Digimon Story: Cyber Sleuth - Hacker's Memory im Test

Alexander Gehlsdorf

Digimon Story: Cyber Sleuth kehrt zurück und erzählt in Hacker’s Memory eine neue Geschichte rund um das Virtual-Reality-Paradis EDEN.

Digimon Story Cyber Sleuth: Hacker's Memory - Launch Trailer.

EDEN. Das Internet der Zukunft ist eine virtuelle Realität, das Zugangskonto: dein Ausweis und dein Avatar: dein zweites Ich. Banktransaktionen, Rock-Konzerte, Familienausflüge — alles findet in dem futuristischen Netzwerk statt, jedoch ist der utopische Schein nur eine Seite der Medaille. Tief unter den öffentlichen Bereichen von EDEN liegt Kowloon, ein Paradies für Hacker und Missetäter. Von dort werden die Geschicke der virtuellen Realität gelenkt, manipuliert und sabotiert. Um anonym operieren zu können, greifen diese Hacker auf fremde Konten zu, um ihre wahre Identität zu verbergen — und eines dieser Konten gehört dir.

Watch Dogs trifft Persona

Dein Konto in den Händen eines Hackers. Was nun? Ein anonymer Anruf verspricht Hilfe und vernetzt dich mit Hudie, einem gut gesinnten Hacker-Kollektiv, die ihr Hauptquartier im Hinterzimmer eines Internetcafés eingerichtet haben. Unter ihrer Führung wirst auch du zum Hacker, kämpfst aber für die gute Seite, um den dunklen Machenschaften in EDENs Unterwelt ein Ende zu bereiten und dein Konto wiederzufinden.

Als Hacker führst du ein Doppelleben. In der Realität bist du ein unscheinbarer Schüler, der Cafés besucht, Tokios Innenstadt erkundet mit seiner Pubertät zu kämpfen hat, im Cyberspace hingegen wirst du zum berüchtigten Hacker — nicht zuletzt dank deiner Digimon. Während Hacker alter Schule noch selbst Hand anlegen, setzt die neue Generation auf die digitalen Monster, um ihre Arbeit zu erledigen. Je nach Team-Zusammenstellung kannst du Firewalls hacken, Malware installieren, dich unsichtbar machen, feindliche Digimon anlocken und natürlich Kämpfe bestreiten.

Trotz des per se spannenden Doppellebens bleibt dein Charakter jedoch eine Randfigur. Die wahren Protagonisten sind deine Hacker-Kollegen und die zahlreichen Schurken, die du im Laufe deines Abenteuers triffst. Deren Dynamiken, Hintergrundgeschichten und Geheimnisse machen einen Großteils des Charmes aus, während dein eigener Charakter (dessen Geschlecht du anders als im Vorgänger nicht frei wählen kannst) buchstäblich stumm bleibt.

Für das Verständnis der Story ist die Kenntnis des original Cyber Sleuth jedoch nicht notwendig. Veteranen stoßen zwar hier und dort auf bekannte Gesichter und die ein oder andere Anspielung, dennoch erzählt Hacker’s Memory eine ganz eigene Geschichte, die sich auch Quereinsteigern erschließt. Wer Cyber Sleuth trotzdem gespielt hat, darf zu Beginn des Abenteuers seinen Speicherstand importieren und verdient somit einen ordentlichen Erfahrungs-Boost, der die ersten Spielstunden deutlich beschleunigt.

Unterwegs in EDEN

Technisch und spielerisch ist auf den ersten Blick alles beim Alten geblieben. Auch Hacker’s Memory basiert nach wie vor auf der selben Grafik-Engine, die bereits 2015 auf der PS Vita benutzt wurde und auch die Rundenkämpfe funktionieren noch immer nach dem gleichen, bewährten Prinzip. Auch das Quests-System, also das Abarbeiten der Fälle, mit denen Hudie beauftragt wird, ist aus Cyber Sleuth bekannt. Neuerungen verstecken sich stattdessen in Details.

So stecken in Hacker’s Memory 87 neue Digimon, womit die Gesamtsumme auf über 330 steigt. Außerdem wurde der Spielmodus Domination hinzugefügt, in dem sich jeweils drei Hacker gegenüberstehen und sich um taktisch platzierte Siegpunkte balgen. Die Kämpfe selbst sind in den meisten Fällen schnell gemeistert und lassen sich auf Knopfdruck auch automatisieren. Nur in den Bosskämpfen ist gelegentlich etwas mehr Hirnschmalz gefordert. Wer es gern fordernder mag, darf auch den Schwierigkeitsgrad erhöhen und sich nach Beenden der Story am New Game+ versuchen.

Die Zufallsbegegnungen halten sich angenehm im Rahmen, wodurch das Erkunden von Dungeons nicht in Frust ausartet. Je nach Team-Zusammenstellung und den in diesem Zusammenhang aktiven Hacking-Skills lässt sich die Häufigkeit der Zufallskämpfe auch reduzieren oder sogar erhöhen. Nicht selten habe ich mich bei letzterem erwischt, denn das Trainieren, züchten und sammeln der zahlreichen Digimon gehört zu den größten Stärken von Hacker’s Memory. Das kitzelt besonders die Nostalgie-Nerven, denn wer den Anime noch aus seiner Kindheit kennt und genau weiß, wozu Patamon und Agumon irgendwann digitieren können, investiert gern hier und da zehn Minuten mehr in die kurzweiligen Rundenkämpfe.

Ein weiterer Grund, die Zufallsbegegnungen zu erhöhen ist zudem, dass anders als in Pokémon die digitalen Monster nicht gefangen werden, sondern mit jeder Begegnung ein Scan-Wert steigt. Erreicht dieser 100 Prozent, kannst du das Digimon im DigiLabor selbst herstellen und in dein Team aufnehmen. Profis warten damit aber, bis der Maximalwert von 200 Prozent erreicht ist, um ein Monster mit besonders guten Startwerten zu erhalten.

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Mein Fazit zu Digimon Story: Cyber Sleuth – Hacker’s Memory

Hacker’s Memory fühlt sich mehr nach einem Spin-Off, als einer echten Fortsetzung an. Technik und Design sind vom 2015er Original praktisch nicht zu unterscheiden, was Veteranen, die bereits hunderte Stunden in Cyber Sleuth investiert haben, aber nicht stören dürfte. Insbesondere aufgrund der neuen Digimon ist Hacker’s Memory wohl für alle Pflicht, die sich weiterhin in den Online-Kämpfen behaupten wollen, die sich zum echten Zeitfresser entwickeln können. Neueinsteiger hingegen dürfte der recht sterile Spielablauf irritieren, der mit seiner festen Kamera, statischen Dialogen, dem stummen Protagonisten und der Interaktionsarmen Open World wenig vom dem hält, was das Genre heutzutage verspricht.

Dazu gehört auch die kaum vorhandene Questführung, die mit Hinweisen und Markern weitestgehend geizt. Wer den ein oder anderen Dialog zu schnell wegklickt und somit essentielle Hinweise verpasst, ist mitunter dazu verdammt, die gesamte Spielwelt nach dem nächsten Trigger abzusuchen, um die Geschichte voran zu treiben. Das stört vor allem in den Story-Missionen, die anders als die Hudie-Fälle nicht im Menü verzeichnet werden und bei lese-faulen Spielern daher schnell frustrieren können. Wer aber in erster Linie Digimon sammeln und in Kindheitserinnerungen schwelgen will, wird mit Digimon Story: Cyber Sleuth – Hacker’s Memory eine Menge Spaß haben.

Wird dir gefallen, wenn du ein Fan der Anime-Serie bist, du gern japanischen Tonspuren lauschst.

Wird dir nicht gefallen, wenn dich repetitives Gameplay langweilt, eine Spielwelt für dich vor allem Freiheit und Interaktion bieten muss.

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