario Land 1 zum Beispiel nur 64 KB, Tetris und Alleyway sogar nur 32 KB. Das ist praktisch nichts. Wenn du unseren YouTube-Kanal aufrufst und natürlich auch gleich abonnierst, sind zwei der Thumbnail-Bildchen zu unseren Videos bereits so groß wie ein Game-Boy-Spiel.

Schlüpfrige Witzchen in Zelda

Ich habe meine Liebe zu Zelda: Link’s Awakening bereits erwähnt. In einem Video auf unserem Schwesterkanal Spieletipps bei TikTok – den ihr auch abonnieren solltet – erzähle ich, warum das für mich das beste Game-Boy-Spiel überhaupt ist.

Was vielen nicht bekannt ist: Zelda IV enthält gerade in der deutschen Übersetzung ein paar schlüpfrige Witzchen. Wenn man die Elektroschocker-Gegner, die man unter anderem östlich vom Startdorf findet, mit Zauberpulver besprüht, verwandeln sich diese in, ich weiß nicht genau was, aber wenn ihr sagen würdet, dass es sich dabei um Dildos um mit Augen handelt, würde ich da nicht vehement widersprechen.

Das Ur-Zelda auf dem Game Boy enthielt frivole Botschaften.

Die kann man dann auch noch ansprechen und sie lassen dann Sprüche vom Stapel wie „Gib mir deinen Saft, ich geb dir meinen“, das ist ein Zitat aus einem Song der Fantastischen Vier, der sich um den Austausch von, naja, Körperflüssigkeiten dreht. Wenn man ihn weiter anspricht, lässt er ein noch expliziteres „NIE OHNE KONDOM“ in Allcaps vom Stapel. Beim dritten Mal wird’s dann etwas friedvoller – „Give Peace a Chance“ ist natürlich ein berühmter Song von John Lennon und Yoko Ono.

The Legend of Zelda: Link’s Awakening auf der Nintendo Switch Lite (Bildquelle: GIGA)
Nintendo Switch Lite
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Nintendo waren diese Sprüche offensichtlich zu jugend-unfreundlich und sie führten angeblich zu erheblichen internen Konsequenzen. Sowohl in der später erschienenen DX-Version als auch in der Variante für das Zelda Game & Watch und dem Switch-Remaster fehlen diese Referenzen. Und auch das neckische „Lass das, du Strolch!“, wenn man später im Spiel der Meernixe ihr Bikini-Oberteil bringen soll, aber im Wasser untertaucht, wurde in späteren Versionen geändert.

6. LAN-Party mit Game Boys

Einige Game-Boy-Spiele waren Multiplayer-fähig. Dazu wurde zu jedem Game Boy das Game-Link-Dialogkabel mitgeliefert. Wir haben es damals wie selbstverständlich immer Dialogkabel genannt – schon ein seltsames Wort mit ein paar Dekaden Abstand.

Es gab aber sogar einen Adapter für bis zu vier Spieler. Einer steckte den in seinen Gameboy, die anderen drei mussten ihr Dialogkabel auf der einen Seite in den Adapter, auf der anderen Seite in den Game Boy stecken. Ich hatte so ein Teil, wir haben es damals aber nur ein einziges Mal geschafft, uns mit vier Kumpels, vier Game Boys und viermal dem Spiel F1 Race zusammenzusetzen, um das im Multiplayer zu zocken. Grüße gehen raus an Nils, Oliver und Amstein. Das war ehrlicherweise auch nicht so geil, weil das Spiel eher mittelmäßig war und die Kabel wirklich extrem kurz, sodass wir sehr nahe beieinander sitzen mussten. Das war außerdem zu einer Zeit, als wir schon PCs hatten und echte LAN-Parties veranstalteten.

Es gibt in dem Zusammenhang ein heute fast vergessenes Game-Boy-Spiel, das gleich mehrere Sachen auf die Spitze trieb: Faceball 2000, auch Midi Maze genannt! Das war ein, und das ist kein Witz, Shooter auf dem Game Boy, bei dem man Smileys in einem echten 3D-Labyrinth abballern konnte. Faceball 2000 hatte natürlich eine unterirdische Framerate und war kein wirklich gutes Spiel. Aber: Es war etwas besonderes, nämlich der Beweis, dass auch der Game Boy 3D konnte. Es enthielt einen Modus, mit dem man mit bis zu 16 Spielern zusammenspielen konnte, indem man mehrere Vier-Spieler-Adapter in Reihe schaltet.

Problem dabei: Mit Nintendos originalem 4-Spieler-Adapter funktionierte das technisch nicht. Die Entwickler von Faceball 2000 wollten das Spiel eigentlich mit einem eigenen Multiplayer-Adapter bündeln, das erlaubte Nintendo aber angeblich nicht. Und so geisterte dieser 16-Spieler-Modus nur für viele Jahre als Gerücht im Netz herum.

Dass dieser Multiplayer-Modus wirklich existiert und auf echter Hardware funktioniert, hat dann ein Reddit-User namens The Uncle Bob erst im Jahr 2022 bewiesen. Dafür hat er über Jahre hinweg 16 mal dieses durchaus seltene Spiel zusammengeklaubt und sich die Multiplayer-Adapter und Gamelink-Kabel so zurechtgemacgyvert, dass man das sogar mit verschiedenen Generationen des Game Boy und Game Boy Advance zusammen zocken konnte. Was für ein irres Projekt!

Game-Boy-Modding

Früher gab es für den Game Boy Bildschirmlupen mit integriertem Licht oder auch den völlig absurden Saitek Booster Boy, um den Game Boy in eine kleine Arcade-Maschine zu verwandeln, inklusive Joystick fürs digitale Steuerkreuz. Aus heutiger Sicht wirken diese Lösungen fast schon einfältig.

Hardwaremodding beim Game Boy ist aber bis heute sehr beliebt und wird dank maßgeschneiderter Platinen, chinesischen Shops und 3D-Druck sogar immer populärer. Das fängt bei Case Mods an, dank denen man Plastikschale und Buttons in einer neuen Farbe oder transparent bekommt. Weiter gehts beim Display. Von Hintergrundbeleuchtung über neue Displays mit IPS- oder sogar OLED-Panels kann man Game Boys aller Baureihen heute easy aufrüsten. Außerdem gibt’s Lösungen für die Saftfrage – Li-Ion-Akku-Mods mit USB-Anschluss zum Aufladen sind weit verbreitet. und dann gibt es noch Total-Konversionen wie den Frogboy, der den Game Boy Color unter anderem ins Game-Boy-Advance-Format bringt. Das ist schon ein recht hoher Schwierigkeitsgrad, weil man dafür einiges löten muss. Trotzdem, auch hier: Die Szene ist extrem lebendig und produziert fantastische Ergebnisse.

Fazit

Der Begriff Kult wird etwas zu häufig verwendet. Aber für den Game Boy trifft er einfach zu. 200 Millionen verkaufte Konsolen, eine halbe Milliarde verkaufter Spiele und eine Szene, die bis heute aktiv ist. Das ist einfach der Wahnsinn. Den kulturellen Impact, den der Game Boy auf die Spielegeschichte hatte und bis heute hat, ist kaum zu unterschätzen.

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