Der CEO von Activision Blizzard soll eine Bonus-Zahlung von 200 Millionen US-Dollar erhalten. Im Licht der kurz zuvor erfolgten Massenentlassungen beim Publisher folgt nun scharfe Kritik.

 

Activision Blizzard

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Bobby Kotick, der CEO von Activision Blizzard, soll neben seiner regulären Bezahlung einen Bonus von 200 Millionen US-Dollar erhalten. Diese Zahlung verdankt er einer Klausel in seinem Arbeitsvertrag. Im Kontext von Massenentlassungen beim Publisher und Rekordeinnahmen im Jahr 2020, hagelt es nun Kritik am Unternehmen.

Wie kommt der hohe Bonus zustande?

In Koticks Arbeitsvertrag gibt es seit November 2016 einen Zusatz über Bonuszahlungen abhängig von erreichten Zielen, was das jährliche Wachstum von Activision Blizzard betrifft. Dank dieser „Shareholder Value Creation Incentive“ erfolgt die aktienbasierte Vergütung für Kotick.

Die Bonuszahlung wird ausgelöst, wenn die Aktie für 90 Tage doppelt so viel wert ist wie noch Ende 2016. Im November 2016 war eine Aktie noch 32 US-Dollar wert, aktuell sind es gut 90 US-Dollar. Kotick bekommt dadurch die maximale Summe, die in der Klausel vereinbart ist. Diese Summe entspricht gut 200 Millionen US-Dollar.

„Unverdient“ laut Experten

Laut PC Gamer sehen auch Forscher der CtW Investment Group die Bonuszahlung kritisch. Laut den Experten ist der gute Aktienkurs nicht nur auf gute Entscheidungen von Kotick als Geschäftsführer zurückzuführen:

„So erfreulich der Aktienanstieg im letzten Jahr war, rechtfertigt das nicht eine Auszahlung in dieser Höhe an den CEO. Viele Faktoren haben zu diesem Erfolg beigetragen, die nicht alle alleine mit der Leistung von Robert Kotick verbunden sind. In der Covid-19-Krise waren Videospiele für viele Menschen eine von wenigen Unterhaltungsmöglichkeiten, die vielen Firmen in der Branche gute Zahlen beschert haben. Das hat wenig mit der Qualität oder den strategischen Entscheidungen von Führungspersönlichkeiten zu tun.“

Den hohen Bonus bekommt Kotick demnach durch eine geschickt formulierte Klausel und nicht wegen exzellenter Leistungen.

Massenentlassungen und „miese Entschädigung“

Wie Bloomberg berichtet, sollen bis zu 190 Mitarbeiter von Activision Blizzard ihren Job verloren haben. Davon stammen gut 50 aus dem E-Sport- und Event-Bereich, der im vergangenen Jahr pandemiebedingt größtenteils auf Eis lag. Laut dem Bericht sollen die Mitarbeiter einen 200-Dollar-Battlenet-Gutschein bekommen haben, ein Umstand, der für zusätzliche öffentliche Entrüstung sorgt.

Auch wenn ein Gutschein für Produkte der Firma, die einen gerade gefeuert hat, durchaus als unsensibel oder gar respektlos gewertet werden kann, so fehlen beim öffentlichen Aufschrei häufig zwei weitere Punkte. Activision Blizzard zahlt den ehemaligen Mitarbeitern eine Abfindung entsprechend dem Gehalt von 90 Tagen und ein Jahr weiterhin die Krankenversicherung.

Die Entlassungen und die Bonuszahlung haben keinen direkten Zusammenhang, sie liegen zeitlich nur sehr nah beieinander und ergeben ein Gesamtbild, das für öffentliche Entrüstung sorgt.

Dennoch bleibt ein Publisher, der im Jahr 2020 nach eigenen Angaben über acht Milliarden US-Dollar verdient hat, mit einem CEO, der 200 Millionen US-Dollar Bonus bekommt und dennoch viele Mitarbeiter entlassen werden. Im Jahr 2019 hat Activision Blizzard zwei Milliarden weniger verdient, auch am Ende dieses Erfolgsjahres mussten 800 Mitarbeiter gehen.