Rage 2 im Test: Deshalb macht das Spiel Spaß, aber nicht jeden glücklich

Alexander Gehlsdorf 6

Rage 2 steht im Laden und du hast – wie ich – noch immer nicht den neun Jahre alten Vorgänger gespielt? Kein Problem, schließlich hat die Story in Rage 2 nicht die größte Priorität – und das ist auch gut so!

Ein Meteorit hat die Erde zerstört und die Überlebenden sind in unterschiedliche Fraktionen geteilt. Einige davon, allen voran die Obrigkeit, sind böse und wollen mit Pulver und Blei eines Besseren belehrt werden. Viel mehr musst du eigentlich gar nicht wissen, um der Handlung von Rage 2 folgen zu können. Denn statt dir eine epische Geschichte über Gut und Böse, Verrat, menschliche Abgründe, Freundschaft und Verlust zu erzählen, kommt Rage 2 einfach direkt zum Punkt. Du willst ballern? Bitte sehr! Hier ist deine Knarre, viel Spaß!

Erstmal den Büffel sprengen. Zur Sicherheit!

Rage 2 Ich gegen den Rest der Welt.

Im Herzen ein Shooter

Während id Software mit Doom und Wolfenstein für ebenso brachiale wie lineare Shooter bekannt ist, haben die schwedischen Avalanche Studios mit der Just Cause-Reihe und Mad Max ihr Talent für Open World unter Beweis gestellt. In Rage 2 werden diese beiden auf den ersten Blick vollkommen gegensätzlichen Design-Ansätze miteinander kombiniert – und das Ergebnis funktioniert überraschend gut.

In den Action-geladenen Feuergefechten, die für mich den größten Reiz des Spiels ausmachen, ist unverkennbar die Handschrift der texanischen Shooter-Experten zu spüren. Die haben Wucht, das Zielen ist präzise, die Effekte knackig und der Soundtrack pumpt Adrenalin in die Adern.

Vor allem aber hat Rage 2 einen der intelligentesten Kniffe aus Doom übernommen: Da jeder Gegner nach dem Ableben großzügig Goodies fallen lässt, die stets für volle Gesundheit und Munition sorgen, belohnt dich das Spiel dafür, stets in Bewegung zu bleiben und die Nahkämpfe zu suchen. Das ist nicht nur deutlich effektiver, sondern macht auch viel mehr Spaß, als die Gegner aus der sicheren Deckung heraus aufs Korn zu nehmen.

Entdecker kämpfen besser

Für Abwechslung sorgt dabei ein bunter Mix aus vertrauten Waffengattungen, die jedoch durch Spezialfähigkeiten – die sogenannten Nanotriten – ergänzt werden. Diese lassen dich unter anderem höher springen, Barrieren errichten, dich nach einer Niederlage wiederbeleben, Gegner in einem Vortex bündeln und vieles mehr. Ein Highlight unter den Schießprügeln ist eine Anti-Gravitations-Waffe, die deine Gegner erst abheben und anschließend ableben lässt. Eine Übersicht der coolsten Waffen und Fähigkeiten kannst du dir im Video ansehen:

Rage 2 - Weapons and Abilities Gameplay.

Eine derartige Zerstörungskraft steht dir jedoch nicht von Beginn an zur Verfügung. Stattdessen musst du jede Waffe und Fähigkeit zunächst in jeweils einer der Archen finden, die in der Open World verteilt sind. Zudem lässt sich jede Waffe und Fähigkeit weiter verbessern, die dazu nötigen Ressourcen sammelst du ebenfalls durch allerhand Aktivitäten in der offenen Spielwelt, etwa dem Öffnen von Straßensperren, dem Ausräuchern von Banditen-Camps oder der Zerstörung von Wachtürmen der Obrigkeit.

Wer sich die Zeit nimmt, die abgedrehte Spielwelt von Rage 2 zu erkunden, dem steht letztendlich ein umfangreicheres und somit auch abwechslungsreicheres Arsenal zur Verfügung – allerdings ist ein solches Arsenal an keiner Stelle wirklich notwendig. Wer will, kann auf dem normalen Schwierigkeitsgrad die gesamte Story-Kampagne auch einfach mit dem Sturmgewehr absolvieren – und verpasst auf diese Weise den Reiz des im Kern extrem gelungenen Kampfsystems.

Gerade an dieser Stelle wäre so viel mehr möglich gewesen, etwa Gegnertypen, die sich nur mit einer bestimmten Waffe besiegen lassen beziehungsweise von einem speziellen Spielstil profitieren. Ich selbst habe mich jedenfalls mehrfach dabei ertappt, gerade eine extrem coole neue Waffe oder Fähigkeit gefunden zu haben, letztendlich aber doch dem Sturmgewehr treu zu bleiben, da es schließlich genauso gut funktioniert.

Anders formuliert: Rage 2 bietet das Potential für fantastische Kampf-Choreografien, individuelle Spielstile und abwechlungsreiche Action, bietet aber kaum Anlässe und Notwendigkeiten, der Vielfalt und Tiefe dieses Kampfsystems wirklich auf den Grund zu gehen. Stattdessen ist die Kreativität des Spielers gefragt, um aus Rage 2 genau den Todestanz zu machen, den die Trailer so effektvoll versprochen haben.

Spoiler: Natürlich sind die Spiele von Entwickler id Software mit dabei:

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Die wichtigsten First-Person-Shooter der Videospielgeschichte.

Kurz und gut?

Wer sich beeilt, der sieht in Rage 2 spätestens nach zehn Stunden den Abspann. Nanu, so schnell? Sollte Rage 2 nicht ein gewaltiges Open World Abenteuer sein? Ja und nein. Einerseits ist das Spiel nach dem Abspann natürlich noch nicht vorbei. Alle Aktivitäten in der Open World, die du bis dahin möglicherweise ignoriert hast, wollen an diesem Punkt schließlich noch erkundet werden.

Andererseits mögen zehn Stunden aus Sicht eines Open World-Spiels sehr überschaubar klingen, im Vergleich zu den letzten id Software-Spielen reiht sich Rage 2 in dieser Hinsicht jedoch nahtlos ein. Auch die Kampagnen der Just Cause-Spiele von Avalanche Studios lassen sich ungefähr in dieser Zeit absolvieren. Zumal die Geschichte des Spiels, wie eingangs erwähnt, ohnehin eine untergeordnete Rolle spielt. Das mag nicht den Geschmack jedes Spielers treffen, mir persönlich hat die bewusste Reduzierung auf das Wesentliche jedoch durchaus gefallen.

Wer also alle Inhalte der Spielwelt erkunden und seinen Helden bis zum Äußersten leveln will, der kann gut und gerne auch 20 Stunden und länger in Rage 2 verbringen. Zumal Bethesda bereits angekündigt hat, dass das Spiel in Zukunft um eine Reihe kostenloser Events bereichert werden soll. Zusätzlich sind zwei kostenpflichtige Erweiterungen geplant. Wie umfangreich diese ausfallen werden und welcher Preis dafür verlangt wird, ist bislang noch unbekannt.

Mein Test-Fazit zu Rage 2

Wer einen Shooter auf dem gewohnten id Software-Niveau erwartet, wird von Rage 2 nicht enttäuscht werden. Das Kampfsystem fühlt sich großartig an, um das volle Potential der Fähigkeiten und des Waffenarsenals auszuschöpfen, ist jedoch Kreativität und Erkundungslust notwendig. Zwar wiederholen sich die Aktivitäten bereits nach kurzer Zeit, trotzdem sorgen die Ballereien dank der umfangreichen Auswahl an Fähigkeiten und Schießprügeln stets für genügend Abwechslung.

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Die dünne Geschichte mag manche Spieler enttäuschen, ich persönlich habe es jedoch sehr begrüßt, dass das Spiel sich in dieser Hinsicht nicht übernommen hat und gar nicht versucht so zu tun, als würde irgendjemand allen ernstes Rage 2 wegen der Story spielen. Dennoch ist die Spielzeit mit 10 bis 20 Stunden derzeit relativ überschaubar. Ob die kostenlosen Ingame-Events Rage 2 in einen Endgame-Dauerbrenner verwandeln können, möchte ich bezweifeln. Trotzdem werde ich die Gelegenheit nicht verpassen, um Rage 2 wieder einen Besuch abzustatten – denn trotz aller Kritik hatte ich in Rage 2 jede Menge Spaß!

Wird dir gefallen, wenn bereits die brachialen Ballereien in Doom und Wolfenstein genau dein Ding waren.

Wird dir nicht gefallen, wenn du eine riesige Open World erwartet hast, die dich über Monate hinweg mit immer neuen Aktivitäten fesseln kann.

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