Das Nothing Phone (1) ist das erste Smartphone des OnePlus-Mitgründers Carl Pei. Ich war skeptisch, ob mich dieses Handy im Alltag überzeugen würde. Der Hype darum hat mich zuletzt nämlich eher abgeschreckt statt dafür begeistert. Im Endeffekt ist Nothing der Einstand aber gelungen. Und die Glyph-Beleuchtung hat dabei kaum eine Rolle gespielt.

Nothing Phone (1) im Test: Fazit

GIGA-Wertung: 7.6 / 10

Das Nothing Phone (1) hat mich im Großen und Ganzen überzeugt. Besonders gut gefallen mir das Design, die Verarbeitungsqualität, Akkulaufzeit und Software – wobei bei der Software noch viele Kleinigkeiten verbessert werden müssen. Die Glyph-Beleuchtung ist ganz cool zum Vorführen, sonst in meinen Augen eher ein Gimmick. Ich bevorzuge das Always-On-Display.

Viel zu kritisieren gibt es beim Nothing Phone (1) eigentlich gar nicht. Die vielen kleinen Software-Problemchen müssen halt gelöst werden. Vielleicht schafft es das Unternehmen zudem, die Bildqualität der Kameras noch etwas zu verbessern. Ansonsten hat mich das Smartphone insgesamt positiv überrascht. Es handelt sich um ein solides Mittelklasse-Handy mit einigen Besonderheiten. Ich bin sehr gespannt, was Nothing sonst noch so plant.

Nothing Phone (1) – 8 GB RAM + 128 GB, Glyph Interface, 50-MP-Dualkamera, Nothing OS, OLED-Display (
Nothing Phone (1) – 8 GB RAM + 128 GB, Glyph Interface, 50-MP-Dualkamera, Nothing OS, OLED-Display (
Preis kann jetzt höher sein. Preis vom 03.10.2022 13:04 Uhr

Vorteile:

  • Design
  • Performance
  • Software
  • Kabellose Ladefunktion
  • IP53-Zertifzierung
  • Update-Garantie

Nachteile:

  • Viele kleine Software-Bugs
  • Kein Netzteil im Lieferumfang

Kurze Vorgeschichte

Nothing ist ein recht neues Unternehmen, das vom Mitgründer von OnePlus Carl Pei aufgebaut wurde. OnePlus wurde dafür in Oppo integriert und baut weiterhin Smartphones. Nothing hat zunächst mit den Ear (1) In-Ear-Kopfhörern begonnen und mit dem Phone (1) ein Smartphone nachgeschoben. Zukünftig dürften noch weitere Produkte erscheinen. Im Video könnt ihr den ersten Eindruck von Frank anschauen.

Nothing Phone 1 Hands-On: Viel Lärm um NOTHING? Abonniere uns
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Starke iPhone-Vibes

Der Rahmen des Nothing Phone (1) erinnert stark ans iPhone. (Bildquelle: GIGA)

Das Design des Nothing Phone (1) ist schon besonders. Die Grundform mit dem Rahmen erinnert sehr stark an ein iPhone, was nicht schlimm ist, denn der Rest ist eigenständig. Besonders die transparente Rückseite mit der Glyph-Beleuchtung zieht Blicke auf sich. An der Front fällt der Rahmen um den 6,55-Zoll-OLED-Bildschirm zwar recht breit aus, doch er ist absolut gleichmäßig. Das schaffen viele Hersteller von Android-Handys nicht. Dann fällt das Kinn immer etwas breit aus, was die Ästhetik stört. Hier ist alles schön symmetrisch.

In der Hand liegt das Nothing Phone (1) genau wie ein iPhone. Es fühlt sich für die Größe aber relativ leicht an. Auch wenn ich das einerseits begrüße, hätte etwas mehr Gewicht einen hochwertigeren Eindruck vermittelt. Grundsätzlich bin ich mit der Qualität des Smartphones zufrieden. Mir sind keine Probleme aufgefallen, die im Netz diskutiert werden. Unsere schwarze Version ist aber ein echter Fingerabdruckmagnet.

Auffälliges Design

Die transparente Rückseite des Nothing Phone (1) ist ein echtes Highlight. (Bildquelle: GIGA)

Die Kombination aus iPhone-Rahmen und der transparenten Rückseite sorgt für Aufsehen. Bei der weißen Ausführung sicher mehr als der schwarzen Version, die wir haben, wo man schon genau hinschauen muss. Ich hab das Smartphone auch ohne Hülle genutzt, denn es liegt ziemlich sicher in der Hand. Das hätte ich beim ersten Anblick nicht gedacht.

Die Glyph-Beleuchtung ist für mich eher ein Gimmick. (Bildquelle: GIGA)

Die Glyph-Beleuchtung ist als Gimmick ganz nett, mehr aber auch nicht. Aus welchem Grund sollte ich mein Smartphone auf das Display legen und im Grunde Morsecode lernen, um zu wissen, wer mich anruft, während ich einfach das Always-On-Display einschalten kann, wo dann steht, wer anruft oder mir Nachrichten schreibt. Als zusätzliche LED-Beleuchtung beim Filmen sicher nett, sonst in meinen Augen eher überflüssig.

Aber ich verstehe auch, wieso Nothing das gemacht hat. Es ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal, mit dem man ins Gespräch gekommen ist, und zum Demonstrieren vor Freunden sicher ganz cool. Aktiv genutzt habe ich es aber nicht und ich kann mir nicht vorstellen, dass das viele Menschen machen. Dazu ist das Always-On-Display viel praktischer. Ich schätze aber die transparente Rückseite. Davon bin ich ein großer Fan.

Display könnte heller sein

Besonders jetzt im Sommer würde ich mir beim Nothing Phone (1) eine etwas höhere Displayhelligkeit wünschen. (Bildquelle: GIGA)

Das OLED-Display des Nothing Phone (1) misst 6,55 Zoll und löst mit FHD+ auf. Die Helligkeit gibt Nothing mit bis zu 700 Nits an. Das geht absolut in Ordnung und liegt nur knapp unter einem Galaxy A53, das maximal 800 Nits erreicht. Trotzdem hätte ich mir besonders jetzt im Sommer ein etwas helleres Display gewünscht. Die aufgetragene Schutzfolie könnte aber auch ein Grund für die verminderte Ablesefähigkeit sein, denn diese spiegelt recht stark.

Maximal arbeitet das Display mit 120 Hz, die kann man als Nutzer aber nicht fest einstellen, sondern nur eine Automatik nutzen. Die arbeitet im Großen und Ganzen relativ zuverlässig. Ab und zu ist mir aber im Chrome-Browser auf Twitter aufgefallen, dass die Bildwiederholfrequenz ohne Grund sinkt und nicht mehr so flüssig gescrollt werden kann. Ich denke, dass das noch per Software gefixt werden kann. Grundsätzlich finde ich das Display für die Preisklasse in Ordnung.

Der Fingerabdrucksensor sitzt unter dem Display und arbeitet optisch. Mir ist dieser viel zu tief angebracht. Das Problem habe ich bei vielen günstigen Smartphones. Der Fingerabdrucksensor arbeitet aber schnell und zuverlässig. Das ist nach dem Test des Pixel 6a eine kleine Wohltat, wo der Fingerabdrucksensor eher mäßig funktioniert. Wäre der Sensor im Nothing-Handy zwei Zentimeter höher angebracht, wäre es perfekt.

Eine Kuriosität ist mir während des Fahrradfahrens aufgefallen. Ich hatte das Nothing Phone (1) in der Hosentasche und beim Sport etwas geschwitzt. Das hat gereicht, dass sich das Smartphone in der Hosentasche einfach aktiviert und unzählige Male den falsche PIN annimmt. Eigentlich wird das Display in der Hosentasche ausgeschaltet, indem der Annäherungssensor erkennt, dass man das Handy in der Tasche hat. Hätte natürlich auch schief gehen können, wenn der Notruf in der Hosentasche alarmiert wird und ich es gar nicht mitbekomme. Das muss auch behoben werden.

Leistung geht in Ordnung

Im Großen und Ganzen arbeitet das Nothing Phone (1) flüssig. (Bildquelle: GIGA)

Im Nothing Phone (1) arbeitet ein Snapdragon 778G+, der in unserem Testgerät von 12 GB RAM und 256 GB internem Speicher unterstützt wird. Mehr geht in dem Fall nicht. Ich finde die Performance des Handys in den meisten Fällen sehr gut. Das liegt vermutlich auch daran, dass bei der „Nothing OS“-Oberfläche nur Kleinigkeiten angepasst wurden, sodass die Leistung nicht negativ beeinflusst wird. Ansonsten gibt es halt pures Android 12. Das Betriebssystem, Apps und auch sonst alles läuft eigentlich flüssig.

Doch es kommt auch hin und wieder Mal vor, dass Ruckler auftauchen. Ist jetzt nicht wirklich störend, fällt mit der Zeit aber auf. Auch beim Rotieren des Displays kommt es teilweise zu Bildstörungen. Daran muss Nothing also noch arbeiten. Tut es auch, denn es gab schon Updates. Zudem gilt eine Update-Garantie von drei neuen Android-Versionen und vier Jahren Sicherheitsupdates. Weniger als bei Samsung oder Google, aber mehr als bei vielen anderen Smartphones-Herstellern.

Pures Android mit Pixel-Grafik

Das Nothing Phone (1) setzt oft auf eine Pixel-Grafik. (Bildquelle: GIGA)

Ich persönlich bin ein großer Fan der Pixel-Grafiken und -Texte, die Nothing im Phone (1) nutzt. Sei es die Ladeanimation, wenn das Smartphone ausgeschaltet ist und sich auflädt, oder das Always-On-Display. Die Pixel-Schrift ist einfach ein Nerd-Traum. Ansonsten bekommt ihr wie schon erwähnt fast pures Android mit kleineren Zusätzen wie für die Einstellung der Glyph-Beleuchtung.

Perfekt ist das Betriebssystem aber nicht, denn mich stört beispielsweise, dass wenn ich die Akzentfarbe ändere, diese nicht überall übernommen wird. So habe ich im App-Drawer weiterhin eine andere Akzentfarbe als in den Schnelleinstellungen. Wenn ich beispielsweise auf die Einstellungen gehe, dann ändert sich die Farbe ganz kurz in die richtige Akzentfarbe und das Menü wird geöffnet. Von solchen Kleinigkeiten gibt es einige. Auch hier bin ich mir sicher, dass Nothing das alles mit der Zeit noch behebt.

Ansonsten funktioniert das Betriebssystems für mich. Es ist pures Android mit kleinen zusätzlichen Funktionen und der Pixel-Schrift. Hier hat Nothing nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig gemacht. Die vielen kleinen Fehler müssen mit der Zeit natürlich behoben werden. Das werden wir in jedem Fall beobachten.

Kamera schwächelt im Dunkeln

Die Hauptkamera des Nothing Phone (1) macht gute (Bildquelle: GIGA)

Solange genug Licht vorhanden ist, arbeitet die Hauptkamera des Nothing Phone (1) ziemlich gut. Der Autofokus ist schnell, die Farben wirken natürlich und nicht zu übersättigt, die Auslöseverzögerung geht in Ordnung. Mit der Hauptkamera habe ich gern fotografiert. Der Weitwinkel ist dagegen in den gleichen Lichtverhältnissen eher schwach. Man sieht den qualitativen Unterschied schon deutlich. Hier wurde am Sensor etwas gespart. In der Nacht wird es dann etwas schwieriger. Wenn ihr das Handy ruhig halten könnt, dann werden die Fotos mit dem Hauptsensor auch anständig. Die Auslöseverzögerung ist aber etwas zu hoch. Das Pixel 6a (Test) ist da überlegen. Nachfolgend einige Schnappschüsse, die ich mit dem Nothing Phone (1) gemacht habe:

Akkulaufzeit überzeugt

Das Nothing Phone (1) kann per Kabel und kabellos aufgeladen werden (Bildquelle: GIGA)

Im Nothing Phone (1) ist ein 4.500-mAh-Akku verbaut, der mich immer durch den Tag gebracht hat. Die Effizienz des Smartphones mit aktiviertem Always-On-Display und 120 Hz ist beeindruckend. Selbst bei intensiver Nutzung musste ich während eines normalen Tages nicht nachladen. Wenn ich das Handy mal weniger genutzt habe, dann hat es auch für zwei Tage ausgereicht. Das ist super.

Mir ist dabei aber aufgefallen, dass im Stand-by-Modus relativ viel Energie verbraucht wird. Ich hab das Smartphone zu Testzwecken komplett aufgeladen und einfach mal 24 Stunden liegen lassen. In der Zeit hat es eigentlich nichts getan, außer natürlich synchronisiert, und da hat es 34 Prozent an Akkuleistung verloren. Das kommt mir etwas viel vor für ein Smartphone, das nichts macht. Kann mit einem Update natürlich auch behoben werden. Andere Handys verbrauchen beim Nichtstun nicht so viel Energie.

Obwohl das Nothing Phone (1) mit 469 Euro in der Mittelklasse angesiedelt ist, kann es kabellos aufgeladen werden. Das ist ein großer Vorteil im Vergleich zur Konkurrenz. Ich hab überall kabellose Ladestationen aufgebaut und ärgere mich immer, wenn ich günstige Handys teste, die dann nur per Kabel aufgeladen werden können. Hier ist das zum Glück nicht der Fall.

Wertungen im Detail

KategorieWertung (max. 10)
Nachhaltigkeit7
Verarbeitung, Haptik und Design8
Display7
Kameras7
Software8
Performance9
Telefonie und Audio7
Speicher7
Akku und Alltag9
Gesamt7.6

Hinweis: Die Kategorie „Nachhaltigkeit“ wird zu 10 Prozent auf die Gesamtnote gerechnet.