„Keine einzige Frau kann schwertkämpfen“, kritisiert Andrew Klavan, seines Zeichens Schriftsteller, Drehbuchautor und angesehener Kritiker in den USA. Uhm, nein?

 

The Witcher (Serie bei Netflix)

Facts 

Seit Ende Dezember (also sozusagen seit Weihnachten) stromert The Witcher auf Netflix herum, tötet grausige Monster und lässt uns raten, in welcher Zeit sich die einzelnen Folgen befinden. Spaß! Natürlich mag nicht jeder mit der Serie warm werden, was ohne Frage völlig in Ordnung ist. Es gibt etliche Gründe, die gegen The Witcher sprechen könnten – dass die Serie jedoch unrealistisch sei, ist doch einer der absurderen.

Genau das aber behauptet der amerikanische Kritiker Andrew Klavlan in seinem Podcast The Andrew Klavlan Show. Unrealistisch sei die Serie insbesondere deshalb, weil hier Frauen schwertkämpfen könnten, was in seinen Augen nicht möglich wäre:

„Ich werde auf Twitter wegen dem, was ich gesagt habe, skalpiert, dabei war es völlig richtig. Alle schreien, ‚Oh nein, Frauen können in einem mittelalterlichen Kampf kämpfen!‘, aber sie wären alle in zwei Sekunden tot.  Jede Frau, die das versuchen würde, wäre in zwei Sekunden tot. Bis auf die ein oder andere Ausnahme vielleicht, ich gebe zu, dass es Ausnahmen geben könnte.“

Er führt weiterhin aus, dass diese Art von Feminismus „keinen Sinn machen“ würde. Sein mehr als seltsames Statement führte auf Twitter zu einer Art Kaskade an kritischen Tweets, wobei nicht nur auf heutige Schwertkämpferinnen hingewiesen wird, sondern gleichsam auf Frauen in der Geschichte, die sehr wohl mit dem Schwert umgehen konnten:

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The Witcher: Netflix-Serie, Bücher und Spiele in der kompletten Chronologie

The Witcher ist unrealistisch? Duh.

Wo anfangen? Neben dem eklatant sexistischen Unterton bei Aussagen wie ‚Keine Frau kann mit dem Schwert kämpfen‚ – und den etlichen Beweisen dagegen – bleibt die Frage, wie Klavlan The Witcher ausgerechnet als unrealistisch bezeichnen kann. Sind Zauberinnen, Drachen und mutierte Hexer nicht genug, damit Frauen in diesem Universum zumindest die Schwerter zücken dürfen? Abgesehen von den Beweisen gegen seine Aussage sind fiktionale Welten ohnehin nicht an historische Fakten gebunden: Selbst wenn keine einzige Frau in unserer Gesellschaft jemals ein Schwert in die Hand genommen hätte, wäre es The Witcher durchaus erlaubt, Frauen anders darzustellen.

Kavlan selbst reagiert auf die Kritik nicht einsichtig, sondern beharrt darauf, dass Frauen in einem mittelalterlichen Kampf nicht die geringste Chance gehabt hätten:

„Egal, wie wütend die Leute auf Twitter werden, Frauen würden trotzdem sofort in einem mittelalterlichen Schwertkampf getötet werden!

Leider bleibt das Thema auch außerhalb von The Witcher aktuell, etwa angesichts der Frauen-Debatte im Shooter Escape From Tarkov.

Wie wäre es mit einem Blick ins Universum von The Witcher? Wir nehmen euch an die Hand:

The Witcher: Das müsst ihr wissen, bevor ihr in die Welt eintaucht

Es ist ohne Frage traurig, dass wir selbst im Jahr 2020 noch darüber diskutieren müssen, ob und wie Frauen besser, stärker oder klüger als Männer sein könnten. Lasst uns hoffen, dass wir wenigstens in dieser Dekade halbwegs mit dem Thema abschließen dürfen.