Borderlands 3 im Test: Mehr Loot, besseres Shoot

Alex Duk 2

Borderlands. Borderlands bleibt immer gleich. Eigentlich habe ich auf diese Referenz keine Lust. Die Reihe soll mich überraschen, mich faszinieren, mich zum Lachen bringen. Bis zu einem gewissen Maß hat es das Spiel auch geschafft, aber leider drückt der Schuh auch an einigen Stellen.

Borderlands 3 im Test: Mehr Loot, besseres Shoot
Bildquelle: Bild: 2K Games.

Wenn ich gewusst hätte, was mich in Borderlands 3 erwartet, hätte ich mit dem Spielen warten sollen. Ja, das Spiel ist wie immer gut, nur leider gab es wohl keine Zeit mehr für einen vernünftigen Feinschliff. Das ist jetzt keine Katastrophe. Aber dafür, dass das Spiel sieben Jahre nach dem zweiten Teil erscheint, gibt es auf der einen Seite nur wenige Neuerungen - auf der anderen Seite sind diese nicht groß genug um die vielen Bugs und die schwache Optimierung zu entschuldigen. Zum Glück ist das nichts, was nicht durch ein paar Patches in den nächsten Monaten behoben werden kann, aber ich empfehle euch diese Monate abzuwarten, wenn ihr es aushaltet.

Diese Worte kommen von einem Borderlands-Fan der ersten Stunde. Der einzigartige Humor, der Cel-Shading-Look, die kreative Waffenauswahl, man kann dieses Spiel doch nur mögen. Mit dem dritten Hauptteil und dem zehnjährigen Jubiläum der Reihe kam mir aber ein bitterer Gedanke: Die Entwickler bei Gearbox müssen aufpassen, dass sie sich nicht im Kreis drehen und es sich auf dem Loot-Shooter-Thron gemütlich machen. Sonst passiert noch das, was Assassin’s Creed Anfang der 2010er Jahre widerfahren ist. Aber erst einmal die ultimative Frage:

Was bietet Borderlands 3, was Borderlands 2 nicht geboten hat?

Mehr Waffen? Check. In Sachen Waffenauswahl schafft es das Spiel mich zu überraschen. Die neuen alternativen Feuermodi, die den Waffen je nach Hersteller eine zweite Funktion verleihen, funktionieren super. Einzigartige, legendäre Waffen sind kreativ und machen Spaß sie auszuprobieren. Auch, wenn sie teilweise nur für die Mülltonne zu gebrauchen sind, aber das macht den Reiz ja auch aus.

Interessantere Charakterklassen? Check. Einige Klassen können nun mehrere Action-Skills ausrüsten. Und wenn es Mal nur einen auszuwählen gibt, können diese individuell aufgewertet werden. Heißt: Ich habe mich fast dabei erwischt, sowohl im Solo-Durchlauf, als auch im Koop beide Male die Sirene zu spielen, weil sie sich je nach Skillset grundlegend anders spielen lässt. +200% Wiederspielwert.

Bessere Grafik? Che….naja. Das Spiel performt auf dem PC für ein Cel-Shading-Shooter nicht besonders gut. Ich habe es auf der PS4 Pro gespielt und darf mich zwischen A) „HD 60fps“ und B) „4K 30fps“ entscheiden. Die Krux: Option A bietet außerdem aufploppende Texturen, manchmal ein unangenehmes Flackern und sieht im Prinzip aus wie Borderlands 2. Option B bietet in den meisten Fällen keine 30 sondern 20 Frames - auf der PS4 Pro war das für mich jedenfalls unspielbar.

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Die wichtigsten First-Person-Shooter der Videospielgeschichte.

Ein Kritikpunkt der einen ganzen Absatz verdient hat: Das Ingame-Menü laggt! Was soll das? Wie soll ich Waffen vergleichen und Skillpunkte vergeben, wenn alles ruckelt wie eine Dampflokomotive? Es ist 2019! Ja, es ist schön, wie detailreich das Menü gestaltet ist und wie vor allem die Karte um die dritte Dimension erweitert wurde, aber sowas sollte doch eigentlich auffallen und lösbar sein. So. Alles Sachen, die zwar sehr ärgerlich ist, aber nicht mit ein paar Patches in Zukunft beseitigt werden kann. Spätestens wenn die obligatorischen Ports für die neue Konsolengeneration kommen, wird das Problem Geschichte sein. Schade jedoch für jetzt.

Abgesehen davon sehen die neuen Orte trotzdem sehr hübsch aus. Besonders die Neonstadt, die man schon früh im Spiel besuchen darf, lässt einen denken man spiele nicht mehr Borderlands. Es ist ja auch das erste Mal in der Reihe, dass der Heimatplanet Pandora verlassen wird (bis auf seinen Mond im Pre-Sequel) - und das lässt Borderlands 3 sich auch wirklich auf die Stirn tätowieren. Schön!

Der Loot-Shooter mit Charisma-Build

Die Story ist wie immer banal, aber witzig. Heruntergebrochen sind alle Missionen „Hol das“, „Drücke dies“, „Verteidige das“, „Sprich mit ihr“. Was auf den ersten Blick völlig lieblos klingt, funktioniert in Borderlands 3 mal wieder durch den humorvollen Inhalt gut.

Kleiner Exkurs: Das Sounddesign lobe ich sehr, die Waffen hören sich fantastisch an - aber ich höre sie zu gefühlt 80% der Zeit nicht wirklich, weil ich permanent von Questgebern vollgelabert werde. Klingt erst einmal doof, aber wer Borderlands kennt, weiß dass das trotzdem lustig ist. Daran hat sich nichts geändert - bis auf die unangenehm peinlichen Kammerjäger sind so gut wie alle Charaktere, besonders die in Telltales „Tales from the Borderlands“ etablierten, legitim witzig.

Und so wie das Sounddesign die Waffen mächtig lassen wirkt, so ist auch das gesamte Gameplay. Gut, dass der wichtigste Punkt eines Loot-Shooters in vollem Maß erfüllt wird - Mehr Loot, besseres Shoot. Die Stärke von Borderlands 3 liegt eindeutig hier und das zu Recht. Das Leveldesign ist fair aufgebaut, Deckungen sind gut platziert und das Zielen funktioniert perfekt - sogar auf dem Controller. Eine Sache, die sich schwer beschreiben lässt. Man muss es einfach selbst erleben, ihr dürft mir vertrauen.

Außerdem war der Schwierigkeitsgrad im Solospiel angenehm fordernd, auch wenn ich immer alle Nebenquests erledigt habe, bevor ich mit der Hauptquest fortgefahren habe. Ein Problem, dass die früheren Teile hatten, welches jetzt nicht mehr existiert. Ein großer Pluspunkt für den Spaßfaktor.

Kein Koop-Master, aber ein Bachelor

Als ich dann noch einmal 10 Stunden im Koop gespielt habe, sah das ganze leider anders aus. Hier muss man aufpassen, dass das Spiel nicht zu einfach wird. Teilweise sind wir extra in eine Gegend gegangen, die zwei bis drei Level über unserem aktuellen Level war - hier hatten wir das Gefühl gefordert zu sein und hatten den meisten Spaß. Sobald wir mehr Nebenquests gemacht haben, konnten wir uns durch die Hauptquest wie ein Mähdrescher fortbewegen. Eine Sache, die im Endgame wahrscheinlich nicht mehr der Fall ist. Für eine Story-Session mit Freunden dürfte der Schwierigkeitsgrad in meinen Augen jedoch gern höher ausfallen.

Als mein Koop-Kollege das zehnte Level erreicht hat, habe ich zu Testzwecken einen brandneuen Charakter erstellt. Gearbox hat versprochen, dass Level und Loot optional angegleicht werden können, damit jederzeit und überall mitgespielt werden kann. Das Versprechen wurde eingehalten! Die Level der Gegner waren unterschiedlich zu meinem Kollegen und wir hatten beide eine ähnliche Spielerfahrung. Das ist dann besonders nützlich, wenn man im Endgame Lust hat, einen neuen Charakter auszuprobieren. Das ist nun ohne Probleme möglich.

Zum Abschluss noch ein Detail: Die Charakteranpassungen und Waffen-Skins haben es in sich! Ein tolles Feature, was in Zukunft gerne ausgebaut werden darf. Das Detail im Detail: Jeder Charakter hat auf der Hauptbasis Sanctuary einen eigenen, frei zu gestaltenden Raum. Die Freiheiten halten sich leider aber stark in Grenzen. Dekoelemente sind nur sehr mäßig zu platzieren und fallen kaum auf. Hier hätte ich mir als nette Überraschung etwas mehr gewünscht. Vielleicht sogar in einem DLC.

Fazit

So richtig geändert hat sich nichts. Einige praktische Quality-of-Life-Änderungen wurden erfolgreich getroffen, aber weit darüber hinaus reicht es nicht. Dass das Spiel nicht nur schlecht performt, sondern auch noch von einigen Bugs geplagt wird, habe ich bereits erwähnt. Diese sehe ich jedoch als ärgerliche Kinderkrankheiten an, die in Zukunft kuriert werden - da bin ich mir sicher. Wer ein gut optimiertes Spiel erwartet, sollte einige Zeit warten, bis die ersten Patches kommen. Wer sich von so etwas nicht stören lässt, darf gerne zugreifen! Man erhält von Borderlands 3 das, was man erwartet, aber leider auch nicht viel mehr.

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Borderlands 3 wird dir gefallen, wenn du guten Humor schätzt und vom Koop-Ballern nicht genug kriegst.

Borderlands 3 wird dir nicht gefallen, wenn dir eine ausgefeilte Story und gute technische Performance wichtig ist.

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