Corona, neue Konsolen, neue Spielephänomene (WTF is Fall Guys?), virtuelle Messen und Sport-Events – 2020 ist wild, auch für Gamer. Wie hat das die Gaming-Communities verändert? Wohin entwickelt sich die Gaming-Szene? Das und mehr beantwortet uns Rishi Chadha, Twitters Chef-Gamer, im exklusiven GIGA-Interview.

 

gamescom 2020 – Öffnungszeiten, Hallenplan und Aussteller

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Die Corona-Pandemie hat der Gamer-Community ein wildes Jahr beschert. Einerseits haben wir wohl alle (notgedrungen) mehr gezockt als üblich, während das Land im Lockdown war. Andererseits müssen wir auf die gamescom, wie wir sie kannten, verzichten. Und dann stehen noch zwei neue Konsolen - PS5 und Xbox SX - vor der Tür, während sich ein Spiel nach dem anderen in 2021 verschiebt. Ein einschneidendes Jahr für Gamer und die gesamte Branche, findet auch Rishi Chadha (@RdotChadha), Head of Gaming bei Twitter.

Rishi, 2020 hat viele traditionelle Communities auseinandergerissen, Menschen auf anderen Wegen aber auch näher zusammenrücken lassen. Wie haben Sie die Gamer-Community in der Zeit der Pandemie erlebt?

Rishi Chadha: Aufgrund der Pandemie befindet sich die Gaming-Konversation auf einem Allzeithoch. Dieser Anstieg ist auf der ganzen Welt zu beobachten und zeigt, wie global die Gaming-Konversation auf Twitter ist und dass Gaming keine Grenzen kennt. Da die Menschen in dieser Zeit zu Hause bleiben müssen, wenden sie sich mehr denn je Games zu, um eine Ablenkung zu haben. Ganz besonders gilt dies für Titel wie Animal Crossing: New Horizons, das bisher das meistdiskutierte Spiel des Jahres auf Twitter ist.

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Heißes Thema Gaming: Nur nicht in... Deutschland?

Über 1 Milliarde Tweets wurden in der ersten Jahreshälfte 2020 zum Thema Gaming abgesetzt, 71 Prozent mehr als im Vorjahr. Den ersten Peak erzeugte Animal Crossing, der Spitzenwert wurde zum PS5-Showcase-Event erreicht, mit dem Sony den Hype für die neue Konsole nochmal so richtig angeheizt hat (siehe auch unser Kommentar zu dem Event). Etwas überraschend jedoch: Deutschland liegt nicht in den Top 10 der Ländern, in denen am meisten über Games getwittert wurde.

Doch 2020 erleben wir weit Wichtigeres als neue Spiele. Im Zuge der „Black Lives Matter“-Bewegung in den USA nahmen weltweit die lange überfälligen Diskussionen und Veränderungen für Gleichheit und Gleichberechtigung mehr Fahrt auf. Auch die Gamer-Community bewegt das Thema.

Rishi, wie haben Sie die Gamer während der BLM-Bewegung erlebt? Was hat sich in dieser Zeit verändert?

Chadha: Die Gaming-Community hatte immer das Ziel, eine integrative Gemeinschaft zu sein. Bewegungen wie BLM wurden von der Community als Ganzes angenommen und befürwortet, wobei Twitter eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Plattform der Gaming-Community ist. Wir haben klar gesehen, dass die Gaming-Community Twitter als Plattform nutzt, um alle Gaming-Persönlichkeiten zu feiern, egal welcher Herkunft, und sich selbst und andere über Inklusion und Vielfalt aufzuklären. Das Jahr 2020 hat viele Herausforderungen für alle mit sich gebracht, aber die Gaming-Community hat es als Gelegenheit genutzt, Bewusstsein, Bildung und Empathie auf Twitter zu fördern.

PS5 und Xbox vs. Google, Apple, Amazon

Das größte Gaming-Event 2020 steht jedoch noch aus: Der Launch der beiden neuen Konsolen PS5 und Xbox SX. Auch wenn der Hype groß ist - Sony und Microsoft bekommen zunehmend Konkurrenz.

Neben Sony, Microsoft und Steam setzt beinahe jedes große Technologieunternehmen Hoffnungen in eine Art von Spieleplattform: Amazon mit Twitch und dem kürzlich gestarteten Prime Gaming, Apple mit Arcade, Google mit YouTube und Stadia und so weiter. Ist die goldene Zeit der Konsolen vorbei?

In einem Jahr, in dem neue Konsolenversionen erscheinen, ist der Boom der Gaming-Plattformen eigentlich die größere Geschichte. Die Entwicklung von Gaming-Plattformen macht Spiele zugänglicher als je zuvor und verbindet Menschen auf eine Art und Weise, die vorher nicht möglich war. Dinge wie plattformübergreifendes Spielen, Games-Streaming und Abomodelle für Spiele ermöglichen es den Verbrauchern, Zugang zu mehr Inhalten und Spielen zu erhalten, die sie sonst vielleicht nicht gekauft hätten.

Gleichzeitig nehmen sowohl die Werbung in Spielen als auch das Sponsoring von eSport-Teams zu. Wie wirkt sich diese wachsende Kommerzialisierung von Spielen und Communities auf die Zukunft des Gamings aus? Wann nimmt das Geld dem Spiel den Spaß?

Ich halte die Kommerzialisierung von eSports und Gaming für eine gute Sache. Die Realität sieht so aus, dass immer noch wesentlich mehr Geld in den traditionellen Sport investiert wird, so dass die eSports-Branche noch einen langen Weg vor sich hat. Mit all dem Geld, das jetzt rein kommt durch Franchisegebühren, Medienrechte oder Sponsoring sehen wir, dass eine bessere Infrastruktur für die Branche entsteht und mehr Arbeitsplätze geschaffen werden. Vor der Pandemie fanden überall auf der Welt Live-Events in ausverkauften Arenen statt. Auch die Qualität der Produktion hat sich enorm verbessert. All diese Investitionen tragen dazu bei, die Branche voranzubringen und ihre Akzeptanz beim Mainstream-Publikum zu erhöhen. eSports und Gaming steht weiterhin an der Spitze von Innovation und Technologie, daher bin ich der festen Überzeugung, dass Geld dem Gaming nie den Spaß nehmen, sondern vielmehr der Treibstoff sein wird, der die Branche sich weiter entwickeln und reifen lässt.

Traditionelle Treffen der Community wie die E3 oder jetzt die gamescom finden in diesem Jahr nur digital statt. Wie wird Twitter die gamescom begleiten? Wird es spezielle Aktionen geben, um die Gamer virtuell zusammenzubringen?

Ganz gleich, ob ein Gaming-Event digital oder physisch stattfindet, die Konversation findet auf Twitter statt. Bei all den Veränderungen, die in diesem Jahr an den Events vorgenommen werden, arbeiten wir mit unseren Partnern zusammen, um ihre Events zu unterstützen, indem wir spezielle Optionen auf der Plattform anbieten, so dass unsere Nutzer ganz einfach mit allen Inhalten und der Konversation der Events in Verbindung bleiben können. Darüber hinaus streamen wir auch alle spannenden Programme von Partnern wie Geoff Keighley und IGN live, veranstalten Q&As, erstellen Moments und mehr von der diesjährigen gamescom.

Mobile Gaming und eSports: Verändert Corona die Zukunft des Gaming?

Auch die Sportwelt wurde von der Pandemie kalt erwischt, und eSports ist auf einmal die einzige Möglichkeit für Sportfans, ihre Leidenschaft weiter zu verfolgen. Wir haben Fußball- und Basketball-Stars bei virtuellen Matches gesehen, Formel-1-Fahrer in virtuellen Rennen. Ist eSports durch die Pandemie nun auch in der breiten Masse akzeptierter? Wie sehen Sie die weitere Entwicklung und das künftige Verhältnis von traditionellem Sport zu eSports?

Physikalische eSports-Events haben in den letzten Jahren sicherlich einen Aufschwung erlebt, aber es gab hier schon immer digitale Events, was einen Vorteil gegenüber traditionellen Sportarten darstellt. Dies ermöglichte es einem Großteil der eSports-Industrie, für ihre Events und Ligen schnell auf digitale Formate umzustellen und gleichzeitig vielen traditionellen Sportfans eine neue Sportart näher zu bringen. Die Pandemie und die Begeisterung vieler traditioneller Sportler für Videospiele hat definitiv zu einer größeren Attraktivität von eSports geführt. Events wie die Pro League der ESL und die Riot's League Championship Series haben während der Pandemie Rekordzuschauerzahlen erreicht. Es wird interessant sein zu sehen, wie lange diese neuen Zuschauer dabei bleiben. Langfristig glaube ich fest daran, dass die Zuschauerzahlen für eSports weiter steigen, vor allem, wenn in Zukunft jüngere Fans eSports dem traditionellen Sport vorziehen.

Sie haben in der Vergangenheit gesagt, dass Mobile Gaming das klassische Konsolen-/PC-Gaming überholen wird. Was macht das mit den gewachsenen Communities, wie verändern die sich mit dem Shift zum Mobile-Gaming?

Ich glaube, plattformübergreifendes Spielen wird dank Spielen wie Call of Duty: Warzone oder Fortnite immer beliebter. Aber das meistdiskutierte Spiel der Welt auf Twitter ist Animal Crossing: New Horizons (nur für die Nintendo Switch erhältlich; d. Red.), Mobile Games haben also noch einen langen Weg vor sich, bevor sie Konsolen- und PC-Spiele auf den westlichen Märkten vollständig überholen. Ich denke, wir werden sehen, dass Mobile Games in den kommenden Jahren noch beliebter werden als Konsolen- und PC-Spiele, aber PC- und Konsolenspiele sind immer noch sehr populär und werden es auch mit der Veröffentlichung der nächsten Generation von Konsolen von Microsoft und Sony bleiben. Abgesehen davon ist Microsofts Project xCloud eine großartige Möglichkeit für Microsoft, seine bestehende Spielebibliothek zu nutzen und sie einem mobilen Publikum zugänglich zu machen. Ich denke, dies wird dazu beitragen, Mobile Games für ein westliches Publikum zugänglicher und spannender zu machen.

Rishi, vielen Dank für Ihre Zeit!

Du musst dieses Jahr auf den Tripp nach Köln zur gamescom verzichten? Macht nichts, dann #gamesKommVorbei, wir haben alle Infos, unterhaltsame Geschichten und vielleicht auch das eine oder andere Goodie für euch. Alle Infos gesammelt findest Du in unserem Übersichtsartikel zur gamescom 2020.

Claudio Müller
Claudio Müller, GIGA-Experte.

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