In Amazons Serie Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht geht es endlich wieder zurück nach Mittelerde. Ein Grund zum Feiern für die Fans, möchte man meinen. Doch unter ihnen sind einige alles andere als begeistert. Statt angebrachter Kritik bekommt ihr in der Regel aber nur Gatekeeping, platten Rassismus und unreflektierte Zitate zu sehen.

Der Herr der Ringe auf Amazon: Erster Trailer erregt die Gemüter der Fans

In der vergangenen Nacht gab es in einer der Werbepausen des Super Bowl den ersten Trailer der „Der Herr der Ringe“ Serie von Amazon zu sehen. Das Video ist gerade mal eine Minute lang und gibt wenig über der Handlung der Serie preis. Es handelt sich nicht mehr als um einen ersten Eindruck, von dem sich viele sicherlich mehr erhofft hatten.

Ich persönlich hatte auch auf ein paar Details zur Geschichte gehofft. Dem Trailer vorzuwerfen, er wäre nichtssagend, finde ich völlig legitim. Was einige „Fans“ zum Trailer und allgemein zur Serie allerdings zu sagen haben, finde ich absolut daneben. Bleiben wir erstmal beim Trailer. Ihr werdet häufig lesen, dass die Serie nach 08/15-Fantasy aussieht. Nun, es ist wohl keine Untertreibung zu sagen, dass Tolkiens Einfluss auf das Fantasy-Genre gewaltig war und immer noch ist. Vielleicht betrachtet ihr das Ganze mal von der anderen Seite. Möglicherweise sieht nicht diese Tolkien-Serie aus wie jede Fantasy-Serie, sondern jede Fantasy-Serie wie Tolkien.

Unter dem Trailer werdet ihr häufig folgendes Zitat lesen: „Evil cannot create anything new, they can only corrupt and ruin what good forces have invented or made.“ -J.R.R. Tolkien. Ja, Amazon ist ganz böse und da alle, die das in vielen Sprachen unter die Trailer posten, nie dort kaufen und es auch nie tun werden, zieht Jeff Bezos spätestens 2024 in eine Wohnwagensiedlung. Dass Tolkien hier über seine komplexe Idee von Schöpfung in seinem Universum spricht, wissen die meisten, die blind dieses Zitat kopieren, vermutlich nicht mal.

Zur Geschichte der Serie gibt es bisher nur wenige Informationen:

Mein Lieblingskommentar beginnt übrigens mit den Worten „Elfen sind bei Tolkien nicht schwarz“. Elfen? Alles klar, danke für deinen Input. Dass ein Charakter aufgrund der Hautfarbe nicht in die Welt passen soll, ist neben diskriminierend auch noch ausgesprochen kunstfeindlich, zu dem Thema kommen wir gleich. Tolkiens Gemeinschaft des Ringes ist unter anderem ein Symbolbild für das Überwinden rassistischer Vorurteile, das übrigens von einem Mann kommt, für den die Welt sich in Sprachen und nicht in Rassen aufteilte. Ein Mann, der es 1938 ablehnte, seinen Roman Der Hobbit in Deutschland zu verkaufen, da man von ihm einen „Ariernachweis“ verlangte.

Die Serie darf Tolkiens Welt eine neue Facette geben. Wer glaubt, dass Hautfarben, Frisuren und Bärte etwas Fundamentales an der Welt ändern, hat Kunst nicht verstanden. Ihr liebt nicht die Geschichte, sondern nur eure eigene Vorstellung von ihr. Kritisiert doch die Dinge, über die wir wirklich sprechen müssen, anstatt euch an solchen Banalitäten abzuarbeiten. Warum braucht es neue und erfundene Charaktere? Ist ja nicht so, als gäbe es bei Tolkien da Mangelware. Oder die Tatsache, dass die Ereignisse zeitlich gestrafft werden, damit die menschlichen Charaktere nicht zwischendurch wegsterben. Da sehe ich inhaltliche Probleme, die möglicherweise mit der Vorlage in Konflikt geraten, aber doch nicht bei Elronds Frisur.

Zum Schluss hab ich noch eine gute Nachricht für all die wütenden „Fans“. Niemand nimmt euch die Bücher oder die Filme weg. Die sind immer noch da und ihr müsst die Serie nicht schauen. Der Herr der Ringe galt ja lange als nicht verfilmbar und dann hat es Peter Jackson gemacht, und zwar mit New Line Cinema. Die gehören übrigens zu Warner Bros. und damit einem der größten Filmproduzenten überhaupt.