Final Fantasy VIII Remastered im Test: Ich habe sehr gemischte Gefühle

Laura Li Tung 4

Während ein Fan der Serie wahrscheinlich längst zugegriffen hat, spielst du vielleicht noch mit dem Gedanken dir diesen Klassiker auf dem PC, der PS4, der Switch oder der Xbox One zu holen? Deine Bedenken sind berechtigt. Warum das so ist, erfährst du in diesem Artikel.

Hinweis: Ich möchte hier erwähnen, dass ich Final Fantasy liebe. Die packenden Geschichten, das großartige Gameplay und die Kompositionen des unverkennbaren Gottes Nobuo Uematsu – besonders zu den alten Teilen werde ich immer zurückkehren. Meine Wertung bezieht sich größtenteils auf die Remastered-Version von Final Fantasy VIII.

Hallo aus der Nostalgie-Blase

Als ich sechs war, lernte ich lesen mit „Secret of Mana“ – Englisch verstand ich schon früh, denn neben der PAL-Konsole kam auch ein Importgerät ins Haus, auf dem ich unter der Anleitung meiner Mutter „Chrono Trigger“ spielte. Mit neuem Wortschatz gewappnet, widmete ich auch Final Fantasy III (in Japan „VI“). Wie du siehst, hat der japanische Publisher und Entwickler, damals noch unter dem Namen „Squaresoft“ bekannt, einen wichtigen Teil zu meiner Jugend, ja sogar zu meiner Erziehung beigetragen.

Der Tag an dem meine Mutter mir erzählte, dass Squaresoft zukünftig für Sony produzieren würde, war ein schwarzer Tag, an den ich mich noch wie gestern erinnere. Ich war noch sehr jung und trotzdem wusste ich, dass sich von nun an alles ändern würde.

Gegen Ende September 1995 kam die PlayStation 1 nach Deutschland. Sie war eine Revolution in 3D. Weitere zwei Jahre haben meine Mutter, die damals extrem zu meinem Konsum von JRPGs beitragen hat, und ich auf den Release des neuen Final Fantasy-Teiles hin gefiebert. Wir wurden nicht enttäuscht.

Final Fantasy VII, VIII und auch IX sollten sich als Spiele entpuppen, die sich noch heute in meiner persönlichen Bestenliste befinden. Da mir die Serie sehr am Herzen liegt, habe ich „Final Fantasy VIII Remastered“ genauer unter die Lupe genommen und möchte mit euch Gedanken teilen, die mich während meiner Spielzeit beschäftigt haben.

Wenn die Nostalgie-Blase platzt

Es mag vielleicht wie Jammern auf hohem Niveau klingen, aber der Unterschied zur ursprünglichen Fassung auf der PS1 ist nicht gravierend. Lediglich die Charaktere wurden aufgehübscht. Die Hintergründe wurden geblurrt und auch die Weltkarte bleibt schlicht und ergreifend in „guter“, aber alter PS1-Qualität.

 „Habe gestern kurz angespielt. Viel remastered kann ich da nicht erkennen. Nun ja, ist ja kein Remake. Vielleicht kann man die Hintergründe nicht besser machen.

Sätze meiner Mutter beschreiben ganz gut, wie unbeeindruckt auch ich mich fühlte.

Auch am Format hat sich nichts geändert. Wer auf HD gehofft hat, wird bitterlich enttäuscht sein. Des Weiteren ist ernüchternd, dass die Kämpfe, wie auch schon im Original auf 15 FPS stattfinden, während in der Welt 30 FPS an der Tagesordnung stehen. Meh.

Final Fantasy VIII Remastered fühlt sich an, als habe Square versucht, die schwarz gewordenen Stellen eines Kuchens mit Sahne zu verdecken. Das Grafik-Update ist die Kirsche oben drauf. Happy Birthday Final Fantasy VIII. Frohen 20. Geburtstag.

Aber das war noch nicht alles

Neben aufgehübschter Grafik, enthält die Remastered-Version folgende „Verbesserungen“:

  • Eine Art „Kampfhilfe“: Bedeutet, dass du HP/MP stets auf einem Maximum halten und Spezial-Techniken (Limit Break) jederzeit nutzen kannst
  • Die Möglichkeit Zufallsbegegnungen abzuschalten: Mit dieser Option kannst du die Geschichte ungestört genießen. Auch mit deaktivierten Zufallsbegegnungen kannst du weiterhin die für die Story wichtigen Hauptkämpfe genießen.
  • 3x Geschwindigkeitsschub: Spiele in dreifacher Geschwindigkeit.
  • Die PC-Version enthält zusätzliche Funktionen: „Alle Items“ (Besitz aller Items, mit einigen wenigen Ausnahmen), „Alle Abilities“, „G.F. maximales Level“, „Maximale Gil“, „Maximale Magie“, „Alle Spezial-Techniken“ und „Alle Karten“ (Besitz aller Triple-Triad-Karten, mit Ausnahme seltener Karten).“

Ist das jetzt gut oder schlecht?

Für mich? Eindeutig fehl im Platze. Ich liebe das Spiel, so wie es ist. Es fühlt sich falsch an, die Möglichkeit zu haben, cheaten zu können. Ich verstehe, dass diese Optionen das Spiel einfacher macht und einem neuen Spieler hilft, die Story ungestört zu genießen. Aber war Final Fantasy VIII jemals so schwer, dass Cheats notwendig wären?

Du wirst jetzt vielleicht denken, dass ich mich nicht beklagen solle, dass ich diese „Cheats“ nicht nützen müsse. Du hast recht, mich stört jedoch schon, dass die Möglichkeit zu cheaten überhaupt gegeben ist. Es ist ein Retro-Game. Es gehört so.

Mein Fazit zu Final Fantasy VIII Remastered

Während Final Fantasy VIII Remastered einem Anfänger die Chance gibt, einen Klassiker ohne Umschweife zu erleben, bietet es auch einem alteingesessenen Fan der Serie eine Möglichkeit das Spiel im Schnelldurchlauf durchzuspielen, wenn er es darauf anlegt, vor allem die Handlung zu genießen. Allerdings ist diese Remastered-Version nicht das, was das Spiel verdient hat.

Und die Frage, ob es „remastered“ genug ist, um auch neue Spieler zu überzeugen, bleibt offen.

Dass Squall nun wirklich der schönste Typ im Raum ist, bleibt ein schwacher Trost. Wie wäre es mit einem richtigen Remake, Square-Enix?

Wird dir gefallen, wenn du offen bist den Klassiker neu zu erleben oder es noch nie gespielt hast und dir vor allem die Story eines Spiels wichtig ist.

Wird dir nicht gefallen, wenn du so ein verkorkster elitärer JRPG-Spieler bist, wie ich.

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