Gemeinsam bauen die Telekom und EWE in Teilen Norddeutschlands ein Glasfasernetz aus – bisher. Denn eine Beschwerde von Vodafone und Deutsche Glasfaser gegen das Joint Venture wurde gerichtlich bestätigt. Jetzt kritisiert die Telekom das Vorgehen der Konkurrenz scharf.

 

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Update vom 24.09.2021: Nach dem Gerichtsentscheid stehen Telekom und EWE zunächst unsichere Zeiten bevor, was den Glasfaserausbau im Nordwesten Deutschlands angeht. Die Schuld daran sieht man bei der Konkurrenz: „Offensichtlich versucht mit Vodafone ein Wettbewerber, den Glasfaserausbau anderer zu bremsen“, meint Stefanie Halle, Sprecherin der Telekom (Quelle: Golem). Besonders bezeichnend sei das, wo Vodafone den eigenen Ausbau des Glasfasernetzes beendet habe. In dem Gerichtsentscheid, der am Mittwoch erging, sieht die Telekom ein schlechtes Zeichen für den weiteren Ausbau. Es werde mit gegenseitigen Störaktionen schwierig, die „ambitionierten Ziele in der Digitalisierung“ zu erreichen.

Vodafone hingegen hatte der Telekom eben das vorgeworfen: Dass Joint Venture Glasfaser Nordwest würde in seiner jetzigen Form den Breitbandausbau verzögern. Der Einschätzung schloss sich das Gericht an. Wie es mit dem Ausbau in der Region weitergeht, ist noch unklar.

Originalartikel:

Schnelles Internet und Glasfaser, das gehört fast schon zusammen. Beim Ausbau des Glasfasernetzes kriegt die Telekom nun aber gehörig Gegenwind, eine Kooperation hat die Konkurrenz auf den Plan gerufen.

Glasfaser-Ausbau der Telekom: Beschwerde von Vodafone hat Erfolg

Vodafone und die Deutsche Glasfaser hatten mit einer Beschwerde vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht Erfolg (Quelle: dpa via Zeit). Sie wendet sich gegen die Glasfaser Nordwest, eine Kooperation von Telekom und dem Versorgungsunternehmen EWE. Die Freigabe des Bundeskartellamts, die für das Joint Venture schon 2019 erteilt wurde, ist damit – zumindest für den Moment – vom Tisch.

Somit ist im Gebiet von EWE – im Norden Nordrhein-Westfalens und Westen Niedersachsens – zunächst unklar, wie es mit der Glasfaser weitergeht. Glasfaser Nordwest erklärt in einem Brief an die Kommunen: „Der Beschluss hat keine unmittelbaren Auswirkungen auf den Bestand der Glasfaser Nordwest oder den Glasfaserausbau vor Ort.“ Bereits geplante Ausbauarbeiten würden ausgeführt.

Für Gemeinden und Kunden sind das gute Nachrichten, aber ganz gewiss ist die Zukunft nicht. Auf Glasfaser Nordwest könnten härtere Auflagen zukommen, zu einer Zerschlagung dürfte es aber nicht kommen. Bis Klarheit herrscht wird die Sache mit einiger Sicherheit noch durch mehrere Instanzen gehen.

Glasfaser Nordwest: Nicht der einzige Streit von Vodafone und Telekom

Das Kartellamt hatte bereits 2019 zur Auflage erklärt, dass man das neue Netz auch für konkurrierende Anbieter wie Vodafone freigeben müsse – kein ungewöhnliches Vorgehen. Vodafone waren die Auflagen allerdings zu schwach. Sie seien nicht ausreichend, „um die dadurch entstehenden Wettbewerbseinschränkungen auszugleichen“, erklärt ein Vodafone-Sprecher.

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Die Vorwürfe hören damit nicht auf: So wie die Kooperation derzeit laufe, bremse sie „den Glasfaserausbau im Nordwesten aus, anstatt ihn zu beschleunigen“, meint Vodafone. Das Bundeskartellamt sieht es genau andersherum. Vodafone wirft der Telekom zudem vor, allgemein die Kunden von Vodafone zu benachteiligen, man würde Technikereinsätze bewusst verzögern.