Control im Test: Das Ungewöhnliche ist hier gewöhnlich

Olaf Fries 1

Entwickler Remedy Entertainment, die Macher von Max Payne, steigen mit Control in das „New Weird“-Genre ein. „Fair warning, this is going to be weirder than usual“, ist nicht nur einer der ersten Sätze des Spiels, sondern setzt gleichzeitig den Ton und die Stimmung für das kommende Abenteuer.

Control im Test: Das Ungewöhnliche ist hier gewöhnlich

„New Weird“ lässt die Grenzen zwischen verschiedenen Genres verschwimmen und schafft oftmals eine Mischung aus Science-Fiction, Horror und Fantasy. Dieses Rezept tritt in Control ab der ersten Sekunde in Kraft. Du startest als Jesse Faden in New York und das Third-Person-Action-Adventure hat keine Angst davor, dich mit einem Mysterium und vielen Fragezeichen zu überhäufen. Genauso ahnungslos wie Protagonistin Jesse Faden startest du in New York im Ältesten Haus: Dem verborgenen Aufenthaltsort des Federal Bureau of Control (FBC), das Hauptquartier einer geheimen Organisation der Regierung. Einer Regierungsorganisation, die sich der Erfassung, Eindämmung und Erforschung von übernatürlichen Objekten und Phänomenen widmet.

Control auf einen Blick

Inhalt: Als Leiterin einer Geheimorganisation der Regierung stellst du dich übernatürlichen Phänomenen, die das Büro der Organisation heimgesucht haben. Trotze den außer Kraft gesetzten Naturgesetzen und entwickle selbst übernatürliche Kräfte, um in der widerwilligen Umgebung zu überleben.
Release: 27. August 2019
Plattform: PC, PS4, Xbox One

Das Mysterium schreckt nicht ab, sondern lädt ein

Jesse kommt zum FBC, um Antworten auf Fragen aus ihrer Vergangenheit zu erhalten. Nachdem sie allerdings den Leiter des Bureaus leblos in seinem Büro auffindet und seine Waffe aufhebt, wird sie automatisch zum neuen Direktor auserkoren und das Älteste Haus zeigt direkt auf, dass es mehr ist, als es den Anschein macht. Sofort sind alle Fotos des ehemaligen Leiters durch Jesse ersetzt worden und es ist klar, hier ist mehr los, als das bloße Auge erkennen lässt. „The Hiss“, das Zischen, eine übernatürliche Bedrohung ist ins Haus eingedrungen und übernimmt die Macht und korrumpiert die Angestellten des FBC.

Als neue Direktorin ist es Jesse Aufgabe, dass Zischen zu vernichten, Ordnung wieder einkehren zu lassen und dabei weiterhin ihren persönlichen Fragen auf den Grund zu gehen. Noch mehr Details zu erläutern, würde die Geschichte zu sehr spoilern, darum erspare ich dir weitere Einzelheiten. Die circa zehnstündige Hauptgeschichte, die Spielzeit wird jedoch durch interessante Nebenmissionen verlängert, lässt genug Neugierde erwecken, um den unterschiedlichen Geheimnissen auf den Grund gehen zu wollen. Einzig und allein die steifen Animationen der Gesichter und die leblosen Augen der Charaktere, mit der Ausnahme von Jesse, reißen einen etwas aus der Immersion heraus.

Um mit der übernatürlichen Macht fertig zu werden, stehen Jesse ihre eigenen überirdischen Fähigkeiten und ihre ungewöhnliche Waffe zur Verfügung. Mit ihrer veränderbaren Form, kann sie insgesamt fünf verschiedene Arten von Waffen innehalten und annehmen. Allerdings können nur zwei Formen gleichzeitig ausgestattet sein, welche jedoch jederzeit austauschbar sind. Du hast die Auswahl zwischen Griff (einer normalen Pistole), Schmetterer (Shotgun), Stich (Sniper), Dreh (SMG) und Lader (Granatwerfer). Alle Waffen können ebenfalls durch Mods leicht verändert und nach deinem Belieben modifiziert werden.

Abwechslungsreiche Action mit dem übernatürlichen Touch

Deine Fähigkeiten verleihen Control die gewisse Würze im Kampf. Ein Psy-Schlag als Nahkampf, das Schleudern (eine telekinetische Fähigkeit, um Gegenstände zu werfen), eine Schild-Fähigkeit, das Übernehmen von Gegnern, in der Luft schweben und ein schnelles Ausweichen lassen dich jeden Kampf so angehen, wie du es möchtest.

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Das Mischen und die Kunst, die Balance zwischen deiner Waffe und deinen Fähigkeiten zu halten, ist im Kampf der Schlüssel zum Erfolg. Remedy Entertainment ist bekannt für ihre Action, aber hier bringen sie es für ihr Niveau auf ein neues Level. Hektische, effektvolle und übernatürliche Kämpfe zwingen dich zum schnellen Reagieren und Agieren, um am Leben zu bleiben. Das horten von Med-Kits oder ähnlichem bleibt in Control allerdings aus. Die einzige Möglichkeit sich im Kampf zu heilen, ist die, im Gefecht zu bleiben. Besiegte Gegner lassen Health-Points fallen und zwingen dich dazu, dich in den Kampf zu stürzen. HP werden nicht automatisch regeneriert und Gegenstände zum heilen gibt es nicht. Du musst in Bewegung bleiben, da die Gegner versuchen dich konstant zu umzingeln und Kämpfen deine einzige Option ist, am leben zu bleiben. Spielern, denen die Geschichte und das Erkunden der mysteriösen Welt weitaus mehr am Herzen liegt als die Action, könnten hiervon vielleicht abgeschreckt werden.

Die Action ist einer der Stärken des Spiels. Durch die interaktive und reagierende Umwelt, bleibt kein Raum im Kampf unverändert. Papier fliegt umher, Bürostühle und andere Büro-Gegenstände werden als Schleuderobjekte verwendet. Falls nichts anderes gefunden wird, kann Jesse selbst Beton aus den Wänden und dem Boden ziehen, um es den Zischern an den Kopf zu werfen.

Vor allem der Partikeleffekt bei besiegten Gegnern wird nie unansehnlich. Jeder bezwungene Gegner explodiert leicht und hinterlässt eine ölig schimmernde Wolke. Stell dir die Lobby-Szene aus dem ersten Matrix Teil vor, in der Neo und Trinity kämpfen, nur mit übernatürlichen Fähigkeiten und noch mehr Effekten. Jeder Kampf aus Control gleicht dieser Beschreibung. Leider zeigt das Spiel hierbei nicht nur eine schöne, sondern auch hässliche Seite. Des Öfteren kommt es vor, dass durch die Anzahl an Effekten der Überblick verloren geht. Außerdem waren die Effekte für meine PS4-Pro oftmals derartig zu viel, dass es entweder zu Lags oder zu starken Frame-Drops kam. Bei solch einer actiongeladener Erfahrung, welches ein sehr stimmiges Kampfkonzept aufweist, reißt es einen aus dem Spaß heraus und senkt die Erfahrung.

Jegliche Naturgesetze werden außer Kraft gesetzt

Das „Älteste Haus“ stellt eine neue Art von Erforschung und Exploration für Remedy Entertainment dar. Kein linearer Verlauf und mehr Gewichtung auf Erkundung und Mysterien. Es steckt mehr im Haus, als es den Anschein macht. Ein in sich stetig wechselndes Subjekt, welches in Wahrheit mehr als nur ein simples Bürogebäude ist. Die Wände zwischen verschiedenen Welten innerhalb dieses Gebäudes sind dünn, buchstäblich, und lassen andere Dimensionen ineinander überlaufen. Gelände und Terrain innerhalb der Mauern sind unterschiedlich, abwechslungsreich und dürften eigentlich gar nicht existieren. Das Übernatürliche ist im Ältesten Haus omnipresent.

Das Aufsuchen von Geheimnissen ist durch den Metroidvania-Stil des Spiels nicht nur wünschenswert, sondern zeigt auch mitunter die interessantesten Umgebungen und schwersten Herausforderungen auf. Durch das Erlangen neuer Fähigkeiten werden vorerst unzugängliche Bereiche zugänglich und erweitern deine Neugier, um die merkwürdigen Geschehnisse vielleicht doch zu verstehen. Erinnerst du dich noch an die „Traum-Sequenz“ aus dem ersten Max Payne? Dieses damalige Gefühl beim Spielen wird über den gesamten Verlauf in Control aufrechterhalten. Das Ungewöhnliche ist hier gewöhnlich und es liegt an dir, die Geheimnisse aufzuschlüsseln, zu verarbeiten und die übernatürliche Macht der Zischer aus dem Ältesten Haus zu vertreiben. Als neue Direktorin musst du die Kontrolle zurückerlangen.

Mein Fazit zu Control

„Weird“… von Sekunde eins und das im positiven Sinne. Die Action besitzt einen mehr als erfreuenden Schwierigkeitsgrad mit unterschiedlichen Herangehensweisen. Besonders, weil sich der Spieler nicht nur auf eine Fähigkeit oder einer Waffenform ausruhen kann. Da eine Balance zwischen den verschiedenen Kampfmitteln gefunden werden muss, bringt eine mehr als zufriedenstellende Actionerfahrung. Einzig und allein die technischen Probleme halten Control in diesem Aspekt zurück. Die Überraschungselemente der Geschichte und der Welt bleiben nicht aus. Control entlockt mir ein perplexes und oft verwirrtes, aber auch zufriedenes Lächeln.

Wird die gefallen, wenn Action, das Übernatürliche und die Erkundung dessen dich auf Trapp halten.

Wird dir nicht gefallen, wenn die technische Performance hochklassig sein soll und du die Geschichte auf dem Silbertablett präsentiert bekommen musst.

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