Deshalb liebe ich Overwatch so sehr wie ich es hasse [Kolumne]

Daniel Hartmann 14

Manchmal findest du ein Spiel und bist verliebt. Es macht einfach Spaß und du hast Lust alles zu lernen und dich richtig tief mit dem Spiel zu beschäftigen, um es zu verstehen. Um so mehr tut es weh, wenn es dich verletzt. Schon klar man muss an Beziehungen arbeiten, aber wenn der andere Partner einfach nichts an sich tun will, fällt es schwer an der Liebe festzuhalten. Dies ist eine Geschichte von Liebe und von Leid. Dies ist die Geschichte von Overwatch und mir.

Deshalb liebe ich Overwatch so sehr wie ich es hasse [Kolumne]

Am Anfang war alles noch so neu und aufregend. Wir besuchten tolle Orte in Nepal, Korea und England. Es gab so viel zu entdecken und zu lernen – über die Charaktere, ihre Fähigkeiten und wie sie zusammenhängen. Es war eine unbeschwerte Zeit, wie sie immer am Anfang einer Beziehung ist, die rosarote Brille, wie man so schön sagt. Doch schleichend aber stetig kamen die Probleme und so sind wir jetzt an dem Punkt an dem all die Vielfalt dahin ist. GOATS heißt das, was wir seit Monaten machen und es war am Anfang ja auch ganz schön, die Team-Komposition der effektivsten Charaktere gefunden zu haben. Doch es reicht nun, es ist nur noch langweilig und frustrierend. So sehr, dass es einen ruhigen und ausgeglichenen Menschen wie mich, zu Weißglut bringt. Nun kommst du mit etwas Neuem und ich sollte dankbar sein. Doch ist Baptiste wirklich die Lösung? Overwatch, wir müssen reden.

Eine Pro- und Kontra-Liste

Es gibt wirklich einiges, was ich an Overwatch mag. Ein First-Person-Shooter mit Heldenfähigkeiten und verschieden Rollen bringt ein Stück weit mehrere Genres zusammen, die ich einfach mag. Die Helden spielen sich alle sehr unterschiedlich, ob ich mit Scharfschützengewehr, Pfeil und Bogen oder Kriegshammer kämpfen will, es ist für jeden was dabei. Im Spiel heißen die drei Rollen Tank, Support und DPS (englische Abkürzung für Schaden pro Sekunde und meint Charaktere, die darin besonders gut sind) und sie tragen alle mehr zum Spiel bei als nur zu tanken, nur zu heilen oder nur Schaden zu machen. Als Support-Charakter, die ich übrigens meistens spiele, bin ich nicht nur eine Heilstation, die die Lebenspunkte der anderen Spieler auffüllt. Jeder Held hat eine Fähigkeit, die zu einem Spielzug fähig ist der einen Kampf oder sogar das ganze Match entscheiden kann. Das und die sehr unterschiedlichen Helden sollten eigentlich viele verschiedene Team-Kompositionen und strategische Tiefe ermöglichen. Wie gesagt: eigentlich. Aber dazu kommen wir gleich.

Ein weiterer Punkt, den ich sehr mag, ist die Overwatch League. Natürlich ist eSports Geschmackssache aber ich habe massig Spaß an den Partien, die oft spannend und actiongeladen sind.
Ich kann Overwatch auch mal nur für eine halbe Stunde spielen. Die einzelnen Runden sind in der Regel angenehm kurz und in einer halben Stunde lassen sich gut eine Handvoll Spiele im Quickplay-Modus machen. Hier passiert meinem Rang im kompetitiven Modus nichts und ich kann einzelne Dinge trainieren, wenig gespielte Helden verbessern oder einfach nur etwas Freude haben.

Am liebsten spiele ich Overwatch mit Freunden. Egal ob wir Blödsinn im Quickplay-Modus machen oder ob wir ehrgeizig versuchen unseren Spielerrrang im kompetitiven Ranglisten-Modus zu verbessern, es bietet Nervenkitzel und den Genuss des Sieges.

Auch diese Shooter lassen sich toll mit oder gegen Freunde spielen:

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In letzter Zeit aber häufiger die Lust am Spielen, was nicht an den Freunden liegt. Meistens. Von der Vielfalt, über die ich eben so verliebt schwärmte, ist nämlich seit Monaten nicht mehr viel zu spüren. GOATS heißt das Problem und ist die Bezeichnung für eine Team-Komposition die aus drei Tanks und drei Supports besteht. Diese Meta, also die aktuell effektivsten Charaktere und Taktiken, entstand nach dem Release der Support-Heldin Brigitte im März 2018 und basiert grob auf der Taktik mit vielen Lebenspunkten und massig Heilung nah an den Gegner heranzukommen um das eher im Nahkampf liegende Schadenspotential der Tanks gut ausspielen zu können. Um dem entgegenzuwirken, läuft es in der Regel auf GOATS gegen GOATS heraus. Das ist auf Dauer als Spieler langweilig und auch als Zuschauer nicht gerade spannend, da auch im eSports-Bereich fast nur diese Taktik verwendet wird.

Manch einer mag argumentieren, dass dieses Problem „nur“ Profis und Spieler in den hohen Rängen betrifft ,da in den niedrigen Rängen die GOATS-Meta nicht sehr präsent ist. Aber, seit Monaten patcht Blizzard hin und her um irgendwie diese omnipräsente Team-Komposition loszuwerden und verändert so das Spiel für alle Spieler. Die bereits erwähnte Brigitte wurde in den vergangenen Patches so verschlechtert, dass sie außerhalb von GOATS kaum noch zu gebrauchen ist. Der „Tank-Killer“ Reaper wurde so stark verbessert, dass er in den unteren Rängen für Frust sorgt weil er nicht zu stoppen ist. Patches beeinflussen das Spiel für alle und das zum Schlechteren, wenn sich die Spielveränderungen nur um ein Problem einer bestimmten Spielergruppe kümmern und dieses nicht einmal lösen. Es ist einfach frustrierend, dass Blizzard anscheinend nichts einfällt, um das Spiel auszubalancieren, auch wenn es keine einfache Aufgabe ist, Gelegenheitsspieler und Profis unter einen Hut zu bekommen.

Wo wir gerade bei Blizzard sind. Das Entwicklerteam braucht häufig ewig um neue Inhalte ins Spiel zu bringen – viele davon sind lediglich kosmetischer Art. Die Skins und Emotes sind zwar alle hübsch und kreativ, erweitern das Spiel aber nicht auf eine sinnvolle Weise. Drei neue Helden pro Jahr sind nicht viele, wenn es gerade erst 30 ist und nicht etwa über 100 wie beispielsweise in Dota 2.

Held Nummer 30 kam Ende Februar 2019 dazu und ist ein Combat-Medic mit Namen Baptiste. Er bietet Flächenheilung und ein Unbesiegbarkeits-Feld, also Fähigkeiten, die zum einen einer Team-Komposition wie GOATS helfen, zum anderen aber auch ein Vorteil für Teams mit DPS-Charakteren sein könnten. Ein Problem das DPS-Charaktere nämlich zu Zeit haben, ist, dass sie nicht gegen die vielen Lebenspunkte und die Heilung der GOATS-Meta ankommen und einfach überrannt werden. Ein Support wie Baptiste, der ihnen eine höhere Überlebenschance gibt und zusätzlich ein Ultimate hat, welches den Schaden vieler DPS verdoppeln kann, könnte vielleicht für etwas mehr Abwechslung bei den Team-Kompositionen führen.

Wo ich gerade dabei bin, hätte ich noch ein paar Dinge derer sich Blizzard mal annehmen könnte. Warum bietet das Spiel keine brauchbaren Statistiken? Was soll ich mit irgendwelchen Durchschnittswerten zu Schaden oder Heilung? Ich brauche Statistiken zu einzelnen Matches die ich dann miteinander vergleichen kann um zu erkennen was ich gut oder schlecht gemacht habe. Was ist mit dem Matchmaking los? Warum spielen Leute die 50 Stunden gespielt haben häufig gegen Leute die 1.000 oder mehr Stunden Spielzeit haben? Schon klar, ab einem gewissen Punkt ist Spielzeit kein so entscheidender Faktor mehr für die Fähigkeiten eines Spielers, aber gerade für neue Spieler kann es am Anfang sehr frustrierend sein. Und warum regt mich das alles so auf?

Zeit eine Entscheidung zu treffen

Du siehst, ich könnte noch seitenweise weiter schreiben aber kehren wir zum Ausgangsproblem zurück: GOATS stellt meine Liebe zu Overwatch auf eine harte Probe. Der neue Held Baptiste hat sowohl das Potential dieses Problem zu lösen, als auch es zu verschlimmern. Da hätte ich von Blizzard eine klarere Richtung erwartet. So oder so bekomme ich immer hin einen neuen Helden zum Spielen. Es gibt jedoch eine andere Lösung, die Blizzard nicht anwendet, obwohl sie der Entwickler definitiv kennt. Zum einen, weil es in er Community viel diskutiert wird, zum anderen weil es eine Funktion ist, die in vielen kompetitiven Multiplayer-Spielen erfolgreich genutzt wird. Die Rede ist von einem Bann-System bei dem beide Teams vor einem Match Helden für das kommende Spiel sperren und somit andere Team-Kompositionen einfach erzwingen können. So etwas für Overwatch umzusetzen, ist sicherlich kompliziert aber möglich – also hoffe ich drauf. Das größte Problem dürfte lediglich der kleine Helden-Pool von gerade einmal 30 spielbaren Charakteren sein, aber es ist ein Konzept, das in Overwatch funktionieren würde.

Manchmal lohnt es sich einfach an Beziehungen zu arbeiten, anstatt sie aufzugeben. Ich hoffe die Arbeit zahlt sich aus, denn ich möchte, wie alle Overwatch-Spieler ein Spiel haben an dem ich Freude habe und das auf Dauer. Meine Kritik ist Teil dieser Arbeit und sie ist konstruktiv. Auch wenn ich hier und da etwas zu emotional werde – so ist das eben in der Liebe. Die vielen YouTube-Videos und Reddit-Diskussionen zeigen, dass auch Andere mit viel Leidenschaft an dem Thema arbeiten. Overwatch bleibt ein Spiel, das ich gerne spiele und es sogar richtig genießen kann. Die Diskussion ist wichtig, für jedes Spiel, damit es eine tolle Erfahrung für die Spieler ist und bleibt. Ich denke, daran sollten auch die Entwickler interessiert sein. Und wer weiß, vielleicht bringt schon der nächste Patch eine Lösung, mit der alle zufrieden sein können.

Vielleicht liefert diese Bilderstrecke neue Ideen für mehr Helden. Auch wenn das rechtlich vermutlich schwer werden wird. 

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Overwatch + Pokémon: So sehen die Watchemon aus.

Ich denke viele Spieler haben einen Titel bei dem sie mit viel Herzblut dabei sind und das es Spieler gibt, die ihr Lieblings-Spiel verbessern wollen.. Was denkst du über konstruktive Kritik an Spielen durch Spieler? Können Entwickler etwas Sinnvolles lernen oder ist es reine Zeitverschwendung?

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