Little Nightmares im Test: Düstere Stunden und kurze Schauer

Alexander Gehlsdorf

Die kleine Six trägt nichts am Leib außer einen gelben Regenmantel und ein Feuerzeug. Kannst Du ihr helfen, dem geheimnisvollen Schlund zu entkommen?

Little Nightmares - Launch Trailer.

Wovor hast Du Dich als Kind gefürchtet? Was hat Dich in Deinen Alpträumen verfolgt? Little Nightmares versetzt Dich zurück in die Zeit, in der alles um Dich herum riesig schien, jeder fremde Erwachsene etwas unheimliches hatte und die Angst vor dem Unbekannten genauso groß wie Angst vor der Dunkelheit war.

In den ersten Momenten erinnert Little Nightmares vor allem an den modernen Klassiker Limbo. Ein Kind als Spielfigur, die düstere, morbide Atmosphäre, der Mix aus Jump’n’Run und Puzzlespiel. Dennoch ist es mehr als nur eine Kopie des ohnehin fantastischen Limbo, sondern setzt auch eigene Akzente und gerade die bleiben im Gedächtnis.

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Einerseits ist das Spiel in erster Linie zwar ein 2D-Plattformer, allerdings basiert es auf einer 3D-Engine, die Dich noch tiefer in die finsteren Geheimnisse des Schlunds eintauchen lässt. Andererseits ist Little Nightmares deutlich Story-lastiger. Jedoch darfst Du keine Sprachausgabe oder aufschlussreichen Texte erwarten: Das Spiel setzt auf die Filmtugend „Show don’t Tell“. Jede Menge Eindrücke, Erlebnisse, Orte und Charaktere sind visuell so gekonnt inszeniert, dass sie Dir erlauben, die Hintergründe der Spielwelt selbst zusammen zu reimen.

Das gilt auch für das Ende des Spiels. Ohne zu viel zu verraten — Das Finale gibt jede Menge Anlass zur Spekulation. Was ist da gerade passiert? Es werden nicht mehr Fragen beantwortet als neue gestellt, aber vielleicht bleibt gerade deshalb Little Nightmares auch nach längerer Zeit noch in Erinnerung.

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So schnell wird auch die packende Atmosphäre nicht aus dem Gedächtnis verschwinden. Das Spiel schafft es, eine unheimliche, düstere und beklemmende Stimmung aufzubauen, ohne diese durch unnötige Schockeffekte zu zerstören. Hin und wieder grenzt die Spielerfahrung sogar an Paranoia, wenn die kleine Six wehrlos die Flucht vor dem abnormalem Hausmeister oder den leichenhaften Köchen ergreifen muss. In seinen besten Momenten erinnert Little Nightmares dabei an diverse Kultfilme: Frühe Tim Burtons, The Texas Chainsaw Massacre, Chihiros Reise ins Zauberland und Jean-Pierre Jeunets Die Stadt der verlorenen Kinder schienen in der Entwicklung Pate gestanden zu haben.

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Diese großartige Atmosphäre bricht das Spiel hin und wieder leider selbst durch die Steuerung in der 3D-Engine. So ist es frustrierend, mehrmals beim Balancieren eines Deckenpfeilers abzustürzen, da die Bewegung der Spielfigur auf die leicht angewinkelte Grafikperspektive angepasst werden muss. Glücklicherweise bleibt das jedoch die Ausnahme. Die Rätsel sind fair und logisch, die Jump’n’Run-Passagen spätestens beim zweiten Anlauf machbar und die Bosskämpfe belohnen mit einem zufriedenstellenden Aha-Moment, sobald die zündende Idee kommt. Wirklich stecken geblieben bin ich nie, insofern mir die fummelige 3D-Steuerung nicht in Weg stand.

Wer allerdings ohne große Hänger das Spiel meistert, wird auch nicht viel länger als drei Stunden beschäftigt sein. Leider liegt darin das größte Manko des Titels, denn so intensiv und kreativ die Reise durch den Schlund auch ist, so schnell ist sie auch wieder vorbei. Ob das 20€ wert ist, muss jeder selbst entscheiden. Wer jedoch im Kino einen Film mit Überlänge ansieht, zahlt durchaus ähnliche Preise. Nur so zum Vergleich.

Mein Fazit zu Little Nightmares

Mit Little Nightmares ist den Tarsier Studios ein kleiner Geheimtipp gelungen. Das Spiel verbindet unterbewusste Kindheitsängste mit gelungenem Rätseldesign, einer großartigen, schaurigen Atmosphäre und einer faszinierenden Spielwelt. Die kurze Spielzeit und die teilweise fummelige Steuerung trüben das Gesamtbild etwas, wer jedoch auf kreative Spielerfahrungen steht, die noch lange im Gedächtnis bleiben, macht mit Little Nightmares nichts verkehrt.  Pass nur auf, dass Dir das Spiel nicht bis in Deine Träume folgt.

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