„Eine Seefahrt, die ist lustig“, heißt es in einem bekannten Volkslied – das Geschäft auf hoher See ist allerdings knallhart und bedarf einer guten Planung. Seebär Martin verrät im Test zu TransOcean 2: Rivals, wie man mit der Wirtschaftssimulation dennoch viel Spaß haben kann.

 

TransOcean 2: Rivals

Facts 
TransOcean 2: Rivals

Jedes Mal, wenn jemand seine Zigarette an einer der Kerze anzündet, stirbt ein Seemann. Auch heute höre ich diesen Satz ziemlich oft und sofort wird in der Tasche nach einem Feuerzeug oder Streichhölzern gekramt. Ich selbst mochte diesen Aberglauben auch gern, bis mich ein Freund aus Hamburg über die Wahrheit hinter dem Satz aufklärte. Die ist nämlich gar nicht so romantisch, wie sie vielleicht klingen mag.

Seeleute von hatten ganz früher nur ein geringes Einkommen und stellten deswegen in der freien Zeit Streichhölzer her und verkauften sie, um ihr Überleben zu sichern. Wer nun aber die Kerze für die Zigarette benutzte, der war offenbar geizig und konnte damit mutmaßlich einen Seemann verhungern lassen. Nun ja, abgesehen davon, dass die Leute auf See heute keine Streichhölzer mehr herstellen, wäre in unseren modernen Zeiten auch keinem Seemann damit geholfen, wenn wir statt zur Kerze zum Feuerzeug greifen würden.

Dennoch ist es gar nicht so verwunderlich, dass diese Mythos immer noch so weit verbreitet ist: Die Mehrheit von uns hat ja keine wirkliche Vorstellung davon, welche Aufgaben Seeleute tatsächlich haben und wie Waren heutzutage verschifft werden. Einen Einblick in diese durchaus spannende Welt gibt TransOcean 2: Rivals. In der Simulation übernehmen wir eine Reederei und müssen versuchen, diese zum Erfolg zu führen.

TransOcean 2: Rivals - Offizieller Release Trailer

Schiffstransporte mit viel Mikromanagement

Als ich mir zu Beginn des Spiels einen von über 60 Häfen aussuchen muss, fällt meine Wahl ganz klar auf Hamburg. Ich kenne die kühle Perle im Norden ziemlich gut. Hamburg hat als Hansestadt eine lange Tradition als Handelsplatz. Und in Deutschland gibt es kaum einen anderen Ort, der so sehr die Sehnsucht nach der Ferne ausdrückt. Ja, genau hier soll mein Hauptquartier entstehen.

Für eine Wirtschaftssimulation etwas überraschend ist der Grad an Aktivität. In TransOcean 2: Rivals werden weniger feste Routen geplant, sondern wir bewegen unsere Schiffe nur von Hafen zu Hafen und führen dort den Handel durch. Aus einer übersichtlichen Auftragsliste, lässt sich leicht das heraussuchen, was wir transportieren wollen. Manchmal kommt es zu Streiks. Dann können wir entscheiden, ob wir warten wollen, oder aber das Schiff selbst an die Zielposition manövrieren. Dafür braucht man zwar Geduld, aber es macht erstaunlich viel Spaß.

In jedem Hafen müssen wir vorausschauend die richtigen Aufträge heraussuchen: Wie viel Zeit habe ich für die Lieferung, welche Strafe droht mir täglich, sollte ich den Termin nicht einhalten können? Erhöhe ich die Geschwindigkeit, steigt der Treibstoffverbrauch massiv – in manchen Städten wiederum kann ich nur teuer an Öl kommen. Obwohl ein paar Elemente sehr stark vereinfacht wurden, bietet das Spiel insgesamt viel Tiefe.

Die meiste Zeit der Partie mit TransOcean 2: Rivals verbringen wir auf dieser Karte.
Die meiste Zeit der Partie mit TransOcean 2: Rivals verbringen wir auf dieser Karte.

Konkurrenz belebt das Geschäft

Es gibt übrigens Bulkschiffe, Containerschiffe und Tankschiffe, die jeweils unterschiedliche Stärken und Schwächen haben: Mit Bulkschiffen machen wir uns beispielsweise beliebt in der Region und dürfen im Gegenzug lukrative Betriebe übernehmen – dazu gehören unter anderem Werften, Raffinerien und Werkstätten. Alle Schiffe lassen sich verbessern, müssen aber auch immer wieder mal gewartet werden. Ignorieren wir die Reparatur, kann unser Schiff sogar sinken.

Enthalten sind drei verschiedene Modi. Die kurze Kampagne besteht aus sechs Missionen, die gleichzeitig ein Tutorial und Training sind. Hier werden also alle Funktionen und Spielmechaniken erklärt, zusätzlich gibt es aber noch einmal drei unterschiedliche Ziele – und für die Gold-Medaille, die beim Erreichen aller Ziele, winkt, müssen wir uns schon mächtig ins Zeug legen. Dazu kommen das obligatorische Endlosspiel und ein brandneuer Wettbewerbsmodus.

Im Wettbewerbsmodus wird in vier Runden gegen die Konkurrenz um die meisten Siegpunkte gekämpft. Einen Teil dieser Punkte bekommen wir für unseren Fortschritt – etwa für das Errichten von Betrieben. Um die restlichen Punkte konkurrieren wir mit den anderen Mitspielern, die auch von der CPU gesteuert werden können. Auch Sabotage ist möglich. Anhand dieser Spielvariante erklärt sich auch der Untertitel des Spiels: Das rivalisierende Element ist neu in TransOcean 2.

TransOcean 2: Rivals - Tutorial Trailer #3 - Multiplayer

Mach mal Pause

Was die Spielerfahrung im Moment leider trübt, sind verschiedene Bugs: In einem Fall wurde mein Spielstand beschädigt, so dass Schiffe sich in einem permanenten Beladevorgang befanden. Die meisten Einsteiger dürfte aber ein ganz anderer Fehler frustrieren. Grundsätzlich läuft TransOcean 2: Rivals in Echtzeit ab. Das ist vor allem für den Multiplayer-Modus wichtig, in dem natürlich niemand durch etwaiges Pausieren des Spiels durch einen anderen Spieler unterbrochen werden möchte. Diese Runden sind außerdem auf zwei Stunden beschränkt und in dieser Zeit wächst unsere Reederei nicht so massiv.

Spielen wir allerdings allein gegen den Computer, wollen wir natürlich das Spiel pausieren, um in Ruhe die Aufträge zu studieren und unsere Schiffe befehligen. Ohne eine Pause-Funktion ist es kaum möglich, eine Flotte von mehr als fünf Schiffen zu kontrollieren. Das erreichen wir derzeit aber nur über einen nicht-dokumentierten Trick: Zweimal auf die Leertaste klicken. Dieser Fehler wird hoffentlich noch behoben. Und das wäre auch ganz im Sinne der Entwickler. Derzeit häufen nämlich sich die kritischen Bewertungen von TransOcean 2: Rivals, die eben den enstehenden Stress beim Spielen ankreiden. Mit einer Pause-Funktion würde wieder Ruhe einkehren.

Die Betriebe bringen regelmäßig gutes Geld und sind damit entweder zu mächtig oder zu leicht zu bekommen.
Die Betriebe bringen regelmäßig gutes Geld und sind damit entweder zu mächtig oder zu leicht zu bekommen.

Von Hamburg aus habe ich mein Reederei-Imperium aufgebaut. Zuerst habe ich mich im Norden und Zentraleuropa ausgebreitet. Dann krallte ich mir den Rest und dehnte meine Aktivitäten auf Afrika und Nordamerika aus. Zwischendurch hatte ich genug Kleingeld, um mir für viele Millionen Euro auch die richtig großen Schiffe kaufen zu können. Nebenher plante ich also halbautomatische Routen über fünf Stationen nach Asien.

Und so wurde ich trotz kleinerer Schwierigkeiten dann doch noch zum Herrscher der sieben Weltmeere. Zunächst konnte ich kaum mit dem Tempo des Spiels mithalten und war permanent gestresst. Dabei schien mir doch gerade der Transport mit dem Schiff als eher ruhiges Geschäft. Dank der Pause-Funktion stand aber meinem Sieg nichts mehr im Weg – fast noch einfacher, als einem Baby den Lutscher wegzunehmen.

TransOcean 2: Rivals - Tutorial Trailer #5 - Regionsmehrheiten

Mein Test-Fazit zu TransOcean 2: Rivals

TransOcean 2: Rivals fehlt es noch an der richtigen Balance: Mit Pause ist es zu leicht und ohne Pause ist es zu schwer. In seiner aktuellen Form ist es ziemlich arcade-lastig für eine Simulation – das grundsätzliche Konzept stimmt jedoch. Es vereinfacht an den richtigen Stellen, besitzt aber abwechslungsreiche Elemente, um uns bei Laune halten.

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Selbst das Steuern eines Schiffes im Fall eines Streiks macht Spaß, wenn man sich denn darauf einlässt: Zunächst fand ich diese Funktion nämlich ziemlich ätzend. Ich hab sie fast immer übersprungen und lieber den einen Tag Streik in Kauf genommen – inklusive der eventuellen Strafzahlung für eine Verspätung. Einmal wurde mein Versuch sogar abgebrochen, weil Schiff und Hafen zu stark beschädigt wurden. Inzwischen habe ich den Dreh aber raus.

Deck 13 ist eines der Studios, die dafür bekannt sind, dass sie keine fehlerhaften Spiele auf dem Markt lassen. Und so ist auch im Fall von TransOcean 2: Rivals davon auszugehen, dass noch Verbesserungen folgen, um die Erfahrung abzurunden. Wer so wie ich Wirtschaftssimulation mag, der wird sich reinfuchsen und kann viel Freunde damit haben, der größte Reeder der Welt zu werden.

Die GIGA-Games-Wertungsphilosophie

Update: Dieser Test basiert auf der Release-Version. Deck 13 hat inzwischen angekündigt, dass ein Patch für TransOcean 2: Rivals erschienen ist, der das Problem mit der Pause beheben soll. Die Funktion betrifft nur den Singleplayer-Modus. In Version 1.06 wurden auch weitere Fehler behoben.

TransOcean 2: Rivals

TransOcean 2: Rivals

Entwickler: Deck13 Hamburg

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Wertung

7/10
“TransOcean 2: Rivals hat war noch ein paar Fehler, aber macht trotzdem Spaß. Mit ein paar Updates könnte daraus eine großartige Erfahrung werden.”